Pfarrer Karl Sendker

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16. Sonntag C
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Predigt zur 2. Lesung:  Kol 1,24-28

Predigt zum Evangelium:  Lk 10,38-42

Predigttext:   Kol 1,24-28

 

Diese Predigt ist die zweite einer vierteiligen Predigtreihe

zu den zweiten Lesungen des 15.-18. Sonntags  C

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Manchmal ergeht es einem so: Da ist ein Wort der Heiligen Schrift, da hat man schon etliche Male gehört oder gelesen, und es sagt einem nichts. Und plötzlich fällt auf so ein nichts sagendes Wort, auf so einen nichts sagenden Abschnitt irgendwie ein Licht. Es fängt dann an zu leuchten, und es bekommt eine ganz tiefe Bedeutung. Genauso wie wenn man einen kostbaren Edelstein neben vielen anderen liegen hat. Und wenn ein Licht darauf fällt, dann fängt er an zu glänzen und sticht einem so richtig in die Augen.

So ähnlich ist es mir gegangen mit der heutigen Lesung aus dem Kolosserbrief. Wie oft habe ich diesen Abschnitt schon gelesen, und immer habe ich darüber hinweg gelesen. Und dann auf einmal, dann bekommt so eine Lesung ein Gewicht, wie ich es gar nicht vermutet hatte.

 

Paulus schreibt: Ich verkündige euch ein Geheimnis. Es ist ein Geheimnis, das seit ewigen Zeiten, seit Generationen verborgen gewesen ist. Dieses Geheimnis war immer schon im Ratschluss Gottes verborgen, aber Gott hatte es den Menschen noch nicht bekannt gemacht. Und ich, Paulus darf euch heute diese Geheimnis verkünden. Und nicht nur, dass ich es euch verkünde, ich darf ansagen, dass sich heute dieses Geheimnis realisiert.

Und jetzt wartet man ganz gespannt darauf, was denn dieses Geheimnis ist. Und dann sagt Paulus: Dieses Geheimnis ist: „Christus in euch, die Hoffnung auf Herrlichkeit“. Das scheint zunächst ein ganz belangloser Satz zu sein: „Christus ist in euch.“

Aber wenn man diesen Satz einmal in die Tiefenschicht des Herzens in einlässt, dann merkt man, was alles dahinter steht. Überlegen Sie einmal: Am letzten Sonntag, in dem Christuslied aus dem Kolosserbrief, da hatte Paulus geschrieben: „Es hat Gott gefallen, in Christus die ganze Fülle wohnen zu lassen.“ Das heißt, die ganze Fülle der Gottheit ist in Christus da. Wenn man das bedenkt, und dann hört: „Christus ist in euch“, dann bedeutet das doch, dass die ganze Fülle Gottes wirklich in mir ist. Nicht irgendwo, sondern in uns. „Christus ist in euch.“ Paulus sagt: Als ihr Christen geworden seid, als ihr in der Taufe mit Christus verbunden worden seid und das im Glauben angenommen habt, da ist eine enge Beziehung entstanden, dass es nicht mehr heißt „mit Christus“, „ihr mit Christus“, sondern dass es heißt: „Christus in euch“.

Paulus kann im Galaterbrief einmal schreiben: „Ich bin mit Christus gekreuzigt worden.“ Als Christus gekreuzigt worden ist, da hing ich gleichsam mit am Kreuz. So eng bin ich mit ihm verbunden. „Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir.“ Und darum ist die ganze Fülle Gottes in mir. Die Fülle der Liebe ist in mir; die Fülle der Freude ist in mir; die Fülle aller Geduld und aller Langmut ist in mir, weil Christus als der Träger der Fülle in mir ist.

Wenn man das einmal ganz praktisch umsetzt: Stell Dir einmal vor, du möchtest gerne das Gebot Gottes erfüllen: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, oder noch verschärft: „Du sollst deine Feinde lieben“, deine Feinde, mit denen überhaupt nicht kannst. Und nun stehst Du vor diesem Gebot. Du möchtest das Gebot wohl erfüllen. Aber ihr nun wo spürst Du die ganze Unfähigkeit: Ich schaffe es einfach nicht. Im günstigsten Fall kann ich vielleicht sagen: „Ich versuche, dieses Gebot zu erfüllen.“

Aber es gibt einen anderen Weg. Der Weg, dieses Gebot Gottes erfüllen, besteht nicht darin, dass ich mir ein bisschen mehr Mühe gebe, sondern: Der ‚Christus in mir’ will dieses Gebot erfüllen. Christus hat in der Bergpredigt einmal gesagt: „Ich bin nicht gekommen, die Gebote aufzuheben, sondern sie zu erfüllen.“ Das heißt doch: Er, Christus, will die Gebote erfüllen.

In einer ganz konkreten Situation, wo mir die Liebe zu einem anderen Menschen fehlt, wo mir die Geduld zu einem anderen Menschen fehlt, da darf ich ganz schlicht hingehen und sagen: „Christus, du bist in mir. Das ist Realität. Ich bin getauft, und ich habe das angenommen. Du bist in mir. Und ich nehme jetzt dich, deine Liebe, deine Geduld, deine Güte in Anspruch, und vertraue darauf, dass du jetzt den anderen liebst durch mich. Ich stelle Dir meine Hände, meine Lippen, meinen ganzen Leib zur Verfügung, damit du jetzt den anderen durch mich lieben kannst.“

Und wenn man das so praktiziert, dann ist das auf einmal so entkrampfend. Dann brauche ich nicht auf einen geistlichen ‚Trimm Dich Pfad’ zu gehen: Ich muss mir immer noch mehr Mühe geben. Und ich weiß genau, dass sie es doch nicht schaffe. Ich darf einfach an den ‚Christus in mir’ appellieren, dass er in mir so lebt, wie Gott es sich bei mir vorstellt.

 

Aber mit dieser Aussage: „Christus in euch“, ist noch etwas anderes verbunden. Paulus sagt: „Er ist die Hoffnung auf die Herrlichkeit.“ Der Christus in dir garantiert Dir, dass Dein Leben in der Herrlichkeit endet. Christus selbst ist bereits ganz in diese Herrlichkeit Gottes eingegangen. Aber weil er in dir ist, bist du mit hinein genommen. Und er garantiert dir, dass sein Leben in der Herrlichkeit Gottes endet.

 

Und noch etwas ist damit verbunden. Da steht so eine paradoxe Aussage am Anfang der Lesung. Da schreibt Paulus: „Ich freue mich in den Leiden, die ich für Christus erdulde.“ Das ist etwas Paradoxes. Normalerweise wenn man Leid erfährt, wenn man Drangsal erleidet, dann ärgert man sich, dann fängt man an zu jammern und an zu klagen. Vielleicht beklagt man sich bei Gott. Aber Paulus sagt: „Ich freue mich in den Leiden.“

Wie kommt es zu dieser Aussage? Weil er durch Jesus weiß, dass das Leid die notwendige Pforte ist, die Durchgangsstation zur Herrlichkeit. So wie für Christus das Kreuz das Tor zur Herrlichkeit, zur Auferstehung war, so ist das Leiden um Jesu willen die Durchgangsstation zur Herrlichkeit.

Und Paulus sagt mit diesen Ausdruck im Grunde: Wenn ich erlebe, dass ich hier in dieser Welt Drangsal habe, Druck erfahre, dann freue ich mich, weil das ein Kennzeichen ist, dass ich einmal oben ankommen werde in der Herrlichkeit Gottes.

An anderer Stelle gebraucht die Bibel einmal das Bild von der Geburt. Am Ende steht die Freude darüber, dass ein neuer Mensch zur Welt gekommen ist. Aber vorher stehen die Wehen der Frau, und das bedeutet Schmerzen und Leid für die Frau. Aber jede Frau weiß: Am Ende steht die Freude; am Ende stehen nicht die Wehen.

 

Und schließlich einen letzten Gedanken zum Thema „Christus in euch, die Hoffnung auf die Herrlichkeit“: Wir Menschen haben so eine Redensart. Da sagen wir: „Es ist ja keiner von uns vollkommen.“ Und damit entschuldigen wir so viele Schwächen, die wir uns gestatten. Aber Paulus schreibt am Ende dieser Lesung: Ich verkündige euch dieses Geheimnis: „Christus ist in euch, damit ihr in Christus als Vollkommenen dasteht.“ Nicht nur ein bisschen christlich, sondern als Vollkommene sollt ihr da stehen. Und das nicht, weil wir uns besonders Mühe geben, sondern weil er, Christus, der Vollkommene schlechthin, in uns ist. Darum können wir sagen: Uns ist die Vollkommenheit angeboten. „Christus ist in euch; er ist die Hoffnung auf die Herrlichkeit.“  Amen.

 

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Predigttext:       Lk 10,38-42

 

Diese Predigt habe ich gehalten in St. Amandus Herongen am 19.7.1998

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Auf den ersten Blick ist es eine ganz unscheinbare Geschichte, diese Begegnung der beiden Schwestern Martha und Maria mit Jesus. Aber wenn man diese Geschichte einmal genauer abklopft und näher betrachtet, dann steckt doch ein ziemlicher Tiefgang dahinter. Heute drei Gedanken zu diesem Evangelium.

 

Ein Erstes:

Hier im Evangelium geht es um eine Tugend, die damals zur Zeit der Bibel sehr hoch geschätzt wurde, und die wir heute so gar nicht mehr als Tugend bezeichnen würden: nämlich um die Tugend der Gastfreundschaft. Es ist geradezu das typische Kennzeichen der Christen, dass sie gastfreundlich waren. Wenn Sie einmal die Apostelgeschichte lesen, dann werden Sie merken: Wenn sich dort jemand bekehrt: Eine der ersten Dinge, die dann passieren: Er öffnet sein Haus und nimmt die Verkündiger der Frohen Botschaft gastfreundlich auf. Gastfreundschaft als typisches Kennzeichen.

Wenn wir gastfreundlich sein möchten, dann können wir aus dieser Geschichte von Maria und Martha einen ganz wichtigen Aspekt lernen: Vorrang bei der Gastfreundschaft hat der Gast und nicht die Umstände, die man sich wegen des Gastes macht. Sehen Sie, beide Schwestern, Martha und Maria, haben Jesus als Gast freundlich aufgenommen. Aber wie unterschiedlich fällt die freundliche Aufnahme dann aus. Maria setzt sich zu Füßen Jesu und lauscht seinen Worten. Sie zeigt schon durch ihre ganze Körperhaltung: Du, der Gast, bist mir jetzt wichtig. Und wie anders ist das bei Martha. Sie macht sich viele Umstände, rennt in die Küche, um schnell etwas auf den Tisch zu bringen. Aber Vorrang hat der Gast und nicht die Umstände.

Es ist heute übrigens oft genau so. Wenn ich als Pfarrer unangemeldet einen Hausbesuch mache: Um Gottes willen, jetzt steht das ganze Geschirr noch auf der Anrichte; da muss ich als Hausfrau erst einmal aufräumen; ich hab ja die Schürze noch um. Was soll jetzt der Pfarrer von mir denken? Was verursacht so ein Hausbesuch manchmal für eine Aufregung, die man gar nicht beabsichtigt hat. Manchmal möchte man sagen: Mein Gott, mach doch nicht so viele Umstände!

Auf der anderen Seite: Wie schön ist das, wenn man irgendwo hinkommt; gut, dann bleibt eben das Geschirr stehen. Aber wir haben jetzt Zeit für den Gast. Was tut das gut, wenn man spüren kann: Der Gast steht im Mittelpunkt und nicht die Umstände.

Übrigens, wenn man einmal genau hinschaut: Diese Haltung, die Martha hatte, dass ihr die Umstände wichtiger waren, ist letztlich geboren aus einem Egoismus. Da geht es um die Frage, dass ich jetzt etwas Gutes auf den Tisch bringe, dass man mir nichts nachsagen kann. Ganz wörtlich genommen: Da kommt Martha zu Jesus und sagt: „Herr kümmert es dich nicht, dass Maria die ganze Arbeit mir überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen.“ Es geht immer um mich; es geht nicht um den Gast, sondern um die Umstände, die ich mir mache. Aber Vorrang hat der Gast und nicht die Umstände.

 

Ein Zweites: Der erste Aspekt war ja noch recht äußerlich. Aber dieses Evangelium hat schon noch etwas mehr Tiefgang.

Es liegt eine ganz große Not in unseren christlichen Kirchen, in unseren Gemeinden, in unseren kirchlichen Gruppierungen und Verbänden, aber auch bei vielen einzelnen Christen in Folgendem: Es muss bei uns immer etwa los sein. Es ist immer irgendwo etwas zu organisieren. Schau Dir mal die Sitzungen der Pfarrgemeinderäte an oder Sitzungen der Vorstände von KAB, Kolping, Frauengemeinschaft ... Es muss immer etwas gemacht werden. Und wenn nichts gemacht wird, dann sagen die Leute: ‚Es ist ja nichts los bei uns.’ Wo sind heute noch die Christen, die Vereine, die Pfarrgemeinderäte, die Kirchengemeinden, die sich  - bildlich gesprochen -  zu Jesu Füßen setzen und seinem Wort lauschen? Wo sind die Christen heute, die hingehen und über dem Wort Gottes so lange still werden, bis man hinter den Wörtern der Heiligen Schrift plötzlich die Stimme Gottes hört? Was Kraft haben soll, muss geboren werden aus der Stille.

Wenn ein Landwirt ein Samenkorn sät, dann darf er nicht jeden Tag hingehen, die Ackerkrume losscharren und nachschauen, ob das Samenkorn schon gekeimt hat. Da geht das Samenkorn kaputt. Jeder Landwirt weiß: Wenn ich gesät habe, dann braucht die Saat eine Zeit der Stille. Und dann erst, wenn ich ihr diese Zeit des stillen Keimens gelassen habe, dann fängt sie an zu sprießen, wächst und trägt Früchte. Und wir meinen oft die ganze Aktivität könne fruchtbar werden ohne das Reifen in der Stille. Unser verstorbener Bischof Heinrich Tenhumberg, der mich in Münster zum Priester geweiht hat, hat einmal in einer Predigt einen Satz gesagt, der mich tief getroffen hat: „Wir halten in der Kirche unheimlich viele Sitzungen; aber es sitzt so wenig von dem, was wir beraten, weil es nicht geboren ist aus der Stille.“ Was Kraft haben soll, muss in der Stille wachsen können.

Schau Dir einmal Jesus an, der ja nun wirklich in Kraft und Vollmacht geredet und gewirkt hat, wie oft der in die Stille gegangen ist. Schau Dir einmal einen Glaubenzeugen unserer Zeit an, wie den verstorbenen Bischof Dom Helder Camara in Brasilien. Dieser Bischof ist für viele aus unserer Generation ein Vorbild im Glauben gewesen. Wussten Sie eigentlich, dass dieser Bischof jede Nacht von zwei bis vier Uhr aufgestanden ist und ‚Stille Zeit’ gehalten hat. Dann merkt man auf einmal, woher der seine Vollmacht und seine Ausstrahlungskraft hatte. Diese Grundwahrheit, dass die Kraft aus der Stille kommt, die gilt für uns Priester genau so. Ein Mitbruder hat mir vor einiger Zeit gesagt: „Zum Brevierbeten und zum Bibellesen komm ich gar nicht mehr. Ein ganz kurzes Morgengebet, das schaff ich noch. Aber für eine längere Zeit der Stille am Tag, hab ich einfach keine Zeit.“ Dieser Mitbruder ist als Pfarrer für mehrere Gemeinden zuständig. „Die Gemeinden fressen mich so auf; ich hetze nur noch von einem Termin zum anderen. Richtig still werden, das schaff ich nicht mehr.“ Aber wie soll denn dann bei uns Priestern noch geistliche und menschliche Kraft sichtbar werden in der Seelsorge, wenn wir nicht mehr in die Stille gehen. Oder bedenken Sie einmal eine Situation, die wegen des Priestermangels in vielen Gemeinden an der Tagesordnung ist: Da hat oft ein Pfarrer drei, vier, manchmal fünf und mehr Pfarreien, und er hetzt am Sonntag von einem Gottesdienst zum anderen. Da kann nichts mehr wachsen, da kann nichts mehr reifen, weil man diese innere Stille nicht mehr hat, um sich ganz auf Gott und die Menschen auszurichten. Irgendwo bleibt die geistliche Kraft dabei auf der Strecke. Das ist keine gute Entwicklung. Jeder von uns, der Kraft haben möchte zum Leben und zum Dienst, der braucht Stille; der braucht das Sitzen zu Jesu Füßen wie Maria in unserem Evangelium. Darum sagt Jesus: „Maria hat den besseren Teil erwählt.“

 

Ein Drittes, und das ist jetzt notwendig, damit der zweite Punkt nicht einseitig wird:

Der Evangelist Lukas, als er sein Evangelium schrieb, hat zwei ganz unterschiedliche Geschichten ganz unmittelbar nebeneinander gesetzt, weil er verhindern wollte, dass jetzt Leute kommen und sagen: Na ja, wenn der Pfarrer das so sagt, dann lesen wir jetzt jeden Tag in der Bibel, beten vielleicht stundenlang, drehen Däumchen (natürlich mit dem Rosenkranz), und dann wir es der liebe Gott schon machen. Da brauchen wir ja nichts mehr zu tun; da können wir die Hände in den Schoß legen (natürlich die gefalteten Hände).   Nein, so nicht!

Lukas hat zwei Geschichten nebeneinander gesetzt: Auf er einen Seite das Evangelium vom Barmherzigen Samariter, das wir am vergangenen Sonntag gehört haben. Da geht es um letzten Einsatz, um das praktische Tun und um konkrete Nächstenliebe, als da einer unter die Räuber gefallen war. Da spüren wir, wie der Dienst am Nächsten wirklich alles an Einsatz verlangt.

Auf der anderen Seite setzt Lukas direkt hinter die Geschichte vom Barmherzigen Samariter diese Geschichte von Maria und Martha, wo es um das Hören in der Stille geht. Wir brauchen beides: Wir brauchen den Einsatz für die Menschen. Aber wir brauchen es, dass dieser Einsatz für die Menschen aus der Stille heraus kommt.

Ich will es mal wieder mit einem Beispiel aus der Natur sagen: Wenn ein Baum wächst, dann wächst er ja nicht nur nach oben, sondern je höher ein Baum wächst, umso wichtiger ist es, dass er seine Wurzel tief gräbt. Sonst kippt der Baum um, wenn ein Sturm kommt. Und viele Menschen kippen heute um, weil sie ihre Wurzeln nicht tief genug geschlagen haben. Und je schwerer die Früchte sind, die ein Baum tragen muss, umso wichtiger ist es, dass seine Wurzeln stabil sind. Und wir tun heute als Christen oft zu wenig für unsere Wurzeln, für unsere Fundamente. Und das geht nicht gut. Nur dann, wenn beides geschieht: Wachstum in die Tiefe, in der Stille und Wachstum nach oben, in die Aktivität, die in der praktischen Nächstenliebe besteht, dann erfüllen wir das, was Jesus uns aufträgt.

 

Der heilige Benedikt, einer der ganz großen Heiligen, hat das wie kaum ein Zweiter auf den Punkt gebracht mit seinem großen Lebensmotto:  „Ora et labora.“ „Bete und arbeite.“ Es heißt nicht „Bete oder arbeite“, sondern „Bete und arbeite.“ Es geht um den Dienst der Liebe, der geboren wird aus der Kraft, die in der Stille geschöpft wird.   Amen.

 

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