Pfarrer Karl Sendker

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Predigt zum Evangelium:   Lk 10,21-24

Predigt zur 1. Lesung:  Apg 8,1b.4.14-17   (nur MP3 Format)

Predigttext:      Lk 10,21-24

 

Predigt im MP3 Format

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Aus den Evangelien wissen wir, dass Jesus oft nächtelang gebetet hat. Immer wieder kommt in den Evangelien der Hinweis: Jesus zog sich zurück auf einen Berg und betete eine ganze Nacht hindurch. Er war im Gespräch mit seinem Vater im Himmel. Das war eines der typischen Kennzeichen Jesu.

Wenn das wirklich so ein typisches Kennzeichen Jesu war, dann ist es überraschend, dass uns nur ganz wenige Gebete Jesu in den Evangelien Jesu überliefert sind. Und diese wenigen Gebete, die überliefert sind, sind außerdem noch extrem kurz. Das ist schon ungewöhnlich angesichts der Tatsache, dass Jesus ganze Nächte lang gebetet hat.

So ein kurzes Gebetswort haben wir heute am Anfang unseres Evangeliums: „Ich preise dich Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen hast, den Unmündigen aber offenbart hast. Ja Vater, so hat es dir gefallen.“ Es ist ein Lobpreis an den Vater.

Aber wenn wir genau hinschauen, entdecken wir: Es ist nicht nur ein Lobpreis mit Worten, wie wir etwa im Gloria beten: „Wir loben dich, wir preisen dich, wir beten dich an ...“ Wir spüren bei Jesus: Hinter diesen Gebetsworten steckt eine Lebenshaltung Jesu, und diese Lebenshaltung heißt ganz schlicht: „Ja Vater!“ Das war die Grundhaltung, aus der Jesus gelebt hat. Ganz gleich, in welche Situation der Vater ihn hineinstellt, Jesus sagt: „Ja Vater!“

Übrigens, nur nebenbei gesagt, es ist die gleiche Haltung, aus der die Gottesmutter Maria gelebt hat: „Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort.“ „Ja Vater!“, so könnte man da auch sagen. „Ich preise dich Vater, Herr des Himmels und der Erde. Ja Vater.“

 

Nun kann man so ein Lobgebet mit dem Jawort relativ leicht beten, wenn es einem gut geht. Aber wenn wir im Lukasevangelium einmal lesen, in welchem Zusammenhang dieses Gebetswort steht, dann merken wir: Es war eine Zeit, in der es Jesus gerade nicht gut ging. Jesus hat am Anfang seines Wirkens auch ein großes Erfolgserlebnis gehabt. Als er in Galiläa auftrat, da sind die Leute ihm zu Scharen zugeströmt. Aber hier im zehnten Kapitel des Lukasevangeliums geht es los, da braut sich über dem Kopf Jesu alles zusammen.

Es ist die Zeit, wo die Weisen und Klugen, nämlich die Hohenpriester, die Pharisäer und Theologen und Schriftgelehrten ihn angreifen und ihm nachsagen: Du bist mit dem Teufel im Bund.

Es ist die Zeit, wo er nicht mehr den großen Zulauf hat, wo einer nach dem anderen von den Jüngern weggeht, so dass schließlich Jesus am Ende die Zwölf fragen muss: „Wollt ihr nicht auch gehen?“ Nur noch zwölf waren übrig.

Es war die Zeit, wo es ihm klar wurde: Mein Weg wird nicht als strahlender Messias enden, sondern mein Weg wird am Kreuz enden.

Und in dieser Situation, wo langsam die Dunkelheit über ihn zusammenbricht, da sagt er: „Ja Vater!“ Er nimmt das ganz bewusst an. Und es steht sogar im neunten Kapitel des Lukasevangeliums, nachdem ihn klar geworden war, dass sein Weg am Kreuz endet: „Von da an nahm er entschlossen seinen Weg nach Jerusalem.“ „Ja Vater, so ist es dein Wille.“

Und er hat dieses Ja auch durchgehalten, als er am Ölberg den Todeskampf kämpft: „Vater, lass den Kelch an mir vorübergehen. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst.“ Wieder im Hintergrund dieses „Ja Vater!“

Und wenn Jesus uns das Gebet des Herrn gelehrt hat, das Vaterunser, und wenn dann im Mittelpunkt des Vaterunser die Bitte steht: „Dein Wille geschehe“, dann bedeutet das letztlich ja auch: „Ja Vater!“ Und was Jesus uns im Vaterunser lehren will, sind auch nicht nur Gebets-Worte, sondern eine Lebenshaltung, die zum Vater im Himmel „Ja“ sagt.

 

Welche Lebenshaltung haben wir Gott gegenüber? Leben wir wirklich aus dem „Ja“ Gott gegenüber, oder leben wir vielleicht mehr aus dem „Nein“?

Leben wir aus dem Murren, wenn unsere Lebensplanung anders aussieht, als Gott uns führt. Leben wir dann nicht oft aus einer stillen Auflehnung heraus?

Oder leben wir vielleicht aus einem „Ja - aber“? Grundsätzlich sagen wir „Ja“ zum Willen Gottes. Aber in der konkreten Situation haben wir schnell ein „Aber“ zur Hand.

Jesus will uns lehren: Fang an, „Ja“ zu sagen.

 

Die großen Heiligen lehren uns das gleiche, angefangen von der Gottesmutter Maria bis hin zu den Heiligen unserer Tage, etwa Charles de Foucault am Anfang des 20. Jahrhunderts, wenn er betet: „Mein Vater, ich überlasse mich dir, mach mit mir, was dir gefällt ...“ Oder wenn Eduard Müller, ein Kaplan, der 1943 in den Lübecker Christenprozessen hingerichtet worden ist, am Ende seines Lebens betet: „Hier sind meine Hände, lege darauf, was du willst. ... Führe mich, wohin du willst. In allem geschehe dein Wille.“ Und dann ist er ermordet worden.

Alle lehren uns diese Lebenshaltung: „Ja Vater!“

 

Man muss auf die Kleinigkeiten achten. Dieses Jawort Jesu und das Jawort der Heiligen heißt ja nicht einfach nur: Ja ‚Gott’, sondern das heißt: Ja ‚Vater’. Es ist schon wichtig, welches Bild von Gott wir haben, damit wir ein Jawort Gott gegenüber sprechen können. Wohl nur derjenige kann sein Jawort geben, der im tiefsten seines Herzens verstanden hat: Gott ist mein Vater. Er hält mich auch dann noch, wenn die Stürme meines Lebens kommen. Er trägt mich auch dann noch, wenn mir scheinbar der Boden unter den Füßen weggezogen ist. Wenn ich weiß, dass dieser Gott mein Vater ist, dann erst kann ich mich vertrauensvoll in seine Hand legen und sagen: „Ja Vater!“

 

Warum ist wohl dieses Evangelium in der Liturgie ausgerechnet am Pfingstmontag vorgesehen? An Pfingsten geht es doch eigentlich um den Heiligen Geist. Ja, das stimmt. Aber ich erinnere mich, dass Petrus in der Apostelgeschichte einmal eine Predigt gehalten hat. Er hat diese Predigt beendet mit dem Hinweis auf den Heiligen Geist, den alle die empfangen sollten, „die Gott gehorchen“.

Nur der kann die Kraft Gottes, die Kraft des Heiligen Geistes in seinem Leben erfahren, der aus diesem vorbehaltlosen „Ja“ lebt, der sagen kann: „Ja Vater!“

Wer Gott gegenüber immer nur Vorbehalte hat, oder wer nur aus dem Murren lebt, der wird diese froh machende und freimachende Kraft des Heiligen Geistes in seinem Leben nie erfahren.

 

Das ist übrigens genauso wie beim elektrischen Strom. Wenn du die Kraft des elektrischen Stroms in Anspruch nehmen willst, dann musst du dich den Naturgesetzen unterwerfen. Dann darfst du bei einem Stecker nicht beide Kabel an einen Pol löten, sonst gibt es ‚einen gewischt’. Du musst dich den Gesetzen der Natur unterwerfen, du musst ihnen gehorsam sein.

Es gibt auch geistliche Grundgesetze, Grundprinzipien. Und erst wenn ich denen gehorsam bin, wenn ich mich denen möglichst anpasse, habe ich optimale Ergebnisse, dann werde ich die Kraft des Heiligen Geistes erfahren.

Wir brauchen die Kraft des Heiligen Geistes für ein freudiges, frohes und erfülltes Christsein. Und darum noch einmal die Einladung Jesu: sage  „Ja Vater!“  Amen.

 

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