Pfarrer Karl Sendker

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Philipper (10)
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Grundton Freude

Kapitel 10

Timotheus und Epaphroditus

Phil 2,19-30

 

„Ich hoffe aber im Vertrauen auf Jesus, den Herrn, dass ich Timotheus bald zu euch schicken kann, damit auch ich ermutigt werde, wenn ich erfahre, wie es um euch steht. Ich habe keinen Gleichgesinnten, der so aufrichtig um eure Sache besorgt ist; denn alle suchen ihren Vorteil, nicht die Sache Jesu Christi. Ihr wisst ja, wie er sich bewährt hat: Wie ein Kind dem Vater - so hat er mit mir zusammen dem Evangelium gedient. Ihn also hoffe ich schicken zu können,  sobald ich meine Lage übersehe. Doch ich habe die Zuversicht im Herrn, dass auch ich bald kommen kann.

 

Ich hielt es aber für notwendig, Epaphroditus, meinen Bruder, Mitarbeiter und Mitstreiter, euren Abgesandten und Helfer in meiner Not, zu euch zu schicken. Er sehnte sich danach, euch alle wiederzusehen, und war beunruhigt, weil ihr gehört hattet, dass er krank geworden war. Er war tatsächlich so krank, dass er dem Tod nahe war. Aber Gott hatte Erbarmen mit ihm, und nicht nur mit ihm, sondern auch mit mir, damit ich nicht vom Kummer überwältigt würde. Um so mehr beeile ich mich, ihn zu schicken, damit ihr euch wieder freut, wenn ihr ihn seht, und auch ich weniger Kummer habe. Nehmt ihn also im Herrn mit aller Freude auf, und haltet Menschen wie ihn in Ehren, denn wegen seiner Arbeit für Christus kam er dem Tod nahe. Er hat sein Leben aufs Spiel gesetzt, um zu vollenden, was an eurem Dienst für mich noch gefehlt hat.“  (Phil 2,19-30)

 

Mit Timotheus begegnen wir hier im Philipperbrief einem im buchstäblichen Sinn ausgezeichneten Mitarbeiter des Apostels Paulus. In sechs Paulusbriefen, auch hier im Philipperbrief, wird Timotheus als Mitabsender genannt. (Phil 1,1) Paulus hatte Timotheus kennengelernt in Lystra, auf der ersten Missionsreise. Er war der Sohn einer judenchristlichen Mutter und eines heidnischen (griechischen) Vaters. (Apg 16,1-3) Weil ihm die Gemeindemitglieder in Lystra und Ikonion ein gutes Zeugnis ausstellten, wünschte sich Paulus ihn als Begleiter. Etliches auch über den geistlichen Werdegang des Timotheus erfahren wir aus den beiden Timotheusbriefen, wenn wir die Briefe unter diesem Aspekt lesen.

 

Kann es ein größeres Lob geben als das, was Paulus hier im Philipperbrief über ihn schreibt:

 

„Ich habe keinen Gleichgesinnten, der so aufrichtig um eure Sache besorgt ist; denn alle suchen ihren Vorteil, nicht die Sache Jesu Christi. Ihr wisst ja, wie er sich bewährt hat: Wie ein Kind dem Vater - so hat er mit mir zusammen dem Evangelium gedient.“ (2,20-22)

 

Wenn es um heikle Aufträge ging, etwa in Korinth nach dem Rechten zu sehen, hat Paulus den Timotheus geschickt. Mit dem Apostel Paulus selbst taten sich die Korinther lange Zeit sehr schwer.

Nach Thessalonich schickte Paulus den Timotheus,

„um über euren Glauben Gewissheit zu erhalten und zu erfahren, ob nicht der Versucher euch in Versuchung geführt hat und unsere Mühe vergeblich war.“   (1 Thess 3,5)

 

Und auch hier im Philipperbrief kündigt er der Gemeinde den Besuch des Timotheus an, weil er selbst ja im Gefängnis ist.

Es lohnt sich, mit Hilfe einer Konkordanz (Stichwort oder Personenregister) einmal alle Stellen, aufzuschlagen, in denen wir etwas über Timotheus erfahren.

 

Wichtig ist auch hier wieder der Hinweis, dass Paulus in diesem Abschnitt zweimal die Bemerkung „im Herrn“ einfügt.

 

„Ich hoffe aber im Vertrauen auf Jesus, den Herrn (wörtlich: Ich hoffe aber im Herrn Jesus), dass ich Timotheus bald zu euch schicken kann.“ (2,19)

„Doch ich habe die Zuversicht im Herrn, dass auch ich bald kommen kann.“ (2,24)

 

Bis in seine Reisepläne hinein gestaltet Paulus sein Leben aus der Grundbefindlichkeit „im Herrn“.

 

 

Die zweite Person, die uns in diesem Abschnitt begegnet ist Epaphroditus.

 

Epaphroditus war von den Philippern zu Paulus geschickt worden , um dem Paulus eine Spende zur persönlichen Unterstützung zu überbringen. Darüber erfahren wir etwas im Abschnitt Phil 4,10-20.

 

Aber er hatte von den Philippern wohl auch noch den Auftrag bekommen, dem Paulus dienstbar zur Seite stehen. Eine Haft, wie Paulus sie erfuhr, wurde damals unter Umständen relativ locker gehandhabt, so dass man einen persönlichen Diener zur Verfügung haben konnte, der für einen sorgte. Wir erfahren das so beiläufig in Apg 27,3, wo Paulus als Gefangener auf einem Schiff nach Rom gebracht wurde:

 

„Julius, der Paulus wohlwollend behandelte, erlaubte ihm, zu seinen Freunden zu gehen und sich versorgen zu lassen.“

(vgl. auch Apg 28,16-17: „Nach unserer Ankunft in Rom erhielt Paulus die Erlaubnis, für sich allein zu wohnen, zusammen mit dem Soldaten, der ihn bewachte. Drei Tage später rief er die führenden Männer der Juden zusammen.“)

 

Die Philipper hatten dem Epaphroditus wohl den Auftrag gegeben, dem Paulus in seiner Haft hilfreich zur Seite zu stehen. Aber dann passieren einige Dinge:

Zum ersten wird Epaphroditus krank, und zwar sehr krank. Paulus schreibt:

 

„Er war tatsächlich so krank, dass er dem Tod nahe war.“ (2,27).

 

Zum anderen hat Epaphroditus wohl Heimweh bekommen.

 

„Er sehnte sich danach, euch alle wiederzusehen, und war beunruhigt, weil ihr gehört hattet, dass er krank geworden war.“ (2,26)

 

Beides, die schwere Krankheit und sein „Heimweh“ sind offenbar mit einander verquickt.

Drittens hatte die Gemeinde in Philippi von der Krankheit (und wohl auch vom Heimweh) des Epaphroditus erfahren.

Epaphroditus hatte den Auftrag der Philipper, dem Paulus zur Seite zu stehen, nicht in ihrem Sinne erfüllt. Wenn man etwas zwischen den Zeilen liest, dann spürt man auch etwas wie Unmut der Philipper über ihren Abgesandten Epaphroditus.

 

Paulus schickt den Epaphroditus jetzt nach seiner Genesung zurück nach Philippi. Er gibt ihm unseren Philipperbrief mit als Dankesbrief für die Spende der Philipper. (Möglicherweise ist auch nur der Abschnitt 4,10-20 dieser Dankesbrief.)

Gleichzeitig stellt ihm Paulus in unserem Abschnitt 2,25-30 gleichsam ein kleines Empfehlungsschreiben aus:

 

„Nehmt ihn also im Herrn mit aller Freude auf, und haltet Menschen wie ihn in Ehren, denn wegen seiner Arbeit für Christus kam er dem Tod nahe.“ (2,29-30)

 

Auch hier finden wir wieder den Hinweis: „im Herrn“. Dieser Hinweis ist wichtig auch für unseren Umgang in der Gemeinde miteinander. Ich komme noch einmal auf die zwei Ebenen zurück, von denen ich ganz am Anfang (zu 1,1) gesprochen habe. Auf der Ebene „in Philippi“ sind die Philipper vielleicht über Epaphroditus enttäuscht, wie wir ja auch manchmal von anderen Gemeindemitgliedern enttäuscht sind, vielleicht sogar berechtigt enttäuscht sind.

Aber auf der Ebene „im Herrn“ kann ich trotzdem im Anderen meinen Bruder, meine Schwester sehen. Ich kann den Anderen annehmen, auch wenn möglicherweise Enttäuschung oder sogar Zwist auf der menschlichen Ebene („in Philippi“) nicht ausgeräumt ist.

 

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