Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

2. Sonntag C
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Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

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Predigt zur 2. Lesung: 1 Kor 12,4-11

Predigt zum Evangelium:  Joh 2,1-11        (im MP3 Format)          als Video

Predigttext:  1 Kor 12,4-11

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Fragen Sie einmal einen durchschnittlichen Katholiken, was ein „Geistlicher“ ist? Dann bekommen sie mit Sicherheit zur Antwort: Ein Geistlicher ist ein Priester, ein Diakon. Vielleicht kommt noch jemand auf den Gedanken zu sagen: eine Ordensschwester. Das ist das, was man sich landläufig unter einem Geistlichen vorstellt.

Aber die Bibel hat da eine ganz andere Vorstellung von einem Geistlichen. Wenn der Apostel Paulus in seinen Briefen die Geistlichen anredet etwa in der Gemeinde von Korinth, dann meint er nicht die Priester in der Gemeinde, sondern dann meint er die normalen Gemeindemitglieder. Nach der Vorstellung des Neuen Testamentes ist jeder, der in der Taufe den Heiligen Geist empfangen hat, ein Geistlicher.

Es gibt noch einen Unterschied zwischen der Vorstellung der Bibel und unserer Vorstellung heute.

Bei uns ist das heute so, da sind die Geistlichen die Verkündiger des Wortes Gottes, und die Gemeindemitglieder, die Laien, sind die Hörer des Wortes Gottes. Auch das ist im Neuen Testament total anders. Die erste Pfingstpredigt in der Kirche hat nicht ein Priester in Jerusalem gehalten, sondern ein einfacher Fischer vom See Genesareth, der Petrus, der vielleicht nie eine Schule von innen gesehen hat.

Nun kann man natürlich sagen: Der Petrus war ja auch einberufener Apostel. Stimmt! Aber es geht ja noch weiter. Kurze Zeit später wird Stephanus gesteinigt. Und dann bricht über die Kirche eine große Verfolgung herein. Und nach der Verfolgung, die unter Stephanus ausbrach, zerstreute sich die ganze Gemeinde von Jerusalem, und zwar alle, mit Ausnahme der Apostel. Das wird ausdrücklich erwähnt: Mit Ausnahme der Apostel. Alle zerstreuten sich in alle möglichen Richtungen, nur die Apostel, die blieben in Jerusalem.

Aber jetzt kommt das Interessante: Alle, die die sich zerstreut hatten, diese Gruppe von einfachen Christen, verkündeten überall, wohin sie kamen, das Wort Gottes. Die Apostel waren das nicht, die waren in Jerusalem geblieben. Die einfachen Laien, würden wir heute sagen, die einfachen Gemeindemitglieder, die verkündeten das Wort Gottes, wohin sie auch kamen.

Das ist der Plan Gottes, dass wir alle unsere Würde entdecken, dass jeder von uns ein ‚Geistlicher’ ist, und dass wir alle den Auftrag haben, das Wort Gottes zu verkünden.

 

Nun kann man natürlich wieder von unserer Situation her sagen: Die Priester, die Diakone, die haben das doch studiert. Und außerdem haben sie doch bei der Weihe eine besondere Vollmacht bekommen, die die Laien so nicht haben. Stimmt! Der Priester hat durch die Weihe die Vollmacht bekommen, die heilige Messe zu feiern. Das kann nicht einfach jeder. Aber wenn wir unsere Lesung ernst nehmen, die wir eben aus dem ersten Korintherbrief gehört haben, dann schreibt Paulus da: Jedem von euch, und er redet die ganze Gemeinde in Korinth an, jedem von euch ist durch den Heiligen Geist von Gott eine besondere Gnadengabe verliehen worden, und damit auch eine besondere Vollmacht. Nicht nur den Gemeindeleitern, jedem von euch ist eine Gnadengabe verliehen worden zum Nutzen aller.

Dem einen ist die Gnadengabe verlieren, Weisheit zu vermitteln. Einem anderen ist die Gnadengabe verlieren, Erkenntnis zu haben. Gut, das sind vielleicht noch menschliche Fähigkeiten. Aber es steht auch dabei: Einem anderen ist die Gnadengabe der prophetische in Rede verliehen. Wieder einem anderen ist vom Heiligen Geist die Gabe verliehen, Wunder zu wirken. Das ist es, was Gott uns zutraut und anvertraut. Und das waren in Korinth nicht die Studierten, das waren die Hafenarbeiter von Korinth.

Ich glaube, wir müssen wir müssen das heute wieder neu entdecken, dass wir nicht nur den Auftrag haben, zu hören, natürlich ist das auch für uns wichtig, sondern dass wir den Auftrag haben, die Gnadengabe, die Vollmacht, die Gott jedem von uns geschenkt hat, zu entdecken und zu aktivieren.

 

ich will ihnen einmal ein Beispiel sagen, wie das aussehen kann wie ich das erlebt habe.

Ich kann mich noch erinnern an meine Kaplanszeit in einer großen Gemeinde. In dieser Gemeinde war jedes Jahr Firmung. Wir hatten jedes Jahr zwischen 150-200 Jugendliche, die zur Firmung gingen. In einem Jahr hatten wir 20 Katechetinnen, Frauen, die die Jugendlichen auf die Firmung vorbereiteten. Diese Katechetinnen haben zur eigenen Vorbereitung ein halbes Jahr lang vorher für sich selbst einen Glaubenskurs gehalten. Sie haben gesagt: Wir müssen erst einmal unseren eigenen Glauben vertiefen, bevor wir es den Jugendlichen weitersagen können. Wir haben uns bei diesem Glaubenskurs alle 14 Tage abends getroffen, die Katechetinnen mit mir, den Kaplan. Da ging es nicht darum, was wir den Firmlingen sagen wollten, sondern da ging es um unseren eigenen Glauben.

Am ersten Abend, wo wir uns getroffen haben, habe ich den Frauen gesagt: „Wir machen jetzt erst einmal eine Vorstellungsrunde.“ Die haben sich alle angeschaut, und haben gesagt: „Wir kennen uns doch alle. Warum müssen wir jetzt noch eine eigene Vorstellungsrunde machen?“ Aber dann habe ich sie gebeten, dass jeder bei der Vorstellungsrunde nicht nur seinen Namen sagt, sondern dass er dazu noch zwei Fragen beantwortet. Erste Frage: „Über welchen Bibeltext würdest du gerne einmal eine Predigt halten?“ Zweite Frage: Über welchen Bibeltext würdest du gerne einmal eine Predigt hören?“

Im ersten Augenblick zuckten die Frauen alle zusammen. Aber dann kam etwas ganz Abenteuerliches dabei heraus. Von diesen Frauen wollten fast alle eine Predigt halten zu irgendeinem biblischen Text. Das heißt aber doch: In denen schlummerten Schätze, die überhaupt noch nicht aktiviert worden waren. Fast jeder hatte etwas auf Lager, was er mitteilen wollte.

Gut, ich hatte ihnen vorher ausdrücklich gesagt: „Es braucht keiner Sorge zu haben, dass er am nächsten Sonntag eine Predigt halten muss.“ Aber man spürte, dass in ihnen Schätze schlummerten, geistliche Schätze, die auch einmal heraus gelassen werden müssen.

 

Dann passierte bei diesen Glaubenskurs Folgendes: Ich bin irgendwann ganz plötzlich krank geworden, und konnte den Glaubenskurs diesen einen Abend nicht selber halten. Ich konnte auch nicht mehr absagen, weil ich ganz plötzlich mit Fieber im Bett lag. Da haben sich die Frauen getroffen, und ich war nicht dabei.

Wissen Sie, was dann normalerweise passiert? Dann gehen die alle wieder nach Hause. Dann fällt der Kurs eben heute Abend aus.

Bei denen war das aber an diesem Abend ganz anders. Die saßen im Pfarrheim am Tisch, wo wir uns immer getroffen haben, und dann haben sie die Gedanken zusammengetragen, die sie bei der Vorstellungsrunde im Hinterkopf hatten, als um die Frage ging, worüber sie gerne einmal predigen würden. Jeder hat ein paar Sätze zu dem Bibeltext gesagt, der ihm wichtig war. Sie haben einfach zusammengetragen, so gut sie es konnten. Ein Priester, ein Geistlicher war gar nicht dabei.

Dieser Abend war ganz tiefgehend für alle diese Frauen. Die sind übrigens an diesem Abend gar nicht fertig geworden. Wir mussten die nächsten beiden Abende noch dafür verwenden, um alle Gedanken, die Sie im Herzen hatten, auf den Tisch zu bringen. Da spürte man, wie viele Schätze da waren, die noch nie jemand gehoben hatte.

 

Aber es geht nicht nur um Verkündigung im engeren Sinne. In diesen Glaubensseminar passierte auch noch etwas anderes. Und da haben wir gemerkt, dass andere Gaben genau so wichtig sind. Es war der zweite oder dritte Abend, da hatte ich vergessen, die Heizung einzuschalten. Und jetzt saßen wir da im Pfarrheim im kalten Raum. Wir hatten alle die Mäntel noch an und haben gefroren. Da kommt natürlich gar keine Atmosphäre auf.

Beim nächsten Mal ist das nicht mehr passiert, da bin ich nachmittags ins Pfarrheim gegangen, und habe die Heizung aufgedreht. Nur war es dann abends in diesem Raum viel zu warm, er war völlig überhitzt, und es war sehr schlechte Luft in dem Raum. Wir sind fast eingeschlafen, den Frauen fielen fast die Augen zu.

Aber dann ist eine dieser Katechetinnen hingegangen, und hat sich einfach beim nächsten Mal im Pfarrbüro den Schlüssel geholt, hat vernünftig gelüftet und hat gesorgt, dass vernünftig geheizt war. Sie hatte in der Mitte des Tischkreises eine Decke auf den Boden gelegt, ein Blümchen hingestellt, eine Kerze angezündet, ein Kreuz hingelegt oder auch eine Ikone. Das hat sie gemacht, ohne dass jemand ihr das gesagt hatte. Und von da an war in dem Glaubensseminar immer eine wohltuende Atmosphäre, allein durch die Gestaltung des Raumes.

Als das Glaubensseminar dann nach einem halben Jahr zu Ende war, hab ich die Teilnehmerinnen gebeten, doch noch einmal Rückblick zu halten, was ihnen in diesem Glaubensseminar am wichtigsten war. Sie hatten einen Zettel in der Hand, wo sie verschiedene Möglichkeiten ankreuzen konnten. Natürlich konnten sie kaum noch selbst etwas unterschreiben.

Da haben ganz viele Frauen geschrieben: Am wichtigsten waren uns die drei Abende, wo wir zusammengetragen haben, was wir als Predigt halten wollten. Und ganz viele haben geschrieben, dass die schöne Atmosphäre des Raumes für sie wichtig gewesen ist. Es war für sie wichtig, dass man sich nicht nur einfach einen Tischkreis setzte, den man vielleicht noch selbst zusammenschieben musste, sondern dass alles vorbereitet und schön gestaltet war.

Da spürt man etwas davon, wie viele Fähigkeiten in uns schlummern, Fähigkeiten verschiedenster Art. Und jeder ist eingeladen, diese Fähigkeiten zu entwickeln und in das Ganze einzubringen.

 

Wir haben in Deutschland zur Zeit die Situation, dass wir einen großen Priestermangel haben. Und der wird wohl in den nächsten Jahren immer noch größer werden. Wir werden das zu spüren bekommen.

Aber ich habe im Gebet oft darüber nachgedacht: Warum lässt Gott den Priestermangel bei uns zu? Es wäre doch für Gott ein Leichtes, uns Priester in Hülle und Fülle zu schicken. Aber wenn Gott den Priestermangels zulässt, dann muss er damit eine Absicht verfolgen. Und ich habe im Gebet darüber in den letzten Jahren immer mehr den Eindruck gewonnen: Gott lässt den Priestermangel zu, damit wir alle unsere Aufgabe erkennen, ‚Geistliche’ zu sein, Geisterfüllte zu sein. Damit wir die Gaben, die Gott uns anvertraut hat, entwickeln, und einsetzen, jeder an dem Platz, wo er steht, und wo er seine Gabe hat.

Das bedeutet natürlich für uns Priester, Bischöfe, für den Papst, dass wir uns in das Ganze einordnen lassen. Wir sind nicht die großen Bosse, die alles können, und die auch nicht alles können müssen. Uns ist ein Dienst anvertraut, aber es ist eben ein Dienst, neben anderen, die ihren Dienst tun.

Ich glaube, dass es immer wichtiger wird, dass wir lernen, dass wir alle ‚Geistliche’ sind, denen Gott Vollmacht und Gaben gegeben hat. Wenn wir das nicht freiwillig lernen, dann werden wir vermutlich durch den Priestermangel gezwungen werden, das zu lernen.

 

Mir hat vor einiger Zeit ein alter Mann beim Hausbesuch gesagt: „Schade, dass wir noch so wenig Geistliche haben.“ Ich möchte das vielleicht etwas anders formulieren: „Schade, dass wir so wenig Priester haben.“ Ich glaube, Geistliche haben wir genug.   Amen

 

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Predigttext:      Joh 2,1-11

Predigt im MP3 Format

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

„Sie haben keinen Wein mehr.“ Das Hochzeitsfest war gerade auf dem Höhepunkt angekommen. Und dann sickert auf einmal die Nachricht durch bei den Hochzeitsgästen: Es ist kein Wein mehr da. Eine peinliche Situation für den Speisemeister, denn er war dafür verantwortlich. Aber peinlich auch für den Bräutigam: „Sie haben keinen Wein mehr.“

Wenn nun damals ein ‚guter’ Pfarrer auf der Hochzeit gewesen wäre, der hätte vielleicht gedacht: „Sie haben keinen Wein mehr, Gott sei Dank! Die habe eh schon mehr als genug getrunken. Dann ist das Fest jetzt bald zu Ende. Dann kommen Sie morgen wenigstens alle zur Kirche.“

Aber hier redet ja nicht ein Pfarrer, sondern hier ist die Gottesmutter Maria selbst auf den Plan getreten. Sie ist es, die zu Jesus hingeht und ihm zuflüstert: „Sie haben keinen Wein mehr.“

Nun könnte man ja denken: Hat die Gottesmutter Maria nichts Wichtigeres zu tun, als sich um ein paar Flaschen Wein zu kümmern, die da fehlen? Doch, hat sie! Darauf komme ich gleich noch zu sprechen. Aber es ist mir doch so kostbar, dass Maria sich um diese paar Flaschen Wein kümmert.

Wir haben ja bei uns in der Kirche das Bild von Maria als der Fürsprecherin. Und es ist gut, wenn man eine Fürsprecherin hat, zu der man kommen darf auch mit allen Kleinigkeiten. Die auch die Verlegenheit der Brautleute sieht, wenn es sich nur um ein paar Flaschen Wein handelt. Es tut so gut, dass man Maria als Fürsprecherin anrufen kann. Wir dürfen das auch unseren evangelischen Brüdern und Schwestern bezeugen: Wenn wir Maria ansehen als unsere Fürsprecherin, dann bewegen wir uns auf biblischem Boden. Es hat hier auf der Hochzeit zu Kana seine Grundlage. Maria sieht die Not der Brautleute, sie geht zu Jesus hin, zupft ihn gleichsam am Ärmel: „Sie haben keinen Wein mehr.“

 

Aber wir müssen als Katholiken auch unser eigenes Marienbild von diesem Evangelium hier in manchen Punkten in Frage stellen lassen. Wir Katholiken erwarten in unserer Volksfrömmigkeit manchmal von Maria Dinge, die sie überhaupt nicht leisten kann. Maria konnte nicht Wasser in Wein verwandeln, das bleibt Jesus vorbehalten. Und wenn wir in unseren Gebeten manchmal Dinge von Maria erwarten, für die sie gar nicht da ist, dann ehren wir sie eben gerade nicht.

Ich will Ihnen dafür ein Bespiel sagen, das die Älteren von uns noch wissen müssten: Bevor in der katholischen Kirche das jetzige Gebet- und Gesangbuch „Gotteslob“ herauskam, gab es in der Diözese Münster ein Gesangbuch mit dem Titel „Laudate“. Da gab es bei dem Marienlied „Alle Tage sing und sage Lob der Himmelskönigin“ eine Liedstrophe: „Ihr vertraue, auf sie baue, dass sie dich von Schuld befrei.“ Ich habe mich schon als Jugendlicher immer an den Kopf gefasst: Maria kann mich doch nicht von Schuld befreien. Da erwarten wir im Lied etwas von Maria, was sie nicht kann. Sie kann Fürsprache tun, wie wir das beten: „Bitte für uns Sünder ...“. Aber von Sünde befreien kann mich nicht Maria, das kann nur Jesus, mein Erlöser. Wir müssen unsere Mariengebet daraufhin einmal abklopfen: Ist das wirklich richtig, was wir da von Maria erwarten?

Auch noch in einer zweiten Hinsicht müssen wir das Marienbild unserer Volksfrömmigkeit auf den Prüfstand stellen. Ich habe als Kind viele Marienpredigten gehört, die dann –etwas zugespitzt gesagt – folgenden Tenor hatten: Wenn du mit deinen Anliegen zu Maria gehst, dann bist du genau an der richtigen Adresse. Denn was kann ein Sohn seiner Mutter schon abschlagen?!

Aber wenn wir nun wieder in unser Evangelium von der Hochzeit zu Kana schauen: Maria bekommt von Jesus zunächst einmal eine Abfuhr. Als sie mit dem Anliegen kommt: Sie haben keinen Wein mehr, da sagt Jesus ihr: „Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Wenn man den ersten Teil der Antwort wörtlich aus dem Griechischen übersetzt, dann klingt das noch viel härter: „Frau, was ist meine Sache, und was ist deine Sache?“, das wollen wir doch mal auseinander halten.

„Meine Stunde ist noch nicht gekommen“, sagt Jesus. Dahinter steht folgendes: Die Stunde seines Eingreifens lässt sich Jesus nicht diktieren von der Not der Menschen, wie hier von der Verlegenheit der Brautleute. Die Stunde seines Eingreifens lässt sich Jesus auch nicht erbitten von seiner Mutter Maria. Die Stunde seines Eingreifens, und ob er eingreift, entscheidet allein der Vater im Himmel. Wenn der Vater im Himmel ihm sagt: „Jetzt ...!“, dann greift Jesus ein, und sonst eben nicht.

Ich weise Sie hin auf die Geschichte vom zwölfjährigen Jesus im Tempel: „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ Der Vater hatte ihm gesagt: Dein Platz ist jetzt im Tempel. Und Jesus bleibt im Tempel. Und als der Vater ihm aufträgt: Geh mit nach Nazareth und sei ihnen untertan, dann tut Jesus das.

Das kann manchmal ganz extreme Züge annehmen. Vielleicht kennen Sie die Geschichte von der Auferweckung des Lazarus (Joh 11). Der Lazarus war krank, als die Schwestern zu Jesus schickten. Und Jesus ist nicht hingegangen, um ihn (seinen Freund) wieder gesund zu machen. Er hat gewartet, bis Lazarus gestorben war. Er als der Vater im Himmel ihm sagt: „jetzt ...!“. da geht er hin und erweckt den Lazarus von de Toten auf.

Es ist ganz wichtig zu wissen: Die Stunde des Eingreifens entscheidet der Vater und nicht Maria.

 

Aber, und jetzt kommt das Entscheidende in diesem Evangelium, was wir von Maria lernen können: Wie reagiert Maria jetzt, als sie scheinbar eine Abfuhr bekommt? Sie reagiert nicht empört: „Du bist doch schließlich mein Sohn ...!“ Nein, sie geht ganz schlicht zu den Dienern und trägt ihnen auf: „Alles, was er euch sagt, das tut.“ Wenn wir von der Gottesmutter Maria nur diesen einen Ausspruch hätten, dann wäre das vielleicht mit das Wesentliche der christlichen Unterweisung: „Was er euch sagt, das tut.“

Jetzt kommt Jesus zu den Dienern. Und was sagt er ihnen? „Holt mal ein paar Eimer Wasser.“ Das scheint auf den ersten Blick der größte Unsinn zu sein. Die brauchten auf der Hochzeit Wein und nicht Wasser zum Füße waschen. Und Jesus sagt den Dienern: „Holt ein paar Krüger voll Wasser.“ Jeder Krug fasste hundert Liter; da können Sie sich vorstellen, wie schwer die sind.

Aber was hatte Maria ihnen aufgetragen: „Was er euch sagt, das tut.“ Und so tun die Diener das, was Jesus ihnen sagt. Sie verstehen vielleicht nicht, warum sie jetzt ausgerechnet Wasser holen sollen. Sie wussten ja nicht, was mit dem Wasser geschehen würde. Sie nehmen die sechs Krüge, und nun steht ausdrücklich dabei: „Sie füllten die Krüge bis zum Rand.“ Sie üben nicht einen Dreiviertelgehorsam, sondern Gehorsam „randvoll“.

Und in dem Augenblick, wo die Diener gehorsam sind, wo sie das tun, was Jesus ihnen sagt, da geschieht das Wunder. Wie das geschieht, wissen wir nicht; das wir im Evangelium nicht geschildert. Es wird nur berichtet: Es war plötzlich Wein da. Sechs Krüge mit Wein, sechshundert Liter.

Das bedeutet: Wer auf das Wort Jesu hin gehorsam ist, der darf mit dem Eingreifen Gottes rechnen, in dessen Leben geschehen Zeichen und Wunder.

Wir werden in Kürze im Sonntagsevangelium die Geschichte vor reichen Fischfang hören (Lk 5,1ff). Da geht das ähnlich wie bei der Hochzeit zu Kana. Sie hatten die ganze Nacht nicht gefangen. „Aber weil du es sagst, werden wir die Netze noch einmal auswerfen.“ Auf dein Wort hin. „Was er euch sagt, das tut.“ Und auch dort die Erfahrung der Fülle: Sie machen einen reichen Fischfang.

Das ist nicht nur damals in der Bibel so gewesen. Diese Erfahrung gibt es heute auch noch.

Ich habe vor vielen Jahren ein evangelische Ehepaar kennen gelernt, die wohnten damals in Berlin. Es war noch vor dem Fall der Mauer. Dieses Ehepaar suchte damals gerade eine größere Wohnung in Berlin. Da zweite Kind war unterwegs, und die kleine Wohnung reichte nicht mehr. Damals war das in Berlin gar nicht so einfach, eine preiswerte Wohnung zu bekommen.

Dieses Ehepaar ging zusätzlich zum Sonntagsgottesdienst jeden Mittwoch abends zu einem Hauskreis. Sie trafen sich dort mit einigen anderen Ehepaaren, haben gemeinsam in der Bibel gelesen, darüber gesprochen und gebetet. Sie haben Lobpreis und Fürbitte gehalten jeden Mittwochabend.

An einem Mittwoch kommt der Mann von der Arbeit nach Hause und sagt zu seiner Frau: „Ich bin heute so müde, so geschafft; ich geh heute nicht mit zum Hauskreis. Ich sitz da eh nur rum und gähne euch was vor. Einbringen kann ich sowieso nichts. Geh du heute einmal allein hin, ich bleib zu Haus und lese allein etwas in der Bibel.“ Der Mann ist an diesem Mittwoch zu Hause geblieben. Und er fängt allein an, da in der Bibel zu lesen, wo sie letzte Woche aufgehört hatten. Das war damals im Neuen Testament im Hebräerbrief. Und das erste, was er an dem Abend im Hebräerbrief liest: „Brüder, lasst uns aufeinander acht haben ... Lass uns nicht unseren Zusammenkünften fernbleiben, wie es bei einigen zur Gewohnheit geworden ist.“ (Hebr 10,24-25)

Der Mann erzählte mir: Das hat gesessen. Ich wusste in dem Augenblick genau, dass Jesus mich damit meinten, weil ich zum Hauskreis nicht hingegangen war. Ich hab den Mantel angezogen und bin zum Hauskreis hingegangen. Natürlich, es stimmte schon, ich hab da nur gesessen und konnte wegen meiner Müdigkeit nicht bringen. Aber an dem Abend passierte gegen Ende folgendes: Ein anderes Ehepaar, da war den Mann nach Westdeutschland versetzt worden. Dieses Ehepaar suchte Nachmieter für ihre größere Wohnung in Berlin.

Gott wollte gar nicht, dass der junge Mann an diesem Abend etwas brachte, Gott wollte ihm nur eine Wohnung besorgen, um die der schon längere Zeit gebetet hatte. Darum hatte Gott ihn mit dem Wort aus dem Hebräerbrief getroffen: „Lasst uns nicht unseren Zusammenkünften fernbleiben.“

 

Ich werde als Prediger nie müde werden, darauf hinzuweisen, wie wichtig es ist, das Wort Gottes zu hören: „Was er euch sagt, das tut.“ Wer als Christ mit dem Wort Gottes nichts zu tun hat, der mag vielleicht ein 08/15 Christ sein, vielleicht sogar ein ‚guter’ 08/15 Christ. Aber das Eingreifen, das Wirken des lebendigen Gottes wird er kaum in seinem Leben erfahren. Darum ist es so wichtig, das Wort Gottes zu hören und zu tun. Nicht damit wir ‚Schriftgelehrte’ werden, sondern, damit wir das Handeln und das Eingreifen Gottes erleben.

Das ist die wesentliche Botschaft der Gottesmutter: „Was er euch sagt, das tut.“ Lass Gott zu Dir reden, und tu das, was er Dir sagt.   Amen.

 

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