Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

2. Advent A
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Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

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 Predigt zur 1. Lesung:   Jes 11,1-10

Predigt zur 2. Lesung:   Röm 15,4-9

Predigt zum Evangelium:   Mt 3,1-12    Predigt als Video    Predigt im mp3 Format

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Predigttext:      Jes 11,1-10

 

Dies ist die 2. Predigt einer fünfteiligen Predigtreihe mit dem Thema: "Bilder der Hoffnung"

 

Predigt im MP3 Format

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es klingt wie ein Märchen, der zweite Teil der Lesung aus dem elften Kapitel des Propheten Jesaja. Es klingt wie ein Märchen, wenn es da heißt: „Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein, Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Giftschlange. Das Kind steckt seine Hand in die Höhle der Schlange.“ Es klingt wie ein Märchen, aber es ist kein Märchen.

Es ist vielmehr die Beschreibung des Zustandes, wenn Gott in unserer Welt, adventlich gesprochen, ankommen kann. Oder mit einem anderen Ausdruck, der in der Bibel sehr häufig gebraucht wird. Es ist die Beschreibung des Zustandes, wenn das Reich Gottes angebrochen ist, wenn die Königsherrschaft Gottes sich in dieser Welt verwirklicht. Die Zustände, die dann herrschen, die sind in diesem Bildwort beschrieben. Wenn Gott in dieser Welt seine Herrschaft aufrichten kann, wenn er wirklich das Sagen hat, dieser Zustand ist es, der wie ein Märchen klingt. Aber es ist kein Märchen.

 

Wann wird das geschehen, dass das Gesetz der Feindschaft aufgehoben ist, dass das Gesetz des Ellenbogens, wo man sich immer gegen den anderen durchsetzen muss? Dass dieses Gesetz des Stärkeren, der immer Recht hat gegenüber dem Schwächeren, der sich nicht durchsetzen kann, dass dieses Gesetz aufgehoben ist. Dass das Bestialische nicht mehr zum Zuge kommt. Wann wird dieser Tag da sein?

 

Endgültig wird sich das verwirklichen bei der Wiederkunft Christi. Das ist „jener Tag“. Aber die Endzeit beginnt ja bereits mit Tod und Auferstehung Jesu. Und wir leben mitten in dieser Zeit, wo die Schöpfung von Gott umgestaltet wird in dieses Bild hinein, wo es keine Feindschaft mehr gibt. Was hier Gott ankündigt, was sich einmal am Ende in ganzer Fülle realisiert, das realisiert sich in Anfängen, in Spuren schon heute hier in unserer Welt.

 

Ich will ihnen hierfür einige Beispiele sagen: Jesus hat die Gruppe der „Zwölf“ berufen, wir nennen sie die zwölf Apostel. Wenn wir uns die Namen dieser zwölf Apostel einmal anschauen: Da gibt es zwei, Jakobus und Johannes, die werden von Jesus mit dem Beinamen „Donnersöhne“ versehen. Das heißt, bei denen hat es oft gekracht, menschlich gesehen. Wir spüren das auch in den Evangelien, wie es durch diese beiden „Donnersöhne“ immer wieder Ärger gibt im Kreis der Zwölf.

Es kommt aber noch schlimmer. In diesem Kreis der Zwölf sitzt ein Zelot namens Simon. Die Zeloten waren die Terroristen von damals. Das waren diejenigen, die mit ganz brutaler Gewalt gegen die römische Vorherrschaft kämpften, die Terroranschläge verübten, gerade damals zur Zeit Jesu in Galiläa.

Aber im gleichen Kreis der Zwölf sitzt auch ein Zöllner, Matthäus. Und einen stärkeren Gegensatz wie zwischen einem Zelot und einem Zöllner, der ja mit der römischen Besatzungsmacht gemeinsame Sache machte, kann man sich überhaupt nicht vorstellen. Menschlich gesehen konnte das überhaupt nicht gut gehen.

Aber in dem Augenblick, wo Jesus der Mittelpunkt dieser Gemeinschaft der Zwölf ist, wo er bei ihnen, adventlich gesprochen, ankommen kann, da werden diese Gegensätze auf einmal aufgehoben. Da sitzen sie am gleichen Tisch, da sitzen sie im Kreise dieser Zwölf und werden gemeinsam die „Säulen“ der Kirche. Menschlich gesprochen ist das unmöglich.

 

Oder ein anderes Beispiel. In der Urkirche, zur Zeit der Apostel - wir können das in der Apostelgeschichte und in den Paulusbriefen noch nachverfolgen, gab es einen ganz scharfen sozialen Gegensatz, man möchte fast das Wort Klassenkampf gebrauchen, zwischen Sklaven und Herren. Es war in der damaligen Zeit undenkbar, dass Sklaven und Herren am gleichen Tisch aßen. Das war unvorstellbar.

Aber dann kam Pfingsten der Heilige Geist auf die Christen. Und auf einmal sitzen die Sklaven zusammen mit den Herren am gleichen Tisch und feiern Abendmahl, feiern Eucharistie, würden wir sagen. Sklave und Herr sitzen nicht in getrennten Räumen; sie haben auch nicht getrenntes Essen, sondern sie sitzen am gleichen Tisch. Und Sklave und Herr tauschen den Bruderkuss aus beim Friedensgruß. Paulus sagt das immer, grüßt einander mit dem Kuss der Liebe, mit dem Bruderkuss. Sklaven und Herren.

Man spürt hier: Wo Jesus die Mitte ist, wo es Realität wird, „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“, da wird dieser scharfe soziale Gegensatz auf einmal aufgehoben. Da ist der Sklave der Bruder des Herrn und der Herr ist der Bruder des Sklaven. Auf einer ganz neuen Ebene wird da Einheit geschenkt. Und das abenteuerlichste dabei ist: Der Sklave blieb Sklave, und der Herr blieb Herr. Es wurde nicht einfach alles eingeebnet. Aber obwohl der Sklave Sklave blieb, war er auf einer anderen Ebene, auf der Ebene in Christus, der Bruder des Herrn geworden. Und er wurde vom Herrn auch so betrachtet.

Was bedeutet das für die sozialen Spannungen auch in unserer Zeit, zwischen Arm und Reich, zwischen Nord und Süd? Wenn Christus wirklich ankommen kann in dieser Welt, dann können diese sozialen Spannungen aufgehoben werden. Das gilt nicht nur für die Zeiten der Apostel, das gilt auch heute.

 

Ich will es einmal von mir aus sagen. Jeder von uns, auch ich, wir haben dieses Gesetz der Feindschaft, dieses Gesetz des Raubtieres, das Gesetz des Ellenbogens tief in uns drin. Aber wenn es wirklich so kommt, dass der Heilige Geist uns erfüllt, dass Christus die Mitte unseres Lebens ist, dann wird man auf einmal fähig, auch den Feind zu lieben und ihm noch ein gutes Wort zu sagen. Dann kann der andere mich „zusammenstauchen“, und ich werde ihn nicht als Feind betrachten. Das ist das Geheimnis. Menschlich gesehen geht das nicht. Aber es ist die Beschreibung eines Lebens, das unter der Führung des Heiligen Geistes oder anders ausgedrückt, aus der Kraft Christi heraus gelebt wird. Es wird keine Feindschaft mehr geben.

 

Denken sie an einen Mann in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts, Martin Luther King, der als farbiger Negerpastor mitten im Rassenhass in den USA den Weißen zugerufen hat, „Ich liebe euch, ihr seid meine Brüder!“ Ja, sie haben ihn erschossen, aber sie konnten ihm nicht das Gesetz des Hasses aufzwingen. In diesem Mann war das Bestialische, das Gesetz der Feindschaft aufgehoben.

 

Oder ich denke an eine andere Sache. Die Schweiz ist ja eine Oase des Friedens gewesen über Jahrhunderte hin. Rund um die Schweiz hat ein Krieg nach den anderen getobt, und die Schweiz ist nie in einen Krieg verwickelt worden. Die Schweizer führen das heute noch auf die Tatsache zurück dass da ein Mann war wie Nikolaus von der Flüe, der ganz erfüllt war von der Kraft Gottes, bei dem Gott wirklich ankommen konnte. Dieser Mann hat eine friedensstiftende Wirkung bis in unsere Tage hinein. Das Gesetz der Feindschaft wird dann auf einmal nicht mehr gelten, es wird abgelöst vom Gesetz Christi.

 

Der Apostel Paulus hat einmal im zweiten Korintherbrief geschrieben: „Wenn einer in Christus ist, das heißt, wenn er mit Christus verbunden ist, dann ist er neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen. Siehe, Neues ist geworden.“ Da steht das Wörtchen „siehe“. Das kann man sehen, dass da Neues geworden ist. Und der gleiche Apostel Paulus kann auch im Römerbrief schreiben: „Die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig darauf, dass wir als Söhne und Töchter Gottes offenbar werden“, dass man das bei uns erleben kann, dass der Heilige Geist uns erfüllt, dass wir durchdrungen sind von der Kraft Christi. Dann wird dieses Gesetz der Feindschaft aufgehoben und verwandelt in das Gesetz der Liebe.

Es ist kein Märchen, auch wenn es wie ein Märchen klingt.  

 

Aber ich möchte ihren Blick noch auf eine Bemerkung lenken, die bei Jesaja nach diesem Bild steht. Da heißt es: „Man begeht kein Verbrechen mehr auf meinem ganzen heiligen Berg, denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.“ Das Land ist erfüllt mit der Erkenntnis des Herrn. Das heißt nicht, dass man jetzt über Gott viel weiß. Gott bleibt immer der ganz Andere, den wir letztlich nie mit unserem Verstand begreifen können.

Das biblische Wort für Erkenntnis meint etwas anderes. Es meint: liebende Gemeinschaft haben. Die eheliche Gemeinschaft wird in der Bibel mit dem Wort „Erkenntnis“ beschrieben. Das heißt: Was den Menschen mit Gott verbindet, soll das Band der Liebe sein. Und wo das ist, wo Menschen voll sind von dieser Erkenntnis Gottes, von dieser innigen liebenden Gemeinschaft mit Gott, da realisiert dieser „märchenhafte“ Zustand. Das Gesetz der Feindschaft wird abgelöst vom Gesetz der Liebe und vom Gesetz des Friedens.

 

Gott sagt: Es wird einmal der Tag kommen, wo das ganze Land erfüllt ist von dieser Erkenntnis Gottes. Du kannst im Kleinen schon heute damit anfangen. Lass Dich auf diesen Gott der Liebe ein und begegne ihm mit deiner Liebe. Lass ihn in dieser Weise bei Dir „ankommen“, und du wirst in dir spüren: Es gilt nicht mehr das Gesetz des Raubtieres. („Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“, wie es ein heidnischer Philosoph des Altertums gesagt hat.) Es gilt das Gesetz der Liebe.   Amen.

 

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Predigttext:    Röm 15,4-9

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Im Mittelpunkt der zweiten Lesung aus dem 15. Kapitel des Römerbriefes steht ein wunderbarer Satz: „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat.“

Dieser Satz des Apostels Paulus ist so schön, dass oft Brautleute diesen Satz als Ihren Trauspruch wählen für die Hochzeitsfeier. „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat.“ Nun, bei einer Hochzeit kann man das sehr leicht als Trauspruch wählen. Aber wenn dann ein halbes Jahr später die ersten Streitigkeiten in einer Ehe kommen, dann sagt sich das nicht mehr so leicht: „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat.“

 

Der Apostel Paulus schreibt diesen Satz in einen langen Brief an die Gemeinde in Rom. In der Gemeinde in Rom gab es tiefe Spannungen. Da waren auf der einen Seite die Heidenchristen, auf der anderen Seite die Judenchristen. Und die Spannungen entzündeten sich oft an der Frage: Darf man, wenn man zum Essen eingeladen ist, Fleisch essen?

Das scheint uns heute auf den ersten Blick eine merkwürdige Frage zu sein. Aber man muss wissen: Damals im römischen Reich war alles Fleisch, das auf den Tisch kam, Götzenopferfleisch. Das war beim Schlachten in einem Gebet den Göttern geweiht worden. Und jetzt gab es die Judenchristen, die Ängstlichen, die haben gesagt: Wir können doch nicht Götzenopferfleisch essen. Und dann gab es auf der anderen Seite die Heidenchristen, die haben gesagt: Es gibt keine Götzen, also gibt es auch kein Götzenopferfleisch. Folglich können wir alles Fleisch bedenkenlos essen.

Wenn in der Gemeinde in Rom diese beiden Meinungen nebeneinander bestanden hätten, dann wäre das vielleicht gar nicht so schlimm. Aber diese beiden Gruppen haben sich gegenseitig mit Vorwürfen überhäuft. Da haben die so genannten Starken den anderen vorgeworfen: „Ihr habt ja die Botschaft von der christlichen Freiheit überhaupt nicht verstanden. Ihr habe ja Scheuklappen in neueren religiösen Denken.“ Und die anderen, die Ängstlichen, die Schwachen, haben gesagt: „Ihr haltet euch ja nicht an die Gebote Gottes. Hier steht das erste Gebot auf dem Spiel: Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.“

Und in diese Situation hinein sagt Paulus ihnen: „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat.“

 

Nun gibt es die Frage nach dem Götzenopferfleisch bei uns nicht mehr. Aber wenn man einmal genau hinschaut, dann gibt es solche Spannungen in der Kirche bis auf den heutigen Tag.

Da sind heute in der Kirche die einen: Wenn der Papst irgendetwas sagt, wenn irgendeine Verlautbarungen von Rom kommt, dann wird sofort drauf losgeschlagen. Alles wird zunächst einmal kritisiert. Und da gibt es auf der anderen Seite in der Kirche Christen, die sind so „papsttreu“: Wenn der Heilige Vater sich irgendwann einmal räuspert, dann halten sie das schon für eine göttliche Offenbarung.

Oder: Da gibt es in dem Gemeinden Christen, die sind so furchtbar eng in ihrem Denken: Wenn einmal in der heiligen Messe ein Laie das Wort ergreift, dann verlassen sie aus Protest die Kirche. Auf der anderen Seite gibt es Christen in unserer Kirche, die sagen: Wie kann die Kirche so engstirnig sein und den Laien das Predigen verbieten, wo so viele Laien geistlich wirklich etwas drauf haben.

Da gibt es Christen in unseren Gemeinden, die sind der Meinung: Die Handkommunion ist die Wurzel allen Übels in der Kirche. Wenn die nicht eingeführt worden wäre, dann wären die Kirchen heute immer noch voll. Auf der anderen Seite gibt es in den Kirchen heute Menschen, die verächtlich auf die schauen, die Mundkommunion praktizieren.

Da gibt es Menschen in der Kirche, die sind der Meinung: Wir müssen auf Biegen und Brechen mit dem evangelischen Christen Abendmahlsgemeinschaft halten. Und es gibt auf der anderen Seite dann welche, die einen Priester vom Dienst suspendieren, der zum gemeinsamen Abendmahl einlädt.

Tiefgreifende Spannungen gibt es bei uns in der Kirche heute genau so wie damals in der Gemeinde in Rom. Und auch in unserer Spannungen hinein sagt uns heute der Apostel Paulus: „Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat.“

 

Hier geht es nicht um irgendetwas. Hier steht das Wesentliche des Christseins auf dem Spiel. Ob wir als Christen glaubwürdig sind, wird ganz wesentlich davon abhängen, ob wir diesen Grundsatz des Apostels Paulus lernen, einander anzunehmen, so wie Christus uns angenommen hat.

 

Aber wenn das so wichtig ist, wenn da wirklich unsere Glaubwürdigkeit als Christen auf dem Spiel steht, dann muss man doch fragen: Wie kann man das denn lernen, den anderen annehmen, wie Christus uns angenommen hat? Es geht doch bei diesen Meinungsverschiedenheiten um die Gebote der Kirche, es geht um die Gebote Gottes. Und außerdem kann ich nicht gegen mein eigenes Gefühl an, wenn ich plötzlich merke, dass der Andere ganz anderes denkt als ich. Wie kann ich das lernen, den anderen anzunehmen?

 

Da gibt uns Paulus heute in der Lesung ein paar ganz klare Hinweise. Ich will es in der Reihenfolge unseres Lesungstextes einmal von hinten aufzäumen.

 

Ein Erstes:

Paulus sagt ja nicht einfach nur: „Nehmt einander an ...“, sondern er fügt im gleichen Atemzug hinzu: „… wie Christus uns angenommen hat.“ Denk daran: Bei allen Gegensätzen, die uns trennen, bei allen unterschiedlichen Meinungen, die vielleicht sehr tiefgehend sind: Christus hat auch den Anderen mit seiner ganz anderen Einstellung angenommen und zu ihm Ja gesagt. Das geht sogar so weit, dass Jesus Christus den größten Sünder angenommen hat. Er hat nicht zur Sünde Ja gesagt, aber er hat den Sünder angenommen. Denk immer daran: Wenn du den Anderen nicht annehmen kannst, Christus hat ihn angenommen, genau so wie Christus Dich angenommen hat. Und vielleicht ist das ein erster Schritt, aus unserer Verhärtung dem Anderen gegenüber herauszukommen. „Nehmt einander an, wie Christus uns angenommen hat.“

 

Ein Zweites:

Paulus sagt: Es ist das Ziel, „dass ihr Gott, den Vater unseres Herrn Jesus Christus einträchtig, mit einem Munde preist“. Das Ziel ist nicht Mundkommunion oder Handkommunion, sondern das Ziel ist der Lobpreis Gottes. Und wenn wir alle, die Befürworter der Richtung und die Befürworter der anderen Richtung, das zu unserem ersten Anliegen machen, dass Gott gelobt und gepriesen wird, dann haben wir die richtige Blickrichtung.

Ich will es noch einmal an dem Beispiel der Abendmahlsgemeinschaft mit den evangelischen Christen verdeutlichen. Ob wir mit den evangelischem Christen Abendmahlsgemeinschaft haben, ob wir gemeinsam mit ihnen Eucharistiefeier können, das ist eine wichtige Frage, aber es ist nicht die erste Frage und auch nicht die wichtigste Frage. Denn im Himmel wird es einmal kein Abendmahl mehr geben und auch keine Eucharistiefeier, weil wir dann unmittelbar mit Christus verbunden sind. Dann brauchen wir diese Zeichen nicht mehr. Aber eins wird es auch im Himmel noch geben, nämlich den Lobpreis Gottes. Und wenn der Lobpreis Gottes unser gemeinsames erstes Ziel ist, dann haben wir einen ganz wesentlichen Schritt auf die Einheit, auf die Einmütigkeit und auf die Eintracht hin getan, dass wir den Anderen annehmen können.

 

Ein Drittes:

Paulus schreibt hier: „Der Gott der Geduld und des Trostes schenke euch schenke euch die Einmütigkeit, die Jesus Christus entspricht.“ Es ist ein Geschenk Gottes, und um dieses Geschenk Gottes dürfen wir beten. Ich glaube es ist ganz wichtig, angesichts der vielen Strömungen auch in unserer Kirche, dass wir wieder lernen, das zu unserem Gebetsanliegen zu machen: Schenke uns die Einmütigkeit. Wir schaffen das alleine nicht. Das erleben wir ja ständig. Aber lasst das unser Gebetsanliegen sein: Schenke du uns die Einmütigkeit, auch wenn der andere ganz anders denkt als ich.

 

Und schließlich ein Viertes:

Da steht am Anfang unserer Lesung ein Satz, den ich früher nie richtig verstanden haben. Aber inzwischen weiß ich, was damit gemeint ist. Da schreibt Paulus: „Alles, was einst geschrieben worden ist (Er meint die heilige Schrift), das ist zu unserer Belehrung geschrieben, damit wir durch die Geduld und durch den Trost der Schrift Hoffnung haben.“

Dahinter steht im Zusammenhang Folgendes, und das habe ich in meinem Leben ganz oft erfahren: In dem Augenblick, wo ich Spannungen habe mit anderen Christen, vielleicht in grundsätzlichen Fragen, dann hat mit dieses eine immer geholfen, dass ich einfach in der heiligen Schrift gelesen habe. Nicht dass ich jetzt eine bestimmte Bibelstelle nennen könnte, die man dann lesen sollte. Nein, einfach in der Bibel lesen, vielleicht dort weiterlesen, wo ich vorher bei meinem Bibellesen aufgehört hatte. Einfach schlicht in der Bibel lesen.

Die Beschäftigung mit dem Wort Gottes hat reinigenden Charakter. Mein eigenes Innere wird in seiner Verhärtung aufgebrochen, damit ich den Anderen in Liebe und in Geduld annehmen kann. Es hängt viel daran, ob wir lernen, im Wort Gottes zu lesen. Jesus hat einmal im 15. Kapitel des Johannesevangeliums gesagt: „Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesprochen habe.“ Das Wort Gottes hatte reinigenden Charakter. Es prägt unser inneres Wesen.

 

Nehmt einander an, wie auch Christus uns angenommen hat.

Noch einmal kurz die vier Punkte:

1. Christus hat auch den Anderen angenommen und zu ihm Ja gesagt.

2. Es geht darum, dass wir alle gemeinsam als Zielpunkt den Lobpreis Gottes haben.

3. Einmütigkeit ist ein Geschenk Gottes, um das ich Beten darf und muss.

4. Lies im Wort Gottes, denn dadurch wird das Innere geprägt und gereinigt.

 

Zum Schluss noch ganz kurz einen wichtigen Aspekt: Hier heißt es: „Nehmt einander an.“ Da steht nicht: „Nimm die Meinung des Anderen an, wenn er anderer Meinung ist als du. Man muss nicht unbedingt die Meinung des anderen übernehmen. Aber nimm den Anderen an als Mensch, als Christ, denn das tut Jesus Christus auch.   Amen

 

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Predigttext:      Mt 3,1-12

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder!

 

Gestern Nachmittag, als ich das Evangelium noch einmal durchgelesen habe, hab ich einen Augenblick darüber nachgedacht, was wohl passieren würde, wenn ich Sie zu Beginn der Predigt angeredet hätte: „Ihr Schlangenbrut, ihr Natterngezücht ...!“

Aber genau so hat Johannes der Täufer in seiner Predigt die Leute am Jordan angeredet: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch eigentlich beigebracht, ihr könntet dem künftigen Zorngericht entgehen? Bildet euch nur nicht ein, ihr könntet sagen: Wir haben doch Abraham zum Vater. Ihr Schlangenbrut!“

 

Die Leute, denen er das sagt, waren nicht der Abschaum der Menschheit. Das waren auch nicht irgendwelche heruntergekommenen Subjekte. Nein, die Sadduzäer und Pharisäer sind es, die so angeredet werden. Das war die geistliche Elite in Israel, denen er ins Gesicht schleudert: „Ihr Schlangenbrut!“

Aus der Gruppe der Sadduzäer kamen die meisten Priester; auch der Hohepriester war Sadduzäer. Die Pharisäer waren die Männer in Israel, die es mit den Geboten Gottes besonders genau hielten. Die taten viel mehr, als im Gesetz vorgeschrieben war als vorgeschrieben war. Wenn vorgeschrieben war, man muss zweimal in der Woche fasten, dann haben die dreimal gefastet. Jeder in Israel schaute mit Hochachtung auf diese Männer.

Und nun schleudert Johannes da am Jordan genau denen ins Gesicht: „Ihr Schlangenbrut!“

Warum tut er das? Warum knallt er ihnen so eins vor den Kopf?

 

Ich glaube, diese harte Anrede hängt zusammen mit dem Inhalt seiner Predigt. Der Inhalt der Predigt ist ganz kurz: „Kehrt um, tut Buße, bekehrt euch.“

Johannes der Täufer wusste aus eigener Erfahrung, dass es für einen Prediger kein schwierigeres Geschäft gibt, als einem frommen Menschen klar zu machen, dass er Bekehrung braucht. Das hat auch Jesus nicht geschafft.

Einem ganz heruntergekommenen Sünder, der ganz unten in der Gosse liegt, klar zu machen, dass er sich bekehren muss, das ist nicht schwer. Aber sagen sie mal einem gestandenen Katholiken heute, er solle sich bekehren. Wissen Sie, was dann als Antwort kommt? „Wieso bekehren? Ich bin doch getauft, ich bin zur Kommunion gegangen, ich erfülle meine religiösen Pflichten. Gut, ich bin kein Heiliger, aber im Grunde kann Gott mit mir doch ganz zufrieden sein. Bekehrung? - ich doch nicht.

 

Genau das Gleiche haben die Frommen dem Johannes damals am Jordan gesagt. „Wieso Bekehrung? Johannes, du meinst doch nicht uns, du meinst vielleicht die Heiden. Wir haben Abraham zum Vater, wir sind beschnitten, wir gehören zum auserwählten Volk, uns ist der Platz im Himmel garantiert. Du meinst doch nicht uns, wenn du sagst ‚bekehrt euch’. Und weißt du nicht, was wir alles noch zusätzlich tun?“

 

Wenn Johannes denen dann entgegenschleudert: „Ihr Schlangenbrut!“, dann ist es gleichsam der letzte Versuch, das verhärtete Herz der Frommen aufzubrechen, sie aus ihrer Selbstgenügsamkeit, aus ihrer Selbstsicherheit herauszureißen. Darum dieses harte Wort, darum diese harte Predigt, gerade an die Frommen.

 

Nun könnte man sagen: Das war Johannes der Täufer, das war noch vor Jesus, das war der Bußprediger. Aber Jesus hat eine ganz andere Sprache geredet. Ja, das stimmt. Jesus hat unglaublich liebevoll, ja sogar zart zu dem heruntergekommensten Sünder geredet. Aber wenn er mit diesen Frommen zu tun hatte, dann hat er genau so harte Worte gebraucht. Er sagt zu den Pharisäern: Ihr Heuchler! Ihr seid wie übertünchte Gräber! Nach außen hin ist alles schön weiß, ein schöner Anstrich, da kann man euch nichts nachsagen. Aber innen drin ist alles vermodert, alles Totengebein. Da ist nichts mehr von lebendigem Glauben vorhanden. Übertünchte Gräber!

Oder in der Bergpredigt sagt Jesus über diese Pharisäer, über diese Frommen: Sie sind wie Wölfe, die im Schafspelz daher kommen. Das heißt: nach außen hin sehen sie aus wie Schafe, als wenn sie zur Herde Jesu gehören, aber innen drin sind sie reißende Wölfe. Sie benehmen sich genauso wie die Heiden. Da haut einer den anderen übers Ohr, genauso wie die Heiden auch; da wird Ehebruch begangen, Unzucht getrieben, Schlemmerei und Völlerei getrieben, da leben die wie die Heiden auch. Aber nach außen hin sind sie wie die Schafe Jesu.

 

Johannes der Täufer und auch Jesus geben uns ein ganz eindeutiges Kennzeichen an die Hand, ein Kriterium, am dem jeder Einzelne genau prüfen kann, ob er bekehrt ist oder ob er nicht bekehrt ist.

Johannes sagt in seiner Predigt am Jordan: „Zeigt doch eure Früchte vor, an denen man eure Bekehrung ablesen kann.“

Jesus sagt als er von den Wölfen im Schafspelz redet: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“

Jeder Mensch kann an den Früchten, die in Deinem Leben wachsen, genau ablesen, ob Du zu den Bekehrten gehörst oder nicht.

Der Apostel Paulus kommt in seinem Brief an die Galater im fünften Kapitel auf diese Früchte eines bekehrten und unbekehrten Menschen ganz deutlich zu sprechen. Keiner kann dann sagen Ich wusste ja nicht was damit gemeint ist. Ich lese ihnen kurz zwei Verse aus diesem Brief vor.

Da schreibt Paulus: „Die Früchte des Heiligen Geistes, eines bekehrten Menschen, sind: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.“

Zwei Verse vorher nennt Paulus die Früchte eines unbekehrten Menschen: Unzucht, Unsittlichkeit, ausschweifendes Leben, Götzendienst, Zauberei, Feindschaften, Streit, Eifersucht, Jähzorn, Eigennutz, Spaltungen, Parteiungen, Neid, Missgunst, Trinkgelage, Schlemmerei und Ähnliches mehr.

Du kannst Dein Leben nach diesen Früchten genau beurteilen, ob du zu den bekehrten oder zu den unbekehrten Menschen gehörst.

 

Damit wir uns jetzt nicht missverstehen: Auch im Leben eines bekehrten Menschen kann es einmal Streit geben, das ist nicht gemeint. Auch bei den Aposteln hat es Streit gegeben. Auch an einem guten Baum wächst mal ein wilder Trieb; das ist nicht das Entscheidende. Aber wenn man Dich an Deinem zänkischen Wesen schon erkennen kann, wenn dies das typischen Kennzeichen Deines Lebens ist ... Wenn es das typische Kennzeichen Deines Lebens ist, um es mal ganz einfach zu sagen, dass du alle Sorgen und alle Probleme mit Alkohol runterspülst. Wenn dies das prägende Kennzeichen bei Dir ist, dann gehörst du zu denen, denen Johannes entgegenruft: „Kehr um! Sei nicht wie eine Schlangenbrut!“ Es geht also nicht darum ob man mal gefallen ist oder so. Es geht vielmehr darum: Wo ist die durchgehende Linie in Deinem Leben?

 

Und dann höre heute diesen Ruf Jesu und auch Johannes des Täufers: „Bekehrt euch!“

 

Übrigens, es ist nicht egal, ob man sich diesem Ruf verschließt oder ob man wirklich ernst damit macht. Wissen Sie, was Paulus im Galaterbrief schreibt von den unbekehrten Menschen? Ich lese das noch mal direkt vor. Paulus schreibt: „Ich wiederhole, was ich euch schon früher gesagt habe: Wer so handelt, der wird das Reich Gottes nicht erben.“ Hier steht für uns alles auf dem Spiel; hier geht es um die Frage, wo wir unsere Ewigkeit verbringen; das ist nicht irgendeine belanglose Frage.

Johannes sagt im Evangelium: „Die Axt ist schon an die Wurzel der Bäume gelegt.“ Du wirst umgehauen, ins Feuer geworfen und verbrannt. Die gleiche Sprache redet auch Jesus. Hier geht es um alles in deinem Leben und nicht um irgendeine Belanglosigkeit. Und darum eben dieses Aufrüttelnde am Anfang der Predigt: „Ihr Schlangenbrut, wer hat euch denn beigebracht, ihr könntet dem Zorn Gottes entgehen? Ausgerechnet ihr!“

 

Wie das geht, „bekehrt euch“? Auch das sagt uns Johannes ganz deutlich. Da geht es nicht darum, dass ich mich ein bisschen mehr anstrengen muss, dass ich mich bessern muss. Das haben wir ja alle schon probiert, und es hat nicht geklappt. Nein, Bekehrung ist etwas ganz anderes.

Johannes der Täufer zeigt auf den, der nach ihm kommt, der stärker ist , auf Jesus. Er zeigt auf Jesus als das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt. Bekehrung bedeutet somit genau das Gegenteil von ‚Ich muss mich bessern.’ Es bedeutet, dass ich zu diesem Jesus hingehe und ihm sage: „Herr in meinem Leben wachsen die und die und die Früchte. Ich weiß wohl, es sind Früchte eines unbekehrten Menschen. Und ich bitte dich, dass du mir vergibst. Ich bitte dich, dass du mich verwandelst, damit wirklich die Früchte des Heiligen Geistes in meinem Leben wachsen und sichtbar werden. Das bedeutet Bekehrung. So zu Jesus zu gehen.

 

Damals, als Johannes gepredigt hat, und als Jesus gepredigt hat, da haben sich von den Sündern viele bekehrt. Aber fast alle Frommen damals haben ihr Herz verhärtet. Ob das heute anders ist?   Amen.

 

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