Pfarrer Karl Sendker

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Predigt zur 1. Lesung:   Ez 37,1-14    Predigt im mp3 Format

Predigt zum Evangelium:   Joh 7,37-39

 

Predigttext:      Ez 37,1-14

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das ist schon ein grausiges Bild, das uns da in der Lesung aus dem Propheten Ezechiel gezeigt wurde. Da wird der Prophet Ezechiel in einer Vision in eine Talebene geführt, und in der Tal Ebene sieht er nur Knochen, lauter Totengebein und Totenschädel, die verbleicht und verdorrt in der Sonne liegen. Ein grausiges Bild.

Aber noch furchtbarer ist die Botschaft, die Gott dem Propheten Ezechiel dann sagt: „Menschensohn, das ganze Volk Israel ist wie ein Haufen von Totengebein.“ Da ist überhaupt kein Leben mehr drin. Ihr feiert zwar im Tempel festliche Gottesdienste, ihr sagt, dass ihr ein lebendiges Volk Gottes seit. Aber in Wirklichkeit seid ihr nur ein Haufen von Totengebein. Da ist kein Leben mehr zu finden.

 

Wenn Gott über uns, über die Kirche in Deutschland ein Urteil abgeben würde, ob er dann vielleicht auch über uns sagen würde: „Ihr habt zwar den Ruf, eine lebendige Kirche zu sein. Ihr habt in der deutschen Kirche eine perfekte Organisation, ihr habt das höchste Spendenaufkommen in der ganzen Welt. Ihr seid eine reiche Kirche. Ihr habt den Ruf, eine lebendige Kirche zu sein. Aber in Wirklichkeit seid ihr ein großer Haufen von Totengebein. Da ist überhaupt kein Leben mehr da.“ Ob Gott das auch über uns sagen würde?

Lasst uns das nicht so schnell abtun. Ich denke in diesem Zusammenhang zum Beispiel an die vielen so genannten U-Boot-Christen. Kennen Sie solche U-Boot-Christen? Das sind Christen, die alle einen Taufschein haben, aber sie leben die meiste Zeit untergetaucht. Ab uns zu kommen Sie einmal an die Oberfläche: bei der Erstkommunion, bei einer Taufe, bei einer Beerdigung oder bei einer Hochzeit, dann tauchen die einmal auf. Aber sonst leben sie meist untergetaucht. Das ist kein Zeichen von Leben.

Oder wenn ein Kennzeichen von Leben Wachstum ist, dann muss man doch sagen: die Kirche in Deutschland hat kein Wachstum, da bröckelt es immer mehr ab. Da gibt es höchstens noch, wie man modernen sagt, Minuswachstum. Könnte es sein, dass der Prophet auch für unsere Kirche sage müsste: Ihr seid ein Haufen von Totengebein?

 

Und dann lässt Gott den Propheten Ezechiel rund um das Feld mit dem Totengebein herumgehen. Er soll nicht nur einen flüchtigen Blick darauf werfen und dann schnell weitergehen. Nein, er muss sich das von allen Seiten genau anschauen.

Ich glaube, die Hoffnung der Kirche in Deutschland besteht zunächst einmal darin, dass wir uns nicht mehr Sand in die Augen streuen und so tun, als wären wir alle noch lebendig. Sondern dass wir, gerade wir, die wir noch zur Kirche gehen, dass wir wirklich einmal um dieses Feld herumgehen und uns die ganzen Knochen anschauen, die Situation der Kirche, so wie sie wirklich ist. Dass wir nicht mehr alles schönreden.

 

Dann fragt Gott den Ezechiel: „Menschensohn, was meinst du? Können diese toten Gebeine wohl wieder lebendig werden?“ Und Gott fragt uns heute, uns die Kirche in Deutschland, heute am Vorabend des Pfingstfestes: „Was meint ihr, kann diese tote Kirche in Deutschland, wo so viel abbröckelt, kann die noch wieder lebendig werden?“

Es gibt heute zwei Antworten, die auf diese Frage gegeben werden, die aber beide falsch sind.

Die erste Antwort heißt: „Tot ist tot, da kann man nichts mehr machen.“ Und dann steigen viele Leute aus und kehren der Kirche den Rücken: „Lieber heute abhauen, als übermorgen der Letzte sein.“ Aber das ist keine Antwort.

Aber die entgegengesetzte Antwort ist genauso falsch: „Das schaffen wir schon! Wir werden die Ärmel hochkrempeln, dann kriegen wir das schon in den Griff. Wenn der Zölibat einmal abgeschafft ist, wenn Frauen Priester werden dürfen … Oder wir auf der Ebene der Diözese: wenn die kleinen Pfarreien einmal zusammengelegt sind, wenn wir eine neue Struktur haben, dann bekommen wir das alles irgendwie in den Griff. Aber auch diese Antwort ist falsch.

Gott fragt den Ezechiel: „Menschensohn was meinst du, können diese toten Gebeine wohl wieder lebendig werden?“

Nun gibt der Prophet eine Antwort, die letztlich allein trägt. Er sagt: „Mein Herr und mein Gott, das weißt nur du.“ Das bedeutet: Er verlagert die Antwort in Gott hinein. Mit anderen Worten bedeutet das: Wenn es für diesen Haufen Totengebein, wenn es für die Kirche in Deutschland noch eine Chance gibt, dass sie wieder lebendig wird, dann liegt diese Chance nicht im „Ärmelaufkrempeln“, sondern dann liegt diese Antwort allein in dir, Gott. Wenn du es tust, wenn du die Sache in die Hand nimmst, dann hat die Kirche noch eine Chance. „Mein Herr und Gott, das weißt nur du.“ Solche Menschen sucht Gott, die ihm etwas zutrauen.

 

Dann sagt Gott dem Propheten Ezechiel: „Menschensohn, sprich als Prophet zu diesen toten Gebeinen da, zu diesen vertrocknet Knochen.“

Wie bitte? Der soll zu den toten Gebeinen reden? Das ist doch Unsinn!

Aber ich höre seit Jahren in meinem Herzen, wie Gott mir einhämmert: „Sprich ein prophetisches Wort zu der toten Kirche in Deutschland. Die Kirche in Deutschland braucht heute prophetische Ermutigung. Spricht zu ihnen!“ Das ist der Grund, warum ich keine Gelegenheit auslasse, wenn es irgendwo eine Möglichkeit gibt, zu predigen, dass ich diese dann auch nutze. Das ist der Grund, warum ich immer wieder Exerzitien und Bibelkurse halte. Das ist der Grund, warum ich bei Radio Horeb mitmache. Natürlich ist alles viel zusätzliche Arbeit. Aber es brennt in meinem Herzen: „Sprich ein prophetisches Wort zu der Kirche in Deutschland, die oft so vertrocknet ist!“

 

Was ist nun dieses Wort, das Ezechiel sprechen soll? „Ihr vertrockneten Gebeine hört das Wort des Herrn!“ Und das ist die Botschaft, die Gott für unsere Kirche heute hat: „Ihr, die Kirche in Deutschland, wo so viel im Argen liegt: Hört das Wort des Herrn!“

Das ist das Entscheidende, dass Menschen sich wieder öffnen für sein Wort. Wenn wir jetzt Zeit hätten, dann könnten wir einen Gang machen durch die Bibel und durch die Kirchengeschichte. Wir würden feststellen: Überall dort, wo es wirklich eine Erneuerung gegeben hat, wo es einen geistlichen Aufbruch gegeben hat, hat es immer damit angefangen, dass Menschen sich wieder für das Wort Gottes geöffnet haben.

Und es ist ein ermutigendes Zeichen heute in Deutschland, dass immer mehr Menschen anfangen, wieder im Wort Gottes zu lesen, das Wort Gottes in sich gleichsam aufzusaugen, damit es in ihnen Wohnung nehmen kann. Gerade jetzt am Pfingstfest finden an vielen Orten Pfingsttreffen statt, wo Menschen sich um das Wort Gottes sammeln, um sich in das Wort Gottes hinein zu vertiefen. Das ist ein ermutigendes Zeichen.

„Ihr toten Gebeine gehört das Wort des Herrn!“

 

Was ist hier bei Ezechiel dieses Wort, das sie hören sollen? Das sind nicht die 10 Gebote. Nein, es ist eine Verheißung Gottes. Der Prophet soll als Wort Gottes sagen: „So spricht Gott der Herr zu diesen toten Gebeinen: Ich bringe den Heiligen Geist in euch, dann werdet ihr lebendig. Ich gebe euch Sehnen und überziehe euch mit Fleisch. Ich überspanne euch mit Haut, und ich bringe Geist in euch, damit wir wieder lebendig werdet.“ Nicht ihr müsst das tun, sondern ich tue es, sagt Gott. Traut mir doch zu, dass ich aus der vertrockneten Kirche in Deutschland wieder etwas machen kann.

 

Als der Prophet Ezechiel diese Botschaft den trockenen Gebeinen verkündet, da entsteht auf einmal ein Dröhnen, eine Rascheln, ein Rauschen. Knochen rückt an Knochen, die Schädel rücken zu den entsprechenden Knochen. Es kommt Fleisch, es kommen Sehnen, es kommt Haut darüber. Der Geist kommt in sie hinein. Und auf einmal stehen die, die vorher wie vertrocknetes Gebein auf dem Boden gelegen hatten, die stehen auf einmal auf als ein lebendiges, großes Heer von Glaubenszeugen.

Das ist das, was Gott in unserer Kirche tun will. Ich rechne damit, dass er das tut, dass er unserer Kirche in Deutschland noch einmal großes Heer von Glaubenszeugen erweckt durch den Heiligen Geist. Dass er uns Menschen schenkt, die sich nicht ihres Glaubens schämen, sondern die freudig Zeugnis ablegen vor der Welt: Ich bin stolz darauf, zu Jesus Christus zu hören. Ich bin stolz darauf, zur katholischen Kirche zu gehören. Solche Menschen wird Gott uns erwecken, und ich rechne damit. Und ich freue mich darüber, dass es so viele kleine Anzeichen gibt, wo das bereits sichtbar wird.

 

Wir stehen heute am Vorabend des Pfingstfestes. Ich kann mich noch gut erinnern. Es etwa 45 Jahre her, da hat Papst Johannes XXIII. in Rom das Konzil angekündigt, weil er in seinem Herzen diese Botschaft hatte, die Gott selbst ihm ins Herz gelegt hatte: „Ich werde für die Kirche noch einmal ein neues Pfingsten schenken. Ich werde noch einmal den Heiligen Geist ausgießen, und ich werde euch lebendig machen.“ Darum hat er das Konzil einberufen. Und es war für uns, ich war er damals noch ein junger Mensch, ein großes Zeichen der Ermutigung und des Aufbruchs.

Nun kann man natürlich sagen: Das ist 45 Jahre her. Was hat sich denn in diesen Jahren getan? Der große Aufbruch ist ja nicht gekommen.

Aber trotzdem, als der Prophet Ezechiel damals seine Botschaft ausgerichtet hat, da hat es noch 70 Jahre gedauert, bis das Volk Israel wirklich erneuert wurde. Und was sind dann die gut 40 Jahre, die seit der Eröffnung des Konzils vergangen sind? Ich rechne damit, dass Gott in seiner Kirche hier in Deutschland und auf der ganzen Welt noch einmal Großes wirkt.

 

Am Ende der Lesung sagt Gott: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr wieder lebendig. Ich bringe euch wieder zurück in euer Land. Und dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin. Ich habe es gesagt, und ich tue es auch“, spricht der Herr.

„Ich habe es gesagt, und ich tue es auch!“

Da bleibt mir als Prediger nur übrig zu sagen: „Amen, so sei es!“

 

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Predigttext:      Joh 7,37-39

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Es gibt eine Frage, die mich im tiefsten Herzen seit langem bewegt, und die immer am Pfingstfest hochkommt. Die Frage: Warum erfahren wir uns bei katholischen Kirche so wenig von der Kraft des Heiligen Geistes?

Jeder der heute hier in der Kirche ist, ist getauft. Und wir wissen doch, dass bei der Taufe der Heilige Geist auf die Menschen herabkommt. Vermutlich sind auch die allermeisten von uns gefirmt worden. Und bei diesem Sakrament der Firmung werden wir ja noch einmal mit der Fülle des Heiligen Geistes beschenkt, durch die Handauflegung des Bischofs und durch die Salbung mit Chrisamöl. Wir habe in den Heiligen Geist empfangen. Aber es wird so wenig sichtbar, so wenig spürbar von der Kraft des Heiligen Geistes.

 

Wenn wir einmal in die Bibel hineinschauen, in die Apostelgeschichte, in die Paulusbriefe, oder auch ins Alte Testament: Wenn da der Heilige Geist auf einen Menschen herabgekommen ist, dann wird dieser Mensch total verwandelt. Und jeder kann das merken, dass der mit dem Heiligen Geist erfüllt ist.

Eines Tages kommt der Apostel Paulus nach Ephesus in der heutigen Türkei und trifft da eine Gruppe von Jüngern. Und er merkt sofort: Mit denen stimmt irgend etwas nicht. Und dann fragt er sie: „Habt ihr eigentlich den Heiligen Geist empfangen, als ihr gläubig gewordenen seid?“ Der Apostel Paulus konnte merken, dass sie den Heiligen Geist noch nicht empfangen hatten. Warum merkt man das bei uns zu wenig? Warum ist bei uns so wenig von dieser verwandelnden Kraft des Heiligen Geistes zu spüren? Diese Frage bedrängt mich seit Jahren gerade am Pfingstfest immer wieder neu.

 

Eine, nicht die einzige Antwort auf diese Frage finden wir heute im Evangelium, in dem Abschnitt, den wir eben gehört haben. Da wird eine Voraussetzung genannt, damit wir die Kraft des Heiligen Geistes, die ja in uns ist, erfahren können. Es ist nur ein ganz schlichtes Bildwort, nur ein einziger Satz. Da sagt Jesus: „Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke.“ Hier liegt das Geheimnis, in diesem schlichten Satz: „Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke.“

Wenn Du in Deinem Leben die Kraft des Heiligen Geistes erfahren willst, dann ist die erste Voraussetzung: Du musst Durst haben. Durst ist in der Bibel ein bildhafter Ausdruck für die Sehnsucht, für die Lebenssehnsucht des Menschen. Wenn Du nach Gott Sehnsucht hast, wenn es Dir das größte Herzensanliegen ist: Ich möchte die Kraft des Heiligen Geistes erfahren, dann ist das die wichtigste Voraussetzung dafür, dass wir das auch wirklich erleben.

Diejenigen, die zufrieden sind, die satt sind, die schon alles haben, die sich abgefunden haben mit dieser Welt wie sie nun einmal heute ist, die werden nie die Herrlichkeit Gottes erleben. Heute morgen habe ich den Psalm 63 gebetet. Da betet David: „Gott, du mein Gott, dich suche ich. Meine Seele dürstet nach dir wie dürres, lechzendes Land. Deine Kraft und deine Herrlichkeit möchte ich schauen.“ Wenn Menschen sagen: Deine Macht und deine Herrlichkeit möchte ich sehen, danach habe ich Sehnsucht in meinem tiefsten Herzen.

Aber der gleiche David kann in einem anderen Psalm auch beten: „O Gott, bewahre mich vor den Satten, vor denen, die in diesem Leben schon alles haben“, die zufrieden sind.

Das Wichtigste ist: Habe Durst nach Gott.

 

Schau Dir einmal Menschen an, die das erlebt haben. Ich weiß von einer Frau, die ist 1949 gestorben, Christa von Viebahn, eine evangelische Christin. Sie hat als evangelische Frau in jungen Jahren eine evangelische Schwesternschaft gegründet. Und die haben bis auf den heutigen Tag unheimlich segensreich im ganzen Süden Deutschlands gewirkt. Ich habe diese Schwesternschaft vor Jahren einige Male besucht. Die strahlen eine Freude aus; die strahlen eine Kraft aus, die wir in unseren katholischen Klöstern in der Regel überhaupt nicht mehr haben. Aber es ist kennzeichnend: Die Biographie dieser Christa von Viebahn, der Gründerin der Schwesternschaft, die hat den Titel: „Ich hatte Durst nach Gott.“

 

Schau dir ein einen Mann an, wie Papst Johannes XXIII. Er wurde als alter Mann zum Papst gewählt Vielleicht hatte man gedacht: Der wird nicht viel bewegen in der Kirche. Aber in diesem alten Papst war eine Sehnsucht nach Gott lebendig. Und Gott hatte ihm ein Bild ins Herz gelegt, eine Vision: Die Kirche solle noch einmal ein neues Pfingsten erleben. Er hat dann das zweite Vatikanische Konzil einberufen. Er hat an diesem Bild vom neuen Pfingsten festgehalten. Und es ist sicher kein Zufall, dass Papst Johannes XXIII. an einem Pfingstfest gestorben ist.

 

Schau Dir einen Mann an, der  in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts in den USA gelebt hat: Martin Luther King, diese Negerpastor, der mitten in den Rassenunruhen in den USA öffentlich aufgetreten ist mit seiner berühmten Rede: „Ich habe einen Traum, dass einmal Schwarze und Weiße gemeinsam an einen Tisch sitzen.“

Wenn es heute möglich ist, dass ein Farbiger in den USA Minister in der Regierung ist, oder Bürgermeister wird, dann liegt das nicht zuletzt daran, bei dieser Martin Luther King an seinem Traum festgehalten hat, den Gott ihn ins Herz gelegt hatte. Gut, er ist für seinen Traum gestorben. Man hat ihn erschossen. Aber durchgetragen hat sich die Kraft des Heiligen Geistes.

In all diesen Beispielen haben Menschen die Kraft des Heiligen Geistes erlebt, weil sie Sehnsucht hatten nach dem lebendigem Gott.

Habe eine große Sehnsucht, und halte daran fest. Und wenn Du Erfüllung dieser Hoffnung lange Zeit nicht sehen kannst, dann halte dieses Bild der Hoffnung trotzdem in deinem Herzen fest.

 

Ich selbst habe eine ganz große Hoffnung für die Kirche in Deutschland, dass Gott durch den Heiligen Geist hier in Deutschland noch einmal etwas Neues wirkt. Ich weiß nicht genau, wie das gehen wird. Von Menschen wird das nicht kommen. Aber Gott hat in seiner Kraft mehr Möglichkeiten, als wir sie haben. Und das macht mich froh, das macht mich mutig, daran festzuhalten.

 

„Wen dürstet ...“, und jetzt kommt das Zweite: „... der komme zu mir und trinke.“

Die Frage ist: Wohin gehst du eigentlich mit deiner Lebenssehnsucht? Viele Menschen erwarten heute die Erfüllung ihrer Lebenssehnsucht buchstäblich von dem, was sie trinken, vom Alkohol. Viele Menschen erwarten die Erfüllung ihrer Lebenssehnsucht heute ganz praktisch von Sonderangeboten, die man in den Geschäften kaufen kann. Viele Menschen erwarten die tiefste Lebenserfüllung von einem Partner. Aber damit überfordern sie dann oft auch den Partner, und auch die Menschen, mit denen sie zusammen sind. Viele erwarten die tiefste Erfüllung ihrer Sehnsucht davon, dass die Strukturen geändert werden, in der Kirche, in der Welt. Aber das alles ist nicht die tiefste Erfüllung.

 

Ich will es einmal auf den Punkt bringen: Wenn ein Mensch schuldig geworden ist, wenn er gesündigt hat: wenn der das gleiche, was er heutzutage einem Therapeuten auf der Couch erzählt, wenn er das heute mit einem Beichtvater in der Beichte vor Jesus Christus bringt, dann bekommt er Vergebung und Befreiung.

Rein äußerlich erzählt er vielleicht das Gleiche. Aber Jesus sagt: „Wer Durst hat, der komme zu mir.“ In dem Augenblick, wo wir entdecken, dass Jesus die letzte Erfüllung unseres Lebens ist, da wird auch unser Lebensdurst gestellt.

Ich will es doch einmal auf den Punkt bringen, damit ich nicht missverstanden werde: Jesus hat nicht gesagt: „Wer Durst hat, der gehe zur Kirche.“ Ich sag das einmal sehr pointiert. Jesus sagt: „Wer Durst hat, der komme zu mir. Wir haben in der katholischen Kirche zu oft von Kirche gesprochen. Wir haben den Leuten gesagt: „Ihr müsst zur Kirche gehen“, wo wir eigentlich hätten sagen müssen: „Ihr müsst zu Jesus gehen“.

Gut, ich weiß auch, dass die Kirche der Leib Christi ist. Aber es ist ein Unterschied, ob ich zu der Organisation Kirche gehöre, oder ob ich ein lebendiges Glied am Leib Christi bin, ob meine Beziehung zu Jesus Christus das Wichtigste und das Erste ist. Da liegt die Erfüllung unserer Sehnsucht.

Und darum sagt Jesus: Wenn du Lebenssehnsucht hast, und wenn du spürst, dass diese Lebenssehnsucht unerfüllt geblieben ist, dann komme zu mir.

 

Und schließlich das Dritte:

Jesus sagt: „Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke. Das ist auf den ersten Blick eine Banalität. Aber wenn Jesus das so deutlich sagt, dann wird er schon seinen Grund haben.

Ich will es wieder einmal auf den Punkt bringen:

Wenn Du in Deinen irdischen Leben starken Durst hast ... Es ist so heiß, Du hast schwer gearbeitet, und jetzt hast du einen richtigen Durst. ... dann bekommst Du diesen Durst nicht dadurch gelöscht, dass Du Dir ein Glas Wasser auf den Boden stellst, Dich im Schneidersitz davor hinsetzt, die Augen zu machst und eine Meditation hältst über das lebendige Wasser. Damit bekommst Du den Durst nicht gestillt. Nein, Du musst das Glas Wasser nehmen und muss ganz einfach trinken.

 

Einmal ohne Bild gesprochen: Wenn du spürst, dass in Deinen Leben ein Mangel an Liebe ist, dann fang nicht an zu bitten: Gott schenkt ihr mir Liebe für diesen oder jenen Menschen. Fang an zu beten: „Gott, du bist die Liebe. Und der Heilige Geist ist seit der Taufe in mir. Und da eine göttliche Liebe in meinem Herzen ausgegossen ist durch den Heiligen Geist, sie ist bereits in mir. Und weil diese Liebe in mir ist, werde ich dem anderen jetzt ein gutes Wort sagen. Ich versuche es einfach einmal; ich tue es einfach.“

Ich will es noch einmal mit einem anderen Bildwort sagen:

Wenn wir die Kraft des Heiligen Geistes einmal vergleichen mit der Kraft des elektrischen Stroms. In jedem Haus bei uns ist in den Leitungen elektrischer Strom. Aber der Strom nützt Dir überhaupt nichts, wenn Du nicht einen Stecker einsteckst, oder wenn Du nicht die Lampe einschaltest. Dann ist der elektrische Strom wie ein totes Kapital.

Und wenn Du die Kraft des Heiligen Geistes, die Liebe des Heiligen Geistes, die in Deinem Herzen ausgegossen ist, wenn Du die nicht einschaltest einer konkreten Situation, dann stehst Du, bildlich gesprochen, immer noch im Dunkeln da. Du kannst dann nicht das Elektrizitätswerk dafür verantwortlich machen, sprich Gott.

„Wen dürstet, der komme zu mir und trinke.“ Das sagt Jesus.

 

Und was ist das Ziel dabei? Darauf gibt uns das Johannesevangelium im vierten Kapitel eine Antwort. Dann wird es in Dir zu einem Strom vom lebendigen Wasser werden. Wieder ohne Bild gesprochen: Wenn Du Dir angewöhnt hast, in einer konkreten Situation die Kraft des Heiligen Geistes gleichsam einzuschalten, dann strömt die Kraft des Heiligen Geistes aus Dir heraus. Dann wird es sein wie ein Überlaufbrunnen. Der muss erst selber voll sein, damit er dann überläuft nach allen Seiten hin.

Wir meinen oft, wir müssten die Liebe beim anderen Menschen gleichsam schöpfen. Wenn der uns mit Liebenswürdigkeit begegnet, dann begegnen wir ihm auch liebenswürdig. Aber wenn er uns einmal nicht liebenswürdig kommt, was dann? Aber dann ist immer noch in Dir diese Quelle der Liebe, die von innen heraus sprudelt. Und Jesus möchte, dass wir so eine sprudelnde Quelle werden. Dann brauche ich nicht mehr sagen: Ich muss meinen Nächsten lieben, sondern ich kann meinen Nächsten lieben. Es sprudelt einfach aus mir heraus.

„Wer Durst hat, der komme zu mir und trinke.“

Ich wünsche Ihnen heute am Pfingstfest einfach nur dieses: Dass Sie Durst haben, dass Sie eine große Sehnsucht bekommen, die Herrlichkeit und die Kraft Gottes zu erleben. Und glauben Sie mir, Gott wird eine solche Sehnsucht nicht unerfüllt lassen. Amen.

 

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