Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

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13. Sonntag B
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Predigten

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Predigt zum Evangelium:   Mk 5,25-34

Predigttext:      Mk 5,25-34

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Da sagt Jesus am Ende zu dieser Frau: „Geh, dein Glaube hat dir geholfen.“ Er sagt eigenartigerweise nicht: „Ich habe dir geholfen, oder der Vater im Himmel hat dir geholfen oder dein Gebet hat dir geholfen.“ Nein, er sagt: „Dein Glaube hat dir geholfen.“  Der Glaube ist gleichsam die Kraftquelle, wo die Energie, die heilende Kraft Gottes angezapft wird. Die heilende Kraft Gottes ist da, aber durch den Glauben wird diese heilende Kraft Gottes gleichsam freigesetzt.

Wir wollen uns diesen Glauben einmal ein bisschen näher anschauen.

Ein Erstes:

Der Testfall für unseren Glauben ist nicht der Sonntagsgottesdienst. Da kann man schnell seinen Glauben bekennen. Der Testfall des Glaubens ist auch nicht eine Wallfahrt nach Kevelaer mit festlichem Gottesdienst und schönen Gesängen. Der Testfall des Glaubens ist auch nicht die Fahrt zu einem Katholikentag oder ähnliches. Der Testfall des Glaubens ist, wenn wir - menschlich gesprochen - in Situationen kommen, wo wir keinen Ausweg mehr sehen. Wo wir menschlich gesprochen keine Möglichkeiten mehr haben. Dann ist der Ernstfall des Glaubens da, und dann zeigt sich, welche Kraft unser Glaube hat.

 

Was war denn die Situation dieser Frau? Ganz schlicht: Sie litt seit zwölf Jahren an Blutungen. Nun, Blutungen sind für eine Frau immer etwas Unangenehmes. Und wenn es nicht die Monatsblutungen sind, sondern eine krankhafte Blutung ist, dann ist es nicht nur unangenehm, sondern vielleicht auch noch gefährlich. Und wenn das zwölf Jahre so geht, das heißt schon was.

Aber damals in Israel bedeutete das noch etwas ganz anderes. Eine Frau war während der Zeit ihrer Blutung unrein, gleichgültig, ob es die Monatsblutungen waren, oder ob es eine krankhafte Blutung war. Das bedeutete, sie durfte während dieser Zeit nicht am Gottesdienst teilnehmen. Und wenn diese Frau zwölf Jahre an Blutungen litt, dann heißt das ganz praktisch: Sie war zwölf Jahre „exkommuniziert“, modern gesprochen.

Und noch eine Stufe schlimmer. Jeder, der während der Zeit der  Blutung mit so einer Frau Kontakt hatte und ihr auch nur die Hand gab zur Begrüßung, der wurde auch unrein. Und damit bedeutete das: Diese Frau war praktisch zwölf Jahre vom religiösen und vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Und die kommt jetzt und berührt das Gewand Jesu, und Jesus dreht sich um und fragt: „Wer hat mich berührt?“ Da kann man sich vorstellen, warum die Frau ganz zitternd ankommt. Sie fühlt sich wie eine Sünderin, die auf frischer Tat ertappt wurde, weil sie ja durch ihre Berührung Jesus unrein machte nach damaligem Maßstab. Und dann kann man sich auch vorstellen, warum diese Frau ihr ganzes Vermögen für die Ärzte ausgegeben hat. Da mag mancher Kurpfuscher dabei gewesen sein. Nicht umsonst heißt es im Evangelium: „Sie hatte von ihren Ärzten viel zu leiden. Aber es hatte nichts geholfen, es war nur noch schlimmer geworden.“ Alle Ärzte haben ihr gesagt: aussichtslos, damit musst du leben, du hast keine Chance mehr.

Und hier setzt der Testfall des Glaubens ein. Was tut diese Frau als die Ärzte sagen, keine Chance mehr? Oder zunächst einmal, was tut diese Frau nicht? Sie begehrt nicht auf. Sie fängt nicht an zu stöhnen: „Wie kann Gott das alles zulassen? Ich bin doch früher immer zum Gottesdienst gegangen und jetzt darf ich nicht mehr.“ Aber sie resigniert auch nicht und sagt Schulter zuckend: Ich kann eben nichts machen. Mancher normale Katholik würde heute ein religiöses Mäntelchen drum hängen und würde sagen: „Das ist mein Kreuz, das hat Gott mir auferlegt.“

Aber so reagiert diese Frau gerade nicht. Als menschlich gesehen keine Hilfe mehr möglich war da rechnet sie immer noch damit: Dieser Jesus von Nazareth kann mir helfen. Der hat einem Bartimäus geholfen, der hat dem Gelähmten geholfen, den sie durchs Dach gelassen haben, der hat Tote auferweckt, dann wird er mir auch helfen können.

Das ist der Glaube, der damit rechnet: Gott kann, auch wenn Menschenmacht unmöglich geworden ist.

Und wie sieht dann dieser Glaube ganz praktisch aus, wie äußert er sich? Die Frau geht von hinten an Jesus heran und berührt sein Gewand. Sie denkt sich: Wenn ich auch nur die Quaste, den Zipfel seines Gewandes berühre, dann werde ich geheilt.

Und ich höre schon alle Theologen, die im Gefolge Jesu waren, wie die die Nase rümpfen und sagen: Das ist doch reiner Aberglaube. Das Berühren eines Gewandes kann doch einem Menschen nicht helfen. Das ist doch reiner Aberglaube.

Wenn wir eine Wallfahrt nach Kevelaer machen, was meinen sie, wie viel Kerzen da angesteckt werden. Und hinter jeder Kerze, die da angezündet wird, verbirgt sich ja auch ein Gebetsanliegen. Da kann man auch sagen: Das ist doch reiner Aberglaube, die Kerze hilft dir überhaupt nichts.

Ich kann mich erinnern: Als ich Kaplan war, hatte ich einmal morgens um sieben Uhr die Frühmesse. Da haben zwei Messdiener gedient, die kurz vor dem Abitur standen, und die an dem Tag eine Klausur schrieben, eine wichtige Klausur. Und einer von diesen jungen Männern ging nach der Messe zur immerwährenden Hilfe und steckte eine Kerze an, als sichtbaren Ausdruck seines Gebetes, dass die Muttergottes ihm helfen möge. Der andere hat das gesehen und hat das in der Klasse erzählt. Und dann sind die über diesen jungen Mann hergefallen wie die Geier und haben ihn lächerlich gemacht: „Du bist doch wohl bescheuert! Als wenn eine Kerze dir bei der Klassenarbeit hilft. Da muss man arbeiten, aber nicht Kerzen anzünden.“ Natürlich muss man arbeiten. Die Kerze ersetzt auch nicht die Arbeit, sondern dahinter äußert sich ganz versteckt der Glaube.

Vielleicht rufen alle Theologen: „Aberglaube!“ Aber Jesus sieht den echten Glauben dieser Frau. Und der äußert sich bei einfachen Menschen manchmal in so ganz schlichten Zeichen, wo die Gebildeten die Nase rümpfen. Ob das ist, dass einer Kerzen anzündet, ob einer Weihwasser gebrauchen, oder hier wie bei dieser Frau: „Wenn ich auch nur die Quaste seines Gewandes berühre, dann werde ich geheilt.“ Jesus sieht den wahren Glauben dieser Frau.

Und Jesus möchte uns durch diese Geschichte sagen: Wenn Du in Situationen kommst, wo Du menschlich nicht mehr weiter weißt, glaube an einen Gott, der auch dann noch Möglichkeiten hat.

Gut, ich weiß auch, viele haben gebetet, und es hat scheinbar nichts geholfen. Solche Menschen will ich nicht verurteilen und auch das Evangelium will über solche Menschen nicht den Stab brechen. Aber es will uns Mut machen, weiter zu gehen. Glaube nur! Gott kann!  Amen.

 

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