Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

22. Sonntag B
Home Nach oben

Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

Alle Predigten dieser Homepage dürfen für die Verkündigung benutzt werden.

Eine Veröffentlichung schriftlich oder auf Tonträgern ist nicht erlaubt.

Über Predigten auf Kassetten informieren Sie sich

unter dem Stichwort Kassettendienst .

Predigt zur 2. Lesung:   Jak 1,17-18.21b-22.27         im mp3 Format

Predigt zum Evangelium:   Mk 7,1-8.15-15.21-23     im mp3 Format

Predigttext:      Jak 1,17-18.21b-22.27    im mp3 Format

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

An vielen Sonntagen des Jahres wird als zweite Lesung ein Abschnitt aus einem Brief des Apostels Paulus gelesen. Paulus war ein großer gewaltiger Theologe. Aber es ist so wie bei manchen heutigen Theologen auch: man kann seine Gedankengänge oft nur schwer verstehen. Das geht nicht nur den Lektoren so, wenn sie die Lesung vorlesen sollen; das geht uns Priestern oft auch so. Dem Apostel Petrus ist das auch schon so ergangen. Er hat in seinem zweiten Brief am Ende geschrieben: „Unser Mitbruder, der Apostel Paulus, ist manchmal in seinen Briefen schwer verständlich.“ Wie sollen wir es heute verstehen, wenn nicht einmal der Apostel Petrus es verstanden hat.

 

Heute und an den nächsten vier Sonntagen ist die zweite Lesung genommen aus dem Jakobusbrief. Ich möchte heute und an den nächsten Sonntagen darüber eine kleine Predigtreihe halten.

Der Apostel Jakobus ist sehr praktisch und handgreiflich veranlagt ist. Er entfaltet keine großen Gedankengebäude,  sondern bei ihm geht es um ganz handfeste Dinge. Wie sollen und wie können wir unseren Glauben im Alltag leben, das ist dem Jakobus wichtig. Ich möchte darum als Überschrift über diese kleine Predigtreihe setzen: „Glaube, der den Alltag prägt.“

Den Abschnitt des Briefes, den wir eben als Lesung gehört haben, schauen wir uns heute einmal etwas näher an.

 

Ein Erstes: Bevor Jakobus ganz praktisch wird, wie der Glaube den Alltag prägen soll, muss zuerst einmal eine Feststellung getroffen werden; und die müssen wir uns ganz tief ins Herz schreiben. Diese Feststellung heißt: Es gibt über uns einen Gott, der unser Vater ist, der für uns sorgt, der uns liebt, der seinen Kindern gute Gaben gibt. Und dieser unser Vater ist gleichzeitig der Schöpfer der Gestirne. Er ist der Schöpfer der Welt. Und das bedeutet: Ihm ist nichts, aber auch gar nichts unmöglich. Er hat aus Nichts die Welt erschaffen, und er kann auch heute aus Nichts etwas schaffen.

Zu diesem Gott dürfen wir nicht nur Vater sagen, sondern er ist wirklich unser Vater, der sich um uns kümmert, der für uns sorgt.

In guten Zeiten kann man das leicht glauben. Aber wenn unser Leben einmal in eine Krise kommt, wenn es uns einmal dreckig geht, dann ist die Frage um so wichtiger, ob wir nur einen Herrgott haben, oder ob wir wirklich tief im Herzen die Gewissheit haben: Da ist auch jetzt noch in meinen dunklen Stunden ein Vater, der mich hält und der mich trägt.

Das ist ganz tief in unser Herz einzuschreiben: Wir haben über uns einen Vater, der seinen Kindern gute Gaben gibt. 

 

Dann wird Jakobus praktisch, ganz praktisch. Wie kann man den Glauben im Alltag leben? Das erste, was er sagt, ich habe schon oft darauf hingewiesen: Es ist wichtig, im Wort Gottes, im Wort der Heiligen Schrift zu lesen. Das war dem Jakobus auch wichtig. Aber ihm ist dabei noch ein besonderer Akzent dabei. Er sagt: „Nehmt euch das Wort zu Herzen“. Aber dann: „Hört euch das Wort nicht nur an, sondern handelt auch danach. Sonst betrügt ihr euch selbst“.

Es gibt viele Christen, die hören das Wort Gottes etwa wenn sie Sonntags zur Kirche kommen. Vielleicht lesen sie sogar in der Heiligen Schrift. Vielleicht gibt es sogar Leute, die an einem Bibelkreis teilnehmen. Aber entscheidend ist: Tue ich das auch, handle ich auch danach? Oder lass ich mir das Wort Gottes durch den Kopf gehen. (Durch den Kopf gehen, heißt: Zum einen Ohr rein und zum anderen Ohr raus.) Wenn jemand das Wort Gottes nur hört und nicht danach handelt, das ist ungefähr so, als wenn jemand zum Arzt geht, der Arzt stellt eine richtige Diagnose, und dann behandelt er mich nicht. Ich gehe doch nicht zum Arzt, um eine Diagnose zu bekommen sondern ich gehe zum Arzt, damit er mich nach einer richtigen Diagnose auch behandelt, damit ich wieder gesund werde. 

Aber so ähnlich gehen wir mit dem Wort Gottes um. Wir lesen das, wir hören das. Aber handeln wir auch danach?

Es gibt zwei Sorten von Büchern, die man sehr deutlich unterscheiden muss. Die erste Sorte Bücher ist zum Lesen gedacht, z.B. ein Roman. Den soll man lesen. Es gibt auch eine andere Sorte von Büchern, die ist eigentlich nicht in erster Linie zum Lesen gedacht, sondern zum Handeln.

Ein Beispiel dafür: Wenn eine Hausfrau ein Kochbuch hat, dann ist das nicht dazu da, damit man sich an den schönen Rezepten erfreut, oder weil es stilistisch schön geschrieben ist. Ich möchte einmal die Mutter sehen, die mittags bei Tisch der ganzen Familie ein Kochbuch rumreicht uns meint: Schaut einmal auf Seite 136, da steht ein wunderbares Gericht. Ein Kochbuch ist nicht zum Lesen da, sondern damit die Hausfrau ein leckeres Gericht auf den Tisch bringt. Das gilt nicht nur für die Frauen, bei den Männern geht es genauso.

Ein anderes Beispiel: Wenn Sie sich einen Computer kaufen, einen Videorekorder oder ein anderes technisches Gerät, dann liegt da normalerweise eine Bedienungsanleitung dabei. Auch eine Bedienungsanleitung ist nicht dazu da, dass man sie liest wie einen Roman, sondern damit man mit diesem technischen Gerät sachgemäß umgeht, damit man die vielen Finessen entdecken kann, die der Hersteller in dieses Gerät eingebaut hat.

So ein Buch ist auch die Bibel. Natürlich ist sie auch zum Lesen gedacht; es stehen wunderschöne Geschichten darin. Aber eigentlich will die Bibel uns ermutigen zum Handeln hier in dieser Welt. Dieses Handeln kann auf der einen Seite darin bestehen, wenn wir etwa eine Verheißung Gottes lesen,  dass wir dann so handeln wie die Gottesmutter Maria, die gesagt hat: „Mir geschehe nach deinem Wort“. Das ist bei Verheißungen so.

Wenn Gott in seinem Wort eine Forderung an uns hat, dann kann es zum Beispiel wie bei Petrus heißen: „Auf dein Wort hin werde ich die Netze noch einmal auswerfen.“ In jedem Fall ist ein wichtig: Klopf das Evangelium, klopft die Heilige Schrift immer wieder daraufhin ab: Wo will mich Gott zum Tun ermutigen, zum Handeln im Alltag?

 

Wie sieht das jetzt ganz konkret aus? Da werden wir in den nächsten Wochen noch ganz konkrete Dinge hören. Heute nur noch zwei Aspekte, die Jakobus in diesem Abschnitt schreibt, ganz handgreiflich. Er sagt: „Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, besteht darin: für Waisen und Witwen zu sorgen, wenn sie in Not sind.“ Nun muss man eins wissen: Waisen und Witwen waren damals im Altertum die bedauernswertesten Geschöpfe. Die hatten nämlich keine Lobby, die hatten keinen, der sich um sie kümmerte. Sie lebten in einer ganz tiefen Vereinsamung und Armut, vor allem, wenn sie nicht eingebunden waren in einen Familienclan. Und das ist ja bei Waisen und Witwen oft so.

Heute sind Waisen und Witwen nicht in erster Linie die bedauernswertesten Geschöpfe. Aber es gibt auch heute Menschen und Gruppierungen, auch in unserem Volk, die keine Lobby haben, die am Existenzminimum leben müssen. Ich denke zum Beispiel an manche allein erziehende Mütter. Ich denke zum Beispiel an kinderreiche Familien. Wie schwer ist es für kinderreiche Familien heute, eine passende Wohnung zu bekommen, überhaupt mit Kindern eine Wohnung zu bekommen. Lieber nimmt man einen Hund in Kauf als Kinder, die könnten ja Lärm machen.

Oder ich denke an manche Asylanten die am Minimum leben. Ich denke an manche Arbeitslose, die auch oft keine Lobby haben.

Und da lädt uns Jakobus ein: Schau dich einmal in deiner Umwelt um, in deinem ganz konkreten alltäglichen Umfeld, hier in unserem Ort. Wo gibt es da solche Menschen, die keine Lobby haben, um die sich keiner kümmert, die vielleicht ganz verschämt am Minimum existieren. Und um die kümmere dich ganz praktisch.

Noch ein Zweites und Letztes, was Jakobus uns heute mit auf den Weg gibt zum Thema „Glaube, der den Alltag prägt“: „Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott besteht darin, sich vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren.“ Das ist ein altertümlicher Ausdruck ‚sich vor der Befleckung durch die Welt bewahren’, den hören wir nicht mehr gerne, darüber redet man nicht mehr gerne. Gemeint ist aber etwas eminent Wichtiges heute in unserer Zeit.

Unsere gesellschaftliche Situation hier in Deutschland ist nicht mehr christlich geprägt, sondern unsere gesellschaftliche Situation ist manchmal sogar bewusst gegen Christus und gegen den Willen Gottes geprägt. Was der Wille Gottes ist, wird weitgehend in unserer Gesellschaft mit Füßen getreten und außer Kraft gesetzt.

Das ist das Eine. Auf der anderen Seite können sie überall beobachten, wie man in unserer ‚Spaßgesellschaft’ heute sehr oberflächlich dahinlebt. Wo sind denn noch Menschen, die Tiefgang haben? Nein, es plätschert alles so oberflächlich dahin. Und hier geht es im Jakobusbrief um die Frage: Von welchem Maßstab lässt Du im Alltag dein Leben prägen? Lässt du dein Leben prägen vom Maßstab dieser Welt, der so seicht geworden ist? Orientierst Du Dich an Zeitschriften wie ‚Bravo’? Oder lässt Du Dich in Deinem alltäglichen Leben prägen von Gott, von seinem Willen, und von seinem Wort. Wohlgemerkt nicht nur sonntags in der Kirche, sondern im Alltag.

Wie ist das denn in unserem Geschäftsleben? Lassen wir uns da vom Maßstab dieser Welt prägen mit ihrem Lügen und Betrügen, oder vom Willen Gottes?

Wie ist das denn in der Gestaltung unserer Sexualität? Lassen wir uns da wiederum prägen von ‚Bravo’ und davon, was die Illustrierten uns vorschreiben? Oder orientieren wir uns am Willen Gottes, der uns keine Lust versagt.

Wie ist es denn in der Art und Weise wie wir Feste feiern? Gestalten wir unsere Feste wirklich noch so, dass es im Willen Gottes ist? Oder übernehmen wir gedankenlos den Maßstab dieser Welt, wo das höchste Ziel eines Festes darin besteht, sich vollaufen zu lassen.

So oder so, von irgendwoher bekommt unser Leben seine Prägung. Wenn nicht vom Willen Gottes, dann vom Maßstab dieser Welt.

 

Ich möchte ans Ende noch einmal den Satz stellen, den ich als Überschrift schreibe über diese ganze Predigtreihe „Glaube, der den Alltag prägt“. Es geht um unseren Alltag und es geht darum das unser Alltag eine Prägung bekommt. Und das griechische Wort für Prägung heißt „Charakter“. Amen!

 

Zurück zum Seitenanfang

Predigttext:      Mk 7,1-8.14-15.21-23     im mp3 Format

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es gibt in der Operette „Land des Lächelns“ von Franz Lehar ein Operettenlied, da endet jede Strophe dieses Liedes mit dem Kehrvers: „Doch wie es da drinnen aussieht, geht niemand was an.“ Nach außen „immer nur lächeln und immer vergnügt“, doch wie es drinnen aussieht, geht niemand was an.

 

Ich vermute, in unserer Kirche in Deutschland leben heute viele Katholiken genau nach dieser Devise: „Wie es drinnen aussieht, geht niemand was an.“

Nach außen kannst du diesen Leuten nie etwas nachsagen. Wenn es um das Thema ‚Beichte’ geht, dann kommen diese Leute immer und sagen: „Bei mir ist aber nichts vorgekommen. Ich habe Keinen umgebracht, habe keinen Ehebruch begangen, keinen bestohlen, habe meine religiösen Pflichten erfüllt ...“ Eigentlich muss Gott mit mir ganz zufrieden sein.

Aber wie es da drinnen aussieht, geht niemand was an.

 

Jesus hat es heute im Evangelium mit Pharisäern zu tun. Die Pharisäer sind nicht, wie wir manchmal meinen, Bösewichte gewesen. Nein, das waren Männer, auf die jeder in Israel mit ganz großer Hochachtung schaute. Das waren Männer, die es mit den Geboten, mit den Weisungen Gottes ganz besonders ernst nahmen. Wenn im Gebot Gottes vorgeschrieben war, zweimal in der Woche zu fasten, dann haben sie freiwillig dreimal in der Woche gefastet.

Wenn es um die Frage geht, die religiösen Pflichten zu erfüllen, dann gab es keine Juden, die mustergültiger waren als die Pharisäer.

 

Und dann kommt Jesus daher, und sagt diesen mustergültigen Juden ins Gesicht: „Wie Recht hatte der Prophet Jesaja, als er über euch Heuchler sagte: Dieses Volk ehrt mich nur mit den Lippen, mit ihrem Herzen sind sie weit weg von mir. Es ist sinnlos, wie sie mich verehren.“

 

Es mag ja durchaus sein, dass du ehrlichen Herzens sagen kannst: Ich habe Keinen umgebracht, es liegt kein Tatbestand vor. Aber dann denk daran, dass Jesus in der Bergpredigt gesagt hat: Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder. Und Hass ist eine Angelegenheit des Herzens, „wie es da drinnen aussieht“.

 

Es mag sein, dass du ehrlichen Herzens sagen kannst: Ich habe keinen Ehebruch begangen. Aber Jesus sagt in der gleichen Bergpredigt: Jeder, der eine verheiratete Frau (Umgekehrt gilt das Gleiche!), lüstern anschaut und sich so richtig ausmalt, wie schön das wäre, mit der ins Bett zu steigen, der hat in seinem Herzen bereits Ehebruch begangen.

 

Es mag ja sein dass du ehrlichen Herzens sagen kannst: Ich habe keinen bestohlen. Aber dann frage einmal, wie viel Missgunst und Neid und Habgier in deinem Herzen ist. „Wie es da drinnen aussieht“, das interessiert Gott.

 

Vielleicht hast du immer deine Sonntagspflicht erfüllt, wenigstens schlecht und recht. Aber dann denk daran, dass in der ganzen Bibel nirgendwo etwas von einer Sonntagspflicht steht, die wir erfüllen sollen.

Wissen Sie noch wie das dritte Gebot heißt? „Du sollst den Tag des Herrn heilig halten.“ Und das ist ganz was anderes, als schnell mal eben eine heilige Messe abzustehen. Es soll ein Tag für Gott reserviert sein, er soll heilig gehalten werden.

 

Eine meiner schlimmsten Erfahrungen als Priester war vor einigen Jahren. Da wurde in einem Nachbarort ein neuer Pfarrer eingeführt. Hinterher war ein Empfang im Pfarrsaal, und dann werden ja immer Festreden gehalten und Grußworte gesprochen. Da sagte ein Gemeindemitglied im Grußwort an den neuen Pfarrer: „Herr Pastor, wir wünschen uns dies Eine von Ihnen, dass sie in die Fußstapfen ihres Vorgängers treten. Bei dem hat eine Sonntagsmesse nie länger als eine 45 Minuten gedauert“. Und dann gab es donnernden Applaus im Saal.

 

Ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe mich geschämt. Wissen Sie, was Gott dazu sagen würde: „Dieses Volk ehrt mich nur mit den Lippen, mit ihrem Herzen sind sie weit weg von mir.“ Schau doch einmal in eine normale Gemeinde hinein. Da geht in der Regel nach der Kommunion hinten schon eine Völkerwanderung los. Viele warten den Schlusssegen und das Schlusslied gar nicht ab. „Wie es da drinnen aussieht, geht niemand was an.“ „Dieses Volk sagt Gott ehrt mich nur mit den Lippen.“

 

Als Kaplan ist mir einmal Folgendes passiert: Wir hatten am Samstag nachmittags um drei Uhr eine Hochzeit. Anschließend bin ich noch zum Gratulieren gegangen. Und dann sagt eine ältere Frau aus der Gemeinde beim Stehempfang zu mir: „Herr Kaplan, jetzt war doch gerade um drei Uhr die heilige Messe. Sagen Sie mal, gilt das jetzt schon als Sonntagspflicht, oder müssen wir morgen noch mal wiederkommen?“

 

Gut, das kann man der Frau nicht über nehmen; wir sind alle in diesem Denken erzogen worden. Aber tief im Herzen höre ich die Stimme Gottes: „Dieses Volk ehrt mich nur mit den Lippen, mit ihrem Herzen sind sie weit weg von mir.“

 

Stell Dir einmal folgende Situation vor: Da ist ein junger Mann unsterblich verliebt in ein junges Mädchen. Sie ist hier in unserer Pfarrei und er ist bei der Bundeswehr, meinetwegen oben in Wilhelmshaven. Samstags kommt er immer nach Hause. Und dann die gehen die beiden sonntags immer aus, jeden Sonntag. Einmal kriegt der junge Mann ein paar Tage eher frei, und nun gehen die schon samstags aus. Und als er dann seine Freundin nach Hause bringt, und ihr einen Gutenachtkuss gibt, da fragt er sie: „Du, muss ich morgen noch mal wiederkommen, oder zählt das heute schon als Sonntagspflicht?“

 

Ja, Sie schmunzeln, das ist richtig. Aber genau so speisen wir Gott ab. Da ist ein Gott, der uns über alle Maßen liebt, und der um unsere Gegenliebe wirbt. Und wir speisen ihn ab mit so einer Bemerkung: „Muss ich morgen noch mal kommen, oder zählt das heute schon als Sonntagspflicht?“

„Dieses Volk“, sagt Jesaja und sagt Jesus, „ehrt mich nur mit den Lippen, mit ihrem Herzen sind sie weit weg von mir.“

 

Du kannst mir glauben, wenn ein junger Mann und ein Mädchen verliebt sind, und dieser junge Mann hat jeden Samstag und jeden Sonntag eine andere Ausrede, warum er nicht mit seiner Freundin zusammen sein kann, dann wird diese Freundin an den vielen Ausreden irgendwann merken: Zwischen uns ist nichts mehr, da ist alles tot.

 

Ob Gott das über uns Katholiken nicht auch sagen müsste? Sehen sie, im letzten Buch der Bibel, in der Offenbarung des Johannes, steht im dritten Kapitel ein Satz, der mich immer sehr betroffen gemacht hat. Der ist auf der einen Seite schön, aber auf der anderen Seite ist er auch bitter. Da sagt der erhöhte Herr: „Siehe, ich stehe vor der Tür, und klopfe an.“

Dieser Satz ist nicht an Heiden gerichtet, sondern an eine Gemeinde. Da steht Jesus bei einer Gemeinde draußen und muss klopfen. „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und mir auftut, dann will ich Gemeinschaft mit ihm haben, und Mahl mit ihm halten, und er mit mir.“

 

Glaub mir, Jesus steht vor der Türe Deines Herzens, und er klopft als Liebender, und er wirbt um Deine Gegenliebe.   Amen.

 

Zurück zum Seitenanfang