Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

19. Sonntag B
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Predigten

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Predigt zur 1. Lesung:   1 Kön 19,4-8

Predigttext:      1 Kön 19,4-8

Predigt im MP3 Format

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Der Prophet Elija im Alten Testament, von dem wir in der Lesung gehört haben, hat ungefähr Achthundert vor Christus gelebt. Das war eine Zeit, die in einem ganz bestimmten Sinn ähnlich ist wie unsere Zeit heute.

Damals hat das Volk Israel auf der einen Seite Gott gedient, auf der anderen Seite haben sie aber auch immer wieder den Götzen gedient. Und alle diese vielen Götzen waren zusammengefasst in der großen Fruchtbarkeitsgottheit Baal.

Heute ist es ja auch so: Da feiert man Gott den Gottesdienst, und auf der anderen Seite lebt man nach Horoskopen, praktiziert Tischrücken, Kartenlesen; da werden Lebensmittel und alle möglichen Dinge ausgependelt und ähnliche Praktiken mehr.

Allein der Name ‚Elija’ spricht schon für sich. Der Name heißt auf Deutsch: „Mein Gott ist Jahwe!“ Jahwe, und nicht Baal! Und dieser Prophet Elija ist ein Mann, der den Mut hatte, ganz allein gegen vierhundertfünfzig Baalspriester anzutreten. Elija ist ein Mann gewesen der den Mut hatte, dem König ins Gesicht zu sagen: Du treibst Götzendienst! Es wird noch ein böses Ende mit dir nehmen. Dieser Elija war kein Schwächling; in Bayern würde man vielleicht sagen dieser Elija war ein gestandenes Mannsbild.

 

Und jetzt sehen wir den Propheten Elija um sein Leben rennen in die Wüste. Die Königin Isebeel hatte ihm angedroht: „Ich werde dich binnen einer Woche einen Kopf kürzer machen lassen.“ Und jetzt rennt er um sein Leben in die Wüste. Wir dürfen hier hineinschauen in die schwache Stunde eines großen Gottesmannes. Als er dann in der Wüste ist, er lässt seinen Diener allein zurück.

Das ist ja so, wenn man in eine Krise kommt, dann möchte man allein sein. Alle Menschen, die einem dann noch helfen wollen, sind einem dann lästig. Elija legt sich unter einen Ginsterstrauch und wünscht sich den Tod, das heißt: er hat Selbstmordgedanken. „Es ist genug Herr. Ich bin auch nicht besser als meine Väter. Ich habe für dich geeifert, und es ist nichts dabei rumgekommen. Jetzt nimm mein Leben, ich will sterben.“

 

 Alle großen Gottesmänner und Gottesfrauen kommen irgendwann einmal in so eine Krise, wo man dem lieben Gott am liebsten die Klamotten hinschmeißen würde, wo man, auf gut Deutsch gesprochen, sagen möchte: „Ich habe die Nase voll“. Ich kann nicht mehr, und ich will nicht mehr.

Das geht einem Pfarrer genauso, wie allen anderen, die sich irgendwo eingesetzt haben. Da ist ein Mann, der sich in der Pfarrei im Pfarrgemeinderat eingesetzt hat, in der KAB, in Kolping oder in irgendeinem Verband. Und dann kommt vielleicht der Pfarrer, und wirft ihm dauernd nur Knüppel zwischen die Beine. Irgendwann steht dem alles bis zum Hals: „Das sehe ich überhaupt nicht mehr ein, mir reicht es!“

Glauben sie mir, ich bin selber manches Mal an den Punkt gekommen als Pfarrer in der Gemeinde. Wenn du dich einsetzt für die Gemeinde, und du kriegst dauern nur Kritik und Nörgelei. Irgendwann sagt man dann auch als Pfarrer: „Mir reicht es, ich kann nicht mehr, ich habe genug.“

 

Aber wenn man so am Ende ist, so wie ein Elija am Ende war, dann ist es das Große, dass Gott mit uns noch lange nicht am Ende ist. Wo wir meinen, es geht nicht mehr weiter, wo wir Gott die Klamotten hinschmeißen wollen, da sagt Gott: „Jetzt geht es erst richtig los mit dir.“

Ich habe so oft in meinem eigenen Leben und bei anderen Menschen erlebt, was hier beim Propheten Elija steht. Genau in der Situation, wo man in die Krise kommt, wo man depressive Gedanken bekommt, da schickt Gott dir einen Boten. Das lateinische Wort ‚Engel’ heißt auf deutsch eigentlich ‚Bote’. Dann schickt Gott dir einen Boten, und er lässt dich nicht hängen. Das darf jeder wissen, der in den Dienst Gottes geht: Gott lässt dich nicht hängen, wenn du ganz unten bist.

 

Und was sagt der Engel zu Elija? Er hat nicht gesagt: „Jetzt lies mal in der Bibel oder besuch mal einen Bibelkurs oder einen Exerzitienkurs, oder geh mal wieder sonntags in die Kirche. Der Engel sagt ihm ganz schlicht: „Nimm, und iss!“ Das heißt auf Deutsch: „Stärke dich einmal!“

Vielleicht würde Gott heute zu manchem sagen, der so richtig im Stress ist: „Steh auf, und mach mal endlich Urlaub, ruh dich richtig aus!“ Das gehört auch dazu. Es ist so „menschlich“, wie unser Gott mit uns Menschen umgeht: „Steh auf, und iss!“ Und Elija sieht neben sich einen Fladen Brot, der in Asche geröstet war. Heute würde man sagen: frische Brötchen aus dem Ofen. Und er sieht einen Krug mit Wasser, um sich damit zu stärken.

Das tut so gut, wenn Gott dafür Verständnis hat, dass wir auch Stärkung, ganz menschlich gesehen Stärkung, brauchen, dass wir Pause nötig haben, dass wir Ruhe brauchen. Jesus sagt im Markusevangelium das Gleiche: „Kommt, und ruht euch ein wenig aus.“ Wir haben das vor einigen Wochen sonntags im Evangelium gehört.

 

Ein Zweites, was Gott tut: Er sagt zu Elija: „Stärke dich, du hast noch einen weiten Weg vor dir.“ Wenn du dich nicht stärkst, dann ist der Weg zu weit für dich. Das heißt mit anderen Worten: Du willst hier Schluss machen unter einem Ginsterstrauch, aber ich rechne noch mit dir, ich brauche dich noch. Und auch das tut so gut, wenn man weiß: Gott rechnet mit mir. Gerade dann, wenn man selbst nichts mehr bringen kann, dann zu erfahren: Gott rechnet noch mit mir.

Ich will ihnen dafür ein einziges Beispiel sagen, wie mir das einmal gegangen ist als ich noch Kaplan war. Ich hatte sonntags Predigtdienst, ich sollte predigen, ich weiß nicht mehr genau das Evangelium, jedenfalls über das Thema ‚Nächstenliebe’. Und dann bin ich am Samstagnachmittag einem anderen Menschen gegenüber in einer schlimmen Weise lieblos geworden. Es hat mich furchtbar tief getroffen, dass das ausgerechnet an dem Samstag passierte. Und ich weiß gut: Ich habe vor dem Gottesdienst in der Kirche gekniet und gesagt: „Gott, ich kann den Mund heute nicht aufmachen. Ich kann nicht über Nächstenliebe predigen, wenn ich selbst so gemein gehandelt habe einem Menschen gegenüber, der mir sehr nahe stand. Ich bin an dem Samstagabend mit einem total geknickten Herzen buchstäblich zum Ambo geschlichen. Ich habe mich fast nicht getraut, diese Predigt über Nächstenliebe zu halten. Ich war total am Ende mit mir selber.

Und dann hat Gott mir klar gemacht: Ich brauche dich noch! Und das hat so gut getan. Ganz praktisch ging das folgendermaßen: Nach der Messe kommt ein Jugendlicher in die Sakristei und sagt: „Herr Kaplan, heute in der Messe ist etwas passiert, was noch nie passiert ist. Hinten am Seiteneingang, wo immer die Jugendlichen stehen, da ist es üblich, dass man während der Predigt nach draußen geht, draußen eine Zigarette raucht und dann wieder hereinkommt. Aber heute ist bei der Predigt kein einziger raus gegangen.“ Das hat bei mir gesessen; da sind mir zum zweiten Mal die Tränen gekommen. Wo ich glaubte, ich bin am Ende, ich kann nicht predigen, so wie ich jetzt bin, da hat Gott genau diese Predigt demonstrativ bestätigt. Das tut gut, wenn man weiß: Gott rechnet noch mit mir.

 

Und schließlich ein Drittes, was Gott mit Elija tut und was er auch heute tut.

Nachdem sich Elija gestärkt hat, geht er zum Gottesberg Horeb. Dieser Gottesberg Horeb ist der gleiche Berg, wie der Berg Sinai  Das war der Berg gewesen, wo Gott seinem Volk Israel zum erstenmal begegnet ist, wo Mose die zehn Gebote empfangen hat. Die grundlegende Glaubenserfahrung hatte das Volk Israel am Berg Horeb gemacht. Und Elija, nachdem er in die Krise gekommen ist, geht wieder zurück an den Ort, wo Gott zum erstenmal dem Volk Israel begegnet ist.

Ich glaube, bei vielen Christen gibt es solche Orte oder solche Zeiten, an die man sich noch genau erinnert, wo man einmal eine gute Glaubenserfahrung gemacht hat, wo man gespürt hat: Gott ist ganz nah.

Wir haben ein paar Tage vor dieser Predigt mit einigen Mädchen zusammen gesessen, und haben über diese Lesung gesprochen. Und dann haben sie erzählt, was für Erfahrungen sie gemacht haben. Da war ein Mädchen dabei, die sagte: „Wir haben einmal ein Wallfahrt nach Assisi gemacht, und das hat meinen Glauben unheimlich gestärkt.“ Ein anderes Mädchen war in Flüeli gewesen, wo Klaus von der Flüe gewirkt hat. Das war für sie eine ganz tiefe Glaubenserfahrung. Es kann auch ein Wort aus der Bibel sein, oder irgendein Zeichen, ein Erinnerungszeichen.

Wenn man in die Krise kommt, in die Glaubenskrise, dann ist es hilfreich wenn man sich dann erinnert: Wo ist Gott mir einmal begegnet? Wo habe ich einmal eine gute Glaubenserfahrung gemacht? Geh wieder an diesen Punkt zurück. Gott wird Dich und Deinen Glauben dadurch stärken. Vielleicht kannst Du so eine Reise nicht buchstäblich machen, aber dann setze Dich einmal hin und gehe in Gedanken an diesen Anfangspunkt zurück. Glaub mir, das ist unglaublich hilfreich. Das habe ich oft in meinem eigenen Leben erfahren.  

 

Und schließlich einen letzten Gedanken: Gott sagt dem Elija als erstes: „Schau dich um und sieh den gerösteten Fladen Brot. Steh auf und iss!“

Diese Lesung wird heute an diesem Sonntag gelesen, weil Jesus im Evangelium sagt: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Und wenn Dir heute in der Kommunion dieses Brot des Lebens gereicht wird, der Leib Christi, dann nimm und iss und rechne damit, dass Gott Dich heute stärkt und aufrichtet.

Wie sagt Jesus einmal: „Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, die ihr am Ende seid. Ich will euch erquicken.“ Modern gesprochen: Ich will euch wieder fit machen.   Amen.

 

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