Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

28. Sonntag B
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Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

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Predigt zum Evangelium:  Mk 10,17-27

Predigt zum Evangelium:  Mk 10,28-30

Predigttext:      Mk 10,17-27

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es gibt im Neuen Testament einige wenige Schlüsseltexte, da entscheidet es sich, ob unser Christenleben ein gequältes Christenleben ist oder ein frohes und strahlendes Christenleben. Und einer dieser Texte ist der Abschnitt den wir heute als Evangelium gehört haben.

 

Da geht es um die Frage: „Was muss ich tun um das ewige Leben zu gewinnen?“ Nun, manche Leute sind am ewigen Leben überhaupt nicht interessiert. Mir hat vor kurzem noch einer gesagt: „Herr Pfarrer, wenn ich mal tot bin, komm ich in die Kiste, und dann ist sowieso alles aus. Hören Sie mir doch auf mit dem ewigen Leben.“ Glaub mir, für solche Menschen, da bin ich ganz sicher, wird es einmal ein böses Erwachen geben.

Aber hier kommt im Evangelium ein junger Mann zu Jesus und stellt ihm diese Frage. „Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen?“ Er hat scheinbar die richtige Frage auf den Lippen. Er geht auch mit dieser Frage zu dem Richtigen hin, nämlich zu Jesus. Und doch, obwohl diese Frage wichtig ist, stellt er diese Frage falsch. Und Jesus kann auf eine falsche Frage keine richtige Antwort geben. Er fragt: „Was muss ich tun um, das ewige Leben zu gewinnen?“ Wenn diese Frage so gestellt wird, dann kann ein Mensch in einen furchtbaren Glaubensstress kommen. Ich will Ihnen dafür ein Beispiel sagen: Wie oft bin ich zu alten Leuten gerufen worden, die schwer krank waren, manchmal haben die sogar schon auf den Sterbebett gelegen. Ich habe ihnen die Krankensalbung gespendet. Und wie oft ist es mir dann passiert, dass mir die alten Leute manchmal unter Tränen gesagt haben: „Herr Pfarrer, ob ich wohl alles richtig gemacht habe, dass ich gut oben ankomme? Ob ich wohl genug getan habe, dass ich gut oben ankomme?

Aber ich frage Sie heute: Wie soll denn ein Mensch im Glauben froh werden, wie soll ein Mensch mit Frieden und Zuversicht dem Tod ins Auge sehen, wenn er ständig mit dieser Angst lebt: „Habe ich wohl genug getan; habe ich wohl alles richtig gemacht, dass ich gut oben ankomme?

 

Diese Frage: Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen, ist im tiefsten falsch. Sie programmiert uns in eine falsche Richtung, nämlich auf ein gequältes Christenleben hin. Und das muss Jesus diesem jungen Mann klar machen. Vielleicht muss er das heute auch uns klar machen, gerade uns Katholiken.

Jesus sagt ihm: „Du kennst doch die Gebote: du sollst nicht töten, du sollst nicht die Ehe brechen ...“ Und Jesus zählt die ganzen Gebote auf. Und nun stellen sie sich einmal vor: Da sagt dieser junge Mann Jesus ins Gesicht: „Meister, alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt.“ Das könnte ich nicht sagen. Könnten Sie das sagen: Alle Gebote habe ich von Jugend an gefolgt? Und Jesus widerspricht ihm auch gar nicht, sondern es steht ausdrücklich dabei: Jesus gewann ihn lieb.

Aber dann geht Jesus einen Schritt weiter: „Wenn du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was du hast, und gib das Geld den Armen. Und dann folge mir nach.“ Und in dem Augenblick zuckt der junge Mann zusammen und sagt: „Nein, das nicht, das geht nicht! Alles, was ich von meinem Vater geerbt habe, alles was ich mit meiner Hände Arbeit geschafft habe, soll ich abgeben? Nein, das kannst du von mir nicht erwarten.“ Und dann geht er traurig weg, weil er nämlich viele Güter hatte.

Und Jesus lässt ihn gehen. Und es gibt kein Christentum zu herabgesetzten Preisen. Jesus sagt ihm nicht: „So ernst habe ich das gar nicht gemeint.“ Jesus lässt ihn gehen. Warum lässt Jesus ihn gehen? Warum hängt er den Brotkorb so hoch? Warum hebt er die Latte auf so ein Maß? Ja, er muss ihm klar machen, dass es um etwas anderes geht.

 

Damit wir das verstehen können, müssen wir ein bisschen Phantasie walten lassen. Stellen Sie sich einmal vor, die Geschichte wäre anders ausgegangen. Jesus sagt zu dem jungen Mann: „Verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen.“ Jetzt stellen sie sich einmal vor, der junge Mann hätte seine Geldbörse gezückt oder sein Scheckbuch herausgeholt, hätte es Jesus gegeben und hätte gesagt: „Geld ist sowieso nicht alles; du kannst alles haben.“ Meinen Sie, Jesus hätte zu diesem jungen Mann dann gesagt: „Ok., jetzt hast du einen Freifahrtsschein fürs ewige Leben in der Tasche.“ Nein, sicher nicht! Jesus hätte weiter gebohrt. Er hätte vielleicht zu dem jungen Mann gesagt: „Gut, dann hätte ich gern, dass du ehelos lebst, dass du den Zölibat hältst.“ Und stellen Sie sich vor, der junge Mann hätte dann gesagt: „Einverstanden, mit Frauen habe ich sowieso nichts am Hut. Das macht mir nichts aus; dann lebe ich eben zölibatär.“ Dann hätte Jesus weitergebohrt und hätte vielleicht gesagt: „Dann möchte ich, dass du in ein ganz strenges Kloster gehst wo man überhaupt nicht reden darf.“ Und jetzt stellen Sie sich vor, der junge Mann hätte wieder geantwortet: „Na ja, das Reden fällt mir sowieso nicht so leicht. Das macht mir nichts aus, dann gehe ich eben in ein strenges Kloster.“ Jesus hätte weitergebohrt: „Dann möchte ich dass du Missionar in Sibirien wirst ...“, oder was auch immer. Jesus bohrt so lange weiter, bis er bei diesem Mann an den Punkt kommt, wo der kneift und wo der sagt: „Nein, das nicht! Ich bin zu allem bereit, aber das nicht!“

Sehen Sie, jeder von uns hat wohl so einen wunden Punkt. Wenn Jesus daran rührt und das von mir erwartet: „Nein, dazu bin ich nicht mehr bereit.“ Bei diesem jungen Mann war es das Geld. Vielleicht ist es heute auch bei vielen das Geld. Aber irgendwo hat jeder so einen wunden Punkt. Und Jesus muss diesen jungen Mann und muss uns alle so in die Enge treiben, dass wir plötzlich spüren: Nein, das will ich nicht mehr, so weit geh ich nicht.

 

Und dann kann man sich auch das Entsetzen der andern Jünger erklären, die dann sagen: „Meister, wenn das so ist, wer kann denn dann überhaupt noch gerettet werden?“ Aber dann gibt Jesus den Jüngern eine Antwort, die ganz wichtig ist. Er sagt den Jüngern: „Für Menschen ist das unmöglich.“ So lange du immer noch fragst: „Was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen“, wirst du immer an den Punkt kommen, wo du sagst: „Nein, das kann ich nicht mehr.“ Für Menschen ist das unmöglich, aber nicht für Gott. Denn für Gott ist alles möglich.

Auf einmal dreht Jesus den Spieß um und sagt uns: Die Frage muss nicht heißen: „Was muss ich tun?“ Die Frage muss heißen: „Was hat Jesus getan, damit wir das ewige Leben gewinnen?“

Ich komme noch einmal auf die alten Leute zurück, die manchmal mit Tränen gesagt haben: „Ob ich wohl genug getan habe, dass ich gut oben ankomme.?“ Wenn ich denen dann gesagt habe: „Sie müssen die Frage anders herum stellen: „Ob Jesus wohl genug getan hat, dass Sie gut oben ankommen?“ Dann habe ich oft erlebt, dass eine Freude auf ihr Gesicht kam, und dass sie dann sagten: „Ja, das will ich doch meinen, dass Jesus genug getan hat, dass Jesus alles richtig gemacht hat. Das will ich ja wohl meinen.“

Und sehen Sie, hier entscheidet sich unser Christsein. Entweder bekommst du das ewige Leben geschenkt durch das, was Jesus getan hat am Kreuz, oder du bekommst es gar nicht. Selber schaffen kannst du das nicht. Brauchst du aber auch nicht! Du kannst einfach zu diesem Jesus hingehen und darfst sagen: „Jesus, ich brauche dich. Du hast alles richtig gemacht, und du hast genug getan, dass ich oben ankomme.“

 

Und wer das im tiefsten Herzen verstanden hat, von dem fällt eine ganze Menge katholischer Krampf ab: Was muss ich alles tun? Muss ich jeden Sonntag in die Kirche gehen? Natürlich ist das wichtig, aber wenn ich das nur tue, weil ich muss, dann wird es eine Katastrophe. Natürlich, diese vielen guten Werke, das was wir tun sollen, ist wichtig. Aber wir tun es nicht aus der Angst heraus: Sonst komme ich vielleicht nicht gut oben an. Sondern wir tun die guten Werke aus der Freude heraus, weil wir erlöst sind. Weil Jesus mir den Himmel erworben hat, darum habe ich alle Hände frei, in dieser Welt Gutes zu tun, ohne Angst, aus Freude heraus.

Sie kennen die Gottesmutter Maria mit ihrem Magnifikat. „Selig preisen mich alle Geschlechter“, sagt Maria. Und dann geht es weiter: „denn der Mächtige hat Großes an mir getan“. Das ist ihre Freude. Nicht: Ich habe Großes für den Allmächtigen getan, sondern: der Mächtige hat Großes an mir getan. Und darum kann sie jubeln sich freuen, dieses Mädchen Maria.

 

Ich will es noch einmal auf den Punkt bringen. Sie kennen alle, oder die meisten wahrscheinlich, dieses alte Kindergebet, das wir oft gebetet haben: „Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm.“ Wie oft haben wir das gebetet. Aber dieses Gebet ist im tiefsten falsch. Ich bin nicht fromm, damit ich in den Himmel komm. Dieses Gebet muss umgekehrt heißen: „Lieber Gott, ich bin fromm (ich will fromm sein), weil ich in den Himmel komm.“ Weil Jesus mir den Himmel erkauft hat, darum will ich fromm sein. Darum will ich jetzt dem Willen Gottes entsprechen, darum will ich fromm sein, und darum kann ich es in Freude.

Lieber Gott, ich bin fromm, weil ich in den Himmel komm; weil Jesus alles gut gemacht hat; weil er genug getan hat.   Amen.

 

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Predigttext:      Mk 10,28-30

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

„Was hab ich davon?“ Diese Frage kommt heute immer häufiger, wenn es darum geht, sich irgendwo einzusetzen. Was hab ich davon?

Auch wenn es um das Thema Nachfolge Christi geht, dann fragen viele als Erstes: Was hab ich denn davon, was bringt mir das? Und wenn uns das nichts bringt, dann lassen wir lieber die Finger davon.

So ähnlich hat auch Petrus schon heute im Evangelium gefragt. Er sagt zu Jesus: Meister, wir haben alles verlassen und sind der nachgefolgt. Und im Hintergrund steht die Frage: Was haben wir nun davon? Im Matthäusevangelium wird an der gleichen Stelle ausdrücklich diese Frage des Petrus erwähnt: Was wird uns dafür zuteil werden?

Und Jesus gibt ihm eine ganz präzise Antwort, die auch noch heute gilt. Was hast du davon, wenn du dich als junger Mensch heute auf den Ruf Jesu einläst? Was hast du davon?

Drei Dinge nennt Jesus in seiner Antwort. Womit dürfen wir rechnen und womit müssen wir rechnen, wenn wir uns ganz auf Jesus eingelassen?

Ein Erstes, hier im Evangelium steht es in der Mitte der Antwort Jesu. Es ist nur ein kleines Stichwort, aber gerade das ist wichtig in unserer Zeit heute. Wenn du dich auf Jesus einläst, dann rechne mit Verfolgungen.

Das klingt vielleicht merkwürdig in unserem Land, wo es heute keine Christenverfolgungen mehr gibt. Aber wenn man genau hinschaut, gilt das für uns hier in unserem Land heute auch.

Wenn jemand so auf der allgemeinen religiösen Welle mitschwimmt, was „man“ so in unserer Gesellschaft tut oder nicht tut, dann lassen dich die Leute in Ruhe. Aber in dem Augenblick, wo ein Mensch heute mit Jesus ernst macht, da werden die Leute mit ihm Ernst machen, da wird es Verfolgung geben, da wir des Druck geben. Das haben fast alle Heiligen erlebt. Ich lese gerade die Selbstbiografie der heiligen Teresa von Avila, die in diesem Monat ihren Festtag hat. Was ist die angefeindet worden, zum Teil von ihren eigenen Beichtvätern. Oder ich denke an den heiligen Pfarrer von Ars. Dem hat der Bischof einen Kaplan an die Seite gegeben, nicht weil der dem Pfarrer helfen sollte, sondern damit er ihn kontrolliert, ob der wohl alles richtig macht.

Ich denke aber auch etwa an den Vorgänger unseres Papstes, an Johannes Paul II. Was hat der alles an Widerstand erdulden müssen in seinen letzten Jahren, an Antipathie gerade auch bei uns in Deutschland. Da konnte man im letzten Jahr vor seinem Tod in einer Tageszeitung lesen: „Der einzige Dienst, den der Papst heute noch den Menschen erweisen kann ist, wenn er zurücktritt.“

Ich denke daran, dass heute in unserer Gesellschaft Eltern ihren Glauben oft leben müssen unter dem Spott ihrer heranwachsenden Kinder. Mir hat einmal eine Mutter gesagt: Wir trauen uns bald nicht mehr, ein Tischgebet zu beten, weil unsere Kinder uns ständig durch ihr spöttisches Lachen zeigen, was sie davon halten. Aber es gibt auch das Umgekehrte: Manchmal müssen Jugendliche, zu die zum Glauben gekommen sind, mit dem Unverständnis ihrer Eltern leben. Wenn sie angefangen haben, jeden Morgen stille Zeit zu halten, zum Gebet und zum Bibel lesen, dann haben die Eltern gesagt: Das ist ja fanatisch. Das ist doch nicht normal, dass man in dem Alter jeden Morgen eine halbe Stunde in der Bibel liest. Ich denke, wir sind darauf heute nicht genügend vorbereitet, dass wir in dieser Weise Verfolgung, Druck bekommen.

 

Ein Zweites: Wo mit dürfen wir rechnen, wenn wir in die Nachfolge Jesu gehen?

Jesus sagt: „Jeder, der Haus, Hof, Vater, Mutter, Kinder usw. um meinetwillen verlässt, der wird das ewige Leben erben.“ Nur sagen die Leute ja immer: Man weiß ja praktisch über das ewige Leben nichts. Dann kommen die Leute daher und erzählen: Es ist ja noch nie einer wiedergekommen, der erzählen könnte, wie das mit dem ewigen Leben ist.

Aber das stimmt gar nicht. Es ist einer wiedergekommen. Seit Jesus Christus auferstanden ist, kann man nicht mehr so ohne weiteres sagen: Es ist ja noch nie einer wiedergekommen. Dieser eine hat uns ganz präzise gesagt, wie das ist mit dem ewigen Leben.

Schau dir den auferstandenen Jesus an. Schauen Dir den verklärten Leib Christi an nach seiner Auferstehung. Ja, er hat noch die Wundmale. Aber es ist, wie wir es singen in einem Osterlied: Sie leuchten wie Rubine, sie haben nicht mehr den Charakter des Leidens. Es ist ein Stück Glanz und Herrlichkeit sichtbar geworden. Der Evangelist Johannes fängt an zu staune, wenn er in seinem ersten Brief schreibt: Schaut nur, wie groß die Liebe ist, die Gott zu uns hat. Wir werden ihm, Jesus, ähnlich sein, und wir werden ihn schauen wie ist.

Stell dir das einmal vor: Wir werden ihm ähnlich sein, Gott ähnlich sein. Das ist unsere Berufung, das wartet auf uns. Die Bibel wird nie müde, diese Herrlichkeit, diesen Glanz in immer neuen Bildern zu beschreiben. Man kann das nur in Bildern beschreiben. Vielleicht können Liebende in dieser Welt, Menschen die sich wirklich lieben, ein Stückchen davon erahnen, was die ewige Herrlichkeit bedeutet. Liebende möchten ja auch diesen Augenblick nie mehr loslassen. wo sie in Liebe zusammen sind.

Nun können die Leute natürlich kommen und sagen: Das ist wieder typisch christlich. Da wird man vertröstet auf später, auf das ewige Leben. In diesem Leben reden die Christen immer vom Jammertal. Aber später wird einmal alles gut werden Hat Karl Marx nicht recht gehabt, als er gesagt hat: Religion ist Opium des Volkes, Immer nur Vertröstung aufs Jenseits?

 

Nein, ist es nicht! Und darum sagt Jesus in unserem Evangelium: Wer Vater, Mutter, Haus, Äcker Kinder usw. um meinetwillen und um des Evangeliums willen verlässt, der wird es hundertfältig wiedergekommen hier in dieser Welt. Es steht ausdrücklich dabei ‚hier in dieser Welt’: Mütter, Brüder, Äcker, Häuser, Kinder, alles, was er verlassen hat, wird er hundertfältig wiederbekommen. Gott berechnet seine Zinsen nicht nach Prozenten, sondern hundertfältig. Und auch das kann man in unserer Welt deutlich beobachten. Ich hab das in der Zeit, wo ich Priester bin, etliche Male erlebt.

Es gibt Menschen, die wirklich ihr Vermögen eingesetzt haben im Reich Gottes, die alles weggegeben haben, die wirklich Opfer gebracht haben. Und ich habe noch nie so einen Menschen getroffen, dem es dann schlecht ging. Noch nie! Ich habe noch nie jemanden gehört, der dann geklagt hat, dass der Mangel hat.

Oder ein anderes: Das Kostbarste, was wir heute haben, ist er nicht Geld, sondern Zeit. Ich habe viele Menschen getroffen, die ihre Zeit, seine Freizeit Gott geschenkt haben. Solche Menschen sind immer Menschen, die dann auch Zeit für sich selbst hatten. Es ist merkwürdig: die Zeit fehlt einem dann nicht. Aber ich habe umgekehrt etliche Menschen getroffen, die immer wieder gesagt haben: Wann soll ich das denn machen: in der Bibel lesen usw. Ich habe keine Zeit dafür. Ich habe keine Zeit, in der Pfarrgemeinde mitzuarbeiten. Das sollen die tun, die Zeit dafür haben. Glaub mir, solche Menschen haben auch keine Zeit mehr für sich selber.

 

Ich will es zum Schluss noch einmal ganz persönlich sagen:

Als ich vor gut 30 Jahren Priester wurde und vor der Diakonatsweihe stand, ich weiß noch gut: Als wir damals vor der Diakonatsweihe Exerzitien hatten, da hab ich eine ziemlich große Krise bekommen bei dem Gedanken: Wenn du Gott jetzt vor dem Bischof den Zölibat versprichst, ein Leben in die Ehelosigkeit, dann bedeutet das: Du wirst nie eigene Kinder haben. Und ich hab Kinder gern bis auf den heutigen Tag. Und der Gedanke: Du wirst nie eigene Kinder haben, der hat mich ziemlich fertiggemacht.

Und dann kam in diesen Exerzitien in der Werktagsmesse dieses Evangelium dran: Wer Häuser, Mütter, Väter, Kinder usw. um meinetwillen und um des Evangelium willen verlässt, der wird es hundertfältig wiedergekommen, hier in dieser Welt: Häuser, Kinder (Kinder!!), usw. ganz konkret. Und ich weiß noch, ich bin damals mit Tränen zu meinem Beichtvater gegangen und habe ihm gesagt: Im Vertrauen auf dieses Evangelium tue ich jetzt diesen Schritt auf das Priestertum zu.

Und ich kann Ihnen heute nach gut 30 Jahren sagen: Gott hat sein Versprechen mehr als hundertfältig gehalten. Bis auf den heutigen Tag ist das nicht nur so, dass ich die Kinder lieb habe, sondern ich habe immer wieder erlebt, dass die Kinder mich auch gerne haben. Ich erlebe das jedes Mal wenn ich über den Schulhof gehe oder wenn ich mit den Messdienerinnen und Messdienern zusammen bin, oder bei den Kommunionkindern, immer wieder das Gleiche: Die Freude, die Eltern mit ihren Kindern haben, die hat Gott mir in hundertfältiger Weise geschenkt. Ich bin nicht zu kurz gekommen. Genau an dem Punkt, wo ich Sorge hatte, dass ich zu kurz kommen würde.

Aber andererseits: Gott hat mich als Priester auch die Not erleben lassen, die Eltern mit heranwachsenden Kindern haben. Ich bin als Kaplan manchmal durch Diskotheken gegangen und habe Jugendliche da raus geholt. Ich bin mit denen zum Arbeitsamt gegangen, wenn sie keine Arbeit hatten. Ich bin mit einige zum Betrieb gefahren, weil die sonst unterwegs abgehauen wären, und gar nicht zur Arbeit gegangen wären. Ich habe Jugendliche bei mir wohnen gehabt, wo sich herausstellte, dass sie gerade ein Einbruch begangen hatten. Nachts stand plötzlich die Polizei bei mir wurde Türe und hat den betreffenden jungen Mann gesucht. Ich hab oft mit erlebt, was das bedeutet, wenn man Not mit heranwachsenden Kindern hat.

Aber eins darf ich heute zur Ehre Gottes bezeugen. Es stimmt: Wer Haus, Vater, Mutter, Brüder, Kinder, Äcker usw. um meinetwillen verlässt, der wird es hundertfältig wiedergekommen. Darum trau ich mich heute, allen, jungen Menschen wie auch alten Menschen Mut zu machen: Lass dich ganz auf Jesus ein. Es lohnt sich auch, bei sich einmal die Frage zu prüfen: Will Gott mich vielleicht als Priester haben oder als Ordensfrau. Oder hat Gott mir die Berufung gegeben, ihn in der Ehe zu verkünden. Das ist auch eine Berufung. Dies alles sollten ganz angstfrei vor dem Angesicht Gottes prüfen. Und verlass Dich darauf: Gott ist treu. Wenn du um seinetwillen irgend etwas aufgibst: Gott schenkte es Dir zurück, hundertfach. Amen.

 

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