Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

23. Sonntag C
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Predigten

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Predigt zur 2. Lesung:   Phlm 9b-10.12-17

Predigt zum Evangelium:   Lk 14,25-33

Predigttext:    Phlm 9b-10.12-17

Es empfiehlt sich, den Brief ganz zu lesen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wie kommt ein kleiner Privatbrief des Apostels Paulus in die Heilige Schrift, so dass beim Vorlesen die Lektorin am Ende sagen kann: „Wort des lebendigen Gottes“? Gut, dass die Briefe des Paulus an die Römer oder an die Korinther mit ihren großen theologischen Aussagen im Neuen Testament stehen, das kann man ja gut nachvollziehen. Aber ein Privatbrief des Paulus soll „Wort des lebendigen Gottes“ sein?

Wenn wir uns diesen Brief einmal kurz anschauen, dann steckt in diesem kleinen Privatbrief eine ganz große Botschaft für das Zusammenleben als Christen in unserer Gesellschaft und auch in der Kirche.

 

Es geht in diesem Brief und zwei Männer. Der eine ist Philemon, ein Großgrundbesitzer. Er war offensichtlich ein reicher Mann, der sich viele Sklaven leisten konnte. Dieser Philemon hat offensichtlich auch in der Gemeinde mitgearbeitet. Paulus nennt ihn in unserem Brief „unseren geliebten Mitarbeiter“. Und er deutet sogar an, dass Philemon sein Haus zur Verfügung gestellt hat, damit sich die Gemeinde in seinem Haus treffen konnte.

 

Auf der anderen Seite ist da Onesimus. Onesimus war ein Sklave des Philemon. Dieser Sklave, der Onesimus war dem Philemon weggelaufen. Der Onesimus war nicht irgendein Sklave im Hause seines Herrn, sondern er war ein sehr nützlicher Sklave. Er hatte eine besondere Stellung im Hause des Philemon. Der Name Onesimus heißt im Deutschen: „Nützling“. Wenn Sie beim Lesen des Briefes genau hingehört haben, dann haben sie vielleicht bemerkt, dass Paulus mit dem Namen Onesimus einige Wortspiele durchführt. Er war offensichtlich dem Herrn ein sehr wertvoller und nützlicher Sklave. Aber er war jetzt geflüchtet. Und offensichtlich hat er bei seiner Flucht seinen Herrn auch bestohlen. Er hat Geld mitgenommen. Paulus schreibt in diesem Brief: „Wenn er dich geschädigt hat, wenn er dir etwas schuldet, dann setzt das auf meine Rechnung.“

Philemon war nicht einfach nur der Herr von vielen Sklaven und ein Großgrundbesitzer. Als Christ war er dem Paulus Bruder geworden. Als Christ war er einer unter vielen Brüdern und Schwestern in der Gemeinde, die sich in seinem Hause traf. Das müssen wir festhalten. Und diesen Herren, diesem Bruder, war der Sklave Onesimus weggelaufen.

 

Wenn so ein weggelaufener Sklave gefasst wurde, dann musste er damals im römischen Reich mit der Todesstrafe rechnen. Oder, wenn sein Herr ganz großzügig war und ihm die Todesstrafe ersparen wollte, dann wurde einem flüchtigen Sklaven, der wieder eingefangen wurde, mit einem glühenden Eisen auf die Stirn ein großes F eingebrannt. F steht für das lateinische Wort „fugitivus“. Das heißt auf Deutsch: „flüchtig“. Und damit war so ein Sklave, der geflüchtet war und wieder eingefangen wurde, im buchstäblichen Sinne für sein ganzes Leben gebrandmarkt.

 

Dieser Onesimus, dieser geflüchtete Sklave, kommt auf seiner Flucht mit Paulus zusammen. Wie, das wissen wir nicht. Paulus ist zu dieser Zeit im Gefängnis. Und jetzt geschieht das Eigenartige: durch die Begegnung mit dem Apostel Paulus bekehrt sich Onesimus und wird Christ. Und in dem Augenblick, wo er sich bekehrt, da ist er zwar noch immer Sklave, flüchtiger Sklave, aber da wird auch er genauso wie der Philemon dem Paulus ein Bruder. Das ist das Geheimnis der christlichen Gemeinde, dass auf einmal die sozialen Unterschiede: hier die Herren, da die Sklaven, dass diese sozialen Unterschiede auf einmal aufhören. Da ist man auf einmal in der Gemeinde nicht mehr Herr oder Sklave, sondern da in sind beide auf der Ebene „in Christus“ Brüder geworden. Da gehört man gleichsam zu einer neuen geistlichen Familie. Und das war mit Philemon und mit Onesimus geschehen.

 

Hier ist eine wichtige Situation beschrieben. Man könnte gleichsam sagen: Es ist die Form einer christlichen, sozialen Revolution.

 

Als Paulus den Onesimus zu seinem Herrn Philemon zurückschickt, da schickte ihn nicht zurück mit einem Schreiben: Nimm ihn wieder als Sklaven an, nein ,er schickt ihm den Philemon zurück als einen Bruder. Im ersten Brief an die Korinther im 7. Kapitel schreibt Paulus einmal: „Wenn du als Sklave berufen worden bist, dann lass dich nicht bekümmern. Aber auch wenn du frei werden kannst, dann bleib erst recht dabei, Sklave zu sein. Ist doch der im Herrn Berufen ein Freigelassener des Herrn. Genauso ist der frei geboren Berufene, ein Sklave Christi.“ Es gibt nicht mehr diesen Unterschied Sklaven und Herren. Es gilt: Ihr alle seid Brüder und Schwestern in Christus.

 

Hier liegt eines der ganz tiefen Geheimnisse, warum in der ersten christlichen Generation die Botschaft von Jesus Christus sich Mittelmeerraum geradezu explosionsartig ausgebreitet hat. Weil auf einmal diese sozialen Unterschiede, diese Standesunterschiede, die uns bis in unsere Zeit hinein so zu schaffen machen, weil die auf einmal aufgehoben sind auf einer neuen Ebene, auf der Ebene des Lebens „in Christus“. Und das hat ganz praktische Konsequenzen gehabt: Wenn die Gemeinde jetzt im Haus des Philemon Abendmahl gefeiert hat, und wenn sie anschließend eine Agapefeier zusammen gehalten haben, dann hat am gleichen Tisch der Herr und der Sklave gesessen. Und der Herr blieb Herr, und der Sklave blieb Sklave. Und trotzdem sitzen sie am gleichen Tisch. Das war für damalige Verhältnisse undenkbar. Aber es wird denkbar und lebbar auf dieser neuen Ebene „in Christus“.

 

Bis in unsere Zeit hinein sind diese sozialen Unterschiede, diese Standesunterschiede offen oder unterschwellig immer noch da. Und es kostet so viel Kraft, diese Unterschiede zu überwinden. Hier gibt uns das Neue Testament eine Richtung an, in der wir suchen müssen, um diese Unterschiede zu überwinden. Lasst uns eins werden in Christus. Wenn er die Mitte ist, dann gilt auf einmal, was Paulus im Galaterbrief schreibt am Ende des dritten Kapitels: Dann gibt es nicht mehr den Unterschied: Jude, Grieche, Sklave, Freier, Mann oder Frau, denn ihr seid alle „Einer in Christus“.

 

Die Sklavenfrage ist heute bei uns nicht mehr akut. Auch die Frage Juden oder Christen oder Griechen ist nicht akut. Aber eine andere Frage, die Paulus so beiläufig anschneidet, die ist ja auch bei uns in aller Munde. Die Frage: Wie ist das eigentlich mit der Stellung von Mann und Frau in unserer Gesellschaft, und auch in unserer Kirche? Wie ist das eigentlich mit der Gleichberechtigung? Hier schreibt Paulus ganz schlicht: Mann ist Mann, und Frau ist Frau, jeder in seiner unverwechselbaren Weise. Aber es gibt nicht mehr diesen Unterschied, wo man miteinander streiten muss, wer jetzt in der Wirklichkeit höher steht, wo man um Rangunterschiede kämpfen muss. Vielmehr: Ihr alle seid eins in Christus Jesus. Da ist man nicht mehr niedriger oder höher, mehr wert oder weniger wert, sondern da ist man miteinander Bruder und Schwester.

 

Paulus schickt den Onesimus an Philemon zurück. Den Sklaven an seinen Herrn. Und doch: Er schickt den Bruder zu seinem Bruder. Das ist christliche Revolution, wenn man so will. Nicht mehr der Unterschied: Sklave und Freier, Jude und Grieche, Mann und Frau, sondern: „Ihr alle seid eins in Christus“. Ob sich in unserer Gesellschaft auch in unserer Kirche die ganze Frage hinsichtlich der Stellung von Mann und Frau nicht deutlich entkrampfen würde, wenn wir diesen Weg einschlagen würden: Eins werden in Christus. Amen.

 

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Predigttext:      Lk 14,25-33

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wenn es in einem Fußballstadion nach der Lautstärke ginge, dann wären bei einem Fußballspiel die wichtigsten Leute die Schlachtenbummler. Jeder große Bundesligaverein hat seinen Fanclub mit Schlachtenbummlern. Die sind immer da. Wenn die Mannschaft ein Heimspiel hat, dann stehen sie in der Kurve und schwenken ihre Fahnen. Hat der Club ein Auswärtsspiel, dann reisen sie mit dem Bus hinterher. Sie sind immer dabei und feuern lauthals ihr Mannschaft an. Schlachtenbummler!

Aber wehe, wenn die Jungs da unten auf dem Rasen nicht das bringen, was die Schlachtenbummler erwarten! Dann werden die Spieler von den Schlachtenbummlern erbarmungslos ausgepfiffen. Oder die Fans bleiben ganz weg; sie kommen einfach nicht mehr.

 

Auch Jesus hat solche ‚Schlachtenbummler’ gehabt, geistliche Schlachtenbummler, die immer dabei waren. Davon redet heute am Anfang das Evangelium: „Viele Menschen begleiteten Jesus.“ Geistliche Schlachtenbummler! Die sind immer zur Stelle, wenn Jesus irgendwo auftritt.

Wenn er auf der einen Seite des Sees Gennesaret ist, dann sind sie dort. Fährt er mit dem Boot auf die andere Seite, dann rennen sie um den See herum, um möglichst noch vor dem Boot dort zu sein.

Als Jesus den Gelähmten heilt, den die Träger durchs Dach herunterlassen - den müssen sie ja durchs Dach runterlassen, weil die Menschen sich so um Jesus drängten, dass die Träger durch die Tür nicht reinkamen. Als der Gelähmte dann geheilt ist, da heißt es: „Sie gerieten außer sich – Ekstase steht da im Griechischen – und sagten: So etwas haben wir noch nie gesehen.“

Nach der Brotvermehrung sind die ‚Schlachtenbummler’ wieder da und wollen Jesus zum König machen.

Und schließlich, am Palmsonntag, da bereiten sie Jesus einen triumphalen Einzug in Jerusalem. Sie legen die Kleider wie Teppiche auf die Straße und brechen Palmzweige von den Bäumen.

Geistliche Schlachtenbummler!

Aber es ist genau so wie im Fußball: Wenn Jesus nicht mehr das bringt, was die ‚Schlachtenbummler’ von ihm erwarten, dann schreien sie leidenschaftlich: „Kreuzige ihn!“ Oder sie hauen einfach ab wie nach der Brotvermehrung.

Es ist gefährlich, im Christenleben Schlachtenbummler zu sein.

 

Sehen Sie, Jesus hat nicht einen Fanclub gegründet und ‚Schlachtenbummler’ um sich gesammelt, sondern er hat Jünger berufen, Menschen berufen in seine persönliche Nachfolge. Und das ist etwas total anderes, als Schlachtenbummler zu sein. Schlachtenbummler sein, das kostet nichts. Da brauchst Du nur eine laute Stimme zum Schreien zu haben. Aber Jünger zu sein, das kostet einen hohen Preis. Und davon redet Jesus heute im Evangelium zu den Vielen, die da um ihn herum sind. Man könnte dieses Evangelium geradezu überschreiben: „Ein geistlicher Kostenvoranschlag“. Mit welchen Kosten musst Du rechnen, wenn Du in die Nachfolge Jesu gehst? Und diesen ‚Kostenvoranschlag’ den wollen wir uns einmal etwas näher anschauen.

 

Jesus nennen zunächst die Gesamtsumme. Und diese Gesamtsumme heißt: Kreuzesnachfolge! „Wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.“ Kreuzesnachfolge ist der Preis, den wir zahlen müssen für die Jüngerschaft. Da kommt keiner drum herum. Da gibt es auch keine Abkürzung. Jeder wird diesen Weg geführt in die Kreuzesnachfolge. Es mag sein, dass das für den Einzelnen sehr unterschiedlich aussieht, aber es geht immer um diese Gesamtsumme ‚Kreuzesnachfolge’.

Nun muss man sagen: Wenn Jesus von Kreuzesnachfolge redet, dann meint er nicht jedes Rheuma, jedes Wehwehchen oder die Schwierigkeiten des Lebens, die man geduldig trägt. Kreuzesnachfolge ist etwas ganz anderes. Jesus schlüsselt diese Gesamtsumme ‚Kreuzesnachfolge’ in drei Teilsummen auf, gleichsam in drei Abschlagszahlungen. Und die wollen wir uns auch anschauen:

 

Die erste Teilsumme heißt: „Wenn jemand zu mir kommt, und nicht Vater und Mutter, Frau und Kinder, Brüder und Schwestern gering achtet, kann er nicht mein Jünger sein.“ Das ist ein hartes Wort! Aber eins ist ganz sicher: Jesus will mit diesem Wort nicht Lieblosigkeit predigen gegen den Ehepartner. Jesus will mit diesem Wort auch nicht das vierte Gebot außer Kraft setzen „Du sollst Vater und Mutter ehren“. Vom zwölfjährigen Jesus heißt es im Evangelium: „Jesus ging mit ihnen nach Nazaret und war ihnen untertan.“ Aber von dem gleichen zwölfjährigen Jesus heißt es auch, dass er mit einer ganz großen Selbstverständlichkeit Maria und Josef ins Angesicht sagt: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“

Und hier kommen wir auf den Punkt der Sache: Es gibt im Leben Jesu und auch Leben eines Jüngers eine Bindung, die ist wichtiger als alle menschlichen Beziehungen, mögen sie noch so tief gehen, und das ist die Bindung an den Willen Gottes, an den Willen des Vaters im Himmel,. Und wenn der Wille Gottes mit den menschlichen Beziehungen in Konflikt kommt, dann stellt sich die Frage: Wem bist Du gehorsam?

Dafür einige Beispiele: Es gibt Ehepartner, die ihren Glauben leben müssen, ohne dass der andere Partner auch nur irgendein Verständnis dafür aufbringt. Da will eine Frau sonntags morgens in die Kirche gehen, und der Mann will gerne lange schlafen und möchte dann gemeinsam mit seiner Frau frühstücken. Schon ist der Gewissenskonflikt da. Oder: Wie viele junge Leute haben einen Glaubensweg angefangen, haben dann eine Freundin oder einen Freund gefunden, der mit Glauben ‚nichts am Hut hat’, und sind dann wieder ganz abgerutscht. Oder Eltern müssen ihren Glauben leben unter dem Spott von heranwachsenden Kindern. Und jeder, der in dieser Spannung drinsteht, der wird schon merken, dass das Kreuz ist. Das geht nicht so glatt ab. Aber die Frage ist: Wem bin ich dann gehorsam?

 

Die zweite Teilsumme:

Jesus sagt: „Wenn jemand nicht sein eigenes Leben gering achtet, kann er nicht mein Jünger sein.“ Mit diesem Wort will Jesus uns nicht die Lust am Leben mies machen. Es geht um etwas anderes: Es wird in unserer Zeit heute zunehmend ein Egoismus sichtbar, den es in dieser Ausprägung vielleicht noch nie gegeben hat. Es muss sich immer alles um mich drehen. Es geht immer darum, dass ich mein Recht bekomme, dass mein Engagement gewürdigt wird, dass ich meine Meinung zur Geltung bringen kann. Achten Sie einmal in Diskussionen darauf: Da hört man überhaupt nicht mehr zu, was der andere sagt. Während der andere redet, überlege ich schon, was ich gleich sage. Es dreht sich immer nur alles um mich. Und eines der furchtbaren Schlagworte unsere Zeit ist das Schlagwort ‚Selbstverwirklichung’. Ich muss mich selbst verwirklichen! Und wir merken gar nicht, dass unsere Welt dabei immer ‚kälter’ wird.

Aber wenn das das höchste Ziel ist: für mich zu leben, mich selbst zu verwirklichen, dann lebe ich nicht mehr Nachfolge Jesu. Jesus hat für andere gelebt. Und statt Selbstverwirklichung hat er Selbstentäußerung gelebt, auch wenn das heute ein altmodisches Wort ist. Und auch hier wieder: Wenn jemand darauf verzichtet, Selbstverwirklichung als höchstes Ziel zu haben, wenn er statt dessen Selbstentäußerung lebt, dann hat das Konsequenzen. Dann musst Du auf manche Bequemlichkeit verzichten. Achten Sie einmal darauf in unseren Kirchen und in unserer Gesellschaft: Warum finden denn die politischen Parteien, die Gewerkschaften oder andere gesellschaftliche Gruppen keine Kandidaten, die sich in der Gesellschaft gerade als Christen engagieren? Oder warum ist es in den Pfarrgemeinden so schwer, Kandidaten zu finden zum Beispiel für den Pfarrgemeinderat? Oder eine Vorsitzende bzw. Teamsprecherin zu finden etwa für die kfd? Es ist klar: Wenn ich Selbstverwirklichung als Lebensprogramm habe, dann darf ich solche Posten nicht annehmen. Denn da muss ich lernen zu verzichten, um für andere da zu sein. Und das fällt uns heute oft ganz schwer.

Oder in einem ganz anderen Bereich: Wie oft, wenn es um bestimmte Stellen aus der Bibel geht, die eigentlich ganz eindeutig sind, da kommen manche Leute und sagen: „Ich seh das aber ganz anders.“ Als wenn das interessant wäre, wie Du das siehst oder wie ich das sehe. Nein, wir müssen gemeinsam fragen: Wie sieht Gott das? Es darf nicht nur immer das eigene Ich im Vordergrund stehen. Sonst kannst Du Jesu Jünger nicht sein.

 

Die dritte Teilsumme in diesem geistlichen Kostenvoranschlag klingt auf den ersten Blick noch härter: „Es kann keiner von euch mein Jünger sein, wenn er nicht auf seinen ganzen Besitz verzichtet.“ Nun muss ich sagen: Dieser Satz ist falsch übersetzt. Ich hab extra im griechischen Text nachgesehen. Denn wenn das so stimmen würde: ‚auf seinen ganzen Besitz verzichten’, dann könnte ja fast keiner von uns Jünger sein. Dann würden wir letztlich vielleicht sogar asozial werden, weil wir den anderen ‚auf der Tasche liegen’.

Nein, hier steht aus dem Griechischen wörtlich übersetzt: Es kann keiner mein Jünger sein, der sich nicht von seinem ganzen Besitz lossagt. Und das ist etwas anderes, das ist eine Haltung des Herzens. Dahinter steht die Frage: Besitze ich die Güter dieser Welt, oder besitzen die Güter dieser Welt mich, dass ich alles haben muss? Hab ich noch diese innere Freiheit, die der Apostel Paulus hatte, wenn er an die Philipper schreibt: „Ich kann arm sein und ich kann reich sein, ich kann beides.“ Es ist eine Herzenshaltung, ob ich mich von meinem Besitz lossage. Es ist nicht in erster Linie eine Frage, wie viel ich im Geldbeutel oder auf dem Konto habe.

Ich will es einmal anders herum formulieren: Wenn jemand nichts hat, arm ist, und er ist mit seinem Herzen, mit seinen Gedanken, mit seiner Phantasie immer bei dem Geld, das die anderen haben und das er nicht hat, dann ist er gebunden an Reichtum, auch wenn er nichts in der Tasche hat. Sein Herz ist gebunden, und von dieser Bindung muss man sich lossagen.

Ich will es noch einmal von einer anderen Seite her beleuchten: Vor Jahren hab ich einmal einen evangelischen Christen kennen gelernt. Der sagte so beiläufig in einem Gespräch: „Ich hab Gott gefragt, was ich mit meinem Geld machen soll.“ Er hatte gerade eine nicht sehr große Beitragserstattung bekommen. Ich hab mich im ersten Augenblick an den Kopf gepackt. Ich war noch nie vorher auf die Idee gekommen, Gott zu fragen, was ich mit meinem Geld machen soll. Was hat denn Gott damit zu tun? Aber der andere machte das einfach. „Ich hab Gott gefragt, was ich mit meinem Geld machen soll.“

Gut, wenn in der Kirche eine Kollekte gehalten wird für die Mission und für Adveniat usw. da gebe ich auch, wie alle anderen. Aber das entscheide doch ich selbst, wie viel ich da gebe. - Nein, dieser evangelische Christ hat Gott gefragt, was er mit seinem Geld machen soll.

Eins hab ich den letzten Jahren gelernt: Wenn Jemand sagt: ‚Jesus, mein Herz gehört dir, aber bleib mir vom Geldbeutel weg’, dann ist es mit seinem Jüngersein nicht weit her.

 

Ich will noch mal auf den Anfang der Predigt zurückkommen, auf die Sache mit dem Fußballstadion. Wenn es nach der Lautstärke geht, dann sind die wichtigsten Leute die Schlachtenbummler. Die machen sich am deutlichsten bemerkbar; die schreien am lautesten. Aber mit den Schlachtenbummlern wird kein Spiel gewonnen. Das Spiel wird gewonnen mit den Spielern, die da unten auf dem Rasen alles geben, die sich bis ins letzte einsetzen, die dafür auf vieles verzichten müssen.

Und auch das Reich Gottes wird nicht gebaut, und die Welt heute wird nicht dadurch menschlicher oder sogar göttlicher, dass man laut schreit. Das Reich Gottes wird gebaut mit Menschen, die Nachfolger Jesu sind, die bereit sind, alles einzusetzen. Darum geht es.

Und jeder, der das lebt, wird schon merken: Das ist Kreuz; da werden meine eigenen Vorstellungen durchkreuzt. Amen.

 

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