Pfarrer Karl Sendker

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3. Fastensonntag C
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Predigt zum Evangelium:   Lk 13,1-9

Predigttext:      Lk 13,1-9

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es ging ein Schrei der Entrüstung und des Entsetzens durch Jerusalem.

Man war ja von Pilatus einiges an Grausamkeiten gewohnt. Aber was jetzt in Jerusalem passiert war, das überstieg wirklich jedes Maß.

Da waren ein paar Leute aus Galiläa gekommen, aus der Gegend vom See Genesareth. Sie waren gerade dabei, im Tempel in Jerusalem ein Opfer darzubringen. Und genau in dem Augenblick, als sie im Tempel die Opfertiere schlachten, lässt Pilatus sie kaltblütig niedermetzeln. Er hat ein Blutbad angerichtet, sodass sich das Blut der Galiläer mit dem Blut der Opfertiere vermischte. Eine furchtbare, grausame Tat. So etwas hatte es in Jerusalem noch nicht gegeben. Die Leute waren empört und entsetzt.

Es hat aber damals auch andere Stimmen gegeben. Die haben gesagt: Wenn Gott das zugelassen hat, dass sie ausgerechnet beim Opfern im Tempel umgebracht wurden, dann war das bestimmt kein würdiges Opfer; dann müssen diese Galiläer große Sünder gewesen sein; sonst hätte Gott das nicht zugelassen. Diese Meinung hat es auch gegeben.

 

Und jetzt kommen die Leute zu Jesus und erzählen ihm davon. Was wird er jetzt dazu sagen?

Aber dann - und das ist bei Jesus oft so - reagiert er total anders, als sie gedacht hatten. Er stimmt weder ein in den Schrei der Empörung, noch lässt er sich auf eine Diskussion ein, ob das wohl alle große Sünder waren. Nein, Jesus macht es total anders. Er dreht den Spieß um und richtet die Spitze gegen die Leute, die zu ihm gekommen waren. Er sagt: Wenn ihr nicht umkehrt, dann wird es euch allen genauso ergehen. Es wird ein böses Ende mit euch nehmen, wenn ihr euch nicht bekehrt. Und er setzt sogar noch eins drauf. Er sagt: Könnt ihr euch noch erinnern, vor einiger Zeit ist hier der Turm eingestürzt, der Turm Schiloach in Jerusalem. Er hat 18 Leute unter sich begraben, die den Tod gefunden haben. Meint ihr, das wären alles größere Sünder gewesen als ihr? Nein, wenn ihr euch nicht bekehrt, dann werdet ihr alle genauso umkommen.

 

Schwestern und Brüder, es hat etwa vierzig Jahre gedauert, dann ist dieses Wort Jesu in einer erschreckenden Weise Wirklichkeit geworden. Im Jahre 70 nach Christus haben die Römer Jerusalem erobert und in Schutt und Asche gelegt, und sie haben ein furchtbares Gemetzel in der Stadt angerichtet. Wenn ihr euch nicht bekehrt, sagt Jesus, dann wird es mit euch genauso ein Ende nehmen.

 

Dahinter steht: Es hat überhaupt keinen Zweck zu diskutieren, warum das so passiert ist. Sehen Sie, heute geschehen auch Metzeleien, meinetwegen in Afghanistan oder im Nahen Osten und an vielen Orten in dieser Welt. Heute geschehen auch Unglücke, heute stürzt nicht der Turm Schiloach ein, aber da gibt es ein Erdbeben oder einen Flugzeugabsturz oder was auch immer.

Jesus sagt: Diese Dinge sind nicht dazu da, dass du darüber diskutierst, ob das wohl alle Sünder waren? Oder dass du vielleicht Gott Vorwürfe machst: „Wie kann Gott das alles zulassen?“

Verstehe vielmehr diese Dinge als einen Anruf an dich, ob du mit deinem Leben auf dem richtigen Weg bist, oder ob du umkehren musst. Und die Frage, die wir uns heute im Gottesdienst angesichts dieses Evangeliums mitten in der Fastenzeit stellen sollten, wäre diese: Geht die Richtung deines Lebens auf Gott hin; ist Gott wirklich dein Ziel? So wie wir es in einem Lied singen „O Gott, mein Ziel, dein will ich sein.“ Oder ist Gott für dich eine Randfigur? Gut, Gott kommt irgendwann einmal vor, sonntags dreiviertel Stunde heilige Messe oder so, aber ansonsten spielt Gott keine Rolle.

Wenn deine Lebensrichtung nicht auf Gott ausgerichtet ist, dann sagt Jesus: „Kehr um!“ Es wird mit dir sonst ein böses Ende nehmen.

Und ist nicht die Fastenzeit auch eine Zeit, wo wir wirklich einmal Bilanz machen sollen: Wie sieht es mit unserm Leben aus? Wo man aus dem alltäglichen Trott einmal ausbricht, Stille hält und überlegt: Wohin geht die Richtung meines Lebens? Muss ich vielleicht umkehren?

Und denk daran, bei Buße und Umkehr geht es nicht um die Frage: Ich habe genascht, ich habe gelogen oder so, sondern es geht darum: wohin geht die Richtung deines Lebens; ist die in Ordnung?

 

Damit dieses Evangelium aber nicht nur einfach in völligem Ernst endet, erzählt Jesus anschließend die Geschichte, dieses Gleichnis vom Feigenbaum: Da war ein Weinbergbesitzer, der hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum gepflanzt. Und wer sich in der Bildersprache der Bibel etwas auskennt, der weiß, dass der Feigenbaum genauso wie der Weinstock oft als Bild gebraucht wird für das Volk Gottes. Und nun kommt der Weinbergbesitzer in seinen Weinberg und will Früchte ernten. Aber er findet keine Früchte.

Frage an uns: Wenn Jesus in deinem Leben Früchte sucht, wird er dann Früchte finden? Ich meine jetzt nicht die Früchte dieser Welt, sondern Frucht des Heiligen Geistes, das ist: Liebe, Güte, Langmut, Demut, Geduld? Das ist die Frucht, die Gott bei uns sucht. Oder wird es dann auch in unserem Leben heißen: Jetzt komme ich schon drei Jahre, vielleicht heißt es bei manchen: jetzt komme ich schon dreißig Jahre oder noch länger, und ich finde keine Frucht. Werden in unserem Leben diese Früchte des Heiligen Geistes sichtbar, oder sucht Gott bei uns vergebens Frucht?

Und dann wieder dieses ernste Urteil: „Hau ihn um!“ Hau ihn um; er hat kein Recht mehr den Boden auszulaugen.

 

Aber dann kommt die Botschaft der Hoffnung. Dann kommt der Weingärtner - und jeder spürt, dass hinter diesem Bild vom Weingärtner Jesus aufleuchtet. Der Weingärtner sagt zu dem Weinbergbesitzer: „Lass ihn noch ein Jahr stehen. Ich will rundherum den Boden aufgraben, will ihn bewässern, will ihn düngen, vielleicht trägt er dann doch noch Frucht.“

Wenn man sich dieses Gleichnis genau anschaut, dann hat es des Anschein, als wenn dieser Weingärtner die Schuld auf sich nimmt. Vielleicht habe ich nicht genug daran gearbeitet, vielleicht habe ich nicht genug gegraben, vielleicht habe ich nicht genug gedüngt. Lass ihn noch stehen, gib ihm noch eine Chance, ich will es noch einmal versuchen; ob wir es nicht schaffen, dass der Feigenbaum doch noch Frucht bringt.

 

Schwestern und Brüder, jetzt in dieser Fastenzeit ist nicht Zeit des Umhauens, sondern es ist Zeit der Gnade, Zeit der Neuschaffung und eines Neuanfangs Eine Zeit, in der Jesus Christus an dir noch einmal arbeiten möchte; in der er dein Leben gleichsam noch einmal umgraben möchte, neuen Dünger dran tun möchte, damit du Frucht trägst.

Nutze diese Chance, diese Gelegenheit in der Fastenzeit, und lass dich von Christus erneuern. Das bedeutet nämlich Buße. Buße heißt nicht, ich will mich bessern, sondern: ich darf mich von Jesus erneuern und verwandeln lassen. Lass das doch an dir geschehen, wenn du spürst: In meinem Leben wächst keine Frucht, oder da wachsen die falschen Früchte. Nutze diese Fastenzeit auch, um dich im Sakrament der Buße erneuern zu lassen, damit Früchte in deinem Leben sichtbar werden.

 

Wenn nicht, trotz der Botschaft der Gnade, steht am Ende dieses harte Wort: „Wenn er dann immer noch keine Frucht bringt, dann hau ihn um!“

Schwestern und Brüder, es ist ernst. Die Botschaft Gottes ist eine frohe Botschaft, aber sie ist nicht nett und schon gar nicht harmlos.   Amen.

 

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