Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

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17. Sonntag A
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Predigten

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Predigt zum Evangelium:   Mt 13,44-46

Predigttext:    Mt 13,44-46

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Ende der sechziger Jahre, als ich studierte, wurde in Münster eine Straßenlotterie durchgeführt zu irgendeinem Wohltätigkeitszweck, ich weiß nicht mehr genau wofür. Diese Lotterie war ein ganz schlechtes Geschäft für die Veranstalter, die lief überhaupt nicht. Eines Tages hörte einer, der mit mir im Seminar studierte, wie über den Lautsprecher Folgendes durchgesagt wurde: „Die Lotterie wird abgebrochen. Es sind noch ungefähr fünftausend Lose da. Heute Abend wird die Lotterie abgebrochen. Der Hauptgewinn, das war damals ein Opel Kadett, ein Fernsehgerät und etliche andere Gewinne, sind noch drin.“

 

Unsrer Bekannter aus dem Studium hört das, und da geht ihm auf einmal durch den Kopf: Moment mal, fünftausend Lose, jedes Los kostet eine Mark, und der Hauptgewinn ist noch drin. Ich kaufe den ganzen Ramsch auf, dann habe ich alle Gewinne, den Hauptgewinn, den Opel, das Fernsehgerät und alle anderen Dinge auch.

Er ist mit seinem Sparbuch zur Sparkasse gerannt; er hatte ungefähr viertausend Mark auf dem Konto. Er wollte die viertausend Mark abheben. Da hat ihm der Bankangestellte gesagt: „Wenn sie jetzt vom Sparbuch viertausend Mark abheben, das kommt Sie teuer. Sie können normal nur zweitausend Mark auf einmal abheben.“ Da sagt er: „Das ist mir egal, ich brauche das Geld.“ Und ich weiß noch, er ist im Seminar von einem Zimmer zum anderen gelaufen und hat sich Geld zusammengeliehen, bis er die fünftausend Mark zusammen hatte. Die Leute haben ihn gefragt: „Wofür brauchst du denn fünftausend Mark?“ Er sagte: „Ich will Lose kaufen!“ Und wir alle haben ihn für verrückt erklärt.

Er hat die Lose gekauft. Und er hat das Auto bekommen, den Fernseher und Küchenmaschinen und was noch alles zu gewinnen war, für fünftausend Mark. Natürlich, er hatte alles auf eine Karte gesetzt. Aber er wusste auch wofür.

 

Wie heißt es im Evangelium: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz. Den fand einer, und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte diesen Acker.“ Dann gehörte ihm nach damaligem Recht nämlich alles, was im Acker verborgen war.

 

Mit so einem Bibelwort macht man im Laufe seines Lebens so seine Erfahrungen. Und ich möchte ihnen heute statt einer theoretischen Predigt nur drei Episoden erzählen, die ich als Priester erlebt habe, und die alle mit diesem Bibelwort zu tun haben.

 

Ein Erstes: In meiner ersten Kaplanstelle kannte ich damals einen jungen Mann, der war bei der CAJ. Er war Optiker und hatte seine Meisterprüfung gemacht, und zwar sehr gut bestanden. Sein Vater hatte ein Brillengeschäft, das hervorragend lief. Er war der einzige Sohn, und er sollte dieses Brillengeschäft, dieses Optikergeschäft übernehmen. Das hatte der Vater seit langem geplant. Dieser junge Mann hatte eine Freundin, die wollte er auch heiraten.

Eines Tages kommt er zu seinem Vater und sagt ihm: „Vater ich will das Geschäft nicht übernehmen, ich gehe ins Kloster.“ Da haben ihn alle Leute für verrückt erklärt: Wie kannst du so eine Zukunft aufgeben? Du hast doch praktisch für deinen ganzen Lebensabend schon ausgesorgt bei dem gut gehenden Geschäft, das dein Vater hat.

„Nein, ich gehe ins Kloster!“ Und dann auch noch zu den Trappisten gegangen, eines der strengsten Klöster, wo man immer nur hinter Mauern lebt. „Da kommst du nie mehr nach Hause“, haben ihm die Leute gesagt. Alle, die davon gehört haben, haben gesagt: „Wie kannst du so einen Unsinn machen? Stell dir mal vor, du bist ja lebendig eingemauert, wie im Gefängnis. Und was soll deine Freundin dazu sagen?“

Übrigens seine Freundin war hinterher die einzige (vielleicht nicht im buchstäblichen Sinn), die ihn wirklich verstanden hat. Sie hatte verstanden, was er wollte und warum er das tat.

Der junge Mann ließ sich nicht davon abbringen. Er ging zu den Trappisten. Und ich erinnere mich noch gut (er hat auch damals im Kirchenchor mitgesungen), eine Woche bevor er dann zu den Trappisten ging, haben wir noch im Kirchenchor Abschied gefeiert.

Dann haben sie ihn gefragt: „Sag mal, wie bist du eigentlich drauf gekommen?“ Ich wusste das bis dahin auch noch nicht, weil der Pfarrer sein geistlicher Begleiter war. Und dann erzählt er uns:

An jedem Donnerstag vor dem Herz-Jesu-Freitag, am sogenannten Priesterdonnerstag, war in der Pfarrgemeinde immer vor der Abendmesse zwei Stunden stille Anbetung vor dem Allerheiligsten. Da war er als CAJ-ler hingegangen jedes Mal, wenn er Zeit hatte. Er hatte seine kleine Bibel dabei, sein Neues Testament. Das war auch nichts Ungewöhnliches für einen CAJ-ler damals. Er sagte: „Ich habe die Bibel einfach aufgeschlagen, weil ich nicht wusste, was ich vor dem Allerheiligsten beten sollte. Und dann bin ich auf diese Stelle gestoßen: ‚Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der im Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte diesen Acker.’ In dem Augenblick habe ich auf einmal gespürt, dass Jesus ein Schatz ist. Dass Kirche viel mehr ist, als nur sonntags in die Messe gehen, sondern dass Jesus wirklich ein Schatz ist.“ Und er ist glücklich geworden bei seiner Entscheidung.

 

Eine zweite Episode, ganz anders: Ich habe einmal Exerzitien gehalten für Jugendliche in einem Benediktinerinnenkloster im Münsterland, ein ganz kleines Kloster. Bei diesem Exerzitienkurs waren etwa zwölf oder fünfzehn Jugendliche mitgefahren, und die Exerzitien liefen überhaupt nicht. Ich kam einfach bei den Jugendlichen nicht an. Ich konnte ihnen das Wort Gottes nicht vermitteln.

Und dann passierte folgendes: Als wir mittags zum Mittagessen bei Tisch saßen, bediente uns eine ältere Schwester. Sie brachte das Essen rein, sie schöpfte die Suppe und so weiter. Während sie uns bediente, sind die Jugendlichen zwischendurch mit ihr auch ins Gespräch gekommen. Und dann stellte sich heraus: Diese Schwester war seit gut vierzig Jahren nicht mehr außerhalb der Klostermauern gewesen. Sie hatte die Klostermauern seit vierzig Jahren nicht mehr von außen gesehen. Das erzählte sie so beiläufig. Dann hätten Sie die Jugendlichen einmal hören sollen. Die haben die Schwester mit Fragen gelöchert, zunächst voller Vorurteile: ‚Da kann man doch nur verklemmt werden.’ Die ganzen gängigen Vorurteile, die dann immer so kommen.

Aber je länger dieser Kurs dauerte, wir waren fünf Tage zusammen, und bei jeder Mahlzeit trafen wir die Schwester, umso mehr spürten wir: Diese Schwester war überhaupt nicht verklemmt. Sie hatte einen ganz weiten Horizont. Sie erkundigte sich nach allem, was die Jugendlichen betraf, worüber sie sich freuten, wie sie lebten, und so weiter. Und sie selbst erzählte auch von ihrem Leben; und man spürte: Sie hatte selbst eine ganz große Weite, sie hat ein so weites Herz, wie ich es ganz selten bei jemandem erlebt habe.

Und ich erinnere mich noch, je länger der Kurs dauerte, umso mehr fing sie dann bei Tisch an, von ihrer Liebe zu Jesus zu erzählen, immer wieder und immer wieder; und die Jugendlichen hörten ihr zu. Die Mahlzeiten dauerten immer länger, weil die Jugendlichen immer mehr von ihr wissen wollten. Durch ihr schlichtes Glaubenszeugnis hat diese Schwester den Exerzitienkurs ‚gerettet’. Am letzten Abend haben wir mit den Jugendlichen ein Bibelgespräch gehalten. Wir hatten uns nicht einen Text ausgesucht, sondern das Evangelium genommen, das am nächsten Wochentag dran war. Und da war dieses Evangelium vom ‚Schatz im Acker’ dran. Wir haben es vorgelesen, Stille gehalten, und dann sagte einer von den Jugendlichen: „Ich glaube, die Schwester, die uns immer bedient, die hat auch ihren Schatz gefunden.“

 

Und schließlich noch eine dritte Erfahrung, wiederum eine ganz andere: Ich habe eine Frau kennen gelernt, eine jüngere Frau, die unglaublich lebenslustig war, und wahrscheinlich ist sie es auch heute noch. Sie hatte geheiratet, aber sie bekam keine Kinder. Dabei hatte sie Kinder so gern. Sie hat furchtbar darunter gelitten, dass Gott ihr Kindersegen versagt hat. Sie ist manchmal bei mir gewesen und hat geklagt und gejammert, dass alles Beten nichts nützt. Langsam wurde sie dadurch ein Stück verbittert. Und dann hat sie irgendwann einmal in der Bibel gelesen. Nicht diese Stelle vom ‚Schatz im Acker’, sondern die andere bekannte Stelle: „Was ihr einem meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Das hat sie bis ins Herz getroffen.

Sie ist dann ins Altenpflegeheim gegangen und hat unentgeltlich dort die alten Menschen gepflegt. Sie hat ohne Bezahlung die primitivsten und niedrigsten Arbeiten getan: die allgemeine Pflege, Waschen, Popopflege usw. Und weil sie diesen Dienst regelmäßig übernommen hatte, musste sie auf manche anderen Dinge verzichten, die ihr vorher wichtig waren. Weil sie ein sehr geselliger Typ war, war sie oft auf einem Kaffeekränzchen, war im Kegelclub usw. Das konnte sie nicht mehr alles weitermachen, weil sie diesen Dienst im Altenpflegeheim übernommen hatte.

Ich weiß noch, ihre Kegelschwestern haben das alle nicht verstanden. Einmal ist eine ihrer Kegelschwestern ins Altenheim mitgegangen und hat zugeschaut, wie sie sie die alten Leute pflegte. Dann ist sie abgehauen und hat hinterher zu ihr gesagt: „Also, die Leute könnten mir eine Million geben, dann würde ich das nicht tun, so eine Arbeit.“ Da antwortete diese Frau in aller Schlichtheit: „Für eine Million würde ich das auch nicht tun.“

Die hatte ihren Schatz gefunden, auf eine ganz andere Weise. „Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

 

Ich lese jetzt noch einmal diesen einen Vers aus dem Evangelium vor, und den nehmen wir dann mit nach Hause.

„Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. In seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß und kaufte den Acker.“   Amen.

 

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