Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

18. Sonntag A
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Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

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Predigt zur 1. Lesung:  Jes 55,1-3

Predigt zur 2. Lesung:  Röm 8,35.37-39

Predigt zum Evangelium:  Mt 14,13-21 (MP3)

Predigttext:      Jes 55,1-3

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

In meiner Kinderzeit gab es auf jedem Jahrmarkt den so genannten billigen Jakob. Der hatte einen ganz kleinen Marktstand, verkaufte irgend einen Artikel, meistens war es eine Reinigungspaste. Er hatte einen großen Zylinder auf dem Kopf, meist mit einem bunten Tuch verziert. Und er hat mit lauter Stimme jeden, der vorbeikam, angesprochen: „Auf, kommt zu mir, meine Damen und Herren! Geht nicht weiter! Bleiben sie stehen, hören sie mir zu! So günstig bekommen Sie diesen Artikel nie wieder!"

Ich kann das gar nicht so nachmachen, wie der das machte. Aber mit einer ganz lauten, marktschreierischen Art hat er die Leute regelrecht angeschrieen, und hat sie eingeladen, nicht vorbei zu gehen, sondern stehen zu bleiben und sich seine Vorführung anzuschauen. Natürlich sollten sie dann das Produkt, das er anpries, schließlich auch kaufen. Und er hat seinen Verkaufsschlager in einer Weise angepriesen, dass man manchmal den Eindruck haben konnte: Ich bekomme das total umsonst. Das bisschen Geld, dass man dafür bezahlen muss, angesichts der Wirkung, die dieses Produkt hatte, das war doch gleichsam wie nichts.

Das war der „billige Jakob“.

 

Daran wurde ich erinnert, als ich unsere heutige Lesung aus dem Propheten Jesaja las. Da ruft Gott durch den Propheten den Menschen zu: „Auf all ihr Durstigen, kommt zum Wasser! Auch wer kein Geld hat, soll kommen. Kauft Getreide, und esst. Kommt und kauft ohne Geld, Kauft Wein und Milch ohne Bezahlung.“

Mit ganz ähnlichen Worten hat damals in meiner Jugend der „billige Jakob“ den Leuten zugeschrieen, die über den Markt gingen, damit sie nur ja stehen blieben.

 

Nun möchte ich den lebendigen Gott nicht vergleichen mit dem „billigen Jakob“.

Dieses Geschrei, mit der „billige Jakob“ die Menschen zusammen gerufen hat, wollte zweierlei Dinge erreichen: Zum einen wollte er die Leute bewegen, erst einmal stehen zu bleiben. Und sie sind stehen geblieben, meist in einer großen Traube um seinen Markstand. Dass sie ihm ihr Ohr geliehen haben, dass sie ihm zugehört haben, darum hat er so geschrieen. Es war gleichsam wie ein Weckruf, wie ein Trompetenstoß: „Hört mir doch zu!“ Und dann war seine zweite Absicht natürlich, dass die Leute hinterher das Produkt auch kauften.

Ob da viele Menschen gekauft haben, daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Aber eins weiß ich ganz sicher: Ob Kinder oder alte Leute, ob Männer oder Frauen, es sind jedes Mal Scharen von Menschen an diesen Stand stehen geblieben und haben dem Marktschreier zugehört.

 

Wenn nun hier beim Propheten Jesaja Gott gleichsam wie ein Marktschreier ruft: „Auf ihr Durstigen, kommt zu mir“, dann möchte er zunächst einmal unsere Aufmerksamkeit wecken, dass wir ihnen zuhören.

Und dann geht es hier vordergründig um Getreide, um Wein, um Milch und Brot.. Aber wenn man einmal bei diesem Text stehen geblieben ist und hat sich anrufen lassen, dann man merkt auf einmal, dass diese Dinge nur der Vordergrund sind.

Aber dann heißt es einmal am Ende unserer Lesung: „Neigt euer Ohr mir zu, und kommt zu mir. Hört, dann werdet ihr leben.“ Auf einmal heißt es nicht mehr: „Kauft, dann werdet ihr leben“, sondern „Hört, dann werdet ihr leben“.

Und auf einmal steht im Hintergrund dieses Weckrufes die Frage: Wovon leben wir eigentlich?

Alle diese Ereignisse, wie die Brotvermehrung, die Hochzeit zu Kana, wo Jesus Wasser in Wein verwandelt hat, der reiche Fischfang, alles das will letztlich nur eins, nämlich Hinweis sein: In Jesus, wenn du zu IHM kommst, ist Dir Leben angeboten, und zwar Leben in Fülle. Nicht nur dass der Magen voll wird, sondern dass unsere tiefste Lebenssehnsucht gestillt wird.

Hier in unserer Lesung heißt es dann auch: „Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt, und mit dem Lohn neuer Mühen, was euch nicht satt macht?“

Wie viel Geld geben die Menschen heute aus, um ein erfülltes Leben zu haben, ein sinnerfülltes Leben! Was tut man nicht heute alles, um so ein Leben in Fülle zu haben. Wenn man sich einmal umschaut:

Wie viele Menschen versuchen auf der Karriereleiter immer höher zu klettern. Und es geht überhaupt nicht um mehr Geld, sondern es geht nur noch darum, dass man Wer ist.

Wie viele Urlaubsreisen werden unternommen, nicht um sich zu erholen, sondern um sagen zu können: Ich bin da und da gewesen. Keiner weiß dann so genau, wo dieser Urlaubsort liegt. Aber da sind wir gewesen.

Wie viel verwenden die Menschen heute auf ihre Kosmetik, wie viel wenden die Menschen heute auf, um psychisch „auf Vordermann“ zu kommen, weil sie mit den Lasten und Sorgen ihres Lebens nicht mehr fertig werden. Wie vieles wird dem Psychiater anvertraut auf dem so berühmten Sofa. Manchmal habe schon gedacht: Wenn die Menschen das gleiche einem Priester in der Beichte sagen würden, und sie würden mit dem Beichtvater zu Jesus Christus kommen, dann brauchten sie dafür nichts zu bezahlen und sie wären frei von ihren Lasten. Ein Psychiater kann dich im Tiefsten nicht befreien. Aber wir Menschen bezahlen Unsummen an Geld, wir treiben einen Riesenaufwand auch zeitlicher Art, um fit zu werden, um diesen letzten Sinn des Lebens in unserem Leben zu erfahren.

 

Und da sagt uns Gott: Wenn du Sehnsucht hast nach einem erfüllten Leben, dann kommt zu mir.

Am Ende unserer Lesung heißt es: „Neigt euer Ohr und kommt zu mir, hört, dann werdet ihr leben. Ich will einen ewigen Bund mit euch schließen gemäß der beständigen Huld, die David erwiesen habe.“  

Das bedeutet im Tiefsten: Der Mensch lebt von der Bundestreue Gottes. Gott hat sich uns gegenüber verpflichtet. Ich will einen ewigen Bund mit euch schließen. Das heißt: Gott steht zu uns. Wir stehen nicht unter einer Willkür Gottes, als ob er mal gut oder mal schlecht ist, als ob er nach Lust und Laune handelt. Nein, er hat einen ewigen Bund mit uns geschlossen.

Vom Neuen Testament her darf man sagen: Es ist der Neue Bund im Blut Jesu, der da geschlossen wird. Letztlich leben wir alle von dieser Bundestreue Gottes, und wir leben von seiner beständigen Huld, von der gleichen Huld, die er dem König David erwiesen hat. Und denkt immer daran: König David war nicht ein moralischer „Strahlemann“. David war Bandenführer gewesen, er hat einen Ehebruch begangen, er hat einen Mord auf dem Gewissen. Und trotzdem hat Gott ihm seine Huld beständig bewahrt. Er hat über ihn gesagt: „Ein Mann nach meinem Herzen.“

 

Wenn Du Leben in Fülle suchst, dann sucht sie nicht irgendwo, sondern dann such sie bei Gott, der einen ewigen Bund mit Dir geschlossen hat, und der Dir beständig seine Huld bewahrt hat.

Dann kannst du vielleicht ähnlich wie David das getan hat, den 23. Psalm beten. Da heißt es am Ende: „Du deckst mit den Tisch vor den Augen meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl und füllst mir reichlich den Becher. Lauter Güte und Huld werden mir folgen mein Leben lang. Und im Haus des Herrn darf ich wohnen für lange Zeit.“

Über diesen Psalm, der ja beginnt mit den Worten „Der Herr ist mein Hirt“, müsste man als Überschrift ein Zweifaches schreiben: nicht einfach nur „Der Herr ist mein Hirt“, sondern: „Der Herr ist ein Hirt und mein Wirt“, der mir voll einschränkt.

Du lebst aus dieser Fülle Gottes. Und um noch einmal einen Blick zu werfen auf das Evangelium von der Brotvermehrung: Das ist es, worauf diese Wunder hinzeigen wollen, dass in Jesus Christus Fülle ist. Darum sagt Jesus im Johannesevangelium in der großen Brotrede im Anschluss an die Brotvermehrung nicht: „Ich gebe euch das Brot des Lebens“, sondern „Ich bin das Brot des Lebens“. Wenn Du Leben in Fülle suchst, dann sagt Jesus Dir: Ich bin es. Ich bin Leben in Fülle für Dich. Amen.

 

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Predigttext:    Röm 8,35.37-39

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wenn der Mai und die Sommermonate kommen, dann ist die auch Zeit gekommen, wo verstärkt die Brautpaare vor das Angesicht Gottes treten und vor dem Angesicht Gottes die Ehe schließen. Ich muss ehrlich sagen: irgendwie läuft es mir jedes Mal kalt über den Rücken, wenn ich dann als Priester die Brautleute frage: „Seid ihr bereit, in guten und in bösen Tagen, in Gesundheit und in Krankheit einander die Treue zu halten, bis dass der Tod euch scheidet?“ Man spürt manchmal bei den Brautleuten, wie dann dieses Jawort mit einem Zögern gesagt wird. Denn Treue, Beständigkeit, Durchhalten, zu einander stehen, bis dass der Tod uns scheidet, das sind heute keine gefragten Tugenden, das ist heute nicht "in".

 

Auf der einen Seite, jede dritte Ehe wird statistisch gesehen in unserer Zeit geschieden. Aber eben nicht durch den Tod, sondern durch den Staat. Das ist eine ganz bittere Wirklichkeit. Und die Paare, die geschieden werden, sind doch alle einmal angetreten, um ein Leben lang glücklich zu werden.

 

Aber auf der anderen Seite ist es immer eine ganz große Freude für eine Gemeinde, wenn dann Eheleute manchmal nach fünfundzwanzig Jahren oder nach fünfzig Jahren, vielleicht sogar nach sechzig Jahren noch einmal vor den Altar treten und dieses Versprechen, das sie sich vor langer Zeit gegeben haben, erneuern. Und wenn sie dann zurückblickend sagen dürfen: Jawohl, wir haben einander in guten und in schlechten Tagen die Treue gehalten. Und wir halten uns auch für den Rest des Lebens die Treue.

Ein Freund von mir, ein Pater, ein alter Mann, hat mir einmal gesagt: Es gibt in dieser Welt nichts Tieferes, als wenn als wenn du ein Ehepaar vor dem Altar hast, die sagen können: Wir haben uns die Treue gehalten. Das ist die tiefste Erfahrung, die es in dieser Welt gibt. Darum hat Gott die Ehe zum Sakrament gemacht.

 

Und doch: Es gibt noch etwas Tieferes, noch etwas Größeres. Menschliche Liebe kann noch so tief sein, sie endet mit dem Tod. „... bis der Tod uns scheidet“, heißt es in der Trauungsliturgie. Der Tod ist die Grenze dieser tiefsten menschlichen Lebensgemeinschaft in der Ehe.

 

Aber Paulus sagt uns heute in der Lesung aus dem Römerbrief: Es gibt eine Liebe, eine Gemeinschaft, die kann nicht einmal durch den Tod geschieden werden. Und hier kommt selbst dieser kühle und nüchterne Theologe und Denker Paulus gleichsam ins Schwärmen. Er schreibt: Was will uns eigentlich scheiden von der Liebe Christi? Verfolgung oder Nöte oder Drangsal, Gefahr oder Schwert? Alles mögliche er zählt auf. Jawohl, sagte er, das alles wird euch passieren, „in guten und in schlechten Zeiten“, auch in schlechten. Aber wenn euch das passiert, diese Drangsale, Verfolgung, Hunger, Blöße, dann bleibt ihr mitten in diesen Nöten Sieger, weil einer da ist, der euch liebt.

Und Paulus setzt noch einmal an: „Ich bin völlig gewiss, weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“

 

Das ist das tiefste Geheimnis des Neuen Testamentes: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes. Das heißt mit anderen Worten: Es kann mit uns passieren, was will, Gott wird nicht aufhören, uns zu lieben. Wir können noch so tief in Sünde fallen, wir können noch so weit runtergekommen sein, Gott wird nicht aufhören, uns zu lieben. Wir können sterben, Gott wird nicht aufhören, dich zu lieben.

Noch etwas anderes möchte ich in diesem Zusammenhang einmal sagen: Wenn wir mit Jesus Christus in dieser Welt verbunden sind, und wenn unsere Angehörigen, die Ehepartner, die Kinder, die Eltern, auch mit Jesus Christus verbunden sind, hält auch unsere menschliche Liebe über den Tod hinaus, dann ist auch diese menschliche Beziehung durch den Tod nicht mehr zu brechen. Dann gilt das nicht mehr „bis der Tod uns scheidet“, sondern dann ist Jesus Christus die Brücke von einem Menschen zum andern. Dann gibt es eine Liebe, die den Tod überdauert, auch eine menschliche Liebe, eine menschliche Beziehung, die den Tod überdauert.

 

Wenn ein Priester geweiht wird, dann ist das so üblich, dass man sich ein Primizbildchen sucht. Und hinten auf das Primizbildchen kommt dann gleichsam ein Leitspruch, ein Vers aus dem Alten oder Neuen Testament. Und da sucht man vor der Priesterweihe schon gründlich. Und als ich 1973 Priester wurde, da habe ich hinten auf mein Primizbildchen diesen einen Vers geschrieben: „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Christi.“ Und als wir damals begründen sollten, warum wir unseren Primizspruch gewählt haben, da habe ich damals gesagt: Solange dieser Satz gilt „Nichts kann uns scheiden von der Liebe Christi“, will ich mit Freude und Dankbarkeit Priester sein, in guten und in schlechten Zeiten.

 

Und heute, nach vielen Jahren, - ich kann ja nun schon so ein Stückchen zurückschauen - ich habe festgestellt: Dieser Satz gilt; auf diesen Zusage kannst du bauen. Und ich möchte Ihnen heute in aller Schlichtheit sagen: Du kannst in Freude und Dankbarkeit Christ sein, jeder einzelne, weil dieses Wort gilt: „Es mag passieren, was will, nichts wird dich scheiden von der Liebe Christi.“ Er wird nicht aufhören dich zu lieben.   Amen.

 

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Predigttext:  Mt 14,13-21

 

Predigt im MP3 Format

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