Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

22. Sonntag C
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Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

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Predigt zur 2. Lesung:   Hebr 12,18-19.22-24a

Predigt zum Evangelium:  Lk 14,1.7-11

Predigttext:    Hebr 12,18-19.22-24a

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder!

 

Am Anfang eines Exerzitienkurs des habe ich einmal die Teilnehmer gebeten, folgende Frage zu beantworten: Wenn du die Möglichkeit hättest, heute Jesus Christus persönlich zu begegnen, möchtest du das? Und wenn ja, warum? - wenn nein, warum nicht?

Wenn ich heute Ihnen diese Frage stellen würde, was würden Sie dann antworten?

 

Bei den Teilnehmern des Exerzitienkurses kamen ganz unterschiedliche Antworten. Natürlich waren eine ganze Reihe dabei, die Jesus Christus gerne persönlich begegnen möchten. Da kamen Antworten: Ich möchte gerne einmal sehen, wie aussieht. Dann könnte ich ihn fragen, da ob das alles so stimmt, was in der Bibel steht. Und es gab noch eine ganze Reihe von ähnlichen Äußerungen.

Es kam aber auch bei einigen die Antwort: Nein, ich möchte ihm lieber nicht begegnen. Da hätte ich Angst. Wenn ich mein Leben betrachte, wie ich lebe, und wenn ich dann bedenke, dass er mich anschauen würde, da hätte ich Angst. Und wenn ich dann noch das Evangelium vom Weltgericht im Hinterkopf habe, wo der Richter die Schafe von den Böcken scheidet und zu den Böcken sagt: Weichet von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, dann kriege ich ein ganz unruhiges Gefühl bei dem Gedanken, Jesus Christus persönlich zu begegnen.

 

Diese Angst finden wir auch in der Bibel. Heute in der Lesung aus dem Hebräerbrief schreibt der Verfasser des Hebräerbriefes am Anfang mit Rückblick auf das Alte Testament: Könnt ihr euch noch erinnern, ihr Israeliten, wie ihr damals bei der Wüstenwanderung am Berg Sinai in gestanden habt, als Gott euch begegnen wollte, wo er euch das Gesetz, die 10 Gebote gegeben hat? Könnt ihr euch noch erinnern? Es war etwas wie Feuerflammen, wie Sturm, wie Donnerrollen, wie Finsternis. Könnt ihr euch noch erinnern, wie erschrocken ihr ward, und wie ihr dann gesagt habt: Wir möchten Gott lieber nicht begegnen. Wie ihr dann zu Mose gesagt habt: Mose geh du zum Gottesberg; begegne du Gott und sag uns hinterher, was er gesagt hat. Wir selber aber möchten ihm nicht begegnen, wir selber möchten seine Stimme nicht hören. Könnt ihr euch noch erinnern, wie ihr total erschrocken ward?

 

Aber es ist nicht ein Erschrecken gewesen vor den äußeren Phänomenen, Wolken, Finsternis, Feuer und Sturm. Es war im Tiefsten auch das Erschrecken davor, dass wir gar nicht imstande sind, die Gebote zu erfüllen, die Gott uns gibt. Wir wissen ganz genau, dass wir schuldig werden. Darum dieses Erschrecken. Wir möchten Gott nicht begegnen. Mose sei du unser Mittler, geh du zum Berg Sinai. Das war im Alten Testament bei der Wüstenwanderung.

 

Aber genau dagegen setzt der Verfasser des Hebräerbriefes ein anderes Bild, ein Bild der Hoffnung, ein Bild der Geborgenheit. Er sagt: Ihr dürft hintreten mit Zuversicht zum Thron des lebendigen Gottes. Und warum? Weil wir einen Mittler haben, der anders ist als Mose. Mose konnte nur das Gesetz übermittelt. Er konnte nur sagen: Das ist der Wille Gottes. Aber wir haben jetzt einen anderen Mittler, Jesus Christus. Und dieser Mittler Jesus Christus hat das Gesetz stellvertretend für uns erfüllt. Dafür ist der Mensch geworden, dass er das Gesetz Gottes erfüllt. Und darum darfst du mit Zuversicht hintreten zum Thron Gottes. Und du wirst feststellen, dass es ein Thron der Gnade ist und nicht ein Thron des Gerichtes.

Im Bild des Alten Testamentes vom Berg Sinai geht es darum, was wir tun müssen. Und dann erschrickt man, war man die Gebote nicht erfüllen kann, und vielleicht auch gar nicht erfüllen will, weil man nicht die Kraft dazu hat, das Gute zu wollen.

Beim anderen Bild im Hebräerbrief geht es darum, was Jesus Christus für uns getan hat.

 

Dann weitet der Verfasser des Hebräerbriefes das Bild noch einmal unendlich aus. Nicht nur ihr dürft am Thron der Gnade erscheinen. Er sagt: Als ihr getauft wurdet, da seid ihr gleichsam hingetreten nicht zum Berg Sinai, wo das Gesetz gegeben wurde, sondern zum Berg Zion, wo der Thron des lebendigen Gottes im Himmel steht. Ihr seid hingetreten zum himmlischen Jerusalem. Ihr steht gleichsam um den Thron Gottes herum.

Und schauen Sie sich einmal um, wer alles am Thron Gottes steht. Da sind Tausende von Engeln, die Gott loben und preisen, so wie wir es immer in der heiligen Messe singen: „Heilig, heilig, heilig, Gott, Herr aller Mächte und Gewalten.“ In dieser großen Schar derer, die Gott loben, stehen wir.

Ihr seid hingetreten zu einer Festversammlung. Nicht zu einer Gerichtsverhandlung, sondern zu einer Festversammlung. Ihr seid hingetreten zur Gemeinschaft der Erstgeborenen. Alle die schon vor euch da waren, stehen um diesen großen Thron der Barmherzigkeit Gottes. Und es steht hier auch, warum wir dort unseren Platz haben. Weil wir zu Jesus Christus gehören, weil Jesus Christus unser Hoherpriester ist, unser Mittler, unser Fürsprecher am Thron Gottes. Habt keine Angst, dem lebendigem Gott zu begegnen.

Und hier steht auch: Ihr seid hingetreten zu Gott, dem Richter aller. Ja, Gott ist der Richter aller. Aber denk immer daran: das Gericht Gottes, das Strafgericht Gottes, ist bereits vollstreckt. Das Urteil hat Jesus Christus auf sich genommen. Und darum ist er der Mittler eines besseren Bundes, als es der Bund des Alten Testamentes war, weil er die Strafe auf sich genommen hat. Und darum gehen wir in ganz großer Zuversicht auf Gott zu.

Und wenn Du noch so sehr Deine Unzulänglichkeit spürst. Und wenn Du noch so sehr spürst, dass Du Sünder bist, und wenn Du noch so sehr spürst, dass Du den Forderungen Gottes gar nicht Genüge getan hast. Denk daran: Wir haben einen Mittler, Jesus Christus, einen Hohenpriester, der für uns am Thron Gottes eintritt. Und darum ist der Thron Gottes nicht ein Gerichtsstuhl, sondern ein Thron der Gnade. Das isst ein ganz großes Bild der Hoffnung, der Ermutigung und der Geborgenheit. Und denk immer daran: Für Dich ist um den Thron Gottes herum ein Platz reserviert. Amen.

 

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Predigttext:    Lk 14,1.7-11

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder!

 

Jesus ist bei einem führenden Pharisäer eingeladen, und als er merkte, dass die Gäste sich die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen.

Wenn wir das in unsere Tage übersetzen, dann könnte man sagen: Jesus kam am letzten Wochenende zur Kirmes in unser Dorf, schaute sich die Festveranstaltung im Kirmeszelt an und nahm das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen.

Es beginnt schon damit, dass Jesus eingeladen ist bei einem führenden Pharisäer. Heute würde man sagen bei einem kirchlichen Würdenträger. Allein dieses Wort „Würdenträger“ ist schon verräterisch. Sehen Sie, Jesus hat das Kreuz getragen, und wir haben heute nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in unserer Kirche „Würdenträger“. Welch ein Unterschied! Aber darum geht es in diesem Evangelium nicht. Es geht vielmehr um die Ehrenplätze. Am Ende heißt es: „Wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

 

Überlegen Sie einmal: Wenn irgendwo eine Festveranstaltung ist, wenn ein Verein irgendein großes Jubiläum feiert, was für ein Aufwand wird dann schon vorher getrieben um die Ehrengäste, die man einlädt. Da sitzt man stundenlang zusammen, damit man nur ja keinen von den Honoratioren vergisst; der könnte ja sonst beleidigt sein. Es geht immer um die Ehrenplätze und um die Ehrengäste. Und wenn dann das Fest gekommen ist, wenn du dann zu den Ehrengästen gehörst, dann brauchst du dich nicht vorher eine halbe Stunde vorher anzustellen, um einen guten Platz zu bekommen. Nein, du hast dann einen reservierten Platz. Dann holt man dich am Eingang ab, geleitet dich zu den Tischen mit den Kärtchen „Ehrengäste“. Wenn dann die Begrüßung ist, dann heißt es: „Besonders begrüßen wir ...“, und dann kommen die ganzen Honoratioren. Wenn du zu den Honoratioren gehörst, musst du auch keinen Eintritt zahlen, und oft gibt es dann noch die Getränke umsonst. Alle anderen müssen bezahlen, zum Teil ‚saftige’ Preise, aber die Honoratioren auf den Ehrenplätzen, die haben alles frei. Wenn dann Festreden gehalten werden, wenn Grußworte gesprochen werden, dann müssen alle Honoratioren zum Mikrofon für ein ‚kurzes’ Grußwort. Wenn der eine etwas gesagt hat, muss der andere auch sprechen, um des Proporzes willen. Jeder im Saal oder im Festzelt weiß, wie furchtbar langweilig das ist, jeder wartet bloß darauf, dass das zu Ende geht. Aber es muss sein, man gehört ja schließlich zu den Ehrengästen.

 

Nun gibt es Menschen (ich gehöre auch dazu, denn ich habe diese fragwürdige Ehre als Pfarrer ja auch immer), die dann sagen: „Ich will das ja gar nicht, aber das gehört halt zu meinen Amtspflichten; ich muss das ja tun. Normalerweise würde ich das gar nicht mitmachen.“  

Aber ob das immer so stimmt, das muss man doch mal hinterfragen, ob wir das gar nicht so wollen. Wissen Sie, woran man merken kann, dass wir alle an diesem Strickmuster mitstricken, auch die Honoratioren selber: Wenn nämlich von den Honoratioren einmal einer versehentlich nicht eingeladen wurde, weil man es einfach vergessen hatte, wie oft hab ich erlebt, dass der Betreffende dann sauer reagiert hat. „Nein, dann komm ich eben nicht!!! Mich haben sie vergessen.“

Dann merkt man auf einmal, dass dieses Denken, dieses Streben nach den Ehrenplätzen in uns allen ganz tief verwurzelt ist. Das ist übrigens nicht nur bei den ‚Honoratioren’ so, sondern auch bei den einfachen Menschen. In meiner Kaplanszeit war in einer Gemeinde ich Präses der KAB. Nun ist es ja in allen Vereinen so üblich, dass bei der Jahreshauptversammlung die Jubilare geehrt werden durch eine Urkunde und eine Ehrennadel. Und jetzt hatten wir tatsächlich einmal einen übersehen. Das war keine böse Absicht gewesen, wir hatten uns einfach verrechnet. Wir hatten gedacht, der ist erst im nächsten Jahr dran. Und außerdem wusste keiner im Vorstand so ganz genau, wann der Betreffende in die KAB eingetreten war.

Dieser Betreffende war ein äußerst verdienter Mann in der KAB und in der ganzen Pfarrgemeinde, der sich eingesetzt hat wie kaum ein anderer. Und den hatten wir übersehen. Aber was meinen Sie, wie der reagiert hat; das werde ich nie vergessen: „Wenn die mich übersehen haben, wenn meine Arbeit so wenig ‚gewürdigt’ wird, dann sollen die doch ihren Kram alleine machen.“ Er hat die ‚Klamotten’ hingeworfen, hat seinen Dienst als Vertrauensmann aufgegeben und ist ganz aus der KAB ausgetreten. „Weil sie mich übersehen haben.“

Da spürt man auf der einen Seite, wie tief dieses Denken in uns verwurzelt ist. Man spürt aber auch an diesem Beispiel, welch verheerende Wirkung dieses Denken hat, wie zerstörerisch das ist für eine Gruppe, für eine Gemeinschaft, für eine Gemeinde, ja für die ganze Gesellschaft, wenn es immer nur um die Ehrungen geht, um die Ehrengäste und um die Ehrenplätze.

 

Übrigens: Wenn Du zu einer Festversammlung kommst, dann wirst Du auf den Ehrenplätzen vielleicht den Pfarrer finden, den Bürgermeister, den Landrat, vielleicht sogar den Bischof. Aber einen wirst Du auf den Ehrenplätzen mit Sicherheit nicht finden: Jesus. Der ist nämlich nicht gekommen, um auf den Ehrenplätzen zu sitzen, sondern der ist gekommen, um zu dienen. Wenn wir ein Beispiel dafür brauchen, dann brauchst Du Dir nur die Szene von der Fußwaschung anzuschauen. Da bindet Jesus sich die Schürze um, nimmt einen Krug Wasser wäscht allen Jüngern, auch dem Judas, die Füße. Dieser letzten Platz, das ist der Platz Jesu, und nicht der auf den Ehrenplätzen.

 

Ich möchte in diesem Zusammenhang einmal fragen: Wenn es in unserer Christenheit heute, in unseren Kirchen zwar viel Betriebsamkeit gibt und viel Aktivität, aber wenn es so wenig echte Jesusbegegnung gibt, könnte das daran liegen, dass wir Jesus auf den falschen Plätzen suchen? Amen.

 

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