Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

26. Sonntag A
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Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

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Predigt zur 2. Lesung:  Phil 2,1-11

Predigt zum Evangelium:  Mt 21,28-32

Predigttext:      Phil 2,1-11

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

„Christsein konkret“ Das könnte man wie eine Überschrift setzen über den Abschnitt aus dem Philipperbrief, den wir heute als Lesung gehört haben. „Christ sein konkret.“

Wie geht das ganz praktisch wenn ich als Christ leben will? Darauf kommt Paulus in seinem Brief an die Gemeinde in Philippi zu sprechen. Als guter Pädagoge zählt er zunächst einmal auf, was es in der Gemeinde alles Gutes gibt. Er sagt: Es gibt bei euch Ermahnung, es gibt Zuspruch aus Liebe, es gibt Gemeinschaft des Geistes, es gibt herzliche Zuneigung und Erbarmen.

Aber wenn ihr jetzt meine Freude vollkommen machen wollt, dann müsst ihr auf folgende Punkteachten: dass ihr eines Sinnes seid, dass ihr in Liebe einander verbunden seid, dass ihr einmütig und einträchtig seid, dass bei euch nichts aus Ehrgeiz und aus Prahlerei geschieht, dass ihr demütig seid, dass einer den anderen höher schätzt als sich selbst, dass jeder nicht nur auf das eigene Wohl bedacht ist, sondern auch auf das der Anderen.

Wahrscheinlich hätte Paulus noch eine ganze Menge mehr aufzählen können, was alles dazu gehört, damit beim Apostel die Freude über die Gemeinde vollkommen ist. Aber er bricht auf einmal ab, zieht einen Schlussstrich und dann kommt nur noch ein einziger Satz. Doch in diesem einen Satz gipfelt alles. Da schreibt er: „Habt untereinander eine solche Gesinnung, wie sie auch in Christus Jesus war, und wie sie eurem Leben in der Gemeinschaft mit Christus entspricht.“ Mit anderen Worten: Wenn ihr wissen wollt, wie Christsein ganz praktisch geht, dann macht es wie ER. „Leben wie Christus“, das beinhaltet „Leben als Christ“.

 

Wenn man genau hinschaut, dann ist das nicht in erster Linie eine Forderung, die Gott stellt Ihr müsst so leben wie Christus“, sondern es ist zunächst einmal ein Angebot Gottes an uns. Gott traut uns zu, es ist unsere Berufung, dass wir so leben können, wie Christus gelebt hat.

Es ist unsere Berufung, dass wir ein so persönliches Verhältnis zum Vater im Himmel haben wie Jesus es gehabt hat.

Es ist unsere Berufung, dass wir die Menschen genauso lieben können, wie Jesus sie geliebt hat. Wie oft sagt Jesus:“ Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“ Oder ich denke an die Szene beim Abendmahl, wo er ihnen die Füße wäscht und dann sagt: „Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr so tut, wie ich an euch getan habe.“ Oder wie Petrus später in einem Brief schreibt: „Lebt so wie Christus, tretet in seine Fußstapfen, tut, was er uns vorgelebt hat.“

Gott traut uns zu, dass wir mit den Menschen so umgehen können, wie Jesus mit den Menschen umgegangen ist und zwar mit den Großen seiner Zeitgenossen, etwa den Theologen den Schriftgelehrten, aber auch mit den ganz einfachen Leuten, mit den Fischern vom See Genezareth, sogar mit den Zöllnern und Dirnen. Wie er für jeden Zeit hatte, wie er für jeden ein aufrichtendes Wort hatte. Das traut Gott uns zu, dass wir genau so leben.

Gott traut uns zu, dass wir genau so demütig sind, wie Jesus demütig war.

Gott traut uns zu, dass wir genau so leiden können, wie Jesus gelitten hat, ohne dass wir daran zerbrechen.

Und es ist auch unsere Berufung, dass für uns im Himmel einmal ein Thron bereit steht so wie Jesus in die Herrlichkeit gegangen ist.

Das ist das Ziel Gottes, dass wir so leben können wie Jesus.

 

Frage: Ist das auch Dein Ziel, so leben zu können wie Jesus? Wissen Sie, wie ich auf diese Frage komme? Wir haben bei uns die Redensart: „Wir sind ja alle nur Menschen.“ Und mit dieser Redensart wird so viel christliche Mittelmäßigkeit entschuldigt.

„Wir sind ja alle nur Menschen.“ Es stimmt, wir sind alle nur Menschen. Aber unsere Berufung ist nicht, das wir damit alles entschuldigen. Unsere Berufung ist, dass wir so leben können wie Christus.

 

Aber dann die Frage: Wie macht man das, wie kommt man dahin, dass man so leben kann wie Christus, vorausgesetzt man möchte das.

Wenn ich das möchte, so leben zu können wie Christus, dann wird Gott an mir arbeiten. Es kann sein, dass Gott bei mir Wesenszüge findet, die Ähnlichkeit haben mit der Wesensart Jesu. Dann wird er die bestätigen.

Es kann sein, dass man von Natur aus ein sehr geduldiger Mensch ist. Dann wird Gott diese Wesensart in dir immer mehr zur  Blüte bringen und fördern.

Es kann sein, dass jemand genau so spontan auf die Menschen zugehen kann, wie Jesus das konnte. Dann wird Gott, wenn er an dir arbeitet, diese Wesenart zum Leuchten bringen.

Es kann sein, dass jemand sehr still und in sich gekehrt ist. Dann wird Gott das Gute, das in dieser Haltung liegt, zum Vorschein bringen. Denn das sind oft auch Menschen mit einem großen Tiefgang.

Es kann aber auch sein, wenn Gott an dir handelt, und du ihm das gestattest, dass sein Handeln an Dir manchmal weh tut, wenn er an Dir arbeitet. Ich kann mich erinnern: Als ich Kaplan war, habe ich Gott einmal gebeten, dass er mir Demut schenkt. Er hat es getan, aber auf eine Weise, wie ich es nicht gedacht hatte. Er hat mir Menschen in der Pfarrei über den Weg geschickt, die mich gedemütigt haben, die an mir kein gutes Haar gelassen haben, die mich „zur Schnecke“ gemacht haben. Ich habe furchtbar darunter gelitten, und habe dann manchmal zu Gott geschrieen. Aber irgendwann ist mir klar geworden: Eigentlich ist das nur die Weise, wie Gott mein Gebet um Demut erhört hat. Wie soll ich denn Demut lernen, wenn nicht auf die Weise, dass Gott mich demütigt.

Es kann sein, dass ich Gott bitte, dass er mir Geduld schickt, weil das eine Wesensart Jesu ist. Und dann rechne damit, dass Gott Dich in Situationen stellt, wo deine Geduld vielleicht auf eine harte Probe gestellt wird.

Das kostet etwas, das tut manchmal weh. Aber bei allem, was uns dann weh tut in unserem Menschsein, sollte man auch immer einmal fragen: Gott, welches Ziel verfolgst du damit, dass mir das und das begegnet? Was möchtest du damit erreichen? Willst du mich Jesus ähnlicher machen? Willst du bei mir Haltungen zerbrechen, die falsch sind?  Wenn uns solche Dinge begegnen die uns vordergründig Leid bereiten, dann sollte man auch einmal so fragen.

 

Als ich Jugendlicher war, 15–16 Jahre alt, da war ich einmal ganz weit vom Glauben entfernt; ich bin auch nicht mehr zur Kirche gegangen So eine Phase hat wohl fast jeder Jugendliche einmal. Zum Beichten bin ich schon gar nicht mehr gegangen.

Und dann passierte folgendes: Meine Mutter hat mich in der Fastenzeit gezwungen, zur Beichte zu gehen. (Damals hatten die Mütter noch mehr Einfluss als heute.) Sie hat mir so lange auf den Füßen rumgetrampelt, bis ich schließlich gegangen bin.

Ich ging in die Kirche zur Beichte zu unserem alten Pfarrer, der schon lange tot ist. Dieser alte Pfarrer hat mir dann im Beichtstuhl mit einer unglaublichen Liebe geholfen. Zum ersten Mal durfte ich alles das auch einmal aussprechen, was mir an der Kirche und am Glauben Not machte. Es war ja nicht nur böser Wille, dass ich nicht mehr zur Kirche ging. Ich habe viele Fragezeichen gehabt, und ich durfte in dieser Beichte das alles sagen. Und der alte Pfarrer hat mir mit ganz großer Geduld zugehört; er hat versucht mir Antworten zu geben. Und ich bin lange im Beichtstuhl gewesen. Denken Sie einmal daran: damals haben die Leute noch Schlange gestanden am Beichtstuhl. Was meinen sie, was die gedacht haben, was ich für ein großer Sünder bin, dass ich so lange im Beichtstuhl war. Aber das war mir so egal.

Und ich kann mich gut erinnern: Als ich dann freudestrahlend nach Hause kam, habe ich zu meiner Mutter gesagt: Weißt du, so wie unser alter Pfarrer, so stelle ich mir vor, könnte Jesus gehandelt haben.

Das ist das Ziel Gottes, dass man einmal von uns sagen kann: So wie der lebt und wie der handelt, so könnte Jesus gehandelt haben.  Amen!

 

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Predigttext:    Mt 21,28-32

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wenn es nicht im Evangelium stünde, dann müsste man sagen: Das ist eine Ungeheuerlichkeit, was Jesus da sagt. Da ist die geistliche Elite des Volkes bei ihm, die Priester und die Ältesten des Volkes. Und dann sagt Jesus denen mit großem Nachdruck ins Gesicht: „Amen, das sage ich euch, die Zöllner und Dirnen kommen eher in das Himmelreich als ihr.“ Eine Ungeheuerlichkeit!

Wenn er das zum Abschaum der damaligen Gesellschaft gesagt hätte, das könnte man noch verstehen. Aber zu der geistlichen Elite des Volkes: „Die Zöllner und die Huren kommen eher in das Himmelreich als ihr!“

Dann hält Jesus ihnen (und vielleicht auch uns) mit dieser ganz unscheinbaren Geschichte gleichsam einen Spiegel vor:

Da war ein Mann, der hatte zwei Söhne. Er geht zu dem einen hin und sagt: „Mein Sohn geh, und arbeite heute im Weinberg!“ Und der nicht ganz fleißig: „Ja, ich geh.“ Er ging aber nicht. Solchen Menschen, die ‚Ja’ sagen, aber dann nicht tun, was sie sagen, denen sagt Jesus: „Die Zöllner und die Huren kommen eher in das Himmelreich als ihr.“

Wenn wir einmal den Blick auf die heutige Situation werfen, es ist manchmal erschreckend: Da kommen Brautpaare zur kirchlichen Trauung vor das Angesicht Gottes. Und dann fragt der Priester oder Diakon das Brautpaar: „Sind Sie bereit, Mitverantwortung in der Welt und in der Kirche zu übernehmen?“ Und alle Brautpaare sagen: „Ja!“ Aber was wird daraus, aus dieser erklärten Bereitschaft, Mitverantwortung in der Gesellschaft und in der Kirche zu übernehmen? In der Regel wird nichts daraus; ein leeres Versprechen.

Oder eine Stufe weiter: Da bringen Eltern ein Kind zur Taufe. Und bei der Tauffeier werden die Eltern gefragt: „Sind Sie bereit, ihr Kind im Glauben zu erziehen, damit es Gott und den Nächsten lieben lernt, so wie Christus es uns vorgelebt hat?“ Wieder sagen alle Eltern: „Ja!“ Und was wird daraus?

Ob dieser Spiegel, den Jesus damals der Elite des Volkes vorgehalten hat, vielleicht auch uns trifft? Und wenn wir in diesen Spiegel schauen, ob dann vielleicht auch für uns das anstößige Wort Jesu gilt: „Die Zöllner und die Huren kommen eher in das Himmelreich als ihr“?

 

Und dann ist da noch der andere Sohn. Zu dem geht der Vater auch und sagt: „Mein Sohn, arbeite heute in meinem Weinberg.“ Und der antwortet knallhart: „Nein, ich will nicht!“ Aber dann geht er weg, und es tut ihm Leid, es reut ihn, und er geht doch.

Gut, das war sicherlich nicht das Muster von einem Sohn. Das war sicher kein Christ ‚erster Klasse’. Aber letztlich entscheidend ist nicht, ob er dem Vater ins Gesicht gesagt hat: „Nein, ich geh nicht!“ Entscheidend ist: Er hat den Willen des Vaters getan, wenn auch vielleicht erst im zweiten Anlauf, weil ihm die harte Antwort Leid getan hat.

Auch dafür ein Beispiel aus unserer Zeit; eine sehr tiefe Erfahrung, die ich als Kaplan gemacht habe im Zusammenhang mit der Taufe: Da meldet eine Mutter ihr Kind zur Taufe an. Ich besuchte die Familie zu einem Taufgespräch. Bei dem Taufgespräch erfahre ich, dass der Ehemann, der Vater des Kindes aus der Kirche ausgetreten war. Nun, beim Taufgespräch in seiner Wohnung musste er wohl oder übel dabei sein; er konnte ja nicht weglaufen. Aber er hat sofort ganz klar und deutlich mir gesagt: „Herr Kaplan, zur Tauffeier komm ich nicht. Und wenn Sie uns fragen, ob wir das Kind im katholischen Glauben erziehen wollen, dazu kann ich nicht Ja sagen. Darum komm ich zur Tauffeier gar nicht erst.“ Die Frau hat dabei gesessen und hatte Tränen in den Augen, weil sie wirklich eine Frau war, die ihren Glauben ernst nahm. Das hat der Frau weh getan und mir als Priester auch. Und dann kam der Sonntagnachmittag, wo die Tauffeier war. Wir hatten gerade die Tauffeier angefangen, da geht hinten die Kirchentür auf, und der Mann kommt herein. Er kommt ganz nach vorne in die erste Bank zu seiner Frau und zu seinem Kind. Und als ich dann fragte: „Sind Sie bereit, ihr Kind im Glauben zu erziehen, damit es Gott und den Nächsten lieben lernt, so wie Christus es uns vorgelebt hat“, da hat er ein ganz entschiedenes und bewusstes Ja gesagt. Und dann fing seine Frau noch einmal an zu weinen, aber diesmal aus Freude und Glück. Als die Tauffeier dann zu Ende war, da haben sich etliche der Verwandten mit Tränen in den Armen gelegen. Dieser Mann hatte eine totale Umkehr erlebt. Er ist wieder in die Kirche eingetreten. Und der Anstoß war, dass ihm das keine Ruhe gelassen hat. Er hat mir später einmal gesagt: „Ich will doch nicht vor meinem Kind unglaubwürdig sein.“

Bei dieser Tauffeier habe ich ein wenig davon gespürt, was Jesus meint, wenn er in einem Gleichnis einmal sagt: „Im Himmelreich ist mehr Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben.“

Der Spiegel, den Jesus uns vorhält, schau einmal in diesen Spiegel hinein. Es liegt in Deiner Hand, ob Jesus einmal über dich sagt: „Die Zöllner und die Dirnen kommen eher in das Reich Gottes als Du.“ Oder ob Jesus über Dich sagen kann: „Im Himmelreich ist mehr Freude über Dich, als über neunundneunzig Gerechte, die keine Umkehr nötig haben.“

 

Jetzt könnte ich als Prediger eigentlich Amen sagen, weil die Geschichte mit den zwei Söhnen vorbei ist. Aber da gibt es noch einen dritten Sohn. Nicht im heutigen Evangelium, sondern in der zweiten Lesung aus dem Philipperbrief. Da schreibt Paulus von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Und das ist wohl das älteste Kirchenlied, das es heute noch gibt. Es steht heute noch bei uns im ‚Gotteslob’:

„Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sein, sondern er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn Gott über alle erhöht ...“ (Phil 2,6-11)

Da ist noch ein dritter Sohn. Dem legt der Hebräerbrief das Psalmwort in den Mund: „Meine Freude ist es, deinen Willen zu tun.“ Dieser dritte Sohn hat ein ganz klares Ja gesagt zu Willen des Vaters. Und er hat dieses Ja gesagt, obwohl er wusste: Das endet in der Erniedrigung am Kreuz. Er hat ein ganz bewusstes und entschiedenes Ja gesagt. Dieses Ja hat er am Ölberg mit Zittern und Zagen und mit Kämpfen durchgehalten. Und er hat nicht nur Ja gesagt, sondern er hat den Willen des Vaters getan. Und von diesem Sohn sagt Paulus heute in der Lesung an uns gerichtet: Seid untereinander so gesinnt, wie es Jesus Christus war und wie es dem Leben in Christus entspricht. Habt untereinander diese Gesinnung, Ja zu sagen zum Willen Gottes und dieses Ja dann auch zu tun.

Und was kommt dann dabei heraus: „Darum hat ihn Gott über alle erhöht ...“   Amen.

 

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