Pfarrer Karl Sendker

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Gottesdienste - geistliches Leben

 

18. Sonntag C
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Predigt  zur 2. Lesung:  Kol 3,1-5.9-11

Predigt zum Evangelium:  Lk 12,13-21

Kurzpredigt zum Evangelium Lk 12,13-21 im mp3 Format

Predigttext:   Kol 3,1-5.9-11

 

Diese Predigt ist die vierte einer vierteiligen Predigtreihe

zu den zweiten Lesungen des 15.-18. Sonntags  C

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Die heutige Lesung aus dem Kolosserbrief ist für ein Prediger ziemlich schwierig.

Ich habe allerdings in der Studentenzeit einen Pfarrer kennen gelernt, der gerade über diese Lesung mit einer glühenden Begeisterung gepredigt hat. Vor allen Dingen über zweiten Teil der Lesung: „Darum ertötet, was irdisch ist in neueren Gliedern: Schamlosigkeit, böse Begierden und so weiter.“ Er hat mit einer unglaublichen Leidenschaft darüber gepredigt. Überhaupt, das Thema ‚Abtötung’ war eines seiner Lieblingsthemen.

Was uns bei diesem Pfarrer Respekt abgenötigt hat, war die Tatsche, dass er selber dieses Stichwort Abtötung auch gelebt hat. Ich weiß, dass er sich persönlich unheimlich in Zucht genommen hat. Ein Beispiel dafür: Er schlief eigentlich morgens gerne lange. Aber um sich abzutöten, ist der jeden Morgen um 6:00 Uhr aufgestanden, einfach nur um Disziplin zu üben. Ich weiß, dass er außer sonntags unter der Woche nie Fleisch gegessen hat, einfach nur um sich abzutöten. Das hat uns damals großen Respekt abgenötigt, wenn einer das mit einer solchen Radikalität nicht nur predigt, sondern auch selbst lebt. Und man spürte auch, dass ihn diese Lebensweise eine große Anstrengung kostete. Es war für ihn nicht leicht, diese Abtötung wirklich zu leben.

Außerdem spürte man noch etwas anderes, und das war eigentlich schlimm. Er war nämlich nicht nur gegen sich selbst streng, er war auch streng gegenüber allen anderen Menschen. Nicht nur streng, sondern oft hart in seinem Urteil, manchmal bitter in seinen Bemerkungen. Was er von sich selbst forderte, das forderte er von anderen auch. Und ich weiß, dass die Menschen in der Seelsorge manchmal unter ihm sehr gelitten haben, weil er so hart, ja manchmal sogar grausam sein konnte auch gegenüber anderen.

Dieser Pfarrer wurde krank, und zwar todkrank. Er hat über Monate im Krankenhaus auf der Intensivstation gelegen und mit dem Tod gerungen. Er ist dann wieder gesund geworden, und konnte wieder seinen Dienst in der Gemeinde antreten. Wissen Sie, was das erste war, was auffiel bei diesem Mann, als er wieder in den Dienst kam: Er strahlte plötzlich nicht mehr Härte, Strenge und Bitterkeit aus, sondern eine ganz große Güte, die er vorher so nicht gehabt hatte. Sich selbst gegenüber war er immer noch streng. Er hat sich immer noch abgetötet. Aber seine Abtötung hatte eine gewisse Leichtigkeit bekommen. Und wenn er jetzt streng war anderen gegenüber, dann wurde diese Strenge umstrahlt von einer großen Milde und Großmütigkeit. Er war ein anderer geworden.

Ich habe ihn einmal angesprochen auf diese Veränderung in seinem Leben. Ich habe ihn gefragt, ob er das eigentlich selber gemerkt hat. Und dann hat er mir geantwortet: „Weißt du, wenn Du einmal dem Tod ins Auge geschaut hast, nicht nur theoretisch, sondern praktisch, wenn Du schon mit dem Leben abgeschlossen hattest, und wenn Dir dann das Leben noch einmal neu geschenkt wurde, dann siehst Du manche Dinge anderes als vorher. Dann bist Du nicht mehr der gleiche. Was mir früher wichtig war, das ist mir jetzt unwichtig geworden.“ Und was ihm früher so nebensächlich war, nämlich auch die Freuden des Lebens zu genießen, (Er konnte früher nie in Ruhe einen Spaziergang machen – höchstens einen ‚Arbeitsspaziergang’. Er konnte auch nicht einfach einmal in Muße Musik hören.) alles das war ihm jetzt möglich. Und irgendwie spürte man: Vorher strahlte er nur Gesetzesstrenge aus. Aber nach dieser Krankheit war er ein Stückchen Jesus ähnlich geworden. „Wenn Du einmal dem Tod ins Auge geschaut hast, und wenn Dir das Leben dann wieder geschenkt wurde, dann siehst Du manche Dinge anders.“

 

So ähnlich ist das, was der Apostel Paulus heute im Kolosserbrief schreibt. Ja, er schreibt: „Tötet, was irdisch in euch ist!“ Auch bei Paulus geht es um radikale Abtötung. Man darf mit Sünde keinen Kompromiss schließen. Und Paulus schreibt auch am Anfang ganz eindeutig: „Richtet euren Sinn nicht auf das Irdische, sondern auf das Himmlische!“ Aber als Erstes schreibt er mit einem jubelnden Unterton: „Ihr seid mit Christus gestorben, und ihr seid mit Christus auferweckt worden.“

Dahinter steht die Erfahrung der christlichen Taufe. In der Taufe wird der Mensch so eng mit Jesus Christus verbunden, dass man real sagen kann: Du bist mit Christus gestorben, und du bist auch bereits mit Christus auferweckt worden. Das ist ganz real.

Unsere große Not mit der Taufe ist doch: Wir alle haben unsere Taufe gar nicht bewusst erlebt. Wir sind alle als kleine Babys getauft worden, und haben überhaupt keine Erinnerung mehr daran. Aber der ursprüngliche Taufauftrag Jesu war ja an Erwachsene gerichtet. Da war die Taufe eine ganz tiefe Erfahrung: „Ich bin mit Christus verbunden. Ich bin mit ihm gestorben, und ich bin mit ihm auferweckt worden.“

Und die ersten Christen sind nicht getauft worden, dadurch das Wasser über den Kopf gegossen wurde, sondern sie wurden in ein großes Becken oder in einen Fluss untergetaucht. Das sollte ein Zeichen dafür sein: Ich bin begraben worden. Der ‚alte Mensch’ ist weg, der ‚alte Mensch’ mit seinen Leidenschaften und Gelüsten. Und wenn die Christen wieder heraus stiegen, dann war das ein Zeichen der Auferstehung. Das war für die Christen eine ganze reale Erfahrung. Nur, wer hat diese Erfahrung von uns schon noch?

 

Aber ich habe in der Seelsorge oft erlebt, und das ist genau das Gleiche wie bei oben beschriebenen Pfarrer: Es gibt heute zunehmend mehr Menschen, die anlässlich von Exerzitien oder ähnlich in Kursen ganz persönlich ihr Taufversprechen erneuern: „Ja, ich möchte dazu stehen, was meine Eltern und Paten damals bei der Taufe versprochen haben. Ich möchte mich ganz bewusst Jesus Christus überlassen als meinem Herrn. Er soll das Sagen haben in meinem Leben.“ Und bei solchen Menschen ist immer wieder feststellbar: Was sonst so verkrampft ist, etwa den Sinn auf das Himmlische zu richten und nicht auf das Irdische, das alles fällt diesen Menschen auf einmal leicht.

Ich will ihnen nur ein Beispiel dafür sagen: Ich habe mehr als einmal erlebt, dass Jugendliche, die nicht mehr zum Gottesdienst gegangen haben, weil sie gesagt haben: Das ist ja sowieso immer dasselbe. Und dann, in dem Augenblick, wo die gleichen Jugendlichen Jesus Christus gefunden haben als ihren Herrn, da gingen sie auf einmal nicht nur sonntags zur Kirche sondern freiwillig auch werktags. Es wurde ihnen auf einmal leicht. Die religiösen Übungen: das Beten, das Bibellesen, der Gottesdienst usw. bekommen eine Leichtigkeit. Ja sogar das Bußsakrament, die Beichte bekommt plötzlich eine Leichtigkeit. Da heißt es nicht mehr: Muss man denn unbedingt zur Beichte gehen? Nein, ganz umgekehrt: Sie sind so glücklich, dass ihr ‚Päckchen’ los werden können. Das meint Paulus, wenn er sagt: „Tötet, was irdisch ist den neueren Gliedern.“ Bringt es im Bekenntnis zu Jesus Christus.

Aber am Anfang steht nicht die Aufforderung: „Ertötet! Abtötung!“ Am Anfang steht die Feststellung: „Ihr seid mit Christus gestorben, und ihr seid mit ihm auf erweckt.“

Paulus sagt weiter: Dieses neue Leben, das uns in der Taufe geschenkt worden ist, das ist jetzt noch in Christus verborgen. Man sieht nach außen hin meistens nur den ‚alten Menschen’ mit seinen Schwächen. Aber dieses neue Leben ist ganze real da. So wie ein Kind im Mutterschoß zunächst auch nicht zu sehen ist, aber es ist wirklich da. Die Mutter hat es empfangen. So ist es auch mit diesem neuen Leben.

Und Paulus schreibt: Wenn Christus bei seiner Wiederkunft offenbar wird als der Herr, dann werdet auch ihr als die Erneuerten offenbar werden.

Das Fest der Verklärung Christi, dass wir in diesen Wochen feiern, spiegelte ja ein Stückchen von der Herrlichkeit Gottes wider. Diese Herrlichkeit Gottes hat man dem irdischen Jesus ja auch nicht angesehen. Er hat ja nicht einen Heiligenschein gehabt. Er lief herum wie jeder andere Jude damals auch. Aber einmal, für einen Augenblick, dürfen die drei Apostel seine Herrlichkeit sehen auf dem Berg Tabor. Und das war gleichzeitig die Ankündigung und die Gewissheit: So wird es mit euch auch sein.

Aber am Anfang, ich betone es noch einmal, steht die Erfahrung: „Ich bin mit Christus gestorben, ich bin mit ihm auf erweckt.“ Wer das nie erlebt hat, diese persönliche Beziehung zu Jesus Christus, der wird das alles vielleicht kaum verstehen. Ich habe das früher auch nicht verstanden. Aber wer diesen Schritt auf Jesus Christus hin getan hat, der weiß, wo von ich rede. Und er spürt jetzt schon ein Stückchen von dieser Herrlichkeit Gottes.   Amen.

 

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Predigttext:   Lk 12,13-21

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es ist eine Tatsache, dass in unsere Gesellschaft, in unsere Familien eine große Menge an Bitterkeit kommt durch alles was mit dem Erbe zusammenhängt. Wie oft ist das bei uns so, in unseren Familien, dass Kinder nicht mehr miteinander sprechen, weil sie sich beim Erbteil übergangen fühlen oder sich ungerecht behandelt fühlen, weil sie meinen, der eine hat mehr bekommen als der andere. Wie oft ist das so, dass Ärger und Bitterkeit und Unfriede in eine Familie kommen so dass man über Generationen fast nicht mehr miteinander spricht und keine Gemeinschaft mehr hat miteinander. Oder wie oft ist das so, dass Kinder den verstorbenen Eltern über den Tod hinaus immer noch nachtragen oder vorwerfen, dass sie beim Erbteil ungerecht behandelt worden sind. Das Gebot, du sollst Vater und Mutter ehren, gilt ja nicht nur für die lebenden Eltern, sondern das gilt auch über den Tod hinaus. Oft ist da eine ganz große Bitterkeit den Eltern gegenüber, sogar über den Tod hinaus. Und oft geht es um die Frage des Erbes.

 

Nun kommt hier im Evangelium einer und sagt zu Jesus: „Meister, sag meinem Bruder, er soll das Erbe mit mir teilen.“ Wahrscheinlich war es der ältere Bruder, der das Erbe teilen sollte. Vielleicht war es so, dass der alles zusammenhalten wollte. Vielleicht hatte ereinen Hof und wollte ihn nicht verkaufen und seine Geschwister auszahlen; das ist ja dann oft schwierig. Und so kommt dieser Bruder zu Jesus: „Herr, sag meinem Bruder, dass er das Erbe mit mir teilen soll.“

 Ist das nicht eigentlich ein berechtigter Wunsch. Damit wieder Friede in die Familie kommt, damit Zwist und Zwietracht vermieden werden. Ist das nicht ein Anliegen, mit dem er berechtigter Weise zu Jesus kommt?

Und dann überrascht uns Jesus, indem er ganz schroff auf dieses Anliegen antwortet: „Mensch, wer hat mich zum Richter oder Schlichter bei euch gemacht?“ Natürlich ist es Jesus ein Anliegen, dass Friede in einer Familie ist. Aber als dieser Bittsteller kommt, deckt Jesus die falsche Herzenshaltung dieses Menschen auf. Dem geht er gar nicht in erster Linie um den Frieden in der Familie. Jesus schaut in das Herz dieses Menschen hinein, und er entdeckt im Herzen dieses Menschen Habgier; und das deckt er auf. Und er sagt zu allen Leuten die dabei stehen: „Gebt acht, und hütet euch vor der Habgier, denn der Sinn des Lebens besteht nicht darin, dass ein Mensch auf Grund seines großen Vermögens in Überfluss lebt.“

Natürlich ist es wichtig, Frieden in der Familie zu haben, aber wenn dahinter Habgier steckt, dann ist es eine falsche Motivation. Der Apostel Paulus hat im ersten Timotheusbrief im sechsten Kapitel einmal geschrieben: „Die Wurzel allen Übels ist die Habgier. Und manche die sich ihr hingaben sind vom Glauben abgeirrt und haben sich selbst viel Weh bereitet.“ Und einige Verse weiter im gleichen Kapitel schreibt er: „Den Reichen dieser Welt schärfe ich ein, dass sie nicht hochmütig seien, noch ihre Hoffnung auf den unsicheren Reichtum setzen, sondern auf Gott, der alles reichlich zum Genuss darbietet. Dass sie Gutes tun, dass sie reich an guten Werken, freigiebig und wohltätig seien, und sich so einen guten Grundstock für die Zukunft aufspeichern, damit sie das wahre Leben erlangen.“ Die Wurzel alles Übels, sagt Paulus, ist die Habgier.

Sie kennen das Gleichnis vom Verlorenen Sohn aus dem Lukasevangelium. Haben sie schon einmal darüber nachgedacht: Der Lebensweg des jüngeren Sohnes, der unten bei den Schweinen endet, am Schweinetrog, der beginnt mit der Haltung: „Gib mir den Anteil des Erbes, der mir zukommt.“ Wieder geht es um das Erbteil. „Gib mir!“ Wieder steht im Hintergrund Habsucht. Und dieser Weg, der mit „Gib mir!“ beginnt, der endet am Schweinetrog.

 

Aber die Haltung der Habgier, die Jesus hier aufdeckt und verurteilt, die wird noch einmal eine Spur tiefer beleuchtet. Im Hintergrund der Habgier steht der Egoismus. Ich weiß nicht, ob ihnen das beim Hören dieses Gleichnisses das Jesus da erzählt, aufgefallen ist. Da geht es immer nur um das eigene Ich. Ich, Meiner, Mir, Mich! In der Einheitsübersetzung ist das ein bisschen blass ausgedrückt. Wenn es da in der Einheitsübersetzung heißt: „Da überlegte er hin und her“, da steht im Griechischen eigentlich wörtlich, er überlegte „bei sich“. Ich werde ihnen jetzt aus einer anderen Übersetzung diese Verse noch einmal vorlesen und sehr pointiert akzentuieren: „Er überlegte bei sich und sagte: Was soll ich machen? Ich habe nicht genug Raum, meine Ernte unterzubringen. Und er sagte: So will ich es machen: Ich werde meine Scheunen abreißen. Ich werde größere bauen und darin all mein Getreide und meine Güter aufspeichern. Dann will ich zu meiner Seele sagen: Seele, du hast viele Güter liegen für viele Jahre. Ruh dich aus; iss und trink und lass dir es wohl sein.“

Immer dreht sich alles nur um das eigene Ich. Und das ist etwas Furchtbares. Diese Haltung kann nur Scheitern bedeuten.

Wenn Jesus dieses Gleichnis erzählt: „Da war ein Mann, der hatte eine große Ernte und er überlegte, was soll ich tun um, die Ernte unterzubringen …“, dann denken sie einmal daran, in unsere Zeit hineinzuschauen. Ist es nicht buchstäblich so geworden, wie Jesus sagte: „Du Narr, du Tor!“

Wenn die Landwirtschaft heute mit einer besonders guten Ernte aufwarten kann, wenn das Land besonders gut getragen hat, dann ist das ja heute nicht mehr ein Segen, sondern ein Fluch. Mir haben Landwirte gesagt: „Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist eine überdurchschnittlich gute Ernte. Denn dann gehen die Preise kaputt.

So merkt man auf einmal: unsere ganzen klugen Überlegungen: Noch mehr, und noch mehr, und noch mehr …, die greifen letztlich ins Leere. Und Gott sagt auch uns heute: „Du Narr!“ Das worauf du dich ausruhen willst, das wird dir unter der Hand zum Fluch.

Oder denken sie an eine ganz andere Situation in unserer Gesellschaft heute. Wie viele Menschen haben in den letzten Jahren geglaubt, durch Aktienkäufe das schnelle und große Geld zu machen. Und es schien ja auch so zu sein. Alles hat expandiert, es ging immer bergauf. Jeden Tag in den Nachrichten wird uns die Aktienkurve gezeigt; sie ging immer bergauf. Und die Leute haben gekauft und gekauft, und sie meinten, sie könnten das schnelle Geld machen. Und dann auf einmal konnten wir vor einigen Jahren erleben, wie alles abstürzt. Ich kenne einen Mann, der hat mehrere hunderttausend Euro in den letzten Jahren in Aktien angelegt. Dessen Vermögen, auf dem er sich ausruhen wollte, um nicht mehr arbeiten zu müssen, hat sich halbiert, wie er mir sagte.

„Du Narr!“, sagt Gott. Und dahinter steht diese Haltung, dass du nur um dich selbst kreist. Wenn du dich nur um dich selbst drehst, und wenn du Gott aus dem Blick verlierst, dann hast du die falsche Haltung. „Du Narr!“, sagt Gott zu diesem reichen Kornbauern, „noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Und wem wird dann alles das gehören, was du angehäuft hast.

Wie vielen Menschen sagt Gott wohl heute: „Du Narr!“ Natürlich, menschlich gesehen handelst du klug. Du baust immer größere Scheunen, vergrößerst dein Konto, dein Aktiendepot. Aber aufs ganze gesehen und mit dem Blick auf die Ewigkeit, mit dem Blick auf die Tatsache, dass du mit Sicherheit einmal sterben musst, was bringt dir das dann alles?

 

Zusammenfassend sagt Jesus am Ende: „So geht es jedem, der nur für sich selbst Schätze sammelt, aber vor Gott nicht reich ist.“ Auf diesen letzten Satz möchte ich noch einmal eingehen. Was bedeutet das denn: vor Gott Schätze sammeln, und nicht nur für sich selbst? Was bedeutet das: vor Gott reich zu sein? Das bedeutet ein Zweifaches: Zum einen, dass man bei seinem Reichtum den anderen im Auge hat und nicht nur sich selbst. Dass man lernt, zu teilen. Der Apostel Paulus hat im Galaterbrief einmal eine Binsenweisheit geschrieben: „Was der Mensch sät, wird er auch ernten. Wer reichlich sät, wird auch reichlich ernten.“ Das weiß jeder Landwirt: Ich muss reichlich säen, wenn ich reichlich ernten will.

Aber das gilt auch im übertragenen  Sinn. Wo Menschen schenken können, wo Menschen anderen etwas mitgeben können, wo Menschen teilen können, wo sie in dieser Weise aussäen, da bekommen sie es vielfältig zurück.

Wenn du einen Sack Getreide hast, dann kannst du diesen Sack Getreide in dein Zimmer stellen, und kannst jeden Tag eine Andacht halten, um Gott zu bitten dass er das Getreide vermehrt. Es wird immer ein einziger Sack Getreide bleiben. Aber wenn du es aussäst, dann wird daraus ganz viel.

Jesus hat im Lukasevangelium einmal gesagt: „Gebt, dann wird euch gegeben werden, ein zusammengedrücktes, gerütteltes, gehäuftes Maß wird euch gegeben werden.“

Wer reich werden will, vor Gott reich werden will, aber auch in dieser Welt, der soll lernen zu geben, zu teilen, der muss aussäen. Das ist die eine Weise, vor Gott reich zu sein.

 

Es gibt aber noch einen anderen Gesichtspunkt. Der Apostel Paulus hat im Philipperbrief im ersten Kapitel einen Satz geschrieben, der mich bis ins tiefste geprägt hat. Er hat den Tod vor Augen, und berichtet den Menschen, wie es ihm geht. Er muss damit rechnen, dass sein Prozess, - er ist Gefangener -, mit dem Todesurteil endet. Und dann schreibt er: „Das Leben ist für mich Christus, und das Sterben ist für mich Gewinn.“ Das Sterben ist für mich Gewinn.

Sehen sie, der reiche Kornbauer, von dem Jesus im Evangelium erzählt, der verliert im Sterben alles. Und wer in dieser Welt Schätze anhäuft, der verliert im Sterben alles. Wie sagt der Volksmund: Das letzte Hemd hat keine Taschen. Du musst alles lassen; selbst den geliebtesten Menschen lässt du zurück. Du kannst nichts mitnehmen, gar nichts. Da ist das Sterben für dich Verlust.

Aber Paulus schreibt nicht: Das Sterben ist für mich Verlust, sondern genau das Gegenteil: Das Sterben ist für mich Gewinn! Da gewinne ich noch etwas dazu. Und das kann er sagen, weil er im gleichen Atemzug vorher sagen kann: „Das Leben ist für mich Christus.“ Mein Lebensinhalt, das, was meine Lebensqualität ausmacht, sind nicht meine Reichtümer, die hatte Paulus sowieso nicht gehabt. Mein Lebensinhalt ist auch nicht meine Schulbildung. Nichts, was ich mir in dieser Welt erworben habe. Auch nicht meine Kontakte, meine Beziehungen. Nein, er sagt: „Das Leben, der Lebensinhalt ist für mich Christus.“

Und Christus ist im buchstäblichen Sinne das Einzige, was du im Sterben nicht lassen musst. Sondern im Sterben wird deine Beziehung zu Jesus in einem unendlichen Maß noch vertieft.

Und darum gilt es, diese zwei Dinge im Auge zu haben:

Nicht nur auf sich schauen, sondern den Anderen mit im Blick haben. „Wer reichlich sät, wird auch reichlich ernten“, hier in dieser Welt. Und das zweite: Richte deinen Blick auf Jesus Christus, dass er dein Lebensinhalt ist, dass er das letzte Ziel deines Lebens ist, dass er der Sinn deines Lebens ist. Und dann wirst du wie Paulus sagen können: „Das Sterben ist für mich Gewinn, weil das Leben für mich Christus ist.“

 

Ich will ihnen zum Schluss eine kurze Stelle vorlesen aus einer Auslegung zu diesem Evangelium, die ich in einem Buch gefunden habe:

Da kommt ein junger, ehrgeiziger Bursche mit einem älteren Mann zusammen, mit einem weisen Mann, der das Leben kennt. Und sie unterhalten sich über die Ziele des Lebens. Der junge Mann sagt: „Ich will jetzt erst den Kaufmannsberuf erlernen.“ „Und dann?“, fragt der Ältere? „Dann werde ich ein Geschäft aufmachen.“ „Und dann?“ „Dann werde ich mich vergrößern, werde viele Angestellte haben und reich werden.“ „Und dann?“, fragte der Ältere. „Ja, ich hoffe, dass ich mich dann, wenn ich alt bin, zur Ruhe setzen kann und von meinem Geld leben kann.“ „Und dann?, bohrte der Ältere weiter. „Nun, vermutlich werde ich dann eines Tages sterben.“ „Und dann?“, lautete die letzte bohrende Frage? Aber auf diese Frage hatte der junge Mann keine Antwort mehr. Ich werde irgendwann sterben. „Und dann?“ Kommt das noch bei all unserem Überlegen und Planen in den Blick?  Amen.

 

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Predigttext:  Lk 12,13-21  (Kurzpredigt)  im mp3 Format