Pfarrer Karl Sendker

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Predigt zum Evangelium:   Lk 23,35-43

Predigttext:    Lk 23,35-43

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Vor einigen Jahren habe ich Hausbesuche gemacht bei den Eltern der Kommunionkinder. Einmal komme ich in ein Haus, da wurde gerade Kindergeburtstag gefeiert. Die Mutter hatte ein Märchen erzählt, ich weiß nicht, welches Märchen das war, ich weiß nur noch, dass ein König darin vorkam. Und jetzt wollten sie gerade dieses Märchen mit allen Kindern, die eingeladen waren, spielen. Und das Geburtstagskind, der kleine Junge, der sollte der König sein.

 

Nun muss ein richtiger König ja auch richtig angezogen sein. Die ist Mutter zum Schrank gegangen und hat ein rosarotes Tischtuch herausgeholt, hat ihm das um die Schultern gehängt und mit einer Sicherheitsnadel befestigt: „So, du bist jetzt der König!“

Da hätten Sie den Kleinen mal sehen sollen. Der stand da ganz traurig, schaute von oben nach unten an sich herunter und sagte: „Das soll ein König sein? Wenn schon ein König, dann auch ein ‚gescheiter’ König!“ (Das ist die Umgangssprache bei uns im Münsterland und meint: ein ‚richtiger’ König.) Was ist denn ein König ohne Krone? Was sollte die Mutter machen? Sie ist losgegangen und hat einen gelben Pappkarton besorgt und hat mit einer Schere Zacken herausgeschnitten. So haben sie eine Krone zusammengeklebt und haben sie dem ‚König’ dann auf den Kopf gesetzt: „So, jetzt hast du auch eine Krone.“ „Aber jetzt brauche ich noch so einen goldenen Stab.“ Ja, wo kriegt man so schnell einen goldenen Stab her? Die ist Mutter zum Kleiderschrank gegangen und hat einen Kleiderbügel herausgeholt. Sie hat den Haken abgeschraubt, Krepppapier drum gewickelt: „Jetzt hast du auch einen goldenen Stab.“ Aber es war immer noch nicht genug. Da musste der große Sessel, auf dem Opa immer vor Fernseher saß, der musste auch noch als Königsthron Dienst tun. Und schließlich sagte der kleine ‚König’: „Schau mal“, und er zeigte auf die Sicherheitsnadel, „ein König hat doch auch nicht eine Sicherheitsnadel, die den Mantel zusammenhält.“ Die Mutter musste noch ins Schlafzimmer gehen und von der Oma eine alte Brosche holen. Damit haben sie dann den Königsmantel zusammengesteckt.

Wenn schon ein König, dann auch ein ‚gescheiter’, ein richtiger König. Und dieser kleine Junge hatte ganz genaue Vorstellungen davon, wie so ein ‚gescheiter’ König auszusehen hat. Solche Vorstellungen haben wir ja irgendwie alle. Zum König gehört eine Krone, ein Zepter, ein Reichsapfel ein Thron .... Wir wissen ganz genau, welche Kleider ein König zu tragen hat und wie ein König aussieht.

 

Und jetzt stell dir einmal vor: Wir feiern heute das Christkönigsfest. Und wenn wir nach menschlichen Maßstäben rechnen, dann ist unser König Jesus, weiß Gott kein ‚gescheiter’ König nach menschlichen Maßstäben.

Es hat nur eine einzige Situation im Leben Jesu gegeben, wo er von sich selber bekannt hat: „Ja ich bin ein König!“ Und das war der Augenblick, wo er wie ein Verbrecher mit gefesselten Händen vor Pilatus steht, wo die Soldaten ihn gegeißelt hatten. Und dann fragt Pilatus ihn: „Bist du der König der Juden?“ Das war das einzige Mal, wo Jesus sagte: „Ja, ich bin ein König.“

Und dann schau dir diesen König einmal an. Weiß Gott, kein ‚gescheiter’ König. Das haben die Soldaten damals auch empfunden. Ein richtiger König, der muss doch einen Königsmantel haben, und so haben sie einen alten roten Soldatenmantel genommen und haben ihn Jesus umgehängt. Ein König ohne Krone, das wussten die damals auch, das ist doch kein ‚gescheiter’ König! Da sind sie an die nächste Hecke gegangen, haben einen Zweig mit langen Dornen aus der Hecke gebrochen und haben ihn zusammengebogen zu einer Krone. Die haben sie Jesus den so lange auf den Kopf gedrückt, bis sie hielt. Einen Thron hat dieser König auch gehabt. Aber der war nicht aus Gold oder aus Elfenbein, sondern sein Thron war der Kreuzesbalken. Weiß Gott kein ‚gescheiter’ König! Höchstens ein ‚gescheiterter’ König, könnte man vielleicht sagen.

 

Aber wenn Jesus schon kein ‚gescheiter’ König ist, so müsste man weiterfragen, ist er dann wenigstens ein König für die gescheiten Leute? Wenn man den Anfang unseres Evangelium hört, muss man die Frage klar verneinen. Da heißt es am Anfang des Evangeliums: Die führenden Männer, die geistlich wie die politisch führenden Männer, haben ihn verlacht, verhöhnt und verspottet. Die ‚Gescheiten’ wollten mit ihm nichts zu tun haben. „Wenn du der König bist der Messias, dann steig doch herab vom Kreuz! Dann wollen wir schon an dich glauben. Hilf dir doch selbst!“

 

Ich vermute, das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben. Die gescheiten Leute, die Gebildeten, die etwas von sich halten, lehnen Jesus ab. „Haben wir nichts mit zu tun! Brauchen wir nicht!“ Gut, dass Jesus ein großer Religionsstifter war, dass er ein bedeutender Mensch war, - er hat ja auch viel Gutes gesagt und getan - , das wird noch akzeptiert. „Aber einen Erlöser? Den brauchen wir doch nicht, oder? Ich hab doch nichts getan.“ Oder einen König, der von uns Gehorsam beansprucht, nein lieber nicht, weg damit, auf die Seite. Die gescheiten Leute schieben ihn auch heute weg.

 

Aber dann ist da im Evangelium noch einer, der gehörte nicht zu den ‚Gescheiten’, sondern zu den Gescheiterten. Der hing neben Jesus am Kreuz. Einer von den beiden Schächern. Der war rechtskräftig verurteilt wegen Straßenraub und Mord. Er wusste genau, ich kann nichts wieder gut machen, mein letztes Stündchen hat geschlagen.

Und dieser Gescheiterte, diese total gescheiterte Existenz, wendet sich im letzten Augenblick seines Lebens an den Mann mit der Dornenkrone, der da neben ihm hängt. Er schaut ihn an und sagt zu ihm: „Herr, denk an mich, wenn du mit deiner Macht als König kommst.“

Da fällt das Stichwort König. Dieser Gescheiterte, dieser Schächer am Kreuz, hat auf einmal erkannt: Der Mann mit der Dornenkrone ist der König; er ist der Einzige, der meinem verkorksten Leben noch Sinn geben kann, der mir noch ein Zeichen der Hoffnung schenken kann. Und so unbeholfen wie er kann wendet er sich an diesen Mann mit der Dornenkrone. Und Jesus dreht sich ihm zu und sagt ihm: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ Heute noch!

 

Hier klingt ein kleines Wörtchen auf, das im Lukasevangelium eine große Bedeutung hat, das sich wie ein roter Faden durch das ganze Lukasevangelium zieht, das Wörtchen ‚heute’. Vielleicht erinnern sie sich: Zum ersten Mal kommt das bei Lukas vor in der Weihnachtsgeschichte, wo der Engel den Hirten auf dem Feld erscheint. Die Hirten waren damals auch die Unterschicht: „Heute ist euch der Heiland geboren, der Messias, der Herr.“ Oder vielleicht kennen sie die Geschichte vom Zöllner Zachäus, auch eine gescheiterte Existenz, mit dem keiner etwas zu tun haben wollte. Und als der oben auf dem Baum sitzt und Jesus kommt bei ihm vorbei, ist Jesus nicht weitergegangen, sondern hat zu ihm aufgeschaut und gesagt: „Zachäus komm schnell runter, heute will ich in deinem Hause Gast sein.“ Überall zeigt sich im Evangelium: Dieser Mann mit der Dornenkrone ist von Anfang bis zum Ende ein Heiland, ein König für die Gescheiterten.

 

Das gilt nicht nur damals, das gilt auch hier bei uns. Denn eins muss man doch auch sagen: Wie viele gescheiterte Menschen gibt es heute bei uns: Einzelperson, deren Leben total gescheitert ist; Ehen, die gescheitert sind, Familien, Freundschaften die zerbrochen sind, Nachbarschaften die kaputtgegangen sind. Wie viel Scheitern gibt es in unserer Welt heute!

Und wie lösen wir heute dieses Problem? Da kippt man einen Schnaps rein und Bier drauf, oder dann werden viele laute Feste gefeiert, - die sind schon gar nicht mehr fröhlich, die sind höchstens noch lustig. Aber wenn Du dahinter schaust: Wie viel Not ist oft dahinter. Und für alle diese Menschen, die auch heute im Gescheitertsein leben, ist Jesus der König, der Heiland, der den Menschen eine neue Perspektive und eine neue Hoffnung gibt. Wir dürfen zu ihm aufschauen, zu dem Mann mit der Dornenkrone, und zu ihm sagen: „Herr denk an mich.“

 

Ich will jetzt zum Schluss noch einen großen Bogen spannen. Dieser Christus wird einmal mit Macht und Herrlichkeit wiederkommen, sagt uns die Bibel. Und wenn er wiederkommt, dann kommt er nicht allein, sondern mit ihm eine unübersehbar große Schar aus allen Völkern und Nationen. Vielleicht erinnern Sie sich noch an die Lesung vom Allerheiligenfest. Und in dieser unübersehbar großen Schar derer, die mit Jesus, dem Sieger, wiederkommen, - was meinen Sie, wie viel verkrachte und gescheiterte Existenzen dann wohl dabei sind?! Aber sie stehen auf der Seite des Siegers, weil sie gelernt haben, in ihrem Scheitern auf den Mann mit der Dornenkrone zu blicken und zu sagen: „Herr vergiss mich nicht, denk an mich.“

Glaub mir, wenn Jesus einmal wiederkommt, - für jeden ist ein Platz da, für die Gescheiten und für die Gescheiterten. Wenn wir nur lernen, zu diesem Erlöser, zu diesem König mit der Dornenkrone aufzuschauen.   Amen.

 

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