Pfarrer Karl Sendker

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Predigten

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Predigt zur 1. Lesung: Apg 6,1-7

Predigt zum Evangelium: Joh 14,1-6    2. Predigt: im mp3 Format  und   als Video

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Predigttext:      Apg 6,1-7

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Wie hat Jesus Gemeinde gewollt? Das könnte man als Überschrift schreiben über die ersten Kapitel der Apostelgeschichte. Wie hat Jesus Gemeinde gewollt?

Diese Geschichten über die Urgemeinde in Jerusalem sind weniger historische Berichte. Sie gleichen eher einer Modellbeschreibung, wie Gott sich seine Kirche gedacht hat. Und an diesem Modell müssen sich Gemeinden bis auf den heutigen Tag messen lassen.

Wie hat Jesus Gemeinde gewollt?

 

Wenn man das in einem einzigen Satz beantworten wollte, dann würde dieser Satz heißen: Es ist im Tiefsten eine Gemeinde, die geprägt ist von Brüderlichkeit, oder heute würde man sagen, von Geschwisterlichkeit. Da weiß einer um den anderen; da kennt man sich. Da gibt es nicht eine Anonymität wie in unseren Großgemeinden heute. Es ist Gemeinde, wo man seine Freude mit dem anderen geteilt hat, wo man aber auch die Sorgen und Nöte geteilt hat.

In dieser „Modellgemeinde“ gab es keinen Notleidenden mehr. Jeder hat mit seinem Vermögen dazu beigetragen, dass den Notleidenden zugeteilt wurde, so wie sie es brauchten. Da brauchte man nicht einen Caritasverband oder ein Sozialamt, an die man die Notleidenden verwiesen hat. Nein, die Christen haben selbst Hand angelegt, sie haben das, was sie hatten, zur Verfügung gestellt; und jedem, der Not litt, wurde zugeteilt.

 

Die schwächste Gruppe der damaligen Gesellschaft waren die Witwen. Die hatten keinen mehr, der für sie sorgte, und es gab ja damals noch keine Altersversorgung im heutigen Sinn. Da hat die christliche Urgemeinde einen Dienst eingeführt, den wir heute mit „Essen auf Rädern“ bezeichnen würden. Da wurden die Witwen in der Gemeinde versorgt mit dem täglichen Essen.

 

Nun gab es in der Urgemeinde zwei ganz unterschiedliche Gruppen. Die eine Gruppe waren die so genannten „Hebräer“, die Hebräisch sprechenden Juden. Die andere Gruppe bestand aus den so genannten „Hellenisten“, das waren die Griechisch sprechenden Juden.

Wenn man das in unsere Situation überträgt, dann könnte man sagen: Die eine Gruppe waren die Alteingesessenen, die immer schon in Jerusalem gewohnt hatten. Die andere Gruppe war die Zugereisten, die Zugezogenen, die sich aus dem ganzen Mittelmeerraum, wo man Griechisch sprach, in Jerusalem niedergelassen hatten.

 

Und nun geschieht in dieser Urgemeinde etwas Neues, und davon berichtet heute die erste Lesung. Da kommt zum ersten Mal in der Gemeinde, die immer „ein Herz und eine Seele“ war, Unmut auf. Es treten Spannungen auf, es wird gemurrt. Was war da passiert?

 

Zunächst einmal ist interessant, dass diese Spannungen in dem Augenblick auftreten, als die Gemeinde größer wurde. Wenn man eine Gemeinde hat von vielleicht 50 Menschen, wie es bei manchen Sekten heute ist, dann ist es relativ leicht, ein Herz und eine Seele zu sein. Aber wenn eine Gemeinde mehrere 1000 Mitglieder hat, dann ist das nicht mehr so einfach. Und so war das in Jerusalem auch. Als die Zahl der Jünger zunimmt, da passiert es auf einmal, dass bei der täglichen Essensversorgung einige von den Witwen übersehen werden. Es war überhaupt keine böse Absicht dahinter. Man hat sie einfach übersehen. Und das waren ausgerechnet auch noch die Witwen der Zugezogenen, der Hellenisten.

Wie oft ist das in den Gemeinden so bis auf den heutigen Tag, dass Spannungen auftreten, weil irgend jemand übersehen wurde, ohne jede böse Absicht. Man hat einfach nicht an diesen Menschen gedacht. Und schon sind Spannungen in der Gemeinde dar.

 

Aber die entscheidende Frage ist: Wie gehen damals die Christen, wie gehen die Apostel damit um, als sich plötzlich Unmut breit macht, als man anfängt zu murren? Vielleicht ist das für uns heute ja auch noch eine Hilfe, wie wir mit einer solchen Situation umgehen können.

 

Die Apostel rufen die ganze Gemeinde zusammen, heute würde man sagen, sie berufen eine Pfarrversammlung ein. Und dann entschuldigt sich Petrus nicht vor der versammelten Gemeinde: „Es tut mir leid, dass das passiert ist.“ Er verspricht auch nicht Besserung: „Ich werde mich darum kümmern, dass das so nicht wieder vorkommt.“ Nein, Petrus gibt eine Grundsatzerklärung ab. Und die lese ich noch einmal vor: Petrus erklärte der Gemeinde: „Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und uns dem Dienst an den Tischen zuwenden.“ Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen. Das heißt mit anderen Worten: Die erste Priorität in der Gemeinde ist, dass das Wort Gottes verkündet wird. Das darf auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Wenn das Wort Gottes nicht mehr der Mittelpunkt im ganzen Gemeindeleben ist, dann wird die Gemeinde auf die Dauer leer und hohl, selbst wenn noch so viele Aktivitäten in der Gemeinde angeboten werden. Das Wort Gottes darf nicht vernachlässigt werden.  

Und das gilt nicht nur damals, das gilt heute genau so. Ich glaube, hier liegt heute in unseren Gemeinden eine große Not. Ich sag in diesem Zusammenhang auch einmal: Es ist wichtig, dass die Gemeinde die Priester, die Diakone, alle, die mit der Verkündigung des Wortes beauftragt sind, nicht so mit allen möglichen Aufgaben organisatorischer Art überlasten, dass für die Verkündigung des Wortes Gottes keine Zeit mehr bleibt.

Wie oft habe ich erlebt, dass Priestern die Predigt eine Last geworden ist. Nicht weil ihn die Verkündigung des Wortes Gottes keine Freude mehr macht, sondern weil ihnen die vielen organisatorischen Arbeiten einfach keine Luft mehr lassen, dass sie sich gründlich auf die Predigt vorbereiten können. Da liegt ganz große Not in unseren Gemeinden heute.

 

Auf der anderen Seite gilt das natürlich auch für uns Priester. Wenn wir Priester uns nicht mehr um das Wort Gottes kümmern, wenn wir uns nicht mehr darum bemühen, wenn wir die Predigt so eben mit der linken Hand erledigen, dann versündigen wir uns an der Gemeinde. Denn die Gemeinde braucht die Verkündigung des Wortes Gottes.

 

Am Ende unserer Lesung heißt es: „Die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer.“ Was wären wir froh, wenn wir heute sagen könnten, dass die Zahl der Jünger in unseren Gemeinden immer größer wird. Aber man muss in der Lesung auch den Satz mitlesen, der unmittelbar davor steht. Da heißt es unmittelbar vorher: „Das Wort Gottes wuchs und breitete sich aus.“ Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Verkündigung des Wortes Gottes und dem Wachstum der Gemeinde. Das lässt sich in der Kirchengeschichte immer wieder feststellen.

Aber es gilt nicht nur für uns Priester, es gilt letztlich für alle in der Gemeinde. Wenn wir das Wort Gottes vernachlässigen, dann dürfen wir uns nicht wundern, dass zwar noch viel Betriebsamkeit in unseren Pfarrgemeinden da ist, dass wir aber innerlich immer leerer werden, dass es mehr Schein als Sein ist.

Petrus erklärt mit großem Nachdruck: „Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen.“ Und das ist mir persönlich ein Herzensanliegen in meinem Priesterleben geworden. 

 

 

Ein Zweites:

Wenn Petrus die Wichtigkeit der Verkündigung so mit Nachdruck betont, ist dann der soziale Dienst, z.B. Essen auf Rädern auszutragen, unwichtig? Nein, überhaupt nicht! Aber wie soll das denn gehandhabt werden? Und da bekommen wir, bis in Kleinigkeiten hinein, auch für unsere Gemeinden heute wichtige Hinweise:

 

Petrus sagt: „Wählt aus eurer Mitte sieben Männer, die diesen Dienst tun.“ Lasst uns einmal ganz genau diesen Satz unter die Lupe nehmen. Petrus sagt nicht: Wir, die Apostel wählen jetzt sieben Männer. Heute heißt es ja in den Gemeinden oft: Wenn der Pfarrer jemanden braucht, dann soll er doch Leute für diesen Dienst ansprechen. Nein, nicht der Pfarrer, nicht die Apostel suchen sich ein paar Leute, sondern die Gemeinde wählt. Sie, die Gemeinde, schaut sich um nach geeigneten Männern, die diesen Dienst tun können.

Noch etwas, es sind die Kleinigkeiten. Petrus sagt: „Wählt aus eurer Mitte sieben Männer.“ Heute ist oft die Tendenz: Wenn man irgendeinen Dienst braucht, dann ruft man den Caritasverband an, oder man schreibt zum Bischof und bittet um einen hauptamtlichen Pastoralreferenten oder vielleicht um einen Sozialarbeiter für die Jugendarbeit usw. Petrus sagt aber nicht: „Schreibt zum Bischof von Jerusalem, dass er euch jemanden schickt“, sondern: „Wählt aus eurer Mitte Männer, die diesen Dienst tun.

 

Noch etwas, es ist wieder so eine Kleinigkeit: Heute würde man diesen Aufruf wahrscheinlich anders formulieren: „Wählt aus eurer Mitte sieben Frauen, die diesen Dienst tun.“ Es ist ja eine Tatsache, dass heute in den Gemeinden die sozialen Dienste fast nur noch von Frauen wahrgenommen werden. Nur ganz vereinzelt sind auch Männer dabei. Es ist beachtenswert, dass Petrus hier sagt: „Wählt euch sieben Männer aus eurer Mitte.“

Ist das nicht ein Mangel in unserer Kirche, dass die Männer in unseren Gemeinden sich aus den sozialen Diensten weitestgehend zurückgezogen haben. Vielleicht tun sie andere Dinge. Aber dieser Dienst, Essen auf Rädern auszuteilen, sich um soziale Dinge zu bemühen, ist nicht nur eine Sache von Frauen. Dabei möchte ich diese Arbeit der Frauen überhaupt nicht abwerten. Das ist ein unschätzbaren Dienst. Aber wir Männer dürfen uns daraus nicht total zurückziehen und das einfach den Frauen zuschieben. Petrus sagt mit großem Nachdruck: „Wählt aus eurer Mitte sieben Männer, die diesen Dienst tun.“

 

Und noch etwas:

Die Männer, die diesen Dienst dann tun sollen, müssen ganz bestimmte Qualifikationen haben. Es wird nicht einfach hinten in der Kirche eine Liste ausgelegt, und da kann sich jeder eintragen, der bereit ist, mitzumachen. Petrus geht auch nicht einfach von Haus zu Haus und fragt: Wäre dieser Dienst nichts für dich? Hauptsache, wir finden überhaupt Bereitwillige. Nein, Menschen, die solchen Dienst tun, müssen ganz bestimmte Qualifikationen erfüllen. Und die werden sehr deutlich genannt:

 

Erstens: Sie müssen einen guten Ruf haben. - Das würden wir ja vielleicht heute auch noch gelten lassen. Aber dann kommt ein zweites Kriterium: Sie müssen erfüllt sein mit dem Heiligen Geist.

Sehr interessant! Selbst für solche ganz einfachen Dienste, wie Essen auf Rädern ausfahren, braucht man die Erfüllung mit dem Heiligen Geist.  

Wenn jemand eine Predigt halten soll, oder wenn jemand Kinder auf die Firmung auf die Erstkommunion vorbereitet, dann sind wir vielleicht heute auch der Meinung, dass da der Heilige Geist nötig ist. Nein, wenn einer irgendeinen noch so kleinen Dienst in der Gemeinde tut, ob das der Küsterdienst ist, ob das der Organistendienst ist, ob man einen Menschen im Rollstuhl ausfährt, ob man Essen aus Rädern rund bringt, für jeden Dienst brauchst du die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Sonst wird dieser Dienst nur ein Job. Und man kann sehr deutlich merken, aus welchen Geist heraus so ein Dienst getan wird.

 

Ich will ihnen dafür ein Beispiel sagen:

Ich habe einmal in meiner Kaplanszeit eine Frau im Krankenhaus besucht, die längere Zeit im Krankenhaus gewesen ist. Die gleiche Frau hatte im selben Krankenhaus einige Jahre vorher schon einmal für längere Zeit auf der gleichen Station gelegen. Als sie sie jetzt besuchte, sagte sie mir: „Es ist hier alles wunderbar. Ich werde bestens versorgt. Es klappt alles reibungslos. Und trotzdem ist etwas anders, als zu der Zeit, wo ich das letzte Mal hier war.“

In der Zwischenzeit waren aus dem Krankenhaus die Ordensschwestern abgezogen worden. Und auf dieser Station war eine Ordensschwester damals Stationsschwester gewesen. Die Frau sagte: „Ich kann mich wirklich nicht beklagen. Aber die Atmosphäre ist anderes geworden. Die Versorgung klappt.“ Aber, sie drückte das so aus: „Es sieht keiner mehr nach mir.“

 

Da merkte man: Es ist nicht egal, ob ich einen Job mache, weil das mein Beruf ist, oder ob so ein Dienst meine Berufung ist. Und für eine Berufung brauchst Du die Erfüllung mit dem Heiligen Geist. Wenn jemand aus dem Heiligen Geist heraus einen solchen Dienst tut, dann begegnet Jesus selber dem Kranken, dem Behinderten, der Witwe, die Essen braucht.

Hier liegt etwas ganz Wichtiges: dass wir erfüllt werden mit dem Heiligen Geist. Und jeder, der einen solchen Dienst in der Gemeinde übernimmt, ganz gleich an welchem Platz: Bevor du diesen Dienst tust: Bete um den Heiligen Geist.

In jeder Situation bete um den Heiligen Geist. Und du wirst diese Dienste anders tun. Wenn du dann im Gottesdienst den Dienst als Lektorin hast, dann wird aus diesem Vorlesen Verkündigung. Wenn du den Dienst hast, im Chor mitzusingen, und dann wird aus dem Chorgesang Verkündigung. Und man spürt den Unterschied sehr deutlich, aus welcher Quelle und aus welcher Kraft heraus diese Dienste getan werden.

 

Ich habe schon darauf hingewiesen, das es am Ende der Lesung heißt: Die Zahl der Jünger in Jerusalem wurde immer größer. Und da steht noch eine kleine Bemerkung dabei, die ich bisher immer überlesen habe. Es steht ausdrücklich dabei: „Auch eine große Anzahl von Priestern nahm den Glauben an.“

Könnte es sein,  -  wir haben ja heute großen Priestermangel in unseren Gemeinden,  -  dass wir dann wieder mehr Priester bekommen, wenn die ganze Gemeinde wieder lernt, die Aufgaben zu verteilen. Wenn die Gemeinde wieder lernt: Wir müssen uns umsehen. Wenn die Gemeinde wieder lernt: Die Priester sind verantwortlich für die Verkündigung des Wortes Gottes. Das ist ihr erster und wichtigster Dienst. Und wenn eine Gemeinde wieder lernt: Wir alle leben aus der Kraft des Heiligen Geistes, oder wir leben eben nicht mehr. Könnte es sein, dass das viele junge Männer heute abgeschreckt sind, Priester zu werden, weil sie Sorge haben, dass sie mit allen möglichen organisatorischen Dingen zugedeckt werden und nicht mehr zu dem kommen, was ihre eigentliche Berufung ist?

 

Die wesentlichen Prinzipien:

Das Wort Gottes darf nicht vernachlässigt werden.

Die Gemeinde selber muss aktiv werden.

Und für jeden Dienst brauchen wir die Erfüllung mit dem Heiligen Geist.

Amen.

 

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Predigttext:   Joh 14,1-6

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es war mitten im dichtesten Urwald; weit und breit war kein Weg zu entdecken. Mitten in diesem dichten Urwald auf einer Lichtung steht eine kleine Gruppe von Menschen. Diese Menschen wissen: Irgendwo am Ende des Urwaldes ist ‚Leben in Fülle’; oder die Bibel würde sagen: Da ist ‚Ewiges Leben’.

Aber wo ist der Weg zu diesem ‚Ewigen Leben’? Überall nur Dickicht, undurchdringliches Dickicht. Gut, von den Menschen hat jeder ein Buschmesser in der Hand. Aber wer weiß denn schon den Weg?

 

Als die Menschen ratlos da stehen, kommt plötzlich Mohammed auf die Lichtung. Er sagt diesen Menschen: „Wenn ihr Leben haben wollt, Leben in Fülle, dann müsst ihr in diese Richtung gehen und euch einen Weg frei schlagen.“ Und er zeigt mit ausgestrecktem Arm in eine bestimmte Himmelsrichtung. Er sprach es und verschwand wieder.

Einer von den Menschen auf der Lichtung fängt an, mit seinem Buschmesser in diese Richtung zu gehen. Er versucht, mit seinem Buschmesser einen Weg frei zu schlagen. Aber nach wenigen Metern merkt er: Ich habe gar keine Kraft dazu, ich bin total erschöpft.

 

Kurze Zeit später kommt Buddha auf die Lichtung und sagt zu der Gruppe von Menschen: „Ihr müsst in diese Richtung schlagen. Wenn ihr in diese Richtung geht, ich weiß es ganz genau, dann kommt ihr zur Erleuchtung, dann kommt ihr zum ewigen Leben.“ Und auch er weist mit der Hand in eine bestimmte, aber ganz andere Richtung.

Wieder nimmt einer sein Buschmesser und fängt an, in die angezeigte Richtung mitten in den Urwald hinein einen Pfad zu schlagen. Aber auch er merkt nach wenigen Metern: Ich schaffe es einfach nicht, ich bin viel zu schwach.

 

Wieder eine Zeit später kommt ein Hinduist und sagt: „Ihr habt die falsche Richtung. Nicht in die Richtung, nein in diese Richtung müsst ihr euch einen Weg frei schlagen. Wenn ihr in diese Richtung schlagt, dann kommt ihr im Nirwana an, im ewigen Leben.“ Nun hat man den Menschen auf der Lichtung im Urwald schon die dritte Richtung gewiesen.

Und auch jetzt versucht es einer, in diese Richtung einen Weg zu bahnen. Aber auch der scheitert an dem dichten, undurchdringlichen Urwald. Sie alle schaffen es einfach nicht. Keiner hat die Kraft dazu.

 

Und dann kommt Jesus auf diese Lichtung. Er schaut sich die Gruppe von Menschen an und sagt ihnen: „Ich weiß, ihr sucht alle ‚Leben in Fülle’, das ‚Ewige Leben’. Und ich weiß, wo dieses Leben zu finden ist. Aber ich sehe euer Problem: Ihr habt zwar Buschmesser, aber ihr habt nicht genügend Kraft.“

 

Und dann bleibt Jesus vor einem Mann stehen, schaut ihn an und sagt zu ihm: „Gibst du mir dein Buschmesser?“

Das war die einzige Verteidigungswaffe, die der Mann hatte.

„Gibst du mir dein Buschmesser?“

Nach einigem Zögern gibt der Mann Jesus sein Buschmesser.

Dann sagt Jesus: „So, ich schlage jetzt für euch den Weg frei.“ Und dann sagt er zu dem Mann, der ihm das Buschmesser gegeben hat: „Weißt du, was du tun kannst: Du kannst hinter mir her gehen, du kannst mir nachfolgen.“

Jesus nimmt das Buschmesser, geht los und schlägt einen Weg in dieses Dickicht, Meter für Meter, Kilometer für Kilometer. Und was tut der Mann, dem das Buschmesser gehört: Einfach nur hinterher gehen, ihm nachfolgen.

 

Als er so einige Kilometer hinter Jesus her gegangen ist, da wird ihm das auf einmal zu dumm. Da klopft er Jesus von hinten auf die Schulter und sagt: „Hör mal, soll ich denn einfach nur hinter dir hergehen? Hast du denn nichts Sinnvolleres für mich zu tun? Immer nur hinter dir herlaufen?“

Jesus dreht sich um, schaut ihn an und sagt: „Stimmt, du hast recht! Aber was kannst du denn sinnvoll tun? Schlagen mit dem Buschmesser kannst du nicht. Dafür hast du nicht genug Kraft, das haben wir ja gemerkt. Aber ich weiß, was du sinnvollerweise tun kannst. Pass mal auf, du gehst jetzt den Weg zurück auf die Lichtung, zu den anderen Leuten. Und dann sagst du ihnen: ‚Ich habe den Weg gefunden! Kommt doch mit auf diesen Weg hinter Jesus her!’ Das kannst du tun.“

Der Mann geht zurück bis auf die Lichtung und sagt diese Botschaft allen Leuten, die da noch auf der Lichtung stehen.

Ob sie mitgegangen sind? Keine Ahnung.

 

Sehen Sie, diese kleine Geschichte zeigt uns im Tiefsten einen ganz wesentlichen Unterschied zwischen allen Religionen und dem Christentum. In allen Religionen geht es letztlich um das ‚Ewige Leben’. Ob man das ‚Paradies’ nennt, ‚Nirwana’ nennt, ‚Erleuchtung’ ‚Himmel’ oder wie auch immer. Und es geht in allen Religionen um die Frage: Was muss ich tun, um das Ewige Leben zu gewinnen. Aber alle Antworten, die die verschiedenen Religionen geben, nehmen keine Rücksicht, ob du das erfüllen kannst, oder ob du zu schwach bist, das zu tun. Es geht immer um die Frage was muss ‚ich’ tun.

Nur im Christentum geht es um die andere Frage: Was tut Jesus, damit ich das ewige Leben gewinne. Oder noch besser gesagt: Was hat er getan. Er hat das getan, was der Mensch in seiner Schwachheit nicht konnte, er hat den Weg frei gemacht.

Und in allen Religionen geht es letztlich darum, dass die großen Religionsstifter wie Wegweiser waren. Wenn du in diese oder in jene Richtung gehst, dann kommst du an.

Aber Jesus sagt in unserem Evangelium nicht: Ich bin der Wegweiser, sondern er sagt: Ich bin der Weg. Der Weg zum Leben hat einen Namen, und dieser Name ist Jesus Christus.

Wer zum Leben kommen will, muss sich an Jesus halten, an ihn ganz allein.   Amen.

 

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