Pfarrer Karl Sendker

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Predigt zur 2. Lesung:  1 Kor 1,1-3

Predigt zum Evangelium:  Joh 1,29-34       als PDF Datei

Predigttext:      1 Kor 1,1-3

Predigt im mp3 Format

 

Dies ist die 1. Predigt einer siebenteiligen Predigtreihe mit dem Thema:

"Ein Hirtenbrief, der unter die Haut geht"

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Hirtenbriefe haben es an sich, dass sie im Allgemeinen als langweilig gelten. Wenn so ein Hirtenbrief verlesen wird, brauchen Sie nur durch die Kirche schauen: Nach wenigen Sätzen haben die ersten Gottesdienstbesucher schon abgeschaltet, ganz besonders die Kinder, weil sie sich gar nicht angesprochen fühlen.

Das ist nicht eine Erscheinung der Neuzeit. Ich habe gelesen, schon Augustinus hat sich im Altertum darüber beklagt: „Wenn ich euch einen Brief schreibe, und er wird vorgelesen, da hört ihr ja gar nicht hin.“ Das hat es also immer schon gegeben.

 

Im Jahre 57 wird in der griechischen Hafenstadt Korinth auch ein Hirtenbrief vorgelesen. Dieser Hirtenbrief war lang, über fünfzehn Seiten lang. Der Verfasser dieses Hirtenbriefes war der Apostel Paulus. Und obwohl dieser Hirtenbrief so lang war, konnte es sich keiner leisten abzuschalten. Ganz im Gegenteil, als der Brief vorgelesen wurde, da ist hier einer zusammengezuckt und da einer zusammengezuckt: Jetzt meint er mich; jetzt kriegen wir es; woher weiß der das alles?

Als Paulus seinen Hirtenbrief schreibt, hat nicht ein paar salbungsvolle Worte gemacht, sondern er hat die Sache auf den Punkt gebracht. Schonungslos hat er jeden Missstand in der Gemeinde aufgedeckt, und da hat jeder ‚sein Fett abgekriegt’.

 

Paulus sieht, als er seinen Brief schreibt, vor seinem inneren Auge eine Gruppe in der Gemeinde, die Spaltung verursacht. Der eine sagt: Ich halte zu Paulus! Der andere sagt: Ich halte mich zu Apollos! Der dritte hält sich zu Pfarrer Sendker oder zu wem auch immer. Diese furchtbare Grüppchenbildung in der Gemeinde! „Wo seid ihr denn hingekommen?“, schreibt Paulus. „Wieso gibt es solche Spaltungen und Parteiungen? Der Leib Christi ist doch eins!“

Da sieht er eine andere Gruppe vor sich, und schreibt: „Das darf doch wohl nicht wahr sein, was es da bei euch gibt, was ich von euch gehört habe. Da habt ihr miteinander Streit, und statt dass ihr diesen Streit im Geiste Jesu Christi beendet, geht ihr zu heidnischen Richtern und führt vor heidnischen Gerichten Prozesse!“

Dann sieht er eine andere Gruppe von Gemeindemitgliedern vor seinem inneren Auge, als er den Brief schreibt, und er sagt: „Was ich da gehört habe, ist doch wohl eine Unmöglichkeit, dass unter euch sexuelle Unzucht getrieben wird, wie sie noch nicht einmal bei den Heiden üblich ist: dass einer mit seiner eigenen Stiefmutter ins Bett geht. Und statt dass ihr als Gemeinde darüber traurig werdet, seid ihr auch noch aufgeblasen.

So bekommt jeder in Korinth in diesem Hirtenbrief seinen Teil ab.

Dieser Hirtenbrief wird in den nächsten Wochen Abschnitt für Abschnitt in unsren Sonntagsmessen vorgelesen.

 

An wen ist dieser Hirtenbrief gerichtet? Zunächst einmal an die Christen in der Hafenstadt in Korinth in Griechenland. „An die Kirche in Korinth.“ Aber in der Einleitung schreibt Paulus: „Dieser Brief ist gerichtet auch an alle, die den Namen Jesu Christi, unseres Herrn anrufen an jeglichem Ort.“ Und damit ist dieser Hirtenbrief auch an uns heute gerichtet. Und wir werden schon merken, dass Paulus da Fragen anschneidet, die uns heute in unseren Gemeinden genauso unter den Nägeln brennen.

Heute und an den nächsten Sonntagen möchte ich eine Predigtreihe halten über diesen Hirtenbrief mit dem Titel: „Ein Hirtenbrief der unter die Haut geht“.

 

Heute haben wir als Lesung den allerersten Abschnitt gehört, das Grußwort sozusagen. Und da streckt etwas ganz Wichtiges drin. Bevor nämlich Paulus anfängt zu schimpfen, und bevor er die ganzen Missstände aufdeckt, das Erste - und da ist er ein guter Pädagoge: er erinnert die Christen damals und heute an ihre Würde, die sie empfangen haben. Dieser Brief ist gerichtet an die Kirche Gottes. „Ihr in Korinth, ihr heute in euerer Ortsgemeinde seid die Kirche Gottes!“ ruft er uns zu. Ja nun, das ist doch klar, dass wir die Kirche sind, aber es steckt viel mehr dahinter, als wir in unserem deutschen Wort Kirche ausdrücken können. Das griechische Wort für Kirche (das neue Testament ist ja griechisch geschrieben) heißt ekklesia, wörtlich übersetzt ‚die Herausgerufenen’. „Ihr seid aus der Welt herausgerufen, ihr habt einen Sonderstatus von Gott her mitten in dieser Welt“, sagt Paulus. Das bedeutet es, Kirche zu sein. Oder wie Jesus es einmal ausdrückt in der Bergpredigt: „Ihr seid das Licht der Welt!“ Es soll in die Finsternis dieser Welt von euch her ein Lichtschein hinein kommen. Paulus drückt das im Philipperbrief einmal so aus, fast im gleichen Bild: „Mitten in einem verdrehten und verkehrten Geschlecht (das haben wir heute auch) sollt ihr leuchten wie Sterne im Weltall.“ Damals haben sich die Seefahrer an den Sternen orientiert. Das heißt: wir Christen sind Orientierungspunkte, an denen sich eine verdrehte, verwirrte und verdorbene Welt orientieren kann. Das ist unsere Berufung! Ihr seid nicht irgendwer, sondern ihr seid die Repräsentanten Gottes hier in dieser Welt, hier in unserem Stadt.

Wenn die Bundesregierung einen Botschafter in irgendein fremdes Land schickt, dann ist es der Bundesregierung nicht egal, ob dieser Botschafter die Regierung gut repräsentiert, ob er einen guten oder schlechten Eindruck macht. Und es ist Gott nicht egal, wie seine Kirche, seine Herausgerufenen, seine Repräsentanten in dieser Welt dastehen. Gott steht hinter Dir, das ist Deine Würde, unsere Würde als Christen. Und darauf weist Paulus die Christen als allererstes hin.

 

Ein Zweites, immer noch unter dem Thema, ‚Christ erkenne deine Würde’: Paulus schreibt - und jetzt hören Sie gut zu: An diese heruntergekommene Christengemeinde, schreibt er „an die Heiligen in Korinth“. Heute würde er schreiben an die Heiligen in Kevelaer oder so ähnlich. Diese Leute, mit denen er so ins Gericht geht, redet er an: Ihr seid die Heiligen in Korinth! Merkwürdig nicht wahr.

Hier wird deutlich, dass wir heute oft einen falschen Begriff von Heiligkeit haben. Für uns ist ein Heiliger ja meistens so ein Tugendbold, der sich nie was zu Schulden kommen lässt, der so wie der heilige Aloysius mit der Lilie oben auf dem Sockel steht, die Unschuld in Person. Aber das ist nicht ein Heiliger, wie Paulus ihn versteht.

Heilig sind wir, weil Christus uns geheiligt hat, weil Christus für uns am Kreuz gestorben ist. Darum haben wir Anteil an seiner Heiligkeit. Petrus hat einmal in einem Brief geschrieben: „Ihr seid gleichsam aus einem verdorbenen Geschlecht losgekauft worden wie Sklaven, aber nicht mit Gold und nicht mit Silber, sondern mit dem kostbaren Blut Jesu Christi.“ Jesus Christus hat für dich mit seinem Leben bezahlt, und darum bist Du in den Augen Gottes unschätzbar viel wert, darum bist Du ein Heiliger, da kannst Du noch so viel Schwächen, Fehler und Sünden haben. Du gehörst zu den Heiligen Gottes. Das ist unsere Würde.

Ich glaube, einer der Kardinalfehler der Christenheit heute ist, dass wir gleichsam Minderwertigkeitskomplexe pflegen. Da sagen die Leute heute: Wissen Sie, ich versuche schlecht und recht ein Christ zu sein. Ein Heiliger bin ich natürlich nicht. Doch, Du bist ein Heiliger, nicht weil du besonders gut bist, sondern weil Christus besonders gut ist, und weil Du in der Taufe mit ihm in tiefster Weise verbunden bist, und in tiefster Weise an seiner Heiligkeit Anteil bekommen hast. Das ist Deine Würde, und wir sollten von uns groß denken, denn Gott denkt auch groß von uns. Wenn wir schon Königskinder sind hier in dieser Welt, dann sollten wir nicht leben wie Bettelknaben.

In einer Sonntagspräfation heißt es: „Ihr seid ein auserwähltes Geschlecht, ein heiliger Stamm, eine königliche Priesterschaft!“ Das sind Worte aus dem ersten Petrusbrief; das ist unsere Berufung.

 

Ein Drittes, immer noch zu dem Thema: „Christ erkenne deine Würde“. Paulus schreibt „an die berufenen Heiligen“. Das heißt mit anderen Worten: Gott hat für jeden Menschen eine Berufung. Für jeden, der heute hier in der Kirche ist, hat Gott eine unverwechselbare Berufung. Berufung ist nicht nur etwas für Priester, Ordensleute und Pastoralreferenten. Nein jeder von uns ist von Gott an den Platz ‚berufen’, an dem er steht.

Gott hat eine Berufung für Eltern in Bezug auf ihre Kinder. Gott hat eine Berufung für jeden Lehrer in Bezug auf die Schüler und Schülerinnen. Gott hat eine Berufung für Gruppenleiter, er hat eine Berufung für Arbeitgeber in Bezug auf ihre Untergebenen. Gott hat eine Berufung für jeden Arbeitnehmer. Gut, es mag sein, dass eine Arbeitskraft ersetzbar ist, aber der Platz, den Gott dir zugedacht hat als sein Repräsentant, da bist du unersetzbar, da hast du eine unersetzbare Berufung von Gott bekommen. Du sollst an diesem Platz den Menschen zeigen, wie Gott ist. Gott hat nicht x-beliebig viele Menschen, die er an diesen Platz berufen kann. Das ist unsere unverwechselbare Würde.

Wir verbinden ja bei uns im Deutschen mit dem Wort ‚Berufung’ oft was ganz Hohes. Berufen wird man z.B. als Professor für einen Lehrstuhl, nach ganz oben. Oder wir sagen Ja im Deutschen auch so in einer Redensart: Der ist zu etwas Höherem berufen. Aber nicht nur ‚der’, sondern jeder von uns ist in den Augen Gottes zu etwas Höherem berufen. Wir sind nicht einfach nur Menschen, sondern wir sind Repräsentanten Gottes in dieser Welt. Das ist unsere Berufung, das ist unsere Würde.

Und erst dann, wenn wir heute genau wie damals wieder diese Würde erkannt haben, die Gott uns zugedacht hat, erst dann haben die vielen Ermahnungen, die Paulus im Anschluss schreibt, überhaupt erst ihren Sinn. Sonst wäre das nur ein Drauflosschlagen, ein Schimpfen. Aber nein, das was jetzt im Folgenden kommt, ist im Grunde nur die dringende Mahnung an uns: Lebt doch auch entsprechend dieser Würde, die ihr habt, denn ihr seid wer in dieser Welt.

 

Und dann, am Ende dieses Grußwortes, schreibt Paulus einen Segenswunsch, der mir so kostbar ist: „Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.“ Das ist es, was der Priester jedem Einzelnen und der ganzen Gemeinde zu Beginn der heiligen Messe zuruft, wohlgemerkt, noch bevor wir das Schuldbekenntnis gesprochen haben.

So wie wir hier stehen wird uns zugesagt: „Gnade und Friede von Gott ...“ Das ist das Geschenk Gottes an seine geheiligten Berufenen, an seine Kirche. Gnade und Friede, so wie wir sind. Menschen die in seiner Gnade stehen, und die er mit seinem Frieden beschenkt.  Amen.

 

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Predigttext:    Joh 1,29-34

 

Predigt im MP3 Format

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

„Seht, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.“ Der Priester zeigt der Gemeinde unmittelbar vor der Kommunion den Leib Christi, die Hostie. Und er sagt dazu dieses Wort: Seht, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.“

Genau so hat Johannes der Täufer auf Jesus gezeigt. Und auch er sagt dieses eine Wort, gleichsam wie eine Vorstellung Jesu: „Seht, das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.“ Es war das allererste Auftreten Jesu im Johannesevangelium. Und es ist das erste, was über Jesus im Johannesevangelium gesagt wird:“ Seht, das Lamm Gottes.“

 

Das Bildwort von Jesus als dem guten Hirten ist uns ja einigermaßen vertraut. Aber was hat es eigentlich auf sich mit diesem Bildwort: Jesus als das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt? Wir sagen das in jeder heiligen Messe. Aber vermutlich sagen wir es so gedankenlos, dass wir uns gar nicht klar machen, was eigentlich dahinter steht.

In diesem Wort sind mehrere Bilder des Alten Testamentes miteinander vermischt.

 

Ein Erstes:

Das Volk Israel war in der Sklaverei in Ägypten. Der Pharao hatte sie ausgebeutet. Sie mussten Sklavenarbeit tun, und sie haben furchtbar unter dieser Sklavenarbeit gestöhnt. Dann hat Gott ihnen gesagt: Ich werde euch herausführen aus dem Sklavenhaus Ägypten. Ich werde den Pharao, den König von Ägypten, mit starker Hand zwingen, so dass er euch ziehen lässt. Aber der Pharao wollte nicht. Die Israeliten waren für ihn billige Arbeitskräfte, und so hat er sein Herz verhärtet. Natürlich, jedes Mal, wenn die Plagen kamen, hat sich bereit erklärt, das Volk ziehen zu lassen. Sobald die Plagen wieder weggenommen waren, hat er sein Herz verhärtet.

Schließlich hat Gott gesagt: Ich werde noch eine letzte Plage schicken. In dieser Nacht werde ich einen Engel durch Ägypten schicken, und jeden Erstgeborenen bei den Menschen und beim Vieh werde ich in dieser Nacht töten, angefangen vom Sohn des Pharao.

Dann hat er Mose, dem Führer des Gottesvolkes, den Auftrag gegeben: Die Israeliten sollen sich zu Hausgemeinschaften zusammenfinden und an diesem Abend jeweils ein Lamm schlachten. Da kommt zum ersten Mal das Wort ‚Lamm’. Und sollt ihr das Blut des Lammes an die Türpfosten streichen. Wenn der Gerichtsengel das Blut an den Türpfosten sieht, werdet ihr in diesem Gericht Gottes verschont werden. Ihr werdet herausgeführt werden aus dem Sklavenhaus.

Wenn es bei Johannes heißt: Jesus ist das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt, dann bedeutet das: Durch Jesus werden wir aus der Sklaverei herausgeführt. Nicht aus der Sklaverei in Ägypten, aber es gibt ja auch das Sklavenhaus der Sünde. Es ist ja auch interessant, dass es in der Heiligen Messe nicht heißt: Das Lamm Gottes, das  hinwegnimmt die Sünden der Welt (in der Mehrzahl), sondern das heißt: die Sünde der Welt. Das ist die Sündenmacht, die hinter den einzelnen Sünden steht und die uns manchmal wie ein Sklaventreiber gefangen hält. Es ist ja oft so, dass wir gut sein möchten, aber wir sind es trotzdem nicht, weil dahinter wie ein Sklaventreiber die Macht der Sünde steht. Und aus der will uns Jesus befreien. Und außerdem: Das Gericht Gottes ergeht über die sündige Welt. Aber wer sich im Blut des Lammes birgt, der ist im Gericht Gottes geschützt, gerettet.

Das war das eine: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“

 

Ein Zweites:

Als Israel dann ins Gelobte Land, ins versprochene Land hinein kamen, hat Gott ihnen aufgetragen, als Sühne für ihre Sünden im Tempel jeden Tag zwei Lämmer zu schlachten und zu opfern. Diesmal nicht für die Sünde (in der Einzahl), sondern für die vielen Sünden, die man täglich begeht. Dafür sollten jeden Tag als Sühne zwei Lämmer geschlachtet werden, um das Volk an diesem Tag mit Gott zu versöhnen.

Aber diese Lämmer, die da geschlachtet wurden, haben im Tiefsten die Versöhnung mit Gott nicht bewirkt. Da musste etwas anderes geschehen. Da musste der Sohn Gottes selber kommen als das Lamm, das dann wirklich die Sünde der Welt hinwegnimmt und gesühnt hat.

Und es ist auch interessant: In dieser Vorstellung bei Johannes dem Täufer, heißt es nicht: Seht das Lamm Israels. Es sind nicht die Lämmer Israels, es ist nicht unser Opfer, das die Sünde der Welt wegnimmt, sondern das Lamm Gottes. Es ist etwas, was Gott als Opfer hingegeben hat, ja er hat sich selbst als Opfer hingegeben. Und weil er das getan hat, weil er sich selbst geopfert hat, ist ein für allemal Sühne geschehen für unsere Sünden. Ich darf das einfach im Glauben annehmen. Ich muss das nicht annehmen, aber ich darf es einfach annehmen. Die vielen Schlachtopfer die sind nicht mehr notwendig, weil das eine Opfer dargebracht worden ist: Jesus Christus selbst. Und das feiern wir in jeder heiligen Messe.

 

Aber noch ein Drittes hängt mit diesem Bild vom Lamm zusammen:

Beim Propheten Jesaja gibt es vier Lieder von einem Gottesknecht. So ganz genau weiß keiner, wer mit diesem Gottesknecht gemeint ist. Die Christen haben in diesem Gottesknecht später sofort Jesus wiedererkannt. Im vierten Lied vom Gottesknecht, (Das lesen wir als Lesung am Karfreitag) steht: „Wie ein Lamm wird er zur Schlachtbank geführt, und er tat seinen Mund nicht auf. Die Strafe liegt auf ihm, damit wir Frieden haben mit Gott.“

Wieder geht es darum, dass da einer stellvertretend die Sünde der Welt weggenommen hat. Und von ihm wird gesagt: „Wie ein Lamm, das man zur Schlachtbank führt.“ Ja, Jesus ist wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt worden, und er ist schließlich am Kreuz für unsere Sünde gestorben. Seit dieses Lamm Gottes in die Welt gekommen ist und am Kreuz für uns geopfert worden ist, dort sein Blut vergossen hat, seitdem braucht keiner mehr mit seiner Sünde herumlaufen. Ich sage noch einmal: Wir können noch mit unserer Sünde herumlaufen, aber keiner muss es mehr, weil es endgültige Versöhnung mit Gott gibt durch Jesus Christus. Dies ist jedem von uns angeboten. Und darum ist das so eine wichtige Stelle in der heiligen Messe, wenn der Priester die Hostie, den Leib Christi zeigt: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“

 

Ich möchte noch einen Nachtrag machen. Manche Menschen, fromme Menschen, vor allem auch ältere Menschen, sagen manchmal in der Seelsorge: „Ich bin oft gar nicht würdig, zur Kommunion zu gehen. Und dann weiß ich manchmal gar nicht, was ich machen soll. Ich weiß genau: Ich bin in Sünde gefallen. Aber ich weiß nicht, ob ich dann zur Kommunion gehen darf, wenn ich in Sünde gefallen bin? Bin ich dann wohl würdig?“

Menschen, die solche Sorge haben, die diese Angst haben, denen darf man in aller Schlichtheit sagen: Wenn der Priester sagt: „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt“, dann ist Deine Sünde damit auch gesühnt. Und wenn wir dann vor der Kommunion zur Antwort geben: „Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach … (Da fällt ja dieses Wort „Ich bin nicht würdig“, da bekennen wir das ja.) Aber wenn wir dann weiter sagen: „Spricht nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“, dann darf man im Zweifelsfall damit rechnen, dass Jesus dieses eine Wort auch wirklich spricht, dieses eine Wort, das mich würdig macht. Alle Angst ist unbegründet, weil wir einen haben, der als Lamm die Sünde der Welt weggetragen hat.   Amen.

 

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