Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

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15. Sonntag B
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Predigt zum Evangelium:   Mk 6,7-13

Predigttext:      Mk 6,7-13

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Auf diesen Tag heute habe ich mich seit Wochen gefreut, weil es morgen in den Urlaub geht. Und das ist nicht nur bei den Schulkindern so, auch ein Pfarrer freut sich, wenn es in den Urlaub geht. Und dann ist es immer so, an den Tagen, bevor es dann los geht, da werden Koffer gepackt, Rucksäcke gepackt, weil wir ja auch im Gebirge wandern wollen. Und jedes Mal stehe ich dann staunend vor meinem Auto, wie viele ‚Klamotten’ ich wieder eingepackt habe. Jedes Jahr wenn ich aus dem Urlaub zurückkomme, nehme ich mir vor: Im nächsten Jahr nehme ich nicht mehr so viel mit wie in diesem Jahr. Aber ich weiß heute schon, wenn das Auto im nächsten Jahr gepackt ist, ist es zum Schluss wieder gerammelt voll. Es ist merkwürdig.

Nachdem ich alles gepackt hatte, und das Auto wieder bis zur Decke voll ist, wollte ich die letzten Vorbereitungen für diese Predigt machen.. Ich habe das Lektionar genommen, das Evangelium dieses Sonntags aufgeschlagen, und was lese ich da? Jesus sandte seine Jünger aus und sagte zu ihnen: „Nehmt nichts mit auf den Weg, kein Brot, keine Vorratstasche, kein Geld im Beutel, kein zweites Hemd, (Mir fiel sofort wieder ein, wie viel ich eingepackt hatte.) und an den Füßen nur Sandalen.

Und dann stehst du da, auf der einen Seite das voll gepackte Auto, und dann so ein Evangelium. Und dann soll ich darüber predigen.

 

Warum macht Jesus das eigentlich, dass er die Jünger so ganz ohne Vorrat, ohne zweites Hemd losschickt? Es lohnt sich darüber einmal nachzudenken.

Der erste Grund, warum Jesus die ohne jeden Vorrat losschickt: Die Jünger sind ja von Jesus nicht in den Urlaub geschickt worden, sondern sie hatten einen ganz klaren Auftrag. Sie hatten ein Ziel vor Augen, und dieser Auftrag hieß: „Geht zu den Menschen, und verkündet ihnen die Botschaft vom Reich Gottes.“ Und wenn man dieses Ziel vor Augen hat, die Botschaft zu verkünden, dann kann alles andere unter Umständen Ballast sein, der mich hindert den Weg zu gehen, diese Botschaft den Menschen zu verkünden.

Es ist ungefähr so, wie bei den olympischen Spielen. Dann gibt es ja die Langstreckenläufer in der Rennbahn. Haben Sie schon einmal einen Langstreckenläufer gesehen, der einen Rucksack auf dem Rücken hatte? Kein Mensch würde das tun, das ist nur Ballast, den muss man abwerfen. Ich habe ein Ziel, ich möchte den Lauf gewinnen. Vor einiger Zeit habe ich einmal in der Zeitung gelesen, dass die Topschwimmer sich sogar am ganzen Körper die Haare abrasieren, mit der Begründung: Ich muss vielleicht noch eine hundertstel Sekunde herausholen. Und da könnten sogar die Haare an den Armen und an den Beinen Ballast sein.

Weil wir ein Ziel vor Augen haben, deshalb sagt Jesus: „Nehmt nichts mit auf den Weg!“ Und eins kann ich ihnen versichern: Wenn das Auto auch jetzt bei mir voll ist, wenn wir eine Bergwanderung machen, und ich alles auf dem Rücken tragen muss, dann überlege ich sehr genau, was ich zu Hause lasse und was ich mitnehme.

Der Apostel Paulus hat auf seinen Missionsreisen sogar gemerkt, es kann sogar hilfreich sein, dass ich unverheiratet bin. Nicht weil Paulus gegen die Ehe ist, sondern er weiß: Es kann sein, dass selbst ein Ehepartner auf dieses Ziel hin Ballast werden kann. Darum sagt er: Es ist gut, wenn die Missionare so sind wie ich, nämlich unverheiratet, wenn sie nicht noch die Sorge um eine Familie haben. Das ist ein Grund, warum Jesus die Leute ohne Vorrat los schickt.

Was wir uns von diesem Evangelium her sagen lassen müssen, dass wir unser Ziel wieder neu entdecken. Dass wir nicht einfach planlos nur packen und packen, sondern dass wir dieses Ziel wieder neu entdecken, die Botschaft, das Evangelium vom Reich Gottes zu verkünden.

 

Ein Zweites, warum Jesus ihnen sagt: „Nehmt nichts mit auf den Weg“, ist auch eine Glaubensprobe, nämlich damit zu rechnen: Wenn ich jetzt keinen Vorrat mitnehme, dass Gott für mich sorgt. Letztlich steht dahinter das gleiche, was wir immer im Vaterunser beten: Unser tägliches Brot gib uns heute. Ich vermute, wenn wir das Vaterunser erfunden hätten, dann hätten wir gesagt: Gib uns heute das Brot für die nächsten vier Wochen. Aber nein, Jesus sagt, gib uns unser tägliches Brot heute. Jeden Tag darauf zu vertrauen, Gott sorgt für mich, Gott bringt mich durch.

Im Alten Testament, als das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt wird durch die Wüste, und als sie nichts zu essen haben, da hat Gott ihnen Manna geschickt. Es war etwas Feines, Körniges das sie jeden Morgen gefunden haben als Nahrung. Und Gott hatte ausdrücklich gesagt: Ihr dürft keinen Vorrat sammeln, immer nur für einen Tag. Und als irgendwann einmal einer auf die Idee gekommen ist, Vorrat zu sammeln, ist der Vorrat verfault.

Das ist gar nicht so einfach, das kostet etwas, darauf zu vertrauen: Auch morgen wird wieder Manna da sein. Wenn Gott heute für mich sorgt, sorgt er auch morgen für mich.

Und so eine Prüfung, so eine Glaubensprobe ist ganz wichtig für uns, damit unser Glaube stark wird. Rechne damit, dass Gott Dich auch morgen versorgt.

 

Und schließlich ein Drittes, warum Jesus die Jünger ganz ohne Vorratstaschen und ohne Beutel losschickt. Da steht im Hintergrund eine Tugend, die im Orient sehr verbreitet ist bis auf den heutigen Tag, die Tugend der Gastfreundschaft. Etwas, was wir als Tugend so vielleicht heute nicht mehr kennen. Wenn die Jünger und damals die Missionare der Urkirche ausgesandt waren, dann konnten die ohne Vorratstasche losgehen, weil sie damit rechnen konnten: Überall, in jedem kleinen Dorf, wo auch nur ein ganz paar Christen sind, ich werde erstens aufgenommen und ich werde auch für die Weiterreise versorgt. Diese Form der Gastfreundschaft spricht Jesus hier im tiefsten an. Und ich denke einmal, dass das auch wieder eine Tugend ist, die vielleicht für uns wieder neue Bedeutung gewinnen könnte, diese Tugend der Gastfreundschaft. Ich brauche nicht Vorrat mitnehmen, weil ich damit rechnen kann, dass ich bei den anderen aufgenommen bin.

Ich will es einmal an einem ganz praktischen Beispiel deutlich machen: Wenn ich Exerzitien halte, dann ist es für eine Mutter und für einen Familienvater schwer, da teilzunehmen wegen der Kinder: Sie müssen ja irgendwo die Kinder lassen.

Was würde das bedeuten, wenn eine Gemeinde Gastfreundschaft üben würde und sagen würde: Über das Wochenende nehmen wir euere Kinder. Dadurch würde manchmal einer Mutter, einem Vater die Teilnahme an so einem Kurs ermöglicht, was sonst gar nicht machbar wäre. Das hat mit materiellen Dingen erst in zweiter Linie etwas zu tun. Aber es ist ganz wichtig, dass wir diese Tugend der Gastfreundschaft wieder neu schätzen.

Und ich sage das in diesem Zusammenhang auch einmal, wenn jetzt in den nächsten Wochen ein indischer Priester hier in der Gemeinde die Urlaubsvertretung übernimmt, dann tut er das ja auch, damit ich Urlaub machen kann, und damit die Gemeinde in diesen Wochen auch die Gottesdienste feiern kann, damit Seelsorge möglich bleibt, und nicht nur auf Sparflamme kocht.

Und ich lade sie ein, den indischen Priester in diesen Wochen auch  wirklich aufzunehmen. Versorgt ist der, aber dass er auch menschlich spüren kann: Er ist in unserer Gemeinde gern gesehen, er ist einer von uns geworden, wir nehmen ihn auf.

 

Kurz vor seinem Sterben hat Jesus die Jünger einmal gefragt: „Als ich euch ausgesandt habe zu zweit ohne Vorratstasche, ohne zweites Hemd usw., hat es euch da an irgendetwas gemangelt?“ Die Jünger müssen zugeben: Es hat uns an nichts gemangelt.

Glaub mir, wenn Du Dich auf diesen Gott einlässt, und seiner Fürsorge vertraust, wirst Du merken: Er führt dich, er hält dich, und er versorgt dich.   

 

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