Pfarrer Karl Sendker

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Predigt zum Evangelium:   Mt 2,1-12

Predigttext:    Mt 2,1-12

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Diese Geschichte von den Weisen aus dem Morgenland, die den neugeborenen König der Juden suchen, ist uns allen ja sehr vertraut. Aber wenn man genau hinschaut steckt diese Geschichte voller Merkwürdigkeiten. Ich will Ihnen einige davon nennen.

 

Ein Erstes: Da kommen die Weisen und suchen einen König, und sie finden ein kleines Kind, das in ärmlichsten Verhältnissen geboren ist. Diese Spannung zieht sich durch die ganze Geburtsgeschichte Jesu hindurch. Auf der einen Seite die Geburt unter ärmlichen Verhältnissen, weil in der Herberge kein Platz war. Und auf der anderen Seite der Glanz und die Herrlichkeit, die bei den Hirten auf dem Felde sichtbar wird. Und letztlich gesehen, zieht sich das wie ein roter Faden durch das ganze Leben Jesu hindurch. Das einzige Mal, wo Jesus wirklich sich als König offenbart, ist der Augenblick, wo er wie ein Verbrecher vor Pilatus steht.

 

Eine zweite Merkwürdigkeit: Das Volk Israel, vor allem die gehobene Schicht im Volk Israel, hat Jahrhunderte lang auf den Messias gewartet. Sie haben darum gebetet und gerungen, dass Gott doch endlich den Messias schicken möge. Und jetzt, als die Sterndeuter kommen und nach dem neugeborenen König der Juden fragen, da hätte man doch eigentlich erwarten sollen, dass die geistliche Elite des Volkes jubelt und sich freut, dass Gott den Messias geschickt hat. Aber stattdessen Erschrecken. Bei König Herodes kann man sich das noch erklären. Der hatte Angst um seinen Thron. Er war bekannt für seine Grausamkeit, wenn es darum ging, seine Macht zu sichern. Aber hier heißt es: Ganz Jerusalem erschrak mit ihm.

Und ich frage einmal in diesem Zusammenhang auch für uns heute. Stell Dir einmal vor, Jesus würde heute kommen, zu uns. Ob nicht Viele in unseren Kirchen auch erschrecken würden, ob vielleicht auch der Papst erschrecken würde, die Bischöfe, die Pfarrer, die vielen Frommen?

Wenn man im Fernsehen den großen Festgottesdienst im Petersdom zu Weihnachten sieht. Da ist mir so durchs Herz gegangen: Stell Dir einmal vor: Jesus kommt zur gleichen Zeit in einem Armenviertel am Stadtrand von Rom zur Welt. Ob die Leute auf dem Petersplatz nicht erschrocken gewesen wären. Ich weiß nicht, ob wir uns so einfach erheben können über König Herodes und die Frommen damals. Es gibt manche Anzeichen, die dafür sprechen: Wenn Jesus heute wiederkäme, wir würden ihn vielleicht auch nicht erkennen.

Aber man sollte doch annehmen, dass die Theologen, die Priester, die Hohenpriester, die Geistlichen des Volkes Israel, sich freuen. Obwohl sie genau Bescheid wissen, als Herodes sie fragt, wo der Messias geboren werden soll. „In Bethlehem im Land Juda.“ Das steht ja schon beim Propheten Micha. Sie kennen ihre Bibel gut. Ihr theologisches Wissen ist richtig. Aber sie gehen nicht hin. Sie beten nicht an.

Und auch hier die Frage an die Theologen unserer Zeit: Bei aller richtigen, geschliffenen theologischen Erkenntnis: Gehen die Theologen heute hin zu diesem Kind und beten es an?

 

Ein Weiteres: Wenn man sich einmal die Sterndeuter aus dem Orient anschaut. Was lassen die sich das kosten, dass sie das Kind finden. Nicht nur, dass sie Geschenke mitgebracht haben, Gold, Weihrauch, Myrrhe. Was lassen die das auch kosten an Zeit. Dass sie sich auf den langen Weg machen aus dem Orient und diesem unsicheren Zeichen des Sterns folgen. Und hier die Frage an uns: Was lassen wir uns eigentlich Jesus noch kosten? Ist er uns im buchstäblichen Sinne noch ‚kostbar’? Was lassen wir uns das kosten, ihn zu finden, an Zeit, vielleicht aber auch an materiellen Dingen, an Geld? Ist uns das noch etwas wert, dass wir kommen und ihn anbeten, ihm huldigen? Oder erledigen wir das so im Vorbeigehen?

 

Und schließlich noch einen Gesichtspunkt: Jeder, der Jesus finden möchte, darf damit rechnen, dass er von Gott geführt wird und zwar auf verschiedenste Weise, so wie jeder es verstehen kann. Gott hat den Josef geführt durch einen Traum. Gott hat die Theologen geführt durch die heilige Schrift, sie wussten es ganz genau durch die heilige Schrift, die kannten sie. Gott hat die Hirten zur Krippe geführt durch den Engel. Gott hat die Sterndeuter geführt durch ein astronomisches Zeichen. Die Astronomen sagen uns heute, dass zur Zeit der Geburt Jesu zwei unserer Planeten so dicht nebeneinander am Himmel gestanden haben, dass sie wie ein großer Doppelstern aussahen. Das war das Zeichen, das die Sterndeuter verstehen konnten. Wer Jesus finden will, der darf damit rechnen, dass er von Gott geführt wird, so wie er es verstehen kann, ganz gleich ob er zu den Gebildeten oder zu den ganz schlichten Menschen gehört.

 

Aber eins ist auch deutlich: Wenn Gott Dich führt, dann führt er Dich zu Jesus selbst. Es ist doch merkwürdig: Gott hat die Sterndeuter nicht in den Tempel von Jerusalem geführt, sondern zu dem ärmlichen Ort, wo Jesus war. Und wenn Gott einen Menschen heute führt, möglicherweise führt er ihn dann nicht zur Kirche, weder zur katholischen noch zur evangelischen Kirche. Gott führt den Menschen zu Jesus. Wir werden zuerst Jesusjünger, und dann sind wir Kirche. Wir drehen den Spieß manchmal um und meinen, erst käme die Kirche und dann würden wir dort Jesus finden. Nein, erst finden wir Jesus, und dann entdecken wir, dass wir Kirche sind. Das ist das Ziel Gottes mit jedem von uns, dass wir uns führen lassen zu ihm, Jesus.

 

Schließlich einen letzten Gedanken, ganz kurz. Im Zentrum steht die Anbetung, die Huldigung. Wir sind eingeladen, nicht über den neugeborenen König der Juden zu spekulieren, sondern hinzugehen und ihn anzubeten. Jeder ist dazu eingeladen.   Amen.

 

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