Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

5. Ostersonntag B
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Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

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unter dem Stichwort Kassettendienst .

Predigt zur 1. Lesung:   Apg 9,26-31

Predigt zur 2. Lesung:  1 Joh 3,18-24        Predigt im mp3 Format

Predigt zum Evangelium:  Joh 15,1-8

Predigttext:    Apg 9,26-31

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Die Angst steckte den Jesusjüngern nach der Kreuzigung Jesu ganz tief in den Knochen. Am Ostersonntagabend sitzen sie aus Furcht vor den Juden zusammen hinter verschlossenen Türen, so steht es im Johannesevangelium. Aber dann war ihnen der Auferstandene begegnet, und sie waren froh geworden. Sie haben Pfingsten erlebt, wo sie mit der Kraft des Heiligen Geistes, mit der Kraft aus der Höhe ausgestattet wurden. Und sie haben mit Vollmacht Zeugnis abgelegt für Jesus Christus, den auferstandenen Herrn.

Aber dann passierte die Sache mit Stephanus. Stephanus war einer von den sieben Diakonen und er hat mit den Hellenisten diskutiert. Die Hellenisten waren griechisch sprechende Juden. Er hat versucht, sie für Jesus zu gewinnen. Er hat versucht, sie davon zu überzeugen, dass dieser Jesus von Nazaret wirklich der von Gott verheißene Messias ist.

Aber die Hellenisten wollten sein Zeugnis nicht annehmen. Als sie keine Argumente mehr hatten, haben sie Pflastersteine genommen, und haben so lange mit den Steinen auf den Stephanus geworfen, bis er gestorben ist. Und wer hatte das befohlen? Wer hatte das Kommando gegeben, den Stephanus durch Steinigung zu töten? Ein junger Mann namens Saulus.  

Dann brach nach der Steinigung des Stephanus in Jerusalem eine große Christenverfolgung aus. Alle Jünger wurden zerstreut in alle Himmelsrichtungen, nur die Apostel blieben in Jerusalem. Und wer hatte diese Verfolgung angezettelt? Wieder dieser junge Mann, Saulus, ein Pharisäerschüler, ein Gelehrter aus Tarsus, in der heutigen Türkei, gegenüber der Insel Zypern.  

Saulus hat die Christen in Jerusalem verfolgt, er hat sie ins Gefängnis geworfen, er hat sie dem Tod ausgeliefert. Und jetzt war er unterwegs nach Damaskus, der syrischen Hauptstadt. Er hatte Briefe bekommen, Haftbefehle, um auch dort die Christen gefangen zu nehmen und gefesselt nach Jerusalem zu bringen. Die Angst saß den Jüngern ganz tief in den Knochen.

Können Sie sich vorstellen, was in Jerusalem los war, als es plötzlich heißt: Dieser Saulus möchte in die Gemeinde der Jesusjünger aufgenommen werden, er möchte gerne Mitglied der Gemeinde  in Jerusalem werden? Keiner von den Jüngern hat das geglaubt. Der, der uns so verfolgt hat, der soll sich jetzt bekehrt haben. Der hat so viele ans Messer geliefert. Und der will jetzt Gemeindemitglied werden. Das kann nur ein Trick sein. Er will sich einschleichen und dann von innen heraus Argumente sammeln, um dann noch viel brutaler loszuschlagen. Und als Saulus in die Gemeindeversammlung kommt, da trifft er auf eisiges Schweigen und auf Ablehnung.

Was wäre wohl aus der Kirche geworden, wenn sich dieses eisige Schweigen, diese Ablehnung durchgesetzt hätte? Aber da gab es in Jerusalem in der Gemeinde einen Mann mit Namen Barnabas. Ursprünglich hieß er Josef. Er war ein Vetter des Evangelisten Markus, der das Markusevangelium geschrieben hat, ein Levit von der Insel Zypern.

Man hatte ihm, dem Josef, den Beinamen Barnabas gegeben, das heißt auf deutsch: Sohn des Trostes. Und wenn wir die Geschichte dieses Barnabas lesen, der in der Apostelgeschichte und in den Paulusbriefen mehrfach genannt wird, dann spüren wir: Das war wirklich ein Sohn des Trostes. Er war ein Mann, der nicht polarisiert hat, sondern der ausgleichend gewirkt hat.

Dieser Barnabas hat den Saulus, der später Paulus hieß, an die Hand genommen und hat ihn mit in die Gemeindeversammlung in Jerusalem genommen. Er hat für ihn ein gutes Wort eingelegt. Er war nicht misstrauisch, sondern er hat dem Saulus Vertrauen geschenkt. Er hat sich dessen ganze Bekehrungsgeschichte erzählen lassen. Und er hat dafür geworben, dass die Gemeinde in Jerusalem den Saulus in ihre Mitte aufnahm.

Was ist das gut, wenn wir in der Kirche solche Menschen haben, die ausgleichen können, die nicht aus Prinzip schon misstrauisch sind gegenüber allem anderen, sondern die auch mal einen Vorschuss an Vertrauen schenken können, so wie es Barnabas getan hat.

 

Dann, was macht der Apostel Paulus, nachdem man ihn in die Gemeinde aufgenommen hatte: Er geht sofort in Jerusalem zu den Hellenisten, zu den griechisch sprechenden Juden, mit denen schon Stephanus diskutiert hatte. Er fängt an, den Juden mit großer Beredsamkeit nachzuweisen, dass Jesus wirklich der Messias ist. Und Saulus als Pharisäerschüler kannte die Heilige Schrift. Der kannte auch die Art und Weise, wie man mit den Leuten diskutieren musste.

Aber es war genau wie bei Stephanus: Die Juden wollten das nicht hören. Sie beschlossen, ihn zu töten. Und als die Jünger, die Gemeindemitglieder, davon Wind bekamen, haben sie nachts den Paulus genommen, haben ihn nach Cäsarea ans Meer gebracht, haben ihn eingeschifft und haben ihn in seine Heimatstadt Tarsus geschickt.

Saulus war eigentlich genau das Gegenteil von Barnabas. Wenn Barnabas ein ruhiger, ausgeglichener Mensch war, dann war Saulus eher ein unruhiger Geist, der auch oft polarisiert hat. Vielleicht kann man auch sagen ohne Übertreibung: er war ein Stückchen radikal. Ich kann mich gut erinnern, als ich im Priesterseminar war, da hat unser geistlicher Leiter, unser Spiritual, uns mehr als einmal gesagt: Ich hätte nicht bei Paulus Kaplan sein wollen, das wäre mir zu unruhig gewesen.

Ja, Paulus war ein unruhiger Geist. Er ist überall hingezogen, ist nirgendwo lange geblieben. Der ist in jeder Gemeinde rausgeschmissen worden. Er hat wirklich auch die „Gabe“ gehabt zu polarisieren.

Und sehen sie, diese beiden gegensätzlichen Typen, die kommen zusammen, Barnabas und Saulus. Als sich dann in Antiochia die erste Christengemeinde bildet, in einer der größten Städte des römischen Reiches, da fährt Barnabas nach Tarsus und holt den Saulus wieder zurück: Wir können dich gebrauchen. Schließlich sind Barnabas und Saulus gemeinsam auf die erste Missionsreise gegangen. Und sie haben sich offensichtlich gut ergänzt.

Aber wenn zwei so gegensätzliche Typen zusammen kommen, dann kann es auch Streit geben. Den hat es bei denen auch gegeben. Die haben sich so sehr an die Köpfe gekriegt, dass sie bei der zweiten Missionsreise nicht mehr zusammen auf Missionsreise fahren konnten. Sie sind im Streit auseinander gegangen. Aber später, viel später, das erfahren wir in den Paulusbriefen, haben sie sich offensichtlich auch wieder versöhnt.  

 

Und so spiegelt sich in diesen beiden Typen, Barnabas und Saulus, eigentlich die ganze Kirche wieder. Die Kirche braucht beides. Sie braucht den Draufgänger, der vorprescht. Das ist der Saulus oder später Paulus. Und sie braucht auch den Barnabas, der ausgleicht, der die Dinge wieder zusammenführen kann.

Wenn es am Ende unserer Lesung heute geheißen hat: „Die Kirche wuchs durch das Wirken des Heiligen Geistes“, dann steht dahinter sowohl Paulus in seiner ganzen Wesensart, wie auch Barnabas in seiner ganzen Wesensart. Beide waren offen für das Wirken des Geistes. Nicht dass man unterschiedlich, sogar extrem unterschiedlich ist, ist entscheidend.  Die Frage ist: Sind wir alle in unserer Unterschiedlichkeit offen für das Wirken des Heiligen Geistes? Dann kann beides zusammenkommen, und dann kann die Kirche wachsen. Das gilt auch für die Kirche heute.  Amen.

 

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Predigttext:      1 Joh 3,18-24

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Vor einiger Zeit habe ich einen Bibeltag gehalten für Mitglieder eines Pfarrgemeinderates, es waren vielleicht 10 Teilnehmer. Ich kannte die Mitglieder des Pfarrgemeinderates alle nicht. Zu Beginn dieses Bibeltages habe ich die Teilnehmer gefragt: „Wenn du die Möglichkeit hättest, heute Jesus persönlich zu begegnen, wärest du daran interessiert? Oder wärst du daran nicht interessiert?“ Wenn ja, vielleicht dann auch noch die Antwort: Warum wärst du interessiert. Oder wenn nein, warum nicht? Wenn du die Möglichkeit hätte es heute Jesus persönlich zu begegnen …

Wie würden Sie denn heute auf diese Frage antworten? Es lohnt sich, darüber einmal nachzudenken.

Es war interessant, welche Antworten dann bei den Mitgliedern des Pfarrgemeinderates kamen. Sie waren ja alle auf diese Frage nicht vorbereitet. Das sagte eine ganze Reihe von Teilnehmern: „Natürlich möchte ich Jesus begegnen. Ich möchte mal sehen, wie er aussieht …“ und noch viele so ganz äußerliche Dinge.

Es sagte auch  jemand: „Dann könnte ich ihn endlich auch einmal fragen, ob das in der Bibel alles so stimmt, wie es da geschrieben steht.

Aber dann sagten zwei Frauen auch: „Nein, ich möchte ihm lieber nicht begegnen.“ Und das waren zwei Frauen, die in der Pfarrgemeinde sehr aktiv waren. Und man spürte bei denen auch, dass sie wirklich im Glauben verwurzelt waren. Das zeigte sich an diesem Bibeltag. Aber nein, sie wollten Jesus nicht persönlich begegnen. Und dann sagte die eine der beiden Frauen: „Ich hätte Angst, was er dann wohl zu meinem Leben sagt.“ Die andere Frauen sagte ganz ähnlich: „Ich glaube, wenn ich vor ihm stehen würde, dann würden mir alle meine Sünden wieder einfallen.“

Ihm persönlich begegnen – nein lieber nicht.

Interessant ist, dass es oft gerade bei solchen Menschen Ängste gibt, die wirklich im Glauben verwurzelt sind. „Dann kommen alle meine Sünden wieder hoch“, oder so ähnlich. Wie oft habe ich Ähnliches schon gehört bei älteren Gottesdienstbesuchern, die dann z.B. gesagt haben: „Ob ich wohl würdig bin, dass ich zur Kommunion gehen kann?“ Kein Mensch aus der Gemeinde würde auf die Idee kommen, dass gerade diese Personen sich das fragen würde. Aber das ist manchmal so: Dann kommen mir alle meine Sünden wieder hoch.

 

Für solche Menschen hat unsere Lesung aus dem ersten Johannesbrief eine frohe Botschaft. Da schreibt Johannes: „Wenn uns unser Herz verurteilt, (mit anderen Worten: wenn plötzlich alles in unserem Herzen hochkommt, was an Schmutz, an Sünde drin ist), wenn unser Herz uns verurteilt, dann dürfen wir unser Herz in seiner Gegenwart beruhigen, denn Gott ist größer als unser Herz, und er weiß alles.“

„Er weiß alles.“ Da fällt mir eine Begebenheit ein von Simon Petrus. Petrus hatte ja vor dem Leiden Jesu eine ganz große Klappe riskiert: „Und wenn ich mit dir sterben müsste, ich werde dich nicht verlassen.“ Ich bin doch der Petrus. Und in der gleichen Nacht kommt ein kleines Dienstmädchen am Feuer im Hof des Hohenpriesters: „Du warst doch auch bei diesem Jesus.“ Und dann hebt Petrus dreimal die Hand hoch: „Ich kenne den überhaupt nicht.“

Aber als dann Jesus dem Petrus nach der Auferstehung begegnet am See Genesareth, da fragte ihn dreimal: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Und als Jesus zum dritten Mal fragt: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich, hast du mich lieb?“, da heißt es im Evangelium: Da wurde Petrus traurig. Da kam in ihm nämlich alles wieder hoch, wie er Jesus dreimal verleugnet hatte, wie er dreimal geschworen hatte: Ich kenne den überhaupt nicht. Da kam in ihm hoch, dass das alles nur leere Sprüche waren: „Ich werde dich nie verlassen.“ All das kommt in dem Augenblick wieder hoch.

Aber die Antwort, die Petrus dann gibt, die lässt tief in sein Herz blicken: „Herr, du weißt alles …“ Wie hieß das im ersten Johannesbrief: „Wenn unser Herz uns verurteilt, Gott ist größer als unser Herz, und er weiß alles. Genau das sagt Petrus hier: „Herr, du weißt alles.“ Du weißt, dass ich Sprüche gemacht habe. Du weißt, dass ich dich dreimal verleugnet habe. Du weißt, wie schwach und klein meine Glaube oft ist … Aber du weißt auch, dass ich dich lieb habe, das im tiefsten Herzen dieser Funke in mir ist, dass ich dich lieb habe.

 

Das ist das Große: Gott weiß um alles. Es sieht alles, was in deinem Herzen ist. Und er sieht ganz tief in deinem Herzen auch den Funken des Glaubens und den Funken der Gottesliebe, die in dir vorhanden ist. Und er will diesen Funken wieder zum Glühen bringen durch seinen Heiligen Geist. Gott ist größer als unser Herz, das uns verurteilt. Keiner muss Angst haben. Wir dürfen unser Herz beruhigen.

 

Aber Johannes geht noch einen Schritt weiter. Er sagt: „Wenn unser Herz uns nicht verurteilt“, - das gibt es ja auch, dass wir ehrlichen Herzens sagen können: Ich bin mit Gott im Reinen. Dafür braucht man sich doch nicht zu schämen, wenn man wirklich sagen kann: Gut, in meinem Leben ist manches nicht in Ordnung, aber irgendwo in meinem tiefsten Herzen bin ich doch mit Gott im Reinen; mein Herz verurteilt mich nicht.

Und nun schreibt Johannes: Wenn das so ist, wenn du mit Gott im Reinen bist, „dann haben wir Gott gegenüber Zuversicht.“ Dieses Wort ‚Zuversicht’ ist im Neuen Testament ein ganz wichtiges Wort. Wenn man das griechische Wort „parhesia“ ganz wörtlich übersetzt, dann heißt dieses Wort: ‚Redefreiheit’. Das war das Recht der freien Bürger in der griechischen Volksversammlung, dass sie Redefreiheit hatten, dass sie den Mund aufmachen durften.

Wenn wir nun wissen, dass unser Herz uns nicht verurteilt, dann haben wir vor Gott Redefreiheit. Deren dürfen wir mit Zuversicht zu ihm hingehen, ohne dass wir uns schämen müssten. Dann brauchen wir im buchstäblichen Sinn kein Blatt vor den Mund nehmen. Dann dürfen wir all unsere Freude, all unseren Jubel bei ihm aussprechen. Aber auch unseren Frust, unsere Not, unsere Sorgen, alle Situationen, wo wir Gott nicht verstehen.

Die großen Männer und Frauen der Bibel, die diese Redefreiheit praktiziert haben, die haben sogar Gott angeklagt. Ich denke da an einen Mann wie Ijob oder auch an viele Psalmengebete. Und trotzdem: Gott hatte an diesen Menschen Wohlgefallen.

 

Das gleiche Wort „parhesia“ wird in der Apostelgeschichte übersetzt mit dem Wort „Freimut“. „Sie verkündete mit Freimut das Wort Gottes.“ Das bedeutet: Wir haben auf der einen Seite Redefreiheit vor Gott. Wir brauchen aber auch nicht zu kriechen vor den Menschen. Wir haben auch den Menschen gegenüber Redefreiheit. Wir dürfen in Treue und Vollmacht unseren Glauben bezeugen. Wir brauchen auch den Menschen gegenüber kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Und das alles, weil unser Herz uns eben nicht verurteilt, und weil Gott größer ist als unser Herz.

Das ist etwas Wunderbares, ein Geschenk des Glaubens: einerseits die Redefreiheit vor Gott, die sich äußert in der Zuversicht, und andererseits die Redefreiheit vor den Menschen, dass wir mit Freimut unseren Glauben bezeugen können vor der Welt.

 

Aber die Frage ist ja doch: Wer darf sich eigentlich diesen Schuh anziehen, diesen Schuh der Redefreiheit? Es gibt ja heute auch eine falsche Art und Weise, wie man sein Herz beruhigt., wenn unser Herz uns angeklagt: „Der liebe Gott wird schon nicht so sein.“

Aber so ist das nicht. Da schreibt Johannes in den gleichen Zusammenhang: „Wir haben diese Freiheit vor ihm, weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt.“ Und dann kommt sein Gebot: „Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben.“

Merkwürdig ist, dass der Name so betont wird. „Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben.“ Eigentlich würde es doch reichen, wenn Johannes sagen würde: „Wir soll ein Jesus Christus glauben.“ Wieso ist eigentlich der Name so wichtig?

Der Name ist Jesus. Dieser Name ‚Jesus’ ist die Kurzform des Namens Jeshua oder Jehoshua (Auch der biblische Name Josua kommt von dieser Wurzel.) Der Name Jesus heißt übersetzt: „Gott rettet. Gott erlöst.“

Vielleicht kennen Sie die Kindheitsgeschichte Jesu nach dem Matthäusevangelium, wo der Engel im Traum zu Josef sagt: „Du sollst ihm den Namen Jesus geben“,  - und dann kommt die Begründung – „denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.“ Das bedeutet der Name Jesus.

Und wenn man das tief im Herzen hat, dass man sich diesem Jesus anvertraut, als dem Erlöser, dann braucht man keine Sorge zu haben, wenn unser Herzen uns anklagt. Dann hat man gerade bei der Anklage des Herzens einen Erlöser. Und das gibt Zuversicht.

 

Man müsste noch viel mehr zu diesem Text aus dem ersten Johannesbrief sagen: „Wir sollen an den Namen Jesus glauben und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht.“ Glauben und Lieben hängen ganz eng zusammen. Wer sich dem Erlöser anvertrauen kann, der kann auch lieben. Das ist eine andere Form des Glaubens, dass es möglich wird, einander zu lieben.

 

Lass Dir heute von Johannes nur diese zwei Dinge mit auf den Weg geben:

Wenn dir alles hochkommt, „ob ich wohl würdig bin, usw.“, vertrau ich diesem Erlöser Jesus an. Denn er wird Dich erlösen von allem, was bei dir hochkommt.

Und nutzte die Freiheit, die Gott Dir schenkt, dass Du mit Zuversicht vor sein Angesicht kommen darfst, und dass Du mit Freimut deinen Glauben vor den Menschen bezeugen darfst.  Amen.

 

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Predigttext:    Joh 15,1-8

 

Predigt im MP3 Format

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es gibt wohl kaum eine Jahreszeit, wo es so viel Freude macht, durch die Gärten zu gehen in den Siedlungen unseres Dorfes. Überall wächst alles, grünt alles, blüht alles. Und es ist eine wunderbare Pracht, wenn man sich die Gärten mit den Bäumen, Sträuchern und Blumen anschaut.

 

Aber es gibt auch das Umgekehrte. Ich war in der letzten Woche in eine Kirche im Emsland. Da war am Sonntag vorher Erstkommunion gewesen. Da hatten sie draußen Buschen aufgestellt, Sträucher an die Straßenränder, so wie wir das bei der Fronleichnamsprozession tun. Diese grünen Buschen standen erst drei oder vier Tage dort. Aber die Blätter fingen schon an, sich zusammenzudrehen, sich zu kräuseln. Und ich bin ganz sicher: Heute, eine Woche später, sind die schon ganz verdorrt. Vielleicht hat man sie jetzt schon auf einen Haufen geworfen, und dann werden sie verbrannt. In dieser Kirche stand eine große Vase mit einem blühenden Kirschzweig. Aber der war auch schon einige Tage alt, und auch dort kräuselten sich schon die Blätter. Eine Augenweide war das nicht mehr.

 

Woran liegt das? Was macht den Unterschied, ob man ein blühender Zweig ist oder ein verdorrter Zweig? Der Unterschied ist ganz einfach: In dem Augenblick, wo ich einen Zweig vom Baum abschneide, da kann der in der Vase vielleicht noch blühen. Vielleicht blüht der noch viel schneller als am Baum. Aber in dem Augenblick, wo er abgeschnitten ist, steckt der Tod in diesem Zweig. Und eins ist ganz sicher: Wenn du zum Beispiel einen Kirschzweig vom Baum abschneidest, dann mag der vielleicht noch blühen, aber Kirschen wirst du an diesem Zweig mit Sicherheit nicht finden. Er ist abgeschnitten; der Lebenssaft des Baumes kann nicht mehr durch ihn strömen.

 

Das gleiche Bild gebraucht Jesus im Evangelium für die Menschen. Da geht es um einen Weinstock und die Rebzweige. Jesus sagt: Du hast die Wahl, als Christ ein blühender Zweig zu sein, an dem jeder seine Freude hat, der Früchte trägt. Oder du kannst ein verdorrte Zweig zu sein, der zu nichts mehr nütze ist, den man wegwirft und verbrennt.

Und auch hier die Frage: Wo liegt der Unterschied? Der Unterschied liegt darin, ob ein Mensch mit Christus verbunden ist oder nicht.

Nun kann man sagen: Das ist ja nur ein Bild. Aber schauen Dir einmal die Menschen an. Das gibt es beim Menschen tatsächlich. Es gibt Menschen, da ist es eine Freude, wenn man mit denen zusammen sein kann. Die sind immer ausgeglichen; sie nehmen nicht alles sofort krumm, wenn man ihnen einmal auf den Fuß getreten hat. Sie strahlen stets eine Heiterkeit und eine Gelassenheit aus, dass jeder froh ist, wenn er mit ihnen zusammen sein kann. Sie sind wie ein blühender Zweig.

Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen, auch Christen, da brauchst du nur die äußeren Gesichtszüge anschauen: Die laufen ständig mit einem verbissenen und verkniffen Gesicht herum. Sie sehen immer alles schwarz; sie sind von vorne bis hinten Pessimisten. Bei jeder Gelegenheit sind sie beleidigt. Am liebsten hat man mit solchen Menschen gar nichts zu tun und lässt die Finger davon. Sie sind wie ein verdorrte Zweig, der zu nichts mehr nütze ist.

 

Und wieder um die Frage: Woran liegt das? Das Evangelium sagt ganz deutlich: Es liegt an der Verbundenheit mit Jesus Christus. Er ist der Wurzelstock, der Weinstock, an dem wir Rebzweige sind. Und wer abgeschnitten ist, der verdorrt, ganz schlicht.

Mit Jesus verbunden bleiben, damit ist nicht gemeint, dass man sonntags mal eine Stunde zur heiligen Messe geht. Ein Zweig kann ja auch nicht sagen: Ich bin jede Woche eine Stunde am Baum, und das reicht dann. Nein, es geht hier um eine organische Verbundenheit mit Jesus, um eine ständige Verbundenheit.

Aber wenn das so wichtig ist, wie macht man das: in Jesus bleiben? Das kann man ja so leichthin sagen. Aber wie sieht das ganz praktisch aus?

Darauf gibt es mehrere Antworten: Heute aus unserem Evangelium nur eine, wichtige Antwort. Das sagt Jesus in gleichen Atemzug: „Wenn ihr in mir bleibt, und wenn meine Worte in euch bleiben, dann trat ihr reiche Frucht.Da wird nebeneinander gesetzt: Ihr bleibt in mir, wenn meine Worte in euch bleiben. Das ist eine Weise, wie wir mit Jesus verbunden sind: wenn sein Wort in uns ist.

Damit ist nicht gemeint, dass jeder den ganzen Tag mit einer kleinen Bibel herumlaufen muss und ständig in der Bibel lesen muss. Das kann ja gar keiner, das kann nicht einmal der Papst. Hier geht es vielmehr um die Frage: Darf das Wort Gottes, das Wort der Heiligen Schrift, unser Leben wirklich prägen? Hat das Wort Gottes überhaupt Raum bei uns? Hat es Platz bei uns, in unseren Herzen? Ich habe Sorge, gerade bei uns Katholiken, dass das Wort Gottes bei uns praktisch keinen Raum hat.

Machen Sie einmal nächsten Sonntag einen Test. Wenn sie nach der heiligen Messe nach Hause kommen, dann überlegen Sie einmal: Welches Evangelium wurde heute gelesen? Machen Sie einmal am nächsten Sonntag den Test. Oder eine andere Frage: Wissen Sie noch, was für eine Lesung eben in dieser heiligen Messe gelesen wurde?

Manchmal steht man dann ganz ratlos da. Das geht uns Priestern auch so. Nicht dass ich Ihnen jetzt einen Vorwurf machen will. Manchmal habe ich über ein Evangelium gepredigt, und dann denke ich: Was war in der letzten Woche noch für ein Evangelium dran?

Aber wie soll denn das Wort Gottes unser Leben prägen, wenn es sofort weg ist, wenn man es sich hat durch den Kopf gehen lassen, das heißt: an einem Ohr rein und am anderen Ohr raus.

Es ist wichtig, dass das Wort Gottes unser Leben prägen kann. Ich musste es nicht auswendig können, sondern ich muss es im Herzen haben, ich musste es gleichsam „inwendig“ haben. Es kommt auf auch nicht auf Menge der Bibelworte an. Manchmal ist es ein Wort, eine Geschichte, die mich prägt.

 

Wenn das Wort Gottes in uns Raum hat, dann wird das Wort Gottes uns verändern. Es wird dir Mut zusprechen in Situationen, wo du Ermutigung brauchst. Und wir brauchen als Christen heute Ermutigung so sehr.

Das Wort Gottes wird dich auf der anderen Seite aber auch korrigieren, wenn du auf einem falschen Weg bist. Jesus sagt heute im Evangelium: „Ihr seid schon rein durch das Wort, dass ich zu euch gesprochen habe.Die Beschäftigung mit dem Wort Gottes hat reinigenden Charakter. Manchmal wirft mir Gott durch sein Wort gleichsam einen Knüppel zwischen die Beine, wenn ich auf einem falschen Weg bin.

Wenn das Wort Gottes in mir bleibt, wenn es Raum in mir hat, dann verändert sich auch mein Beten. Mein Beten wird weniger egoistisch sein, wo sich alles um meine Wünsche dreht, um meine Anliegen, um meine Sorgen. Durch das Wort Gottes werde ich die großen Anliegen Gottes kennen lernen, und die werden dann mein Beten prägen. Darum kann Jesus auch so ganz selbstverständlich sagen: „Wenn ihr in mir bleibt, und wenn meine Worte in euch bleiben, dann bittet um was ihr wollt, und ihr werdet es erhalten.Wenn das Wort Gottes uns prägt, beten wir anders. Wir beten mit größerem Freimut als vorher.

Ich will es noch einmal auf den Punkt bringen.

Ob du ein verdorrter Zweig bist oder ein blühender Zweig, der Frucht trägt, das entscheidet sich darin, ob du in Jesus bleibst. Und eine ganz praktische Weise: Ob sein Wort in dir eine Bleibe hat. Es liegt in Deiner Hand.   Amen.

 

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