Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

4. Sonntag B
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Predigten

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Predigt zur 2. Lesung:  1 Kor 7,25-28.32-35

Predigt zum Evangelium:  Mk 1,21-28

2. Predigt zum Evangelium:  Mk 1,21-28  im pdf Format

2. Predigt zum Evangelium:  Mk 1,21-28  (nur MP3 Format)

Predigttext:      1 Kor 7,25-28.32-35

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wenn heute ein junger Mann Priester werden will, oder wenn ein Mädchen, eine junge Frau sich entschließt ins Kloster zu gehen, dann müssen sie damit rechnen, dass ihnen das von der ganzen Umgebung madig gemacht wird. Ich habe vor Jahren einmal ein Mädchen kennen gelernt, die hat Abitur gemacht, und sagte dann allen Bekannten und ihrer Verwandtschaft: „Ich gehe ins Kloster, in die Eifel.“ Da haben die Leute reagiert: „Du siehst doch gut aus, du brauchst doch nicht ins Kloster zu gehen.“ So ein Quatsch! Als wenn man nur ins Kloster gehen kann wenn man schlecht aussieht. Aber so reden die Leute dann.

Oder: Ich kennen einen jungen Mann, der Priester werden wollte. Als die Primiz vor der Tür stand, da war er natürlich „der King“. Aber sechs Jahre vorher, als er anfing, Theologie zu studieren, da haben ihm das alle ausreden wollen: „Du kannst doch wohl noch eine mitkriegen …“, so nach dem Motto.

Oder ein anderes Beispiel: In der letzten Woche habe ich zufällig eine Fernsehsendung gesehen. Ich hatte mittendrin eingeschaltet, ich wusste gar nicht genau, worum es im Ganzen ging. Da wurde eine junge Frau von dem Reporter gefragt: „Wenn ihr Sohn einmal groß ist, und er kommt zu ihnen und sagt: ‚Ich werde Priester’, wie würden sie dann reagieren?“ Da sagte diese junge Frau: „Dann würde ich mich fragen, ob ich in der Erziehung etwas falsch gemacht habe.

Nur mal in Klammern gesagt: Wo sollen unsere Priester eigentlich herkommen, wenn nicht aus unseren Familien, aus unseren Gemeinden. Das mal nur nebenbei.

Wenn man einmal nachfragt bei solchen saloppen Argumenten, dann kommt ganz oft als Kritikpunkt die Frage des Zölibates oder die Frage der Ehelosigkeit. Das ist heute wie ein Stachel. Damit können heute viele nichts mehr anfangen.

 

Genau auf diese Frage kommt Paulus heute zu sprechen in seinem Hirtenbrief an die Gemeinde in Korinth. Und es lohnt sich, den Argumenten des Paulus einmal zuzuhören. Und ich möchte heute als Pfarrer auch einmal eine Lanze brechen für die Ehelosigkeit.

Damit das jetzt nicht in den falschen Hals kommt, muss ich einen Satz wiederholen aus der Predigt vom letzten Sonntag. Da hatte Paulus mit großem Nachdruck geschrieben. Die Ehe ist eine Gnadengabe Gottes, genauso wie die Ehelosigkeit. Das heißt, beides ist gleichermaßen wertvoll. Man kann das eine nicht gegen das andere ausspielen. Das muss ganz klar sein am Anfang.

Aber wenn man das klar hat, dann sagt Paulus: Es gibt einige gewichtige Gründe für ein eheloses Leben.

Einen ersten Grund nennt er: „Es ist gut, unverheiratet zu sein wegen der bevorstehenden Not.“ Man könnte das Wort auch übersetzen: „wegen der bevorstehenden Drangsal oder Bedrängnis“. Oder modern gesprochen: Weil man dann Druck bekommt. Wegen dieser bevorstehenden Not ist es gut, unverheiratet zu bleiben. Ich glaube, manchmal spricht der Paulus auch aus der eigenen Erfahrung. Wenn man einmal den zweiten Korintherbrief liest, da schreibt Paulus so einiges aus seinem Leben. Und es ist interessant zu lesen, was er für ein Leben geführt hat. Da zählt er von seinen Drangsalen alles auf: Zum Beispiel, dass er zweimal gesteinigt worden ist. Ein Stephanus ist an der Steinigung gestorben, und so manch anderer auch. Paulus hat mehrmals die neununddreißig Geiselhiebe bekommen, er hat zweimal Schiffbruch erlitten. Er ist eine ganze Nacht lang auf einer Schiffsplanke auf dem Mittelmeer herumgetrieben. Er ist von Räubern überfallen worden. Er ist mehrmals im Gefängnis gewesen. Er ist fast in jeder Gemeinde rausgeschmissen worden.

Das ist der Lebenslauf des Apostels Paulus. Ich kann mir vorstellen dass der manches mal gedacht hat: „Gut, dass ich keine Frau und keine Kinder habe; was sollte jetzt mit denen werden?“

 

Aber das ist nicht nur damals für Paulus so gewesen, sondern das gilt in unserer Zeit heute auch noch. Die Älteren von Ihnen müssten das noch aus eigener Erfahrung wissen; ich kenne es nur noch aus Büchern. Ich habe einige Biographien gelesen von evangelischen Pfarrern im Dritten Reich, die in der bekennenden Kirche waren. Die evangelischen Pfarrer sind ja in der Regel verheiratet. Wenn sie dann denunziert wurden, bespitzelt wurden, oder ins Gefängnis geworfen wurden, weil sie in ihrer Gemeinde ganz deutlich die Botschaft Jesu verkündet haben, dann kommt zusätzlich zu dieser persönlichen Sorge noch: Was wird jetzt mit der Gemeinde? Was passiert mit meiner Frau und meinen Kindern? Müssen die jetzt auch darunter leiden? Werden sie jetzt auch gefangen genommen, oder bespitzelt oder was auch immer?

Das sind diese Nöte, von denen Paulus hier redet. Bis vor einigen Jahrzehnten ist es ja im Ostblock noch genauso gewesen.

Oder wenn wir in andere Kulturkreise reingehen. Ein guter Bekannter von mir, der  Mohammedaner ist, mit dem habe ich habe vor Jahren einmal ausführlich über diese Fragen gesprochen. Er sagte mir: Wenn einer aus einer streng islamischen Großfamilie Christ wird und sich taufen lässt, der wird von der ganzen Familie geächtet und ausgestoßen wie ein Aussätziger. Unter Umständen muss er sogar damit rechnen, dass er ermordet wird. Und zwar nicht nur er selbst. Wenn er eine Familie hat, ist die ganze Familie davon mit betroffen.

Bei uns ist ja alles so schön ruhig geworden; wir können uns diesen Druck überhaupt nicht mehr vorstellen. Aber wenn dieser Druck um des Himmelreiches willen geschieht, um der Botschaft Jesu willen, das kann eine furchtbare Not werden.

Aber glauben sie mir eins, da bin ich mir sicher: Wir alle werden das hier in Deutschland auch noch erleben, dass derjenige, der wirklich aus Überzeugung Christ ist und sich zu Christus bekennt, und der nicht nur so auf einer religiösen Welle mitschwimmt, die man so gerade noch für christlich hält, der wird merken, dass er in zunehmendem Maße Druck bekommt von der ganzen öffentlichem Meinung. Wir alle werden es noch erleben.

Und Paulus sagt: Wenn man diese ganze Not sieht, dann kann es sinnvoll sein, nicht verheiratet zu sein. Sonst wird unter Umständen die Not, was mit meiner Familie wird, ganz groß werde.

 

Ein zweiter Grund, den Paulus angibt: Er sagt es ist sinnvoll, unverheiratet zu sein, „denn die Zeit ist kurz“. Darunter kann man natürlich verstehen, dass die ersten Christen damals die Wiederkunft Jesu noch zu ihren Lebzeiten erwartet haben. Da haben sie sich getäuscht, das wissen wir heute. „Die Zeit ist kurz“ kann aber auch etwas anderes bedeuten. Wir haben ja auch im Deutschen die Redensart: „Die Zeit ist kostbar.“

Man muss das wieder aus der Missionssituation des Paulus verstehen. Paulus hatte einen Auftrag, das Evangelium zu verkünden. Am kommenden Sonntag werden wir in der Lesung merken, wie das für Paulus ein brennendes Anliegen war. Hier schreibt Paulus: Die Zeit ist kostbar, und ich kann meine Zeit nicht mit allen möglichen Dingen vertun, meinetwegen auch mit einer Familie. Das das einseitig ist, das weiß er auch. Er sagt ja auch noch andere Dinge bezüglich Familie. Aber von ihm aus gesehen gilt das: Es ist hilfreich, nicht verheiratet zu sein, weil die Zeit kostbar ist. Jesus ist übrigens im Evangelium genauso radikal. Als er seine Jünger zu zwei und zwei aussendet, da sagt er ihnen: „Nehmt nichts mit auf den Weg, keine Vorratstasche, keinen Beutel, kein zweites Hemd, keinen Wanderstab …“ Das könnte alles eine Belastung sein für euer Ziel, die frohe Botschaft zu verkünden. Jesus sagt sogar noch dazu: „Grüßt unterwegs niemanden.“ Das bedeutet nicht, dass man nicht „Guten Tag“ sagen darf. Im Orient geht die Begrüßung sehr lange vonstatten, da wird noch ein langes Schwätzchen damit verbunden, da wird möglicherweise noch ein Essen damit verbunden. Jesus meint: Denkt daran, ihr habt ein Ziel, nämlich das Evangelium zu verkünden. Und alles, was da Ballast sein könnte, lasst ihr besser zurück.

Nun kann man natürlich fragen, ob das heute noch sinnvoll ist. Aber ich will ihnen mal eins sagen. Vor vierzehn Tagen ist Pater von seinem Orden versetzt worden, der hat bei uns viel Aushilfe gemacht. Er ist nach Köln versetzt worden und ist dort jetzt Krankenhausseelsorger. Einen Tag bevor er nach Köln gefahren ist, hat er uns erzählt, dass er in seinen Priesterjahren – und so alt ist er ja noch gar nicht - achtzehn mal umgezogen ist.

Jetzt überlegen sie einmal: Wenn der eine Familie hätte, wenn der eine Frau und Kinder hätte, was das eine Belastung wäre. Man merkt daran, dass unverheiratet zu leben, auch eine Form ist, wie man verfügbar sein kann für Gott und für sein Reich. Dass das nicht die einzige Lebensform ist, darauf komme ich gleich noch.

 

Einen dritten Grund gibt Paulus an, warum es sinnvoll ist, nicht zu heiraten. Das klingt jetzt wahrlich sehr missverständlich, wenn man den so hört. Ich könnte mir vorstellen, dass eben einige mit der Stirn gerunzelt haben, als das in der Lesung vorgelesen wurde. Da schreibt Paulus: „Der Unverheiratet sorgt sich um die Sache des Herrn; er will dem Herrn gefallen. Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge dieser Welt; er will seiner Frau gefallen. Und so ist er geteilt.“

Nun muss man eins sehen: Das sagt Paulus ja nicht als Vorwurf für die Verheirateten, sondern als eine Tatsachenbeschreibung. Wenn jemand verheiratet ist, dann ist seine erste Berufung, die er von Gott hat, die Berufung, Familienvater zu sein, Familienmutter zu sein. Die Sorge um den Partner, die Sorge um die Familie ist für einen verheirateten Menschen die erste Sorge, die ihm von Gott aufgegeben ist.

Und wenn aber dann jemand noch zusätzlich die Berufung bekommt, z.B. in einer Gemeinde als Seelsorger zu dienen, dann kann es sehr leicht passieren, dass diese beiden Formen der Berufungen nicht mehr auf einen Nenner zu bringen sind. Dann ist man möglicherweise wirklich geteilt, wie soll ich mich denn jetzt entscheiden.

Fragen sie mal einen verheirateten Pastoralreferenten mit Familie, wie oft das eine Spannung bedeutet, wenn er sich entscheiden soll: Diene ich jetzt der Gemeinde, wenn es darum geht, Termine machen, oder muss ich nicht auch meine Familie berücksichtigen?

Wir müssen in diesem Zusammenhang auch an eins denken: Wenn ein Seelsorger in der Gemeinde seine Hauptarbeitszeit hat, das ist immer dann, wenn eine normale Familie Feierabend hat oder Wochenende hat. Das ist für einen Seelsorger die Hauptarbeitszeit. Und dass das zu Spannungen führen kann, die man manchmal gar nicht auf einen Nenner bringt, das meint Paulus hier, wenn er sagt: Ein solcher Mensch ist leicht geteilt. Und da kann es schon hilfreich sein, unverheiratet zu sein.

 

Damit das ganze jetzt nicht einseitig wird, muss ich das in einen Rahmen Spannen. Sehen sie, Paulus selber war unverheiratet. Natürlich muss man solche Sätze des Paulus auch verstehen von seiner eigenen Lebensgeschichte her. Ein verheirateter Apostel wie meinetwegen Petrus hätte sicher manchen Satz anders formuliert. Aber eins muss man auch sehen: Paulus sagt am Anfang sehr deutlich: „Was die Frage der Ehelosigkeit angeht, habe ich kein Gebot vom Herrn. Ich gebe euch nur einen Rat.“ Gut, sagt er, ich bin zwar auch vertrauenswürdig, aber es ist keine Vorschrift vom Herrn; ich, der Paulus, gebe euch einen Rat. Und am Ende sagt er noch mal ganz deutlich: „Dies alles habe ich euch geschrieben, nicht um euch eine Fessel anzulegen, sondern damit es euch hilft, damit es euch nützt.“ Das muss man ganz deutlich sehen, es geht hier um einen Rat, und nicht um ein Gebot oder um eine Fessel. Und man muss auch immer wieder im Auge behalten: Paulus sieht auch die Ehe als eine Gnadengabe Gottes.

 

Man kann jetzt natürlich hingehen und in unserer Situation heute fragen: Wenn wir aus der Ehelosigkeit für Priester den ‚Pflichtzölibat’ gemacht haben, ohne den man nicht Priester werden kann, haben wir aus diesem Rat nicht wieder eine Fessel gemacht? Das kann man durchaus fragen. Dazu habe ich vor eineinhalb Jahren ganz deutlich Stellung genommen, aber das ist jetzt nicht das Thema. Eins ist jedenfalls sicher: Es gibt eine Berufung zur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen, und die ist sinnvoll. Dafür gibt es gute Gründe. Das heißt aber nicht, dass Paulus, dass Christus, oder dass Gott von jedem erwartet, möglichst ehelos zu leben.

Aber eins ist ganz sicher: In der ganzen Diskussion, die heute geführt wird, ob es in den Medien ist, im Fernsehen, am Stammtisch oder wo auch immer, in dieser Situation ist es hilfreich, auch den Rat des Paulus ernst zu nehmen, als einen Rat.   Amen.

 

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Predigttext:      Mk 1,21-28

 

Predigt im MP3 Format

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

In den Evangelien hat uns jeder der vier Evangelisten sein eigenes Bild von Jesus gezeichnet.

Das Jesusbild, das uns in der Kirche am meisten prägt, ist das Jesusbild des Evangelisten Lukas. Da wird Jesus gezeichnet als der Heiland der Sünder, als derjenige, der sich der Menschen erbarmt.

Der Evangelist Mathäus zeichnet ein ganz anderes Jesusbild. Er zeichnet uns Jesus als den Lehrer der Kirche. Daher finden wir im Mathäusevangelium die großen programmatischen Reden Jesu. Die bekannteste davon ist die Bergpredigt.

Der Evangelist Markus zeichnet ein Jesusbild, das sehr schroff erscheint. Da wird Jesus beschrieben als der Exorzist. Und dieses Jesusbild kommt uns heute oft sehr fremd vor.

 

Gleich beim allerersten öffentlichen Auftreten Jesu, wir das haben eben als Evangelium gehört, hat Jesus es mit unreinen Geistern, mit Dämonen zu tun. Und er treibt aus einem Mann den Dämon aus. Der schüttelt den Mann, zerrt ihn hin und her, aber er muss auf den Befehl Jesu hin aus ihm ausfahren.

Das Allerletzte im Markusevangelium, als der auferstandene Herr seine Jünger hinaus in alle Welt sendet, da heißt es: „Denen, die mir nachfolgen, werden folgende Dinge geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben ...“ Auch da, ganz am Ende, noch einmal der Hinweis: „In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben.“ Und es gipfelt im fünften Kapitel des Markusevangeliums, wo ein Mann von einer ganzen Legion von Dämonen besessen ist, die ihn zerstören wollen. Und gebietet Jesus dieser ganzen Legion von Dämonen: „Fahrt in die Schweineherde.“ Und nachdem die Dämonen in die Schweineherde gefahren sind, stürzt sich die ganze Schweineherde in den See und ertrinkt.

 

Jesus als Exorzist! Heute lachen wir da meist darüber und schmunzeln. Der aufgeklärte moderne Mensch hat es nicht so mit Dämonen und bösen Geistern. Den Teufel haben wir ja auch längst in die Märchenkiste gepackt. Für die meisten gibt es heute auch keine Hölle mehr. (Nur komisch, dass es da noch einen Himmel gibt.) Aber man sollte da doch ein bisschen vorsichtig sein. Wenn wir aus dem Markusevangelium alles wegstreichen, was mit Dämonen zu tun hat, dann bleibt vom Markusevangelium nicht mehr viel übrig. Da geht es also offensichtlich doch um Wesentliches.

 

Und auch einmal ein anderer Aspekt, der in die Kirchengeschichte hineingeht: Genau zu der Zeit, wo die Aufklärung in Europa ihre größten Triumphe gefeiert hat, wo man gesagt hat, dass die Geschichten der Bibel zur Volksfrömmigkeit gehören, dass sie Märchen sind, Anekdoten, worüber man schmunzeln kann, und die nicht zum Glauben dazu gehören, genau in dieser Zeit hat es in der Kirche zwei Männer gegeben, die massiv mit Dämonen zu tun bekommen haben. Einen in der katholischen Kirche, und fast zur gleichen Zeit einen in der evangelischen Kirche.

Den katholischen Heiligen kennen wir fast alle, wenigstens mit Namen, das ist der heilige Pfarrer von Ars. Der hat in der Seelsorge mit dem Teufel, mit Dämonen kämpfen müssen in einer Weise, die an das fünfte Kapitel des Markusevangeliums erinnert.

Und etwa zur gleichen Zeit hier in Deutschland, in Möttlingen das zu Baden-Württemberg gehört, der evangelische Pastor Johann Christoph Blumhardt, der ebenfalls in einer ganz massiven Weise in seiner Seelsorge mit dem Teufel und mit Dämonen zu tun bekommt. Er hat damals einen offiziellen Bericht an seine Landeskirche geschrieben, diesen Bericht kann man heute noch kaufen und lesen. Es ist erschreckend und abenteuerlich.

Aber eins ist auch richtig: Beide, sowohl Blumhardt in der evangelischen Kirche wie auch der Pfarrer von Ars, sind ganz vollmächtige Seelsorger gewesen. Und dieser Kampf mit den Mächten der Finsternis hat auch bewirkt, dass es sowohl in Ars wie auch in Möttlingen bei Johann Christoph Blumhardt, eine große Bußbewegung gegeben hat, nachdem der Kampf mit den Mächten der Finsternis bestanden war. Vom Pfarrer von Ars wird berichtet, dass er hat zum Ende seines Lebens jeden Tag sechzehn Stunden im Beichtstuhl gesessen hat, tagaus, tagein.

Und noch etwas ist beiden gemeinsam: In dem Moment, wo der Kampf mit den Mächten der Finsternis ausgekämpft war, gab es eine große Heiligungsbewegung und eine große Heilungsbewegung. Da geschahen Heilungen, Zeichen und Wunder, sowohl in Ars wie in Möttlingen.

Anscheinend lohnt es sich doch, diese Dinge nicht nur mit einem Lächeln an die Seite zu schieben, sondern sie ernst zu nehmen.

 

Nun muss man eins dazu sagen: Nicht jede Krankheit hat etwas mit dem Teufel zu tun. Manchmal hat man auch zu schnell ‚den Teufel an die Wand gemalt’. Wenn jemand epileptische Anfälle hat, dann ist das eine Krankheit und nicht automatisch eine Form von Besessenheit. Da gilt es schon vorsichtig zu sein. Da braucht es die Gaben der Erkenntnis, der Weisheit und der Unterscheidung der Geister, von denen Paulus im 12. Kapitel des ersten Korintherbriefes spricht. Da braucht man auch als Seelsorger eine Menge Erfahrung, damit man nicht das Kind mit dem Bade ausschüttet.

Aber auf der anderen Seite: Überall dort, wo in der Seelsorge wirklich Glaube erweckt wird, da muss man damit rechnen, dass auch der Teufel sein Werk versucht.

 

Ich will ihnen dafür ein paar Beispiele sagen: Ich habe in den letzten fünfzehn Jahren relativ viele Exerzitien und Bibelkurse gehalten; und ich habe immer wieder erlebt, dass ich vor einem Exerzitienkurs aus unerklärlichen Gründen plötzlich krank wurde. Mir hat einmal der Arzt verboten, zum Kurs zu fahren, weil ich einen leichten Kreislaufkollaps hatte. Oder es geschieht, dass ich plötzlich unmittelbar vor Beginn eines Kurses aus einem ganz nichtigen Grund Streit bekommen habe mit einem mir nahe stehenden Menschen. Das hat mich in dem Augenblick so bedrückt und belastet, dass mein Herz überhaupt nicht mehr frei zu sein schien für den Exerzitienkurs.

Aber in dem Augenblick, wo ich hingefahren bin und diesen Kurs gehalten habe, habe ich immer festgestellt: Solche Kurse, wo es vorher Widerstände gab, waren immer ganz besonders gesegnete Kurse, wo Menschen wirklich neu aufgebrochen und zum Glauben gekommen sind. Manchmal habe ich schon gesagt: Wenn solche Widerstände vorher eintreten, ist das ein gutes Zeichen; dann kommt auch was dabei rum.

 

Wie oft habe ich das in der Seelsorge erlebt, dass Menschen unfrei waren, gebunden waren. Ich kann mich erinnern an eine Situation, dass ein junges Mädchen, siebzehn Jahr alt, sich bekehrt hat, wirklich eine Bekehrung zu Jesus Christus erlebt hat. Aber dann passierte es mehr als einmal, wenn sie sonntags in der Kirche war und zur Kommunion gehen wollte, dann zog es ihr die Beine weg, mitten im Mittelgang der Kirche; sie konnte nicht mehr laufen. Sie ist zum Arzt gebracht worden, aber der Arzt konnte nichts feststellen und sagte ihr: „Du stellst dich nur an.“ Bis wir irgendwann angefangen haben, mit diesem Mädchen ein Befreiungsgebet zu beten. (Ich gebrauche ganz bewusst nicht das Wort Exorzismus, das klingt immer so groß.) Wenn wir ein Befreiungsgebet gesprochen hatten, dann konnte dieses Mädchen sofort wieder gehen. Das ist doch eigenartig.

 

Übrigens, wussten Sie eigentlich, dass bei jeder Taufe auch so ein Befreiungsgebet gesprochen wird, gleichsam ein Exorzismus. Wir hören so leicht darüber weg. Auch bei der Tauferneuerung in der Osternacht: „Widersagt ihr dem Bösen, um in der Freiheit der Kinder Gottes leben zu können? ... Widersagt ihr dem Satan, dem Urheber des Bösen“ Hier geht es um eine Entscheidung. Und statt von Exorzismus zu sprechen, ist es vielleicht hilfreicher, zu sagen: Wir erneuern unser Taufversprechen: Die Absage an das Böse und die Hinwendung zu Gott. Da geschieht Befreiung.

 

Ich habe einmal erlebt, dass ein Mann zu mir kam, er hatte sich telefonisch angemeldet und wollte beichten, ein Beichtgespräch. Der kommt, sitzt bei mir am Tisch und sagt nichts. Eine ganze Stunde hat er da gesessen und hat nichts gesagt. Das kostet ganz schön Kraft. Und dann sagte er schließlich: „Ich kann jetzt nicht beichten.“ Gut, ich habe ihn nicht gedrängt; er ist wieder gegangen. Der meldet sich dann aber noch ein zweites Mal an zu einem Beichtgespräch. Und genau das gleiche. Er sitzt eine lange Zeit und sagt irgendwann: „Ich kann jetzt nicht beichten.“ Nun tun sich ja manche Menschen schwer, in einem Beichtgespräch ihr Inneres wirklich einmal öffnen. Aber dieser Mann meldet sich noch ein drittes Mal, und das ist ungewöhnlich. Und wieder sagt er, er möchte beichten. Er kommt, und dann beginnt das gleiche „Spiel“ noch einmal. Er sitzt da, sagt keinen Ton und sagt mir schließlich nach längerer Zeit: Ich kann nicht beichten.

Aber dann beim dritten Mal habe ich ihn gefragt: „Wieso können sie denn nicht beichten?“ Und dann sagt er mir: „Wenn ich ihnen das sage, dann lachen sie mich aus.“ Ich sage: „Ich lache sie nicht aus, da können Sie ganz sicher sein.“ Dann sagt er mir: „Wenn ich beichten will, dann ist das so, als wenn mir jemand das Kinn zudrückt.“ Da habe ich dann geschaltet und ihm gesagt: „Wissen sie, ich hole jetzt mein Taufbuch, und wir beide machen zunächst einmal eine Tauferneuerung, so wie es im Gotteslob steht.“ Wir haben das getan, und der Mann konnte sofort beichten.

 

Da spürt man, welche Mächte in der unsichtbaren Welt am Werk sind. Man soll dem Teufel nicht zu viel Ehre geben, aber man soll in manchen Situationen auch wissen: Wir haben es nicht nur mit irdischen Widerständen zu tun; wir haben es auch zu tun mit solchen Widerständen aus der unsichtbaren Welt. Und in solchen Situationen braucht es nicht nur einen guten Rat, da braucht es das Gebet der Befreiung.

 

Der Apostel Paulus hat einmal im Römerbrief etwa folgendermaßen geschrieben: „In mir (und das war der Apostel Paulus, nicht irgendein heruntergekommener Typ), in mir entdecke ich eine Zwiespältigkeit. Ich möchte das Gute tun. Aber dann entdecke ich in mir, in meinem Innern eine Macht, die das Böse will. Und ich tu gar nicht das Gute, was ich eigentlich tun will, sondern das Böse, das ich gar nicht tun will, das tu ich. Ich bin fast gar nicht mehr Ich. ‚Es’, das Gesetzt des Bösen, handelt in mir. Vielleicht würden die Evangelien das auch „Besessenheit“ nennen.

Übrigens, damit wir uns nicht missverstehen, hier geht es nicht um Sünde. Wenn jemand „besessen“ ist, dann ist das nicht Sünde, sondern da hat ein Anderer von einem Menschen Besitz ergriffen, und er ist gar nicht mehr sein eigener Herr. Und zur Sünde gehört der freie Entschluss.

 

Aus all dem darf man die Lehre ziehen: Wir brauchen in unserem Leben Jesus in allen Bereichen. Wir brauchen Jesus als den Heiland, der uns heilt von Sünden, der uns heilt von Krankheiten und von Schwächen. Wir brauchen aber auch den Jesus, der uns frei macht, wenn wir irgendwo gebunden sind. Und diesen Jesus, der uns frei macht, gibt es wirklich.

Und darum: Wenn jemand in seinem Leben entdeckt: Ich werde einfach nicht Herr über die und die Veranlagung; ich werde einfach nicht Herr z.B. über manche Süchte in meinem Leben, dann gehe zu einem Seelsorger, dass er mit Dir betet, nicht nur um Heilung, sondern auch um Befreiung.

Jesus ist größer. Das will uns das Evangelium des Markus sagen. Jesus ist der Herr über Alles, auch über solche Gebundenheiten, auch über alle Mächte der Finsternis.   Amen.

 

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