Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

Gottesdienste - geistliches Leben

 

7. Ostersonntag C
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Predigten

Predigtverzeichnis  nach Bibelstellen geordnet

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Predigt zur 1. Lesung:   Apg 7,55-60  mp3 Format      als Video

Predigt zur 2. Lesung:  Offb 22,12-14.16-17.20

Predigt zum Evangelium:   Joh 17,20-26

Predigttext:    Offb 22,12-14.16-17.20

 

Dies ist die siebte Predigt einer siebenteiligen Predigtreihe zur Offenbarung des Johannes.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

In der letzten Woche habe ich mir einmal wieder die ganze Oper Aida von Giuseppe Verdi angehört. Vielleicht kennen die meisten von ihnen diese Oper nur dem Namen nach. Möglicherweise kennen einige von ihnen auch noch den berühmten Triumphmarsch aus der Oper Aida.

In dieser Oper Aida geht es um die Liebe des ägyptischen Feld Feldherrn Radames mit der äthiopischen Sklavin Aida. Heute würde man vielleicht sagen: Da liebt ein Prinz eine Bürgerliche. Nun sollte man doch eigentlich bei so einer Oper erwarten, dass am Ende ein glänzendes, prachtvolles Finale steht. Dass da noch einmal die Trompeten mit dem vollen Orchester schmettern, dass der Chor auftritt und die Solisten vorne an der Rampe stehen und nun die Oper in einem festlichem Finale ausklingt. Aber bei der Oper Aida von Giuseppe Verdi ist das ganz eigenartig. Diese Oper endet tragisch. Der Feldherr Radames wird als Todesstrafe lebendig eingemauert in einer Grabkammer. Aber dort begegnet er seiner geliebten Aida. Beide wissen, dass sie sterben werden. Und dann singen sie: „Uns öffnet sich der Himmel.“ Und statt dass am Ende Trompeten schmettern oder der Chor singt, klingt diese Oper ganz zart aus, mit ganz leisen Tönen. Das Liebesduett verhaucht gleichsam im Pianissimo. Man merkt fast gar nicht, dass die Oper zu Ende ist.

 

Daran musste ich denken, als ich gestern die Predigt vorbereitet habe zu unserer Lesung aus der Offenbarung des Johannes. Die letzten Verse dieser Lesung sind die letzten Verse der Bibel überhaupt.

Nun sind wir ja seit Ostern in den Predigten einen langen Weg gegangen durch die Offenbarung des Johannes. Wir haben großartige und gewaltige Bilder gesehen in der Offenbarung des Johannes. Vielleicht erinnern Sie sich an das Bild vom Thron Gottes, der aussah wie kostbare Edelsteine. Und wie um den Thron Gottes herum eine unübersehbar große Schar steht, die Gott lobt, ihn anbetet und ihn preist. Oder das Bild von der heiligen Stadt, vom himmlischen Jerusalem, das von oben aus dem Himmel herabkommt.

Aber neben den Texten, die wir im Gottesdienst gehört haben, stehen in der Offenbarung auch gewaltige Bilder des Schreckens, wo der Zorn Gottes über die Erde kommt.

Jetzt stehen wir ganz am Ende der Offenbarung. Da sollte man eigentlich erwarten, dass Jesus jetzt als Richter ein Machtwort spricht, oder dass er als strahlender Sieger der Weltgeschichte auftritt. Aber nichts davon! Ganz am Ende ein zartes Zwiegespräch etwas Intimes, etwas ganz Persönliches, ein Zwiegespräch zwischen Braut und Bräutigam. Ich lese ihnen diese letzten Verse noch einmal vor:

„Der Geist und die Braut sagen: Komm! Wer hört, der rufe: Komm! Wer durstig ist, der komme und empfange umsonst das Wasser des Lebens. Er, der dies bezeugt, spricht: Ja, ich komme bald. Amen! Komm, Herr Jesus.“

In diesen letzten Versen geht es in einem Zwiegespräch zwischen Braut und Bräutigam um die Sehnsucht der beiden zu einander: Komm doch! Komm doch endlich! Jesus wird als Bräutigam sehnsuchtsvoll erwartet.

Und der Bräutigam sagt: Ja, ich komme bald!

Und dann steht da dieses Bild: Wer „Durst hat, der komme zu mir und trinke umsonst vom Wasser des Lebens. Durst ist in der Bibel ein bildhafter Ausdruck für tiefste Lebenssehnsucht des Menschen. Und das Wasser des Lebens bedeutet, dass die Lebenssehnsucht des Menschen im Tiefsten erfüllt ist, wenn wir seine Ankunft sehnsüchtig erwarten. Wie hatte das Jesus im Johannesevangelium gesagt: „Ich bin gekommen, (Hier geht es wieder um das Kommen!), damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. Ein randvoll erfülltes Leben. Und die Braut sagt: Komm!

 

Dieses Bild von Braut und Bräutigam zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Bibel hindurch. Mit diesem Bild beschreibt die Bibel das Verhältnis Gottes zu den Menschen, und das Verhältnis der Menschen zu Gott.

Als Gott im Alten Testament das Volk Israel aus Ägypten heraus durch die Wüste geführt hat, da wird diese Zeit der Wüstenwanderung vom Propheten Hosea gesehen als die Brautzeit Israels. Beim Propheten Jesaja heißt es: „Wie der Bräutigam sich freut über die Braut, so freut sich über dich dein Gott.“ Und Gott legt ihr selbst das Geschmeide um, seiner Braut, die sich für ihn bereitet hat.

Im Neuen Testament wird immer das Himmelreich verglichen mit dem Bild vom himmlischen Hochzeitsmahl. Da schickt der Brautvater die Knechte los, um den Geladenen zu sagen: Kommt doch, die Hochzeit ist bereitet.

Da sind die Jungfrauen, die dem Bräutigam mit Lampen erwarten, als der um Mitternacht kommt.

Da sagt Jesus: Selig die Knechte, die der Herr wachend findet. Er wird sie zu Tisch sitzen lassen. Und er wird sich selbst die Schürze umbinden, er wird selbst umhergehen und sie bedienen.

Immer wieder dieses zärtliche Bild von der Hochzeit, von Bräutigam und Braut.

Und wenn die ins letzte Buch der Bibel gehen, in die Offenbarung des Johannes, dann steht am Anfang das bekannte Wort: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und mir öffnet, dann werde ich zu ihm hineingehen und Mahl mit ihm halten, und er mit mir.“ Er steht wie ein Liebhaber vor der Tür unseres Herzens. Er klopft an und wirbt um uns Gegenliebe. Er hofft darauf, dass er Menschen findet, die ihm die Türe des Herzens auftun. Jesus sehnt sich danach, bräutliche Menschen zu finden, die sie ihn sehnsüchtig erwarten: Komm doch, mein Geliebter, komm!

 

Wenn wir das möchten, dass wir so intimes Verhältnis zu Jesus haben, dass unser Verhältnis zu Jesus nicht nur so ein geschäftsmäßiges ist, wo man seine religiösen Pflichten erfüllt. Wenn es wirklich Begegnung sein soll wie zwischen Braut und Bräutigam, dann brauchen wir den Heiligen Geist. Da heißt es in unserer Lesung: „Der Geist und die Braut sprechen: Komm!“. Der Heilige Geist ist es, der in uns diese Sehnsucht weckt nach der Begegnung mit Jesus Christus. Und wenn wir in diesen Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten um den Heiligen Geist beten, dann dürfen das von ihm erwarten: dass er diese tiefe bräutliche Liebe in uns erweckt, neu erweckt oder wach hält. Diese Liebe zu unseren Bräutigam Jesus Christus.

 

Als ich diese Predigt vorbereitet habe, da wurde im Fernsehen die Hochzeitsfeier am spanischen Königshof übertragen, wo der Kronprinz Philippe die „Bürgerliche“ Letitia geheiratet hat. Vermutlich haben Millionen von Menschen an den Fernsehgeräten gesessen, und haben sich die Hochzeitsfeier angeschaut. Ich selbst habe nur den Schluss gesehen, wie das frisch vermählte Paar auf dem Balkon des Palastes stand und der jubelnden Menge zuwinkte.

Und dann sagte der Kommentator im Fernsehen zu diesen Bildern: „Ende gut, alles gut.“ Wir haben ja im Deutschen diese Redensart: „Ende gut, alles gut.“ Dahinter stand die Tatsache, dass es im Vorfeld der Hochzeit auch manche Querelen gegeben hat, weil der Thronfolger eine Fernsehjournalistin geheiratet hat. Da ist im Vorfeld der Hochzeit nicht alles so glatt gelaufen. Aber: Ende gut, alles gut.

Und dann sagte der Kommentator noch dazu: Offensichtlich hat die Königin Sophie, die Mutter des Bräutigams, zu Ihrer Schwiegertochter Letitia „Ja und Amen“ gesagt. Auch hier gibt es ja im Deutschen die Redensart: „Ja und Amen“ sagen. Damit ist dann eine Situation zu einem (guten) Abschluss gekommen.

Aber ist uns eigentlich bewusst: Diese Redensart „Ja und Amen“ kommt auch aus unserem Lesungsabschnitt aus der Offenbarung des Johannes. Ganz am Schluss spricht der Bräutigam: „Ja, ich komme bald“. Du kannst dich darauf verlassen. Ja, das gilt: Ich komme bald! Und die Braut spricht: „Amen, komm Herr Jesus!“

Ja und Amen. Eine doppelte Bekräftigung. Und am Ende dieses gewaltigen Buches der Offenbarung des Johannes kann man vielleicht auch sagen: „Ende gut, alles gut. Jesus kommt!“  Amen.

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Predigttext:    Joh 17,20-26

 

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Kinder!

 

Können Sie sich vorstellen, wie Ihr Abend heute verlaufen würde, wenn Sie jetzt sicher wüssten, dass sie morgen sterben. Können Sie sich vorstellen, wie in diesem Fall heute Abend Ihr Abendgebet aussehen würde, wenn Sie sicher wüssten, morgen um diese Zeit bin ich schon tot. Ich bin fest überzeugt: dann würde heute Abend keiner mehr beten um gutes Wetter für den nächsten Ausflug. Dann geht es nur noch um die Dinge, die einem im letzten wichtig sind. Wichtig sowohl in der Begegnung mit den Menschen, die man dann noch hat, wie auch in unserer Begegnung mit Gott im Gebet. Da erzählt man keine Belanglosigkeiten mehr.

 

Genau so ist das bei Jesus. Der Abschnitt, den wir gerade als Evangelium der Messe gehört haben, ist Teil eines langen Gebetes. Und als Jesus dieses Gebet im Abendmahlssaal betet, da weiß er: Morgen um diese Zeit lieg ich schon im Grab. Zweimal wird das ausdrücklich erwähnt: Er wusste, dass das Ende da war. Und auch Jesus in seinem letzten Gebet, das wie ein Vermächtnis ist, redet nicht mehr Belangloses, er betet nicht mehr für irgendetwas. Das, worum er hier betet, was ihm ganz zum Schluss noch wichtig ist, ist dieses eine: Vater lass sie eins sein. So wie du in mir bist, diese tiefste Einheit, die den Sohn mit dem Vater verbindet, so sollen sie eins sein: Ich in Ihnen und du in mir. Das soll eine ganz tiefe Einheit sein. Und das zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Gebet hindurch: Vater, lass sie eins sein. Das ist sein letzter Wunsch. Und warum? Damit die Welt glauben kann. Die Welt, die Außenstehenden lernen Glauben nicht durch eine Predigt, die lernen Glauben auch nicht durch eine Gemeindemission. Glauben lernt die Welt dann, wenn sie erlebt, dass wir, die Christen, die Kirche, die Gemeinde eins sind. Das ist das stärkste Glaubenszeugnis für die Welt. In dieser Welt gibt es im Letzten solche tiefe Einheit nicht. Da gibt es Spaltung und Zwietracht, das erleben wir bis in unsere Tage hinein in zunehmendem Maße. Man könnte fast sagen: dieser Zwiespalt in der Welt wird eher größer als kleiner. Und darum ist die Einheit ein unglaubliches Zeichen vor der Welt. Warum ist das so ein wichtiges Zeichen?

 

Sehen Sie, wenn Christen eins sind, dann kann die Welt etwas sehen von Gott. Das Geheimnis der Dreifaltigkeit wird sichtbar und erlebbar dort, wo Christen eins sind. Ein Gott in drei Personen, verstehen kann man das nicht, aber ist irgendwie sichtbar in der Einheit der Christen. Und darum ist das für Jesus das wichtigste Gebetsanliegen vor seinem Sterben: Vater, lass sie eins sein.

Wenn damals die ersten Christen in einer einzigen Generation den ganzen Mittelmeerraum missioniert haben, wissen Sie wodurch das möglich wurde? Die hatten ja kein Fernsehen, kein Internet, nichts. Aber bei ihnen wurde Einheit sichtbar. Es war damals ein unglaubliches Zeugnis, dass z.B. in den Missionsgemeinden des Apostels Paulus Sklaven und Herren am gleichen Tisch saßen, wie Brüder und Schwestern. Und der Herr blieb Herr und der Sklave blieb Sklave. Die Standesunterschiede wurden nicht einfach weggewischt. Und trotzdem waren sie auf einer neuen Ebene Brüder und Schwestern und saßen am gleichen Tisch. Das hat die Welt damals überzeugt. In der Welt werden die Klassenunterschiede immer größer, aber bei den Christen wurde Einheit sichtbar ohne Klassenkampf. Und ich denke manchmal: Vielleicht ist das die größte Sünde in unseren Kirchen heute, dass wir Spaltung zulassen, sowohl als ganze Kirche wie auch, dass wir Spaltung und Zwietracht und Uneinigkeit in unseren Gemeinde vor Ort hinnehmen. Es müsste unser erstes Anliegen sein, Einheit zu schaffen und Einheit zu leben.

 

Damit wir Jesus nicht missverstehen mit seinem Gebetsanliegen der Einheit: Einheit bedeutet nicht Einheitlichkeit oder Gleichmacherei. Einheit bedeutet nicht, dass jetzt alle eine Uniform anziehen: Im Gleichschritt Marsch, römisches Tempo. So nicht! Die Einheit, die Jesus meint, da kann jeder unverwechselbar er selbst bleiben. Genau so, wie ja auch in der Dreifaltigkeit der Vater unverwechselbar der Vater bleibt und nicht übergeht in den Sohn. Und der Sohn bleibt unverwechselbar der Sohn, und der Geist ist wieder unterschieden. Und trotzdem ist eine Einheit da. Genau so ist diese Einheit der Christen von Jesus gedacht.

 

Vor einiger Zeit habe ich eine englische Übersetzung des Neuen Testamentes in der Hand gehabt, eine etwas freiere Übersetzung, etwa wie bei uns die „Gute Nachricht Bibel“. In dieser englischen Bibel hat mir die Übersetzung des Wortes „einmütig“ besonders gut gefallen. Da wurde „einmütig“ übersetzt: „in one accord“, das ist ein Begriff aus der Musik: „in einem Akkord“. Diese Begriff aus der Musik drückt vielleicht im tiefsten aus, was Jesus meint, wenn er von Einheit spricht. Sehen Sie, in einem Chor ist es ja auch nicht so, dass alle C C C C singen, das wäre ja langweilig. Nein im Chor singt der eine C, der andere singt E, der dritte G; jeder singt seine eigene Stimme. Und als Ganzes kommt ein Klang dabei heraus, ein Akkord, ein Wohlklang, eine Harmonie, die die Menschen erfreut. Natürlich, in einem großen Chorwerk gibt es auch Dissonanzen, Reibungen, wo manchmal ganze Klangblöcke gleichsam auf einander prallen. Das muss so sein, auch in einer Gemeinde, in der Kirche. Aber wie ein einem Musikstück sich diese Dissonanzen, diese Reibungen dann auflösen und hinterher der Klang um so harmonischer ist, so soll es auch in unserer Kirche, in unseren Gemeinden sein. Nicht dass es keine Reibungen gibt, aber dass sie sich auflösen hin zu einem Wohlklang: „In einem Akkord“.

 

Man könnte es auch so sagen: Die Einheit der Kirche, die Jesus sich vorstellt ist zu vergleichen mit einem großen Sinfonieorchester. Es ist ja manchmal abenteuerlich: Da sitzen in einem großen Orchester sechzig, ja manchmal über hundert Musiker, und es klingt! Wenn man vorher da ist, und das ganze Orchester ist dabei, die Instrumente zu stimmen, jeder seine eigene Stimme, dann klingt das wie das Gejaule von Hunden, das kann man nicht anhören. Aber in dem Augenblick, wo der Dirigent seinen Taktstock erhebt und den Einsatz gibt, da kommt auf einmal ein Klang heraus, ein Zusammenklang, eine Harmonie; und jeder freut sich daran.

 

Natürlich gibt auch in jedem Orchester einen, der die erste Geige spielt, das gibt’s in unseren Gemeinde auch, meistens nicht der Pfarrer, sondern irgendwer anderes in der Gemeinde. Es gibt wie im Orchester auch in jeder Gemeinde Leute, die immer auf die Pauke hauen. So einen braucht das Orchester auch, der auf die Pauke haut. Aber wissen Sie, was das Geheimnis ist: Der derjenige, der die Pauke schlägt, der weiß ganz genau, an welchen Stellen er laut auf die Pauke hauen muss in einem starken Paukenwirbel und wann er nur zart und leise der Pauke gleichsam einen Ton entlockt. Und derjenige, der im Orchester die erste Geige spielt, der weiß ganz genau, wann er dran ist und wann für ihn Pause ist.

 

Das Geheimnis des Orchesters mit ihren vielen total verschiedenen Instrumenten liegt in Folgendem: Sie schauen alle auf Einen, nämlich auf den Dirigenten. Und der hat das Ganze im Blick, und der gibt jeder Stimme den Einsatz, der entscheidet über das Tempo, über den Takt. Nicht der einzelne Musiker, sondern der Dirigent. Und so einen Dirigenten gibt es in der Kirche auch. Nicht der Pfarrer, auch nicht der Papst, dieser Dirigent ist Jesus Christus, der das Tempo festlegt, der die Einsätze gibt, jedem so wie es für ihn notwendig ist.

 

Und noch etwas ist wichtig, damit dieses Ganze, diese Einheit gelingen kann genau wie bei einem großen Orchesterwerk. Das ist im Konzertsaal eine Selbstverständlichkeit aber in den Gemeinden oft nicht. Sehen Sie, für das Orchester ist es wichtig, dass alle das gleiche Stück spielen. Stellen Sie sich einmal vor, die ersten Geigen würden sagen: wir spielen die „Kleine Nachtmusik“ von Mozart, die Trompeten würden beschließen: wir spielen die 5. Sinfonie von Beethoven, und die Holzbläser hätten die Noten der „Unvollendeten“ von Schubert auf dem Notenpult. Was soll dabei rauskommen? Das leuchtet uns für ein Orchester sofort ein. Aber in unseren Kirchen als ganzes und auch in den einzelnen Gemeinden, da spielt meist jeder sein eigenes Stück: Ich bin katholisch, ich bin evangelisch, du bist baptistisch, und jeder hat so seine Richtung, die er vertritt. Jeder spielt sein Stück. Und in den einzelnen Gemeinden ist das genau so: Die Frauengemeinschaft hat ihr eigenes Jahresprogramm, die KAB hat ihr Programm, jeder spielt sein eigenes Stück ohne Rücksicht darauf, was die anderen machen. Wie soll denn dabei eine Einheit herauskommen? Nein, es ist wichtig, dass wir uns gemeinsam als Kirche, als Christen, als einzelne Stimmen in diesem großen Chor gemeinsam darauf einigen: Es gilt, ein Stück zu spielen. Übrigens, wissen Sie wie diese Stück heißt, das wir als Kirche in dieser Welt zu spielen haben? Diese Stück heißt ganz schlicht: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen.“ Das ist das Stück, das wir zu spielen haben. Und wenn wir uns darüber klar sind, dass Gott geehrt wird und dass wir dadurch beitragen zum Frieden ist dieser Welt, dann haben wir die richtige Partitur. Und dann kann es durchaus sein, wenn wir uns auf diese Partitur geeinigt haben, dass der eine die ‚Melodie’ spielt „Geheiligt werde dein Name“, und der andere spielt die ‚Melodie’ „Dein Reich komme“, und ein dritter spielt: „Vergib uns unsere Schuld“. Ein Vierter spielt vielleicht die ‚Melodie’ „Unser tägliches Brot gib uns heute“, die Sorge auch um den vollen Magen für die Menschen, die Hunger leiden. Es kann durchaus sein, dass in der Kirche verschiedenste ‚Melodien’ gespielt werden, aber wir haben alle dieses eine im Blick, worum es geht: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen“. Und wo wir uns darauf geeinigt haben und nicht mehr unsere Clübchenwirtschaft betreiben, da sind wir ein Zeugnis für die Welt.

 

Diese Einheit kann man im Letzten nicht machen. Diese Einheit will erbetet sein. Und darum sind diese Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten auch Tage, wo wir in der Kirche um die Einheit der Christen beten. Und es ist gleichzeitig die Zeit, wo wir in der Kirche um den Heiligen Geist beten für uns heute, weil er allein uns zusammenbinden kann.

Gebunden im Heiligen Geist, den Blick gerichtet auf den ‚Dirigenten’, auf Christus; und alle spielen das gleiche Stück „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen“, und die Welt wird glauben. Amen.

 

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