Pfarrer Karl Sendker

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21. Sonntag A
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Predigten

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Predigt zum Evangelium:   Mt 16,13-20

Predigttext:    Mt 16,13-20

 

Predigt im MP3 Format

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es ist Halbzeitpause in einem Fußballspiel. Die Spieler gehen in die Kabine, um ein bisschen zu verschnaufen. Der Trainer nutzt die Halbzeitpause, um die Spieler in der Kabine auf die zweite Halbzeit einzustellen, um ihnen neue Anweisungen zu geben für die zweite Hälfte des Spiels.

 

Auch im Leben im öffentlichen Wirken Jesu hat es so eine ‚Halbzeitpause’ gegeben. Unser heutiges Evangelium mit dem Messiasbekenntnis des Petrus steht, wenn man einmal das Evangelium als ganzes nimmt, genau mitten im öffentlichen Wirken Jesu, und teilt das Wirken Jesu in eine erste Halbzeit und in eine zweite Halbzeit. Und auch Jesus zieht sich mit seinen Jüngern zurück. Er geht mit ihnen nach Cäsarea Philippi. Das ist ganz im Norden Israels, dort wo die Jordanquellen sind, eine ganz einsame Gegend. Jesus will mit ihnen allein sein, um sie auf die zweite Hälfte, auf die zweite Halbzeit vorzubereiten.

 

Die erste Halbzeit des öffentlichen Wirkens Jesu war eine glanzvolle Halbzeit gewesen. Die Leute waren ihm nur so zugeströmt und haben ihm zugejubelt. Sie haben gehört, wie er in göttlicher Vollmacht gepredigt hat, und sie standen ratlos dabei und haben gesagt: „Noch nie hat einer so geredet wie der.“ Sie haben miterlebt, wie Jesus Kranke geheilt hat, wie er Wunder gewirkt hat. Und sie waren außer sich und sagten: „So etwas haben wir noch nie gesehen.“ Sie waren dabei, wie Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen fünftausend Leute satt gemacht hat. Da wollten sie ihn zum König machen, weil sie gedacht haben: Wenn der unser König ist, dann ist das grundlegende Problem der Menschheit, nämlich die Frage nach dem Hunger in der Welt, endgültig gelöst. Es war eine glanzvolle erste Halbzeit gewesen.

 

Und als Jesus mit seinen Jüngern jetzt in der Halbzeitpause ist, in der Einsamkeit. Da fragt er die Apostel: „Für wenn halten die Leute mich eigentlich?“ Und dann bekommt er als Antwort: Die einen halten dich für Elija. Das war einer der größten Gottesmänner des Alten Testamentes. Andere halten dich für Jeremia oder für sonst einen Propheten. Jesus wird in der Meinung der Leute eingereiht in die ganz großen Gestalten der Bibel.

 

Aber das war die erste Halbzeit. Und Jesus wusste, die zweite Halbzeit wird ganz anders aussehen. Da werden die Leute von ihm sagen: „Er ist ein Vielfrass, ein Weinsäufer, ein Kumpan von Zöllnern und Sündern.“ Da werden die Leute sagen: „Der ist mit dem Teufel im Bunde, und deswegen treibt er Dämonen aus.“ Da werden sie sagen: „Er ist ein Gotteslästerer.“ Und das sagen nicht irgendwelche Leute, sondern das hat der Hohe Rat gesagt, die Hohenpriester, die Schriftgelehrten, die Theologen. „Der ist mit dem Teufel im Bunde, und er ist ein Gotteslästerer.“ Und Jesus weiß: In der zweiten Halbzeit werden die Leute nicht jubeln; vielmehr werden sie am Ende sagen: „Weg mit ihm, ans Kreuz mit ihm!“

Und Jesus muss in dieser Halbzeitpause in Cäsarea Philippi die Jünger auf diese zweite Halbzeit einstellen, damit sie daran nicht kaputt gehen und zerbrechen. Am nächsten Sonntag werden wir im Evangelium davon hören, dass Jesus unmittelbar nach diesem Evangelium zum ersten Mal davon redet, dass sein Weg am Kreuz endet.

Und Jesus fragt in der Stille die Apostel nicht nur: „Für wen halten die Leute mich?“ Nein, er wird ganz persönlich: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“

 

Sehen Sie, man kann sich sehr gut hinter der Meinung der Leute verstecken, positiv und negativ. Was „man“ alles über Jesus und über die Kirche sagt. Aber irgendwo kommt der Punkt, wo Jesus dich fragt: „Du aber, wie stehst du zu mir? Was bedeute ich dir? Wer bin ich für dich?“

 

Und dann gibt ihm Petrus als Sprecher der Zwölf zur Antwort: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Nicht irgend ein Religionsstifter, nicht irgendein Wundertäter, nicht irgendein Rabbi aus Nazareth, auch nicht ein großer Prophet. Das bliebe alles auf der Ebene des menschlichen. So lange wir Jesus nur auf dieser Ebene sehen, können wir die zweite Halbzeit nicht durchhalten, und das weiß Jesus.

Und darum fängt Jesus an zu jubeln, als der Petrus auf einmal das Bekenntnis ablegt: „Du bist der Sohn des lebendigen Gottes“, nicht irgendein großer Mensch. Du bist der Messias, der Erlöser, derjenige, der unser Leben trägt und der unser Leben verwandelt.

Jesus bricht in freudigen Jubel aus und sagt: Selig bist du, Simon, denn das ist nicht ‚auf deinem eigenen Mist gewachsen’, das hat dir nicht Fleisch und Blut offenbart, das hast du auch nicht studiert, das hast du dir auch nicht angelesen aus Büchern oder aus Zeitungen, sondern das hat dir mein Vater offenbart, der im Himmel ist.

Mit anderen Worten: Das hat dir mein Vater durch den heiligen Geist ins Herz hineingeschrieben, dass ich der Erlöser bin, dass ich der Messias bin, der Gesalbte Gottes, der Sohn des lebendigen Gottes.

Jesus weiß: Wenn das einer verstanden hat, dann kann ich es wagen, von der zweiten Habzeit zu sprechen, die am Kreuz endet.

 

Schwestern und Brüder, wir leben in der Kirche heute in der zweiten Halbzeit. Die Kirche, der Leib Christi steht heute nicht hoch im Kurs. Man jubelt der Kirche nicht zu, gerade auch in unserm Land nicht. Wenn der Papst irgendwas sagt, wenn die Bischöfe etwas verlautbaren, „die Kirche“, wie es immer heißt, dann schlagen viele heute auf die Kirche los, wie auf eine alte verstaubte Matratze. Irgendwo wird schon Dreck herauskommen. Die Kirche steht nicht hoch im Kurs.

Aber wenn wir diese zweite Halbzeit der Kirche, in der wir stehen, den Leidensweg der Kirche, durchstehen wollen, und wenn wir nicht ‚aus den Latschen kippen’ wollen, dann wird alles darauf ankommen, dass wir eine Antwort, eine ganz persönliche Antwort wissen auf die Frage: Wer ist Jesus Christus für Dich? Und dann geht es nicht mehr um ‚die Kirche’, sondern dann geht es um die Frage: Wer ist Jesus Christus für dich?

 

Und in dem Augenblick, als der Petrus das Bekenntnis ablegt: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“, da sagt ihm Jesus: Das ist ein Bekenntnis, das Felsencharakter hat und auf diesen Felsen, auf diesen festen Grund will ich die Kirche bauen.

 

Jeder von uns, der in dieser Weise Antwort geben kann: Ja, Jesus ist für mich der Messias, nicht nur der Mann aus Nazareth, sondern der Messias, der Erlöser, der Retter, der Heiland, der Sohn des lebendigen Gottes, der mein Leben neu machen kann. Jeder, der das bekennen kann, hat festen Grund unter den Füßen. Und wir brauchen heute Menschen, die festen Grund haben. Am Wackeln und Schwanken sind heute genügend Menschen, auch Christen.    Amen.

 

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