Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

14. Sonntag A
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Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

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Predigt zur 1. Lesung: Sach 9,9-13

Predigt zum Evangelium:  Mt 11,25-30

Predigt zum Evangelium: Mt 11,26

Predigttext: Sach 9,9-13

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Vielen Christen ist dieser Lesungstext bekannt von dem Lied, das wir in unseren Kirchen singen: „Tochter Zion, freue dich! Sieh dein König kommt zu dir!“ Es ist ein Lied mit der wunderbaren Melodie aus dem Oratorium „Judas Makkabäus“ von Georg Friedrich Händel. „Tochter Zion, freue dich!“

Unsere Lesung aus dem Propheten Sacharja führt uns in die Zeit Alexanders des Großen. Er war König von Mazedonien im Norden Griechenlands. Er hat gelebt von 356 bis 323 vor Christus. Er war in dieser Zeit die große Welt bewegende und Welt verändernde Feldherrngestalt. Im Jahre 331 zieht Alexander der Große siegreich an der syrisch-palästinensischen Küste entlang. Das ist die Küste des Volkes Israel zum Mittelmeer hin. Er nimmt im Handstreich die stark befestigte Hafenstadt Tyrus ein, die im Altertum als unannehmbar galt. Und er bewegt sich mit seinem Kriegsheer weiter in Richtung Ägypten, um im Nildelta zum eigenen Ruhm als Zeichen seiner dauernden Präsenz die Stadt Alexandria zu gründen, die nach seinem Namen, Alexander der Große, genannt ist.

 

Das Volk Israel spielt in dieser Zeit politisch praktisch keine Rolle. Es ist ein unscheinbares, kleines, gedemütigtes Volk. Das Volk Israel hatte einmal eine große Blütezeit erlebt unter König David und König Salomo. Aber in der Folgezeit wurde das Reich geteilt in das Nordreich und das Südreich. Sowohl das Nordreich Israel, das in unserer Lesung Ephraim genannt wird, als auch später das Südreich sind von Gott gleichsam ausradiert worden. Sie hatten Götzendienst getrieben, und schließlich müssen sie ins Exil, das Nordreich nach Assyrien, das Südreich in die babylonische Gefangenschaft.

Gut, Gott hatte eingegriffen. Er hatte unter dem Perserkönig Cyrus das Volk wieder zurückkehren lassen nach Jerusalem. Aber es war ganz bescheidenes Dasein, das das Volk Israel nach der Babylonischen Gefangenschaft fristete. Es war nichts mehr von der Größe und von dem Glanz des Königreichs Salomos vorhanden.

 

Aber eins hat Israel immer festgehalten auch in dieser Zeit, dass Gott einmal einen Messias senden würde. Schon beim Propheten Jesaja kommen im 52. Kapitel viele Anklänge auch an unsere Lesung. Da heißt es bei Jesaja 52 in Vers 7: „Wie lieblich sind auf den Bergen in die Füße des Freudenboten, der Frieden verkündet, der frohe Botschaft sagt, der das Heil ankündigt und zu Zion spricht: Dein Gott ist König. Brecht in Jubel aus und frohlockt, all ihr Trümmer Jerusalems. Denn der Herr tröstet sein Volk, er tröstet Jerusalem. Der Herr hat seinen heiligen Arm entblößt vor allen Völkern. Und alle Enden der Erde schauen das Heil unseres Gottes.“

Da klingt der gleiche Jubel auf, der unsere Lesung aus dem Propheten Sacharja durchzieht: „Tochter Zion, juble laut. Tochter Jerusalem, freue dich. Dein König kommt zu dir. Er verkündet Frieden den Völkern. Seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer, vom Euphrat bis an die Enden der Erde.“

 

Aber eins ist anders hier beim Propheten Sacharja. Da hat sich der Akzent ein ganz klein bisschen verschoben gegenüber dem Jubel, der noch beim Propheten Jesaja aufgebrochen war. Hier beim Propheten Sacharja ist die Rede davon, dass dieser König demütig ist. Er ist gerecht und hilfsbereit. Er reitet auf einem Esel, auf dem Fohlen einer Eselin. Der König ist nicht mehr ein strahlender Feldherr, der den Glanz eines König David oder eines König Salomo hat. Nein, von diesem König erwartet man: Er ist ein die demütiger König. Er ist gerecht und er hilft.

 

Übrigens, beim Propheten Jesaja gibt es im zweiten Teil ab Kapitel 40 vier so genannte Gottesknechtlieder, Lieder von einem Gottesknecht. Keiner weiß eigentlich so ganz genau, wer mit dem Gottesknecht bei Jesaja gemeint ist. Aber die Christen haben in diesem Gottesknecht Jesus Christus, ihren Herrn, wieder erkannt. Im ersten Gottesknechtslied, im Kapitel 42 beim Propheten Jesaja heißt es: „Seht mein Knecht, den ich stütze. Mein Erwählter, an dem ich Wohlgefallen habe. Ich lege meinen Geist auf ihn, damit er Völkern das Recht verkündet. Er wird nicht schreien und nicht lärmen. Er lässt nicht seine Stimme auf den Straßen hören. Das geknickte Rohr zerbricht er nicht. Einen glimmenden Docht löscht er nicht aus. In Treue trägt er das Recht hinaus. Er wird nicht ermatten und nicht zusammenbrechen, bis er das Recht auf Erden begründet hat. Und die Inseln (die äußersten Enden der damals bekannten Welt) warten auf seine Weisung.“

Hier ist die Rede von einem Gottesknecht und gleichzeitig von einem König, wie ihn der Prophet Sacharja erwartet: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir.“

 

Diese Lesung aus dem Propheten Sacharja ist ausgewählt worden für diesen Sonntag, weil es in unserem Evangelium aus dem Munde Jesu heißt: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig.“

Die Christen, haben in Jesus diesen Messiaskönig erkannt, von dem der Prophet Sacharja sprach. Und gleichzeitig hat man in diesem Jesus auch den Gottesknecht erkannt, der bei Jesaja die gleichen Züge trägt: Der das geknickte Rohr nicht bricht, der den glimmenden Docht nicht auslöscht, der zu den Stillen und Demütigen gehört.

 

Und als dann Jesus in Jerusalem einzieht auf dem Rücken eines jungen Esels, da wird für alle Menschen in Jerusalem deutlich: Jetzt erfüllt sich die Weissagung des Propheten Sacharja. Und darum fangen sie beim Einzug Jesu in Jerusalem an zu jubeln und zu jauchzen. Darum brechen sie Palmzweige von den Bäumen. Darum breiten sie ihre Kleider wie Teppiche über die Straße aus. „Juble laut, Tochter Jerusalem, jauchze, Tochter Zion. Siehe dein König kommt. Er ist gerecht und hilft. Er ist demütig und reitet auf dem Fohlen einer Eselin.“

Hier wird das Wirklichkeit am Palmsonntag in Jerusalem.

Aber der Einzug Jesu in Jerusalem ist nicht der Einzug eines Triumphators. Er ist nicht vergleichbar mit dem Marsch des Feldherrn Alexanders des Großen, der im Triumph die Küste entlang zieht. Nein, für Jesus beginnt mit diesem Einzug in Jerusalem sein Leidensweg, der dann am Kreuz endet. Und erst nach dem Kreuz kommt die Auferstehung, der Glanz der Herrlichkeit.  Amen.

 

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Predigttext:    Mt 11,25-30

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es ist richtig auffällig: Wenn man in die Städte hineingeht, vor allem in die etwas größeren Städte, dann sind dort in den letzten zwanzig Jahren überall Fitnessstudios entstanden. Bräunungsstudios, Fitnessstudios, wo man mit Hanteln, Gewichten und Krafttraining seinen Körper auf Vordermann bringen kann. Und es ist schon abenteuerlich, was die Leute sich das kosten lassen, körperlich fit zu sein, nicht nur Kosten an Geld, sondern auch Kosten an Zeit.

 

Aber es gibt nicht nur Fitnessstudios zur körperlichen Ertüchtigung, sondern das gibt es auch für die Seele. Wenn einer mit den Lasten seines Lebens nicht mehr fertig wird, wenn die Sorgen so über ihm zusammenschlagen, wenn er vielleicht sogar nachts nicht mehr schlafen kann, dann werden einem heute alle möglichen Kurse angeboten, angefangen mit autogenem Training usw. Ich habe vor einigen Jahren im Radio gehört: Es gibt sogar schon CDs, die auf das Unterbewusste wirken, die eine heilende Wirkung haben sollen. Was tut man nicht alles, um körperlich und seelisch fit zu sein. Wer möglichst wenig investieren will für die Seele, der kauft sich dann womöglich ein paar Schlaftabletten, wenn er Kummer hat, oder er trinkt ein Glas Alkohol zuviel.

 

Da kommt Jesus heute im Evangelium und sagt so ganz schlicht: Wenn du mit den Lasten deines Lebens nicht mehr fertig wirst, wenn du mühselig und beladen bist, dann komm zu mir; ich will dich erquicken. Das Wort ‚erquicken’ ist eigentlich nur ein altertümliches Wort für unser deutsches Wort ‚fit machen’. Jesus bietet uns ein Fitnesstraining an, umsonst. „Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken!“ Wenn ihr mit den Lasten des Lebens nicht mehr fertig werdet, kommt zu mir.

 

Ich will Ihnen von einigen Menschen erzählen, die das in aller Schlichtheit getan haben.

Da wird uns im Markusevangelium von einer Frau berichtet, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt. Das ist vielleicht heute nichts Schlimmes. Aber damals bedeutete zwölf Jahre Blutungen haben fast, ausgeschlossen sein aus der Gesellschaft. Da galt man nämlich als kirchlich, als kultisch unrein. Man durfte am Gottesdienst der Gemeinde nicht mehr teilnehmen, man durfte sich nicht unter die Leute wagen. Wenn der Mann mit einer solchen Frau verkehrte, dann wurde er auch unrein. Und das zwölf Jahre lang!. Und es steht da im Markusevangelium noch dabei: „Diese Frau hatte ihr ganzes Vermögen an die Ärzte drangegeben; keiner hatte ihr helfen können, es war nur noch schlimmer geworden.“ Was geben die Leute nicht alles aus.

Und dann kommt diese Frau zu Jesus und sagt sich: „Wenn ich auch nur den Zipfel seines Gewandes berühre, werde ich gesund.“ Ich höre schon, wie die Theologen sagen: Das ist doch der reinste Aberglaube! Wie kann denn der Zipfel eines Gewandes jemanden heilen? Aber diese Frau tut das einfach. Sie drängt sich durch die Menge zu Jesus und berührt den Zipfel seines Gewandes. Und sie wird gesund. Jesus dreht sich um und schaut die zitternde Frau an. Sie durfte ja eigentlich ja gar nicht in die Menge gehen. Jesus schaut sie an und sagt ihr: „Dein Glaube hat dich geheilt.“ Und was hat die Frau getan? Sie ist einfach nur zu Jesus gekommen.

 

Oder da wird uns erzählt von einem Mann, der Aussatz hatte im letzten Stadium. Das war damals etwas ganz Furchtbares, eine unheilbare Krankheit, die außerdem extrem ansteckend war. Wenn einer Aussatz hatte, dann war er praktisch schon lebendig gestorben. Er durfte nicht mehr im Dorf wohnen, sondern in Grabhöhlen außerhalb des Dorfes. Wenn er wirklich einmal aus den Höhlen herauskam, um Essen zu holen, das man ihm hingestellt hatte, dann musste er laut rufen: „Unrein, unrein!“ damit bloß keiner zufällig mit ihm Kontakt bekam. Und so ein Aussätziger im letzten Stadium, sieht von weitem Jesus und läuft auf ihn zu. Jesus war von einer großen Menschenmenge umgeben. Die Menschen sind entsetzt und laufen weg. Aber Jesus läuft nicht davon. Er lässt diesen Aussätzigen auf sich zukommen. Er hat im buchstäblichen Sinne keine Berührungsängste. Er rührt den Aussätzigen an und sagt: „Ich will, sei rein!“ Und der Aussatz wurde geheilt. Was hatte der Aussätzige gemacht? Er war einfach nur zu Jesus gekommen, mehr nicht.

 

Und so können wir die ganze Bibel durchgehen.

Nehmen Sie den Zachäus. Nehmen Sie die Sünderin, die ihre Würde als Frau verloren hatte. Nehmen sie den Schächer am Kreuz. Alle diese Leute haben einfach nur Ernst gemacht mit dieser Einladung Jesu: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.“ Sie sind zu Jesus gekommen, und ihnen ist geholfen worden.

 

Die Frage heute an uns: Was ist die Last Deines Lebens? Wohin gehst Du mit dieser Last, wenn sie Dich erdrückt, wenn Du nicht mehr damit fertig wirst?

 

Die Einladung Jesu gilt auch heute. „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.“ Dieses Erquicken - damit wir das nicht falsch verstehen, kann bedeuten, dass Jesus einem die Last wegnimmt. Aber es kann auch etwas anderes bedeuten, nämlich dass Jesus mir die Last nicht wegnimmt, sondern dass er mir so viel Kraft gibt, dass ich unter der Last nicht mehr zusammenbreche. Aber das ist ja auch schon viel.

 

Ich kann mich erinnern: In meiner Kaplanszeit hatte ich mit einer jungen Familie zu tun, wo der Mann Alkoholiker war. Der hat die Frau tyrannisiert und geschlagen. Er hat die Familie total zugrunde gerichtet. Die Kinder waren so um die vierzehn bis sechzehn Jahre alt. In der Familie ging es drunter und drüber. Irgendwann ist die Frau mit dieser Last nicht mehr fertig geworden, und dann kam sie zu mir. Aber ich habe ihr auch nicht helfen können. Ich habe ihr wohl ein paar Ratschläge geben können. Ich konnte ihr zuhören. Aber letztlich helfen konnte ich ihr auch nicht.

Wir haben uns dann gemeinsam vor das Kreuz gekniet in meinem Zimmer. Wir haben diese Last Jesus gegeben; wir sind damit zu Jesus gegangen. Ganz schlicht, so wie er es gesagt hat. Und wissen Sie, was das Ergebnis war: Der Mann hat immer noch weiter getrunken; er hat auch weiter randaliert. Aber Gott hat dieser Frau so viel Kraft geschenkt, dass die prägende Kraft in diesem Hause nicht mehr das Randalieren des Mannes war, sondern die geistliche Kraft dieser Frau.

Am deutlichsten konnte man das merken an den Kindern. Die waren nicht mehr von der Angst vor dem Vater geprägt, sondern von der Zuversicht der Mutter. Und jeder, der mit dieser Familie zu tun hatte, konnte spüren, dass Jesus dort etwas getan hatte. Gut, er hatte den Mann nicht bekehrt - vielleicht tut er das noch, wer weiß - aber er hat die Frau und die Kinder ‚fit gemacht’.

 

Damit wir uns nicht missverstehen, wir müssen da genau hinschauen: Jesus hat nicht gesagt: „Wenn du mit den Lasten deines Lebens nicht mehr fertig wirst, dann geh zur Kirche.“ Er hat gesagt: „...dann komm zu mir!“ Das ist ein Unterschied. Die Theologen, die Schriftgelehrten, die Pharisäer damals, die sind alle zur Kirche gegangen, aber sie sind nicht zu Jesus gekommen. Natürlich kann ein Gottesdienst in der Kirche eine ganz tiefe Begegnung mit Jesus sein. Es ist aber nicht automatisch so. Es kann auch ein ‚Pensum’ sein, eine Sonntagspflicht, die man einfach erfüllt. Nein, es geht darum: Komm zu Jesus.

 

Dann noch eine zweite Nachbemerkung.

Wo finden wir denn Jesus, wenn wir zu ihm kommen wollen? Damals war das ja relativ einfach; da wusste man: Er ist z.B. in Kapharnaum, im Haus Simons des Gerbers, oder wo auch immer. Da wussten die Leute genau, wo sie hingehen mussten. Aber wo geht man denn heute hin?

Nun muss man eins sagen: Wir haben es heute nicht schwerer, zu Jesus zu gehen, sondern wir haben es leichter. Jesus ist dort, wo Du jetzt gerade bist; das ist das Geschenk des Auferstandenen. „Ich bin bei euch alle Tage“, sagt er vor seiner Himmelfahrt. Er ist bei Dir heute morgen in der Kirche. Er ist bei Dir, wenn Du am Kochtopf stehst. Er ist bei Dir, wenn Du heute abends fernsiehst, wenn am Montag die Arbeitswoche wieder beginnt. Dort wo du bist, jeder einzelne, dort ist er auch.

Und ich darf ganz schlicht hingehen und ihm meine Last sagen, mit denen ich nicht fertig werde. Vielleicht ist es gut, diese Last auch einmal laut zu auszusprechen vor ihm. Ich glaube, das ist ganz wichtig. Psychologen sagen manchmal: Was nicht ausgesprochen wird, wird nicht geheilt. Es lohnt sich, die Dinge wirklich einmal auszusprechen und in dieser Weise zu ihm zu kommen.

Und das, was er verspricht, ist: „Ich will dich fit machen; ich will dich erquicken.“ In einem Psalmwort heißt es: „Du ließest erstarken die Kraft meiner Seele.“

Es ist eine Einladung Jesu: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.“ Eine Einladung kann ich annehmen oder ausschlagen. Aber seine Einladung gilt, sogar umsonst.   Amen.

 

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Predigttext:  Mt 11,26

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wenn man die geistliche Grundhaltung im Leben Jesu auf einen Punkt bringen will, dann könnte man ein ganz kurzes Gebetswort Jesu aus unserem Evangelium anführen:

„Ja, Vater, so hat es dir gefallen.“

Hier drückt sich im tiefsten die Grundhaltung Jesu aus. Jesus hat völlig gelebt aus diesem: „Ja, Vater.“ Das wird an vielen Stellen vor allem im Johannesevangelium deutlich:

„Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat.“ (Joh 4,34)

„Ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ (Joh 6,38)

Jesus redet, was er den Vater reden hört. Er tut, was er den Vater tun sieht. Seine Lehre ist nicht von ihm selbst, sondern vom Vater. Immer dieses: „Ja, Vater.“

 

Die gleiche Grundhaltung finden wir auch bei Maria. In der Verkündigungsszene sagt sie dem Engel: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Mit anderen Worten: „Ja, Vater.“

 

Ähnlich ist es bei Petrus. Jesus trägt ihm auf, nach einer vergeblichen Arbeitsnacht noch einmal das Fischernetz auszuwerfen. „Wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.“ Das ist die Antwort des Petrus. Und wieder steht im Hintergrund das grundsätzliche „Ja!“.

Die gleiche Haltung finden wir wohl grundsätzlich im Leben der großen Heiligen.

 

Und wir heute?

Wir würden wohl kaum ein direktes Nein sagen zum Willen Gottes Jedoch vielleicht häufig ein „Ja, aber“, vor allem, wenn der Wille Gottes quer liegt zu unserem eigenen Wollen.

 

Wenn wir zum Willen Gottes ein vorbehaltloses Ja sagen, dann bedeutet das nicht, dass wir unseren eigenen Willen total ausschalten müssen. Das hat auch Jesus nicht getan. In der Szene am Ölberg vor seiner Gefangennahme, als er gleichsam seinen Todeskampf kämpft, da sagt er in seinem kurzen Gebet: „Abba, Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch von mir! Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen).“ (Mk 14,36)

Er sagt in seinem Gebet zuerst ganz klar, was er will: „Nimm diesen Kelch von mir.“

Doch dann stellt er seinen Willen unter den Willen des Vaters: „Aber nicht, was ich will, sondern was du willst (soll geschehen).“

 

Wenn man sich grundsätzlich dem Willen Gottes unterstellt, darf man durchaus auch Fragen und Einwände vorbringen. Das tut z.B. die Gottesmutter Maria. Als der Engel zu ihr kommt mit der Botschaft, dass sie ein Kind bekommen soll, da bringt sie als fragenden Einwand vor: „Wie soll das geschehen, da ich mit keinem Mann zusammenlebe?“ Aber im Hintergrund steht das grundsätzliche Jawort: „Mir geschehe, wie du es gesagt hast.“

Die grundsätzliche Haltung ist: „Ja, Vater!“

 

Wenn wir uns dieses Gebetswort Jesu genau anschauen, dann erkennen wir, dass Jesus nicht sagt: „Ja, Vater, so war es dein Wille!“ Er formuliert vielmehr: „Ja, Vater, so hat es dir gefallen.“ In dieser Formulierung liegt nicht so sehr korrekte Pflichterfüllung, als vielmehr liebende Zuneigung.

Liebende erfüllen nicht nur den Willen des (der) Geliebten. Sie möchten vielmehr dem Anderen gefallen und zu Gefallen sein. Sie horchen gleichsam in den Anderen hinein, was ihm gefällt.

 

Ich sage in diesem Zusammenhang einmal: Wenn ich regelmäßig im Wort Gottes lese, dann tue ich das nicht, um ein Schriftgelehrter zu werden, gleichsam ein wandelndes Bibellexikon. Ich möchte vielmehr erfahren, was Gott gefällt, worüber er sich freut, was ihn kränkt. Dann erst kann ich vielleicht ehrlichen Herzens sagen: „Ja, Vater, so gefällt es dir!“ Ich möchte tun, was dir gefällt.

 

Und ein Letztes zu diesem Gebetswort Jesu. Jesus richtet dieses Gebetswort nicht einfach nur an Gott, schon gar nicht an einen Herrgott oder an irgendein höheres Wesen. Dieses Jawort richtet er an den Vater. Weil er zu Gott ‚Abba, lieber Vater’ sagen kann, kommt diese vertrauensvolle Hingabe an den Willen des Vaters zustande.

Gott ist unser Vater, der für uns sorgt, der uns liebt, der uns auch in Liebe zurechtweist. Und nur wenn ich das ganz tief verinnerlicht habe, kann ich als Ausdruck meiner geistlichen Grundhaltung wie Jesus beten: „Ja, Vater, so hat es dir gefallen.“

 

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