Pfarrer Karl Sendker

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Siehe auch:    Predigt über das Kreuzzeichen

Predigt zum Evangelium:   Joh 16,12-15

Predigttext: Joh 16,12-15

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Ist Ihnen das schon einmal aufgefallen: In den meisten Pfingstliedern steht die Bitte um das Kommen des Heiligen Geistes.

Aber was ist denn eigentlich, wenn der Heilige Geist dann gekommen ist? Vielleicht ist er ja schon da, und wir rufen immer noch: „Komm Heiliger Geist“. Was passiert denn eigentlich, wenn der Heilige Geist kommt? Wo mit müssen rechnen, und wo mit dürfen wir rechnen, wenn der Heilige Geist gekommen ist? Davon redet heute das Evangelium.

 

Drei Aspekte:

Ein Erstes: Jesus sagt: „Wenn der Heilige Geist kommt, dann wird er zu euch reden.“ Und er sagt ausdrücklich: „Der Heilige Geist wird nicht von sich aus zu reden, sondern was er vom Vater hört, das wird er zu euch reden.“

Das heißt mit anderen Worten: Durch den Heiligen Geist redet der Vater im Himmel zu dir. Und das ist etwas ganz Großes, dass der Heilige Geist nicht nur wie im Alten Testament zu einigen wenigen Auserwählten redet, etwa zu Königen oder Propheten. Nein, zu dir will er reden. Gott will durch den Heiligen Geist ganz persönlich zu deinem Herzen reden.

 

Aber wie geht das, wenn Gott durch den Heiligen Geist zu uns redet? Wie sieht das ganz praktisch aus?

Am häufigsten redet Gott zu uns durch die Heilige Schrift. Davon habe ich schon oft in den Predigten gesprochen. Aber heute möchte ich den Akzent einmal auf etwas anderes setzen:

Wenn Gott durch den Heiligen Geist zu dir redet, dann tut es oft durch ganz alltägliche Begebenheiten. Ganz alltägliche Ereignisse werden auf einmal durchscheinend für das Reden Gottes. Dafür einige Beispiele:

Im Alten Testament hat der Prophet Jeremia die Stimme Gottes gehört. Und wie geht das: Er sitzt in seiner Hütte vor einem gemauerten Ofen. Auf dem Ofen steht ein Topf mit siedendem Wasser. Und weil der Ofen nicht ganz gleichmäßig gemauert war, stand der Topf ein bisschen gekippt. Als nun das Wasser anfängt zu kochen, da läuft der Topf nach einer Seite, nach Norden hin über. Ein ganz alltäglicher Vorgang. Das konnte man damals in jeder Küche beobachten. Aber als der Prophet Jeremia vor diesen überkochendem Topf sitzt, da fängt Gott auf einmal an, zu ihm zu sprechen. Und der Heilige Geist macht ihm klar: So wie der Topf überläuft nach Norden hin, so werde ich von Norden ein Volk kommen lassen, das Israel den Garaus macht. Jeremia sieht voraus, dass Israel in die Babylonische Gefangenschaft verschleppt wird.

Da wurde ein ganz alltägliches Ereignis durchscheinend für das Reden Gottes.

 

Oder ein anderes Beispiel, das aus dem Neuen Testament besser kennen. Da kommt der Engel zu Maria und sagt ihr: Auch Elisabeth, deine Verwandte hat in ihrem hohen Alter ein Kind empfangen. Und dann eilt Maria zu Elsabeth. Und als Maria in das Haus Elisabeths tritt, da fängt das Kind im Mutterschoß der Elisabeth an zu strampeln.

Wiederum ist es ein ganz alltäglicher Vorgang, dass im sechsten Monat ein Kind im Bauch der Mutter strampelt. Aber hier heißt es : Elisabeth wurde vom Heiligen Geist erfüllt. Und sie erkennt auf einmal: Vor mir steht eine junge Frau, die auch schwanger ist. Dabei konnte man bei Maria noch nichts davon sehen. Und Elisabeth erkennt durch das Wirken des Heiligen Geistes: Maria ist nicht nur schwanger, sondern sie wird die Mutter des Allerhöchsten sein.

Das erkennt Elisabeth durch dieses ganz alltägliche Strampeln ihres Kindes im Mutterschoß. Diese alltägliche Begebenheit wird vom Heiligen Geist auf einmal lebendig gemacht.

Aber das gibt es in unserer Zeit auch. Da bist Du vielleicht ganz down, dass du gar keinen Lebensmut mehr hast. Und dann bekommst Du irgendeinen Anruf oder einen lieben Brief. Und auf einmal merkst du : Hier will Gott selber mich aufrichten.

 

Ich hab das selber einmal vor einigen Jahren als Pfarrer erlebt, als ich ganz unten war. Ich hatte absolut keine Lust mehr an meinem Dienst, weil in der Pfarrei vieles daneben gegangen war. Und dann schickte mir ein Mädchen, das eine Ballonfahrt gewonnen hatte, ein Luftfoto von meiner Pfarrkirche. Und hinten auf das Foto hatte sie geschrieben: „So schön schaut Ihre Pfarrei von oben aus.“

Als ich dieses Foto gesehen habe, habe ich eine ganz neue Perspektive bekommen. Ich habe gemerkt: man muss aus einer anderen Perspektive schauen. Von unten aus gesehen, sieht manchmal alles so trostlos aus. Aber von oben her betrachtet, bekommt alles ein ganz neues Leuchten.

 

Das ist so eine Weise, wie der Heilige Geist zu uns redet. Und es ist so hilfreich, dass er das tut. Es ist so hilfreich, wenn man über alltäglichen Dingen still werden kann, so lange, bis man hinter den alltäglichen Begebenheiten die Stimme Gottes hört.

 

Ein Zweites, was der Heilige Geist tut:

Er wird euch das Zukünftige verkünden. Damit ist nicht gemeint, dass der Heilige Geist uns alle zu Hellsehern macht, so dass wir die Zukunft voraus sagen können. Nein, hier ist etwas ganz anderes gemeint. Zukunft, das bedeutet hier: das was auf mich zukommt. Dass ich das, was auf uns zukommt, aus der Perspektive Gottes sehen darf, das ist Wirken des Heiligen Geistes.

Da kann es zum Beispiel sein, dass über eine Familie eine Not nach der anderen hereinbricht. Und irgendwann sitzt man dann ratlos da und fragt: Warum ausgerechnet immer wir? Wir bemühen uns doch nach den Geboten Gottes zu leben. Warum trifft es dann ausgerechnet immer uns?

Das ist es, was dann auf uns zukommt, was uns überfällt.

Und wenn man dann von Gott her eine Antwort bekommt, warum Gott diese Not in unserem Leben zulässt, das ist etwas ganz Hilfreiches. Gut, dann ist die Not noch nicht weg, aber es wird leichter, in dieser Not zu bestehen und nicht daran zu zerbrechen. Wie oft habe ich das im Leben meiner Familie erfahren dürfen, dass Not über uns hereinbrach, und dass Gott uns durch den Heiligen Geist erklärte hat, warum das alles auf uns zugekommen ist.

Aber das gilt nicht nur in dem kleinen Bereich wie etwa der Familie.

Überlegen Sie einmal: Wie viele Menschen haben heute Angst, vielleicht sogar berechtigte Angst davor, was alles in unserer Welt noch auf uns zukommt? Wie viele Menschen haben Angst vor einer ökologischen Katastrophe, vor Genmanipulation. Ob das alles unbedenklich ist, was die Wissenschaftler da ausprobieren? Wie viele Menschen sind heute geprägt von einer tiefen Lebensangst, was wohl alles noch auf uns zukommt.

Und wenn man dann aus der Perspektive Gottes sehen darf, dass Gott alles unter Kontrolle hat, das ist so ermutigend. Und es geht von Gott her gesehen auch gar nicht um die Frage: Was kommt auf uns zu? Es geht um die Frage: Wer kommt auf uns zu?

Und dann bekommst du in der Heiligen Schrift im letzten Buch des Neuen Testamentes, in der Offenbarung des Johannes gleich in den ersten Versen dieses Bild vor Augen gestellt: „Siehe Er kommt in den Wolken.“ Nicht was auf uns zukommt, ist entscheiden, sondern dass Er auf uns zukommt.

Wie hat Jesus das selber in der Endzeitrede des Lukasevangeliums gesagt: „Die Menschen dieser Welt werden vor Angst vergehen und in der Erwartung der Dinge, die über diese Erde kommen sollen. Ihr aber, wenn ihr das alles seht, dann erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe.“

Wir haben unseren Blick auf ihn gerichtet, und nicht auf das, was auf uns zu kommt. Und so wird uns mitten in den Bedrängnisse dieser Zeit Kraft gegeben.

 

Und schließlich das Dritte, vielleicht das Schönste:

Da sagt Jesus: „Der Heilige Geist wird mich verherrlichen.“ Jesus wird in unserem Herzen groß gemacht.

Ich habe manchmal den Eindruck, dass wir Christen oft ein zu kleines Gottesbild haben. Unser Jesus ist so klein geworden, dass wir diesem Jesus nicht mehr viel zutrauen.

Ich will es einmal ganz einfach sagen: Im Psalm 18 gibt es einen Vers: „Mit meinem Gott kann ich über die Mauern springen.“

Aber wenn die Mauer deiner Probleme 5 Meter hoch ist, und dein Gott, den du hast, ist nur 2,5 Meter groß, dann kann dieser 2,5 Meter große Gott dich nicht über die 5 Meter hohe Mauer heben. Dann musst du anfangen, in deinem Herzen ein größeres Bild von Gott zu malen.

Damit wir uns jetzt nicht missverstehen: Gott ist unendlich groß. Wir können Gott weder größer noch kleiner machen. Aber das Bild, das wir in unserem Herzen von Gott haben, ist oft zu klein. Wir müssen dieses Bild größer machen. Wissen Sie, was ‚groß machen’ auf lateinisch heißt? Dann werden sie sofort den Zusammenhang mit unserem Evangelium bemerken. Groß machen heißt auf lateinisch: magnifikare. Daher kommt das Wort Magnifikat. Da singt Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn. Meine Seele macht Gott ganz groß.

Wenn der Heilige Geist in unserem Herzen Jesus verherrlicht und groß macht, dann trauen wir diesem großen Jesus auch große Dinge zu. Und das brauchen wir in unserer Zeit, wo die Nöte und die Probleme auch immer größer werden.

Das Bild von Gott, das Bild von Jesus Christus, ist immer noch größer, als das Bild unserer Not. Das bewirkt der Heilige Geist.

 

Das Fest Dreifaltigkeit, das wir heute feiern, ist ein Fest, wo sich jeder Prediger schwer tut. Die Dreifaltigkeit kann man auch letztlich nicht erklären. Sie bleibt ein Geheimnis. Aber eins ist sicher: die meisten Christen wissen bei der Dreifaltigkeit am wenigsten vom Heiligen Geist. Und doch ist er die Schaltstelle zwischen dem Vater, dem Sohn und uns.

Der Vater redet durch den Heiligen Geist zu uns. Wenn er zu uns redet, macht er Jesus groß. Und er nimmt uns in dieses Geschehen Gottes mit hinein, in Lobpreis und Anbetung.

Vielleicht können wir jetzt ein wenig besser singen: „Komm, Schöpfer Geist, kehr bei uns ein.“  Amen.

 

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