Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

14. Sonntag C
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Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

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  Predigt zur ersten Lesung: Jes 66,10-14c

Predigt zum Evangelium: Lk 10,1-9

Predigttext:   Jes 66,10-14c

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es ist eine der ganz großen Botschaften der Bibel, des Alten und des Neuen Testamentes, dass uns Gott geoffenbart wird als unser Vater. Gott ist nicht irgend ein unpersönliches höheres Wesen, ein unpersönlicher Ursprung aller Dinge, und Gott ist auch nicht der „Herrgott“, wie wir manchmal sagen. Nein, er ist unser Vater. Am Tiefsten wird uns das gezeigt im Neuen Testament, wo Jesus uns gleichsam mit hinein nimmt in sein Sohnesverhältnis zu seinem Vater. „Wie mich der Vater geliebt hat, so habe ich euch geliebt.“ „Seid eins, wie ich mit dem Vater eins bin.“ „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.“ Immer dieses Hineingenommensein in das Verhältnis Jesu zu seinem Vater. Aber auch im Alten Testament finden wir schon – nicht in dieser Deutlichkeit - , aber doch Spuren davon, dass Gott unser Vater ist. So heißt es z.B. in Psalm 103 „Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt, so erbarmt sich Gott über alle, die ihn fürchten.“ Oder im Buch Deuteronomium „Er hat uns getragen, wie ein Vater seinen Sohn trägt.“ Auch im Alten Testament finden wir an etlichen Stellen dieses Bild von Gott, als unserem Vater.

Hier in der heutigen Lesung aus dem Buch Jesaja wird uns eine andere Seite Gottes vorgestellt, nämlich die mütterliche Seite, die wir so deutlich meist gar nicht in den Blick nehmen. Die väterliche Seite hatte auch strenge Züge. In der Bibel steht auch an manchen Stellen die Aussage: „Wen Gott liebt, den züchtigt er.“ (z.B. Hebr 12,1-10) So wie ein Vater seinen Sohn in Zucht nimmt, damit er lebenstüchtig wird. Hier in unserer Lesung eine ganz andere Seite Gottes, eine mütterliche Seite. Gott selber sagt hier durch den Propheten: „Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch.“ Wie tröstet denn eine Mutter ihr Kind? Stellen Sie sich einmal vor: Da ist ein kleines Kind nachts wach geworden. Es hat einen schweren Traum gehabt. Es liegt vor Angst erstarrt im Bett und irgendwann schreit es seine ganze Angst heraus. Und dann kommt die Mutter ins Schlafzimmer, macht das Licht an. Wie tröstet denn dann eine Mutter das verängstigte Kind? Die Mutter wird bestimmt nicht als Trost sagen: „Ach, du bildest dir nur was ein, schrei doch nicht so. Das hast du ja alles nur geträumt ...“ Nein, die Mutter macht das ganz anders. Sie nimmt das Kind in den Arm und drückt es. Vielleicht setzt sie das Kind auf den Schoß und schaukelt es auf dem Schoß. Und dabei sagt die Mutter: „Ich bin doch da; du brauchst keine Angst zu haben, ich bin doch da.“ Das ist die Art und Weise, wie eine Mutter tröstet. Und genau diese Bilder finden wir auch heute in der Lesung aus dem Propheten Jesaja. Wie machte das die Mutter?: Sie nimmt das Kind in die Arme und setzt es auf den Schoß. „Ihre Kinder wird man auf den Armen tragen und auf den Knien schaukeln“, sagt hier der Text aus Jesaja. „Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch.“ Und wo immer wir Trost brauchen in unserem persönlichen Leben, da dürfen wir wissen. Wir haben einen Gott, der nicht nur väterliche Züge hat, sondern auch mütterliche Züge, der uns auf den Arm nimmt, der uns auf den Schoß nimmt und der uns sagt: Ich bin doch da. Übrigens, wissen Sie wie der Name Gottes im Alten Testament ist? Der wird dem Mose offenbart nach dem Geschehen am brennenden Dornbusch. Die Älteren von uns haben das früher so gelernt: „Ich bin, der Ich bin“. Die Bibelwissenschaftler haben uns gelehrt, dass man diese Selbstoffenbarung Gottes eigentlich richtiger übersetzen muss: Ich bin der „Ich-bin-da“. „Ich bin da“, das ist der Name Gottes im Alten Testament. Ganz gleich in welcher Situation wir sind, Gott sagt: „Ich bin da“. So zärtlich wie eine Mutter mit ihrem Kind umgeht, so zärtlich geht Gott mit uns um. Und wenn es bei Jesaja heißt: „Ihre Kinder wird man auf den Knien schaukeln“, wissen Sie, was das in unserer Umgangssprache, in unserer Kindersprache heißt? „Hoppe, hoppe Reiter“ spielen, das sagen wir, wenn eine Mutter ihr Kind auf dem Schoß schaukelt. Beim Propheten Hosea heißt es: „Ich will dich an meine Wange heben wie man einen Säugling an die Wange drückt.“ So zärtlich kann die Bibel über das Verhältnis Gottes zu uns Menschen reden. „Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihren Sohn tröstet.“

Das gilt für uns ganz persönlich. Aber wir müssen das auch in dem großen Zusammenhang der Botschaft des Propheten Jesaja stellen. Diese Text ist gerichtet an Jerusalem, an das Gottesvolk des alten Bundes in der Zeit nach der Babylonischen Gefangenschaft, dem Babylonischen Exil. Die Wegführung nach Babel war für Israel der große Zusammenbruch schlechthin. Aber dann erlebte Israel, dass Gott das Herz des Perserkönigs Kyros bewegte, nachdem er Babylon erobert hatte. Und Kyros erließ eine Verordnung, dass Israel wieder zurückkehren durfte nach Jerusalem. Es war ein großer Jubel unter dem Volk, ein großer Aufbruch. Wir dürfen zurück nach Jerusalem. Gott hat eingegriffen wie damals, als er uns durch Mose aus Ägypten herausgeführt hat. Aber dann, als sie zurückgekehrt waren, mussten sie die Erfahrung machen: Es läuft alles so zäh. Der Wiederaufbau des Tempels zog sich hin. Der Wiederaufbau der Stadtmauern ging mit vielen Widerständen vonstatten. Es gab Intrigen, jeder dachte nur an sich selbst. Irgendwie war die ganz Situation wie eine verdorrte Pflanze. Irgendwie lag es auf dem Volk Israel wie eine Bleidecke. Und in diese Situation der Mutlosigkeit hinein, wo man sich vorkam wie verdorrtes Gras, wo alles so eng zu sein schien und wo keine weite Glaubens- und Hoffnungsperspektive da war, in diese Situation hinein ist unser Lesungstext gesprochen. Und in diesem Zusammenhang bekommt der Text eine ganz neue Qualität: „Jubelt über Jerusalem in der Stadt, alle, die ihr sie lieb habt. Ich leite wie einen Strom den Frieden zu ihr.“ Friede, Shalom, das bedeutet damals viel mehr, als wenn wir heute von Friede reden. Friede meint das ganze Heilsangebot Gottes. Gott erneuert seine Heilszusage für Jerusalem, für das Gottesvolk. Und er spricht es denen zu, die mutlos geworden sind. Und wenn ihr das erlebt, dass ich euch tröste, wie eine Mutter ihr Kind tröstet, dann besteht der Trost nicht in irgendwelchen Zusagen, sondern in der Zusage: „Ich bin da!“, Ihr seid nicht allein gelassen. „Wenn ihr das seht, dann wird euer Herz sich freuen, und ihr werdet aufblühen wie frisches Gras.“

Nun könnte man ja sagen: Diese Botschaft war für damals. Für uns ist sie geschichtlich bedeutungslos. Aber wenn wir in die Kirche in unserem Land schauen, erleben wir dann nicht eine ähnliche Situation auch heute, in der Kirche hier in unserem Land? Nach dem großen Aufbruch des Konzils, wo wir gedacht hatten, dass jetzt die große Erneuerung der Kirche anbricht, liegt es seit Jahren über der Kirche in Deutschland auch wie eine Bleidecke. Es geht alles so zäh. Und wir kommen uns auch oft vor wie vertrocknetes Gras. Und in diese Situation hinein möchte uns Gott heute mit diesem Text aus Jesaja ermutigen. Wenn ihr das wisst, das ich in eurer Mitte bin, dann soll euer Herz sich freuen. Und ihr werdet aufblühen wie frisches Gras, das gerade einen Regenschauer erlebt hat und das sich dann ganz neu und frisch aufrichtet. Gott möchte uns ermutigen heute in der Situation unserer Kirche, wo viel Resignation und Enttäuschung ist, wo wir den Eindruck haben, es geht alles so schleppend voran. „Freut euch mit Jerusalem, freut euch mit der Kirche“, ruft Gott uns zu.

Aber jetzt noch einen letzten Gedanken. Wer ist denn angesprochen hier in dieser Lesung aus Jesaja? Wer ist aufgerufen, sich zu freuen? Es sind diejenigen, die die Kirche lieben. „Jubelt in der Stadt, alle, die ihr sie liebt. Seid fröhlich mit ihr alle, die ihr über sie traurig ward.“ Menschen, die die Kirche lieben! Und wenn diese Liebe auch die Form der Trauer hat; auch Trauer kann ja eine Form der Liebe sein, wenn man sich nicht damit abfinden will und darunter leidet, dass alles so zäh geht. Aber dieses Leiden muss geboren sein nicht aus einer Arroganz und Besserwisserei, sondern aus einer demütigen Liebe. Da gilt uns die Zusage Gottes. Die Schwierigkeiten sind nicht alle vorbei, aber Gott sagt: „Ich bin da!“ Wie eine Mutter ihren Sohn tröstet, so tröste ich euch. Ihr werdet das Eingreifen Gottes erleben. „Ich bin da!“ Lass Dir Mut machen, wenn Du einer bist, der die Kirche liebt.   Amen

 

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Predigttext:   Lk 10,1-9

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

In meiner Kaplanszeit wurde ich einmal eingeladen, zur Vorbereitung einer Gemeindemission einen Vortrag zu halten bei den Bezirkshelferinnen der Frauengemeinschaft der betreffenden Pfarrgemeinde. Anschließend sollte noch eine Aussprache sein über Chancen und Möglichkeiten der Gemeindemission. Bei diesem Gespräch habe ich die Bezirkshelferinnen gefragt: „Stellen Sie sich einmal vor, bei der Gemeindemission würden sich aus Ihrer Gemeinde hundert Leute bekehren, die vorher mit dem Glauben nichts zu tun hatten. Was würde dann wohl passieren?“ Das sagten sie mir: „Das wäre noch das schönste, was bei der Gemeindemission herauskommen könnte, wenn sich hundert Leute neu zum Glauben kämen. Die wären ja glücklich wenn das so wäre.“

Ich hab dann zurückgefragt: „Aber wenn sich hundert Leute neu bekehren, was machen wir denn dann mit denen? Die brauchen dann eine Einführung in den Glauben, die brauchen Glaubensvertiefung, die brauchen Hilfestellung, wie man das denn macht, als Christ zu leben. Wo sollen die denn hingehen, damit sie Vertiefung im Glauben erfahren?“

Von den Bezirkshelferinnen antwortete jemand: „Wenn das Frauen sind, dann könnten sie ja zum nächsten Einkehrtag der Frauengemeinschaft kommen.“ Ich hab zurück gefragt, wann sie denn den nächsten Einkehrtag hätten? Aber bis zum nächsten Einkehrtag war das noch fast ein Jahr hin. Ich sagte ihnen: „Bis dahin sind die längst geistlich vertrocknet.“

Dann kann jemand auf die Idee: „Die alte Schwester Gerhardis, die hält doch Konvertitenunterricht. Könnte die das nicht machen?“ „Die kann das vielleicht mit drei oder vier Personen machen, aber doch nicht mit hundert Menschen.“ Da waren die Bezirkshelferinnen ziemlich ratlos.

 

Dann kam die Gemeindemission, und es haben sich tatsächlich Menschen bekehrt. Es waren nicht hundert aber es war eine ganze Gruppe von Jugendlichen, die vorher in der Pfarrgemeinde nur Freizeitaktivitäten betrieben hatten. Die haben sich durch die Predigt dieses Paters so treffen lassen, dass sie einen neuen Anfang im Glauben machen wollten. Und jetzt passierte genau das, was wir in der Frauengemeinschaft besprochen hatten: Es war kein Mensch da, der ihnen jetzt auf ihrem neuen Glaubensweg helfen konnte. Und was haben die gemacht? Die sind komplett als gesamte Gruppe zur evangelischen Freikirche gegangen. Das hat damals einen ziemlichen Skandal gegeben in der Gemeinde. Aber es war eben keiner da, der sie in den Glauben einführen konnte. Und dann sind sie halt da hingegangen, wo sie geistliche Nahrung bekommen haben, nämlich zu den Baptisten.

Ein mit mir befreundeter Pater hat das einmal auf den Punkt gebracht. Er hat gesagt: „Die Hühner gehen immer dahin, wo es Körner gibt. Wo nur Stroh gedroschen wird, da gehen die Hühner nicht hin.“ Und wenn wir in unserer Kirche geistlich gesehen immer nur Stroh dreschen, wenn wir den Menschen, besonders den Neubekehrten keine geistliche Nahrung anbieten, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn die Leute dorthin gehen, wo sie geistliche Nahrung bekommen.

 

Vielleicht können wir jetzt ein kleines bisschen verstehen, was Jesus heute im Evangelium meint, wenn er sagt: „Die Ernte ist groß, aber es gibt so wenig Arbeiter. Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sendet.“

 

Schwestern und Brüder, bevor Gott in der deutschen Kirche eine geistliche Erneuerung schenkt, bevor ein geistlicher Aufbruch passieren kann, müssen erst Arbeiter da sein, die anschließend den Dienst der geistlichen Begleitung tun, wenn Menschen geistlich aufgebrochen sind. Und darum ist es Jesus ein Herzensanliegen: „Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sendet.“

Früher habe ich immer gedacht: Jesus meint hier das Gebet um Priester- und Ordensberufe. Inzwischen ist mir klar geworden, dass Jesus nicht gesagt hat: „Bittet den Herrn der Ernte, dass er Priester und Ordensleute sendet.“ Nein, Jesus hat gesagt: Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter sendet. Das ist etwas anderes.

Ganz praktisch bedeutet das: Jesus möchte, dass in allen Lebenslagen, in allen Ständen, Menschen nicht nur einen Job machen, sondern dass sie jeden Dienst als priesterlichen Dienst verstehen.

Wir brauchen heute Mütter, die ihren Kindern priesterlichen Dienst tun, die die ersten Schritte des Kindes in den Glauben hinein begleiten, die ihnen Bibelgeschichten erzählen, die im Herzen der Kinder die Liebe zu Jesus wecken.

Wir brauchen heute Väter, die nicht nur dafür sorgen, dass die Kinder menschlich reif und lebenstüchtig werden, sondern die auch lebendige Zeugen des Glaubens für ihr Kind sind. Väter, die sich ihren Glauben auch etwas kosten lassen.

Wir brauchen und Gruppenleiter, die nicht nur eine Diskothek veranstalten, sondern die junge Menschen in den Glauben einführen können. In einer bestimmten Altersphase sind Elternhaus und Schule da nicht die ersten Ansprechpartner.

Wir brauchen Küster (Mesner), die ihren Dienst als priesterlichen Dienst verstehen. Wir brauchen Organisten, und Chorleiter, die ihren Dienst als priesterlichen Dienst verstehen. Man kann im Gottesdienst genau spüren, ob ein Kirchenchor einfach nur paar Lieder singt oder eine Messe „aufführt“. Ich ärgere mich immer schwarz, wenn ich in der (Kirchen-)Zeitung lese: Der Kirchenchor führt am nächsten Sonntag die und die Messe auf. Wir brauchen Sänger und Sängerinnen, die ihren Dienst als Verkündigung verstehen. Dann wird eine gesungenen Botschaft Verkündigung. Da springt ein Funke über.

Wir brauchen Landwirte, die nicht nur ihren Job machen, sondern die ihre Arbeit verstehen als einen priesterlichen Dienst an der Schöpfung Gottes. Die von Gott her einen Auftrag haben, die Schöpfung zu bewahren und zu pflegen, damit die Schöpfung lebenswert bleibt. Da, wo Gott uns hingestellt hat, brauchen wir priesterliche Menschen, in allen Lebensbereichen. Und darum sagt Jesus: Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sendet.

 

Zweitens:

Wem sagt Jesus das denn: „Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter in seine Ernte sendet“? Das sagt Jesus zu 72 Jüngern, die sich gerade haben senden lassen, die Jesus gesandt hat in jeden Ort, in den er selbst kommen wollte.

Eine große Not gerade auch bei frommen Katholiken liegt darin, dass wir zu viele haben, die vielleicht um Priesternachwuchs beten. Aber es gibt so wenige, die den Karren anpacken, die sich wirklich senden lassen, die auf den Anruf Gottes antworten wie der Prophet Jesaja: „Hier bin ich, sende mich!“ Es gibt heute zu viele, die sagen: „Ich will wohl beten, aber sende nicht mich, sende jemanden anderes.“

Wo sind denn zum Beispiel die alten Menschen in unseren Gemeinden, die für junge Menschen Vorbild im Glauben sein sollen und ja auch sein wollen? Wenn zum Beispiel die Kommunionkindern nach der Erstkommunion am Montagvormittag ihre Dankmesse haben, da hätten die meisten älteren Gemeindemitglieder Zeit. Aber wie wenige von den Älteren sind dann da in der Dankmesse, um den Kommunionkindern zu zeigen, dass sie durch die Erstkommunion aufgenommen sind in die Kommuniongemeinschaft der ganzen Gemeinde.

Oder: Warum ist es heute denn so schwer, Kandidaten zu finden für den Pfarrgemeinderat, für den Kirchenvorstand? Warum ist es oft so schwer Katechetinnen zu finden für die Firmvorbereitung? Dann sagen viele in der Pfarrgemeinde: „Dafür sind doch die Hauptamtlichen da.“ Wir brauchen Menschen, die sagen: „Hier bin ich, sende mich!“ Natürlich brauchen die dann Hilfestellung. Aber die bekommen sie dann auch. Hilfestellung haben ja die Jünger Jesu auch bekommen.

 

Ein Drittes:

Jesus sagt denen, die sich senden lassen: „Seht, ich sende euch die Schafe mitten unter die Wölfe.“ Als damals Lukas sein Evangelium schrieb, da waren diese „Wölfe“ die ersten Christenverfolgungen, die damals ganz langsam im römischen Reich begannen. Da musste man unter Umständen buchstäblich seinen Kopf hinhalten.

Heute sind diese „Wölfe“, unter die wir gesandt werden, nicht Christenverfolgungen, zumindest nicht in unserem Land. Heute sind in unserem Land die „Wölfe“: Enttäuschung, Resignation und Mutlosigkeit über die Situation der Kirche in unserem Land. Diese Resignation liegt wie eine lähmende Bleidecke über unserer Kirche. Das sind die „Wölfe“, die alles auffressen, die alles kaputtmachen, die jede Begeisterung töten.

Aber Jesus hat nicht gesagt: „Ich bewahre euch vor den Wölfen.“ Er hat ausdrücklich gesagt: „Ich sende euch, die Schafe, mitten unter die Wölfe, unter die Wolfe der Enttäuschung und Resignation.“ Wir sind in diese Situation von Jesus hineingestellt.

Wir wollen dieses Bild noch einmal genauer durchdenken. Wissen Sie, was das typische Kennzeichen eines Schafes unter Wölfen ist? Die absolute Wehrlosigkeit und Schutzlosigkeit. Ein Schaf hat nichts, womit es sich gegen die Wölfe wehren kann. Auf sich allein gestellt, ist es hilflos den Wölfen ausgeliefert. Und manchmal kommen wir uns ja auch ausgeliefert vor, angesichts der lähmenden Resignation in unserer Gesellschaft. Das einzige, was ein Schaf als Schutz hat, ist der Hirte. Das einzige, woran das Schaf sich halten kann, ist der Hirte, der die Schafe in jeder Situation verteidigt.

Und darum: Wenn wir mitten unter diesen Wölfen von Enttäuschung und Resignation und Angst nicht mutlos und verzagt werden wollen, dann brauchen wir ganz dringend den Blick auf unseren Hirten, auf Jesus Christus. Wer seinen Blick nicht auf ihn gerichtet hat, wer sich nicht bei ihm gleichsam anklammert, der geht zugrunde. Und viele gehen darum heute kaputt und halten das Ganze nicht mehr aus.

Halte deinen Blick gerichtet auf Jesus, den guten Hirten. Und du darfst damit rechnen: Dieser Hirte ist für dich da und sorgt für dich.   Amen.

 

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