Pfarrer Karl Sendker

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3. Ostersonntag C
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Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

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Predigt zur 2. Lesung:  Offb 5,11-14

Predigt zum Evangelium:   Joh 21,15-19

Predigttext:    Offb 5,11-14

 

Dies ist die zweite Predigt einer siebenteiligen Predigtreihe zur Offenbarung des Johannes.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Der alte Apostel Johannes sitzt gefangen in der Verbannung auf einer kleinen Insel im Mittelmeer zwischen Griechenland und der heutigen Türkei, auf der Insel Patmos. Wir schreiben das Jahr 95 nach Christus. Der römische Kaiser Domitian hatte Johannes festnehmen lassen, und hatte ihn in die Verbannung geschickt. Er brauchte keine Sklavenarbeit zu tun, dafür war er vielleicht zu alt. Aber er war abgeschnitten von der Kirche, von den Gemeinden, und er konnte seine Glaubensbrüder und -schwestern nicht mehr stärken. Er konnte ihnen nicht mehr persönlich Mut machen. Die Christen waren aufs Äußerste bedrängt, weil die ersten systematischen Christenverfolgungen im römischen Reich ausgebrochen waren.

Jetzt sitzt der Apostel Johannes in seiner Zelle auf der Insel Patmos. Er holt die Buchrolle des Propheten Jesaja heraus und fängt an, in dieser Buchrolle zu lesen. Da liest er da beim Propheten Jesaja: „Ich habe bei mir selbst geschworen; es ist ein unwiderrufliches Wort: Vor mir wird sich jedes Knie beugen und jede Zunge wird bei mir schwören. Und alle, die jetzt noch gegen mich eifern, werden einmal auf den Knien angekrochen kommen. Es wird sich jedes Knie vor mir beugen“. Johannes liest das, und als er das liest, da fällt ihm ein Christuslied ein, das damals in den Gemeinden gesungen wurde, und das wir heute noch in unserem Gesangbuch haben: „Jesus Christus ist der Herr, zur Ehre Gottes des Vaters.“ Und in diesem Lied heißt es in der zweiten Strophe: „Gott hat Jesus über alle erhöht, und er hat ihm einen Namen gegeben, der über alle Namen ist, damit alles, im Himmel, auf der Erde und unter der Erde die Knie beugt vor ihm und bekennt: Jesus Christus ist der Herr.“

Aber dann beschleicht Johannes doch eine große Wehmut. Was er hört aus dem römischen Reich, und was er gesehen hat, als er noch frei war, war genau das Gegenteil. Da haben die Menschen ihre Knie gebeugt vor dem römischen Kaiser, weil der Kaiser für sich beanspruchte, Gott zu sein. Die Menschen sind vor dem Standbild des Kaisers auf die Knie gegangen. Und sie haben nicht gerufen: „Kyrios Christus“, „Herr ist Christus“, sondern sie haben gerufen: „Kyrios Kaiser“, „Herr ist der Kaiser“. Der Kaiser ist der Sohn Gottes. Es war genau das Gegenteil von dem, was Johannes beim Propheten Jesaja las.

Vielleicht dann ist ihm eingefallen - Johannes hatte lange Jahre in Ephesus gelebt, das war damals die zentrale Stadt in Kleinasien, in der heutigen Türkei. Vielleicht fiel ihm ein: Als Paulus in Ephesus gepredigt hatte, als er den lebendigen Gott verkündet hatte, da haben die Silberschmiede um ihr Einkommen gebangt, weil sie als Silberschmiede Götzenbildchen angefertigt haben. Die ganze Meute hatte damals zwei Stunden lang ohne Unterbrechung geschrieen: Groß ist die Diana von Ephesus. Diana war die Göttin, die damals in Ephesus verehrt wurde. Da war nichts davon zu spüren. Jedes Knie wird sich vor Gott beugen. Genau das Gegenteil.

Und es mag durchaus sein, dass Johannes in seiner Gefängniszelle manchmal resigniert hat, dass er enttäuscht war. Wo bleibt denn die Verheißung Gottes, wenn er gesagt hatte: „Ich schwöre bei mir selbst, und das ist ein unwiderrufliches Wort“?

 

Aber dann, als Johannes im Gebet ist, hört er die Stimme eines Engels. Der Engel sagt zu ihm: „Johannes, du darfst die Dinge nicht immer nur von unten sehen. Da siehst du nämlich nur die halbe Wahrheit. Steige einmal hierher empor. Ich will dich einen Blick tun lassen in den Himmel.“ Und dann darf Johannes in einer Vision, in einer Erscheinung, an die Himmelstür treten, und er darf gleichsam durch die Spalte des Himmelstores einen Blick tun in die Vollendung.

Und der Engel sagt ihm: „Schau es dir genau an. Das ist auch Realität!“ Und das erste, was er im Himmel sieht, ist ein großer Thron, der Thron des lebendigen Gottes. Dieser Thron ist nicht ans Wackeln gekommen. Und er sieht vor dem Thron ein Lamm, das die Todeswunde trägt. Und er weiß sofort, wer mit diesem Lamm gemeint ist, nämlich Jesus Christus, der für uns am Kreuz die Todeswunde empfangen hat.

Vielleicht ist ihm wieder eingefallen, dass Johannes der Täufer einmal gesagt hatte: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt.“ Und jetzt sieht er vor dem Thron dieses Lamm mit der Todeswunde, wie geschlachtet.

Um den Thron herum, und um das Lamm herum, sieht er zehntausend mal tausend Engel. Zehntausend war damals die Zählgrenze im römischen Reich. Eine unübersehbar große Zahl von Engeln. Sie riefen mit lauter Stimme: „Würdig ist das Lamm, das geschlachtet ist, Macht zu empfangen, Reichtum und Weisheit, Ehre, Lob und Herrlichkeit.“ Würdig ist nicht der römische Kaiser, nein: würdig ist das Lamm.

Und wieder fällt dem Johannes eine Stelle aus dem Propheten Jesaja ein, die er gelesen hatte. Bei der Berufung, als Jesaja auch einen Blick in den Himmel tun darf, da hört er wie die Seraphim im Himmel rufen: „Heilig, heilig, heilig, Gott Herr aller Mächte und Gewalten“, das gleiche, was wir noch jedes Mal in der heiligen Messe singen.

Johannes schaut sich weiter um, und er darf in dieser Vision im Himmel sehen: Alle Geschöpfe, im Himmel, auf der Erde und unter der Erde und im Meer standen um den Thron. Und er hörte sie sprechen: „Ihm, der auf dem Thron sitzt und dem Lamm gebühren Lob und Ehre, Herrlichkeit und Kraft.“ Das was Gott beim Propheten Jesaja angekündigt hatte, das sieht er als Realität.

Und der Engel sagt zu ihm: Was du da unten siehst ist stimmt, dass man vor dem römischen Kaiser die Knie beugt. Aber hier im Himmel ist bereits eine andere Realität angebrochen. Hier beugt man nicht die Knie vor den Mächtigen der Welt, sondern hier beugt alles die Knie vor dem lebendigen Gott. Johannes darf das bereits als Vollendung sehen.

 

Und der Blick geht noch weiter. Da ist von vier Lebewesen die Rede. Sie symbolisieren die gesamte belebte Schöpfung. Und sie sprechen zu diesem Lobpreis das ‚Amen’. „So ist es“, sagen sie.

Und dann sieht Johannes vierundzwanzig Älteste. Das sind die Vertreter des alttestamentlichen und neutestamentlichen Gottesvolkes, die zwölf Stimme Israels und die zwölf Apostel. Das alte und das neue Gottesvolk ist versammelt um den Thron, und sie beten an.

Als er das sieht, überkommt den Johannes eine unglaubliche Ermutigung. Er spürt auf einmal: Was Gott beim Propheten Jesaja angekündigt hatte, das sind nicht leere Sprüche gewesen. Auch wenn jetzt hier auf Erden noch die Knie sich beugen vor dem Kaiser, es wird der Tag kommen, an dem alle dem lebendigen Gott die Ehre geben. Und er sieht diesen Tag schon vollendet vor sich.

 

Schwestern und Brüder, wir stehen auch heute noch in der Zeit der Verfolgung. Wir erleben heute in unseren Tagen vielleicht noch mehr, als um das Jahr 95 nach Christus, dass die Menschen in großer Zahl von Gott abfallen, dass die Menschen ihre Knie beugen vor allem, nur nicht mehr vor dem lebendigen Gott. Wir erleben heute, dass man für Geld alles tut, dass man das Heiligste verrät. Wir erleben heute, dass riesige Stadien gefüllt werden von allen möglichen (und unmöglichen) Stars, ob das aus der Fußballwelt ist, aus der Schlagerwelt oder aus den Medien.

Und wie man damals geschrieen hat: „Groß ist die Diana von Ephesus“, so jubeln sie heute diesen Stars und Sternchen zu. Man beugt seine Knie vor allem. Und manchmal, wenn man das so sieht im Fernsehen, dann möchte man resignieren und fragen: Wo bleibt denn Gott? Wo bleibt er denn? Ist er abgeschrieben?

Und ich glaube, dann ist es für uns wichtig, dass wir uns von dieser Botschaft des Johannes ermutigen lassen: Was ihr in diesen Tagen schaut, was ihr erlebt habt vor sechzig Jahren, wo die Menschen geschrieen haben: „Heil Hitler!“, das ist nicht die ganze Realität. Durchsetzen wird sich die himmlische Realität und nicht die Perversion, die ihr jetzt hier auf Erden seht. Im Mittelpunkt steht nicht irgend ein irdischer Machthaber. Im Mittelpunkt allen Geschehens steht der Thron Gottes im Himmel und das Lamm mit der Todeswunde. Nicht ein Löwe, nicht ein Raubtier, sondern ein Lamm steht im Mittelpunkt der Verehrung.

 

Heute Nachmittag, als ich hier in der Kirche war, die Monstranz ausgesetzt hatte und Anbetung gehalten habe, da ist mir auch etwas anderes klar geworden. Es gibt heute eine Tendenz, wenn Menschen sich ein Kreuz kaufen für zu Hause, dann war früher an dem Kreuz der Corpus, der Gekreuzigte. Heute ist es ganz oft so, dass an der Schnittstelle der beiden Kreuzbalken, - vor allem, wenn es ein Bronzekreuz ist, - ein Edelstein eingefügt ist. Wir möchten ja immer gerne als Mittelpunkt einen Edelstein haben, etwas Erhabenes. Aber im Mittelpunkt steht nicht ein Edelstein, sondern der Gekreuzigte, der Geschundene, das Lamm mit der Todeswunde.

Und wenn in unseren Kirchen die Monstranz ausgesetzt ist, dann ist diese Monstranz oft ganz kostbar gestaltet. Aber im Mittelpunkt der Monstranz steht nicht ein Edelstein, sondern ein ganz winziges Scheibchen Brot, der Leib Christi als Zeichen des lebendigen Gottes. Aber wenn wir vor diesem unscheinbaren Zeichen, das Jesus Christus selber ist, die Knie beugen, ihn anbeten und ihm die Ehre geben, dann erleben wir hier in unserer Welt schon ein Stückchen Himmel, - mitten in allen Wirren unserer Zeit.   Amen.

 

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Predigttext:      Joh 21,15-19

Predigt im mp3 Format

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Da hast Du einen Brief geschrieben, einen langen Brief an einen Menschen, der dir nahe steht, und jetzt bist du gerade dabei, unten drunter zu schreiben: „Herzliche Grüße!“. Und da fällt dir plötzlich ein: Ich habe noch etwas Wichtiges vergessen. Wenn es wirklich wichtig ist, dann schreibt man unten noch so einen Nachsatz, PS. Und dann kommt das Wichtige noch hinterher.

 

So ähnlich ist das 21. Kapitel im Johannesevangelium entstanden, aus dem wir gerade einen Abschnitt gehört haben. Das Johannesevangelium war mit Kapitel 20 eigentlich schon abgeschlossen. Der Verfasser hatte schon ein Schlusswort geschrieben, aber dann fallen ihm noch ein paar Dinge ein, die ganz wichtig sind. Und er schreibt noch einen Nachtrag, dieses 21. Kapitel; das muss er unbedingt noch loswerden.

Was ist das denn, was ihm so wichtig war, dass er noch einen Nachtrag schreibt? Diese Geschichte, wo Jesus den Petrus fragt: „Liebst du mich?“

 

Schwestern und Brüder, es wird einmal für jeden von uns alles auf diese eine Frage zulaufen: „Liebst du mich?“ Jesus wird dich nicht fragen, ob du jeden Sonntag deine Sonntagspflicht erfüllt hast. Jesus wird dich auch nicht fragen, ob du im Caritaskreis mitgearbeitet hast, ob du eine große Misereorspende gegeben hast. Jesus wird dich auch nicht fragen, ob du früher mal Messdiener gewesen bist. Manchmal trifft man bei Hausbesuchen Leute, die mit Gott nichts mehr am Hut haben. Aber sie sagen mir oft: wenn ich als Pastor komme. „Ich war aber früher Messdiener, Ministrant.“ Das war Thomas Gottschalk auch. Aber das ist nicht entscheidend. Die entscheidende Frage heißt: „Liebst du mich?“

Diese Frage wird Jesus allen stellen, auch uns Priestern. Und dann geht es auch bei uns nicht um die Frage: Hast du jeden Tag in der Bibel gelesen, oder hast du jeden Tag Brevier gebetet, oder bist du ein guter Prediger gewesen, ein guter Seelsorger? Das alles ist zweitrangig. Zuerst einmal wird es um diese eine Frage gehen: „Liebst du mich?“ Darauf kommt alles an.

 

Und ich bin im Tiefsten davon überzeugt, ein ganz großer Krebsschaden in unserer Kirche heute liegt darin, dass wir zu viele Christen haben, die  -  wie man so schön sagt - ihre religiösen Pflichten erfüllen; aber man kann so wenig spüren, dass sie Jesus lieb haben.

 

Vor etlichen Jahren, in einer Gemeinde, in der ich Kaplan war, ist einmal ein Ehepaar aus der Kirche ausgetreten. Die beiden Eheleute waren aktiv in der Pfarrgemeinde engagiert gewesen. Er war im Pfarrgemeinderat gewesen; sie machte seit Jahren im Kinderliturgiekreis mit. Und nun treten die aus und treten über zu den Baptisten, in die evangelische Freikirche. Ich habe sehr viel Kontakt gehabt zu denen beiden. Ich habe bei ihnen dann einen Hausbesuch gemacht und gefragt: „Warum macht ihr das?“ Dann sagte mir der Mann: „Weil man bei den Baptisten spüren kann, dass sie Jesus lieb haben.“ Dann sagte er mir: „Ich bin jetzt zwei Legislaturperioden im Pfarrgemeinderat. Und so lange ich im Pfarrgemeinderat bin, ist da noch nicht ein einziges Mal gebetet worden.“ Seine Frau nickte; die hatte das ähnlich erlebt.

 

Kann man bei uns noch spüren, dass wir Jesus lieb haben? Wenn das nicht der Fall ist, werden unsere Kirchen immer leerer werden.

 

Es ist doch eine Binsenweisheit: Liebende haben Zeit füreinander, wirklich Zeit füreinander. Und normalerweise ist es sogar so: Je mehr die verliebt sind, umso mehr versuchen sie, Zeit miteinander zu verbringen.

Aber bei wie vielen katholischen Christen ist das folgendermaßen: Wenn ein Gottesdienst länger dauert als eine Stunde, fangen die an zu motzen. Dreiviertel Stunde, höchstens fünfzig Minuten hat man sonntags für Gott einprogrammiert.  -  Aber Liebende haben Zeit füreinander.

Und Jesus fragt nicht, ob du die Sonntagspflicht erfüllt hast, sondern Jesus fragt: „Liebst du mich?“

 

Ein Zweites:

Hier in diesem Evangelium, wo Petrus dreimal von Jesus gefragt wird „Liebst du mich?“, da ist im Griechischen ein Wortspiel gebraucht, das man im Deutschen fast nicht nachmachen kann. Das neue Testament ist ja griechisch geschrieben; und im Griechischen gibt es mehrere verschiedene Ausdrücke für unser deutsches Wort ‚lieben’.

 

Das erste Wort im Griechischen heißt ‚Eros’. Daher kommt zum Beispiel unser Wort Erotik, die erotische Liebe.

Ein anderes Wort für lieben im Griechischen heißt ‚Philia’ oder als Tätigkeitswort ‚philein’. Das ist die Freundesliebe oder die Liebe zu einem Hobby. Von diesem Wort kommt zum Beispiel im Deutschen der Name Philipp. ‚Hippos’ ist im Griechischen das Pferd. Und der Name Phil-ipp beideutet wörtlich ‚Pferdeliebhaber’, Pferdefreund’. Das griechische Wort für Weisheit heißt: ‚sophia’. Ein Philo-soph ist dann jemand, der Weisheit liebt.

Und dann ein drittes griechisches Wort für Liebe: ‚Agape’ oder als Tätigkeitswort ‚agapán’. Das ist die bedingungslose göttliche Liebe ohne wenn und aber.

 

Der Verfasser des Johannesevangeliums ‚spielt’ in unserem Evangelium mit diesen letzten beiden Begriffen von Liebe. Ich versuche einmal, das im Deutschen nachzumachen. Überall, wo hier in unserem Evangelium im Griechischen das Wort ‚Agape’ oder das Tätigkeitswort ‚agapán’ steht: Liebst du mich mit dieser bedingungslosen göttlichen Liebe?, sage lese ich auch im Deutschen ‚lieben’. Wo im Griechischen das Wort philein’ steht, dieses Wort für die Freundesliebe, die Liebe zu einem Hobby, da lese ich die Frage: ‚Magst du mich?’ Dieser Ausdruck ist im Deutschen ja auch etwas schwächer als das Wort ‚lieben’.

 

Und jetzt hören Sie einmal genau zu:  

Jesus fragt den Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?“ Da steht ‚agapán’!

Petrus traut sich schon beim ersten Mal nicht, auf diesem Niveau zu antworten. Er antwortet nicht „Ja Herr, ich liebe dich“, sondern er schwächt das sofort ab und sagt: „Ja Herr, ich mag dich.“

Jesus fragt zum zweiten Mal: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Wieder steht da das Wort ‚agapán’. Und Petrus antwortet wieder mit dem abgeschwächten Ausdruck: „Ja Herr, du weißt, dass ich dich mag.“

Und jetzt kommt das Großartige. Beim dritten Mal steigt Jesus von seinem Niveau herunter, und er fragt den Petrus beim dritten Mal: „Simon, Sohn des Johannes, magst du mich?“

Und da wird Petrus traurig, und er antwortet: „Herr, du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich mag!“

 

Mir ist diese Stelle so kostbar. Wer von uns  -  ich selber mit eingeschlossen  -  traut sich schon zu sagen: Jesus ich liebe dich, mit dieser bedingungslosen Liebe, mit der Agape? Wenn wir das behaupten würden, dann würde jedem von uns sofort einfallen, wo er Jesus verleugnet hat. Das ist dem Petrus auch eingefallen. Und jedem werden etliche Situationen im Leben einfallen, wo wir Jesus eben nicht geliebt haben. Und dann traut man sich günstigsten Falles zu sagen: Jesus ich mag dich! Und das Schöne ist: Jesus bleibt nicht auf dem hohen Niveau der Agape. Wenn Du das nicht bringen kannst, zu sagen „Ich liebe dich!“, und wenn du nur sagen kannst „Jesus, ich mag dich!“, dann fragt Jesus Dich: Ist das denn wenigsten ehrlich?

 

Und die Trauer, die den Petrus befällt, als Jesus zum dritten Mal fragt, „Simon, Sohn des Johannes, magst du mich?“, das ist nicht nur eine Trauer, weil er ihn dreimal verleugnet hat; es ist auch eine ‚freudige’ Trauer darüber, dass Jesus auf sein Niveau heruntersteigt. Auch in dieser Weise hat sich Jesus erniedrigt. Er überfordert mich nicht.

 

Wer das erlebt hat in seinem Leben, dem treibt es die Tränen in die Augen. Wenn Du heute vielleicht nur stammeln kannst: „Herr, du weißt alles, du weißt auch, dass ich dich mag!“, dann fragt Jesus Dich: „Das, was Du heute bringen kannst, ist das ehrlich?“

 

Und schließlich ein Drittes.

Der Prüfstein für die Echtheit der Liebe, wenn wir sagen: „Jesus, ich mag dich!“, der Prüfstein ist nicht unser Lippenbekenntnis, sondern die Frage: Lässt Du Dich von Jesus in Dienst nehmen? Für Petrus liegt der Prüfstein darin, dass Jesus ihm einen Auftrag gibt: „Weide meine Schafe!“ Die Schafe, die Herde ist die Gemeinde. Bist Du bereit, im Namen, im Auftrag Jesu einen Dienst zu übernehmen an den Schafen, an der Gemeinde. Das ist der Prüfstein, und das kennzeichnet die Echtheit unserer Liebe: Ob ich bereit bin, in der Gemeinde, an den Schafen Jesu einen Dienst zu übernehmen.

 

Lass Dich einmal heute in diesem Gottesdienst von Jesus persönlich fragen: „Liebst du mich?“ Jesus wirbt um deine Liebe.   Amen.

 

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