Pfarrer Karl Sendker

Predigten - Hilfen zur Bibelarbeit

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Osternacht B
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siehe auch unter:   Osternacht A   und   Osternacht C

Predigt zum Evangelium:   Mk 16,1-7

Predigttext:    Mk 16,1-7

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Steine können einem ganz schön zu schaffen machen. Wenn sie plötzlich im Weg liegen und uns den Weg blockieren.

Da sind diese Frauen in aller Herrgottsfrühe am Ostermorgen aufgebrochen, um Jesus den letzten Liebesdienst zu erweisen. Sie wollten seinen Leichnam einbalsamieren, wie es bei den Juden Begräbnissitte war. Es war ein Zeichen, dass sie diesen Jesus lieb hatten; darum gehen sie jetzt noch einmal zum Grab. Am Sabbat war Ruhetag, da durften sie das nicht. Aber unmittelbar am ersten Tag danach in aller Frühe gehen sie zum Grab und wollen Jesus diesen Dienst tun.

Wenn da bloß nicht der Stein wäre, der vor das Grab gewälzt war wie ein blockierendes Hindernis. Nun muss man wissen: Damals sahen in Israel die Gräber anders aus als bei uns heute. Normalerweise war damals ein Grab in eine Höhle hinein gehauen, sodass man in das Grab hineingehen konnte. Und vor den Eingang zur Grabhöhle war ein großer Stein gewälzt, ein runder Stein, vergleichbar mit einem großen Mahlstein eine Mühle. Den wälzte man vor das Grab, damit kein Unbefugter in das Grab eindrang.

So ein Stein lag am Ostermorgen vor dem Grab Jesu. Und die Frauen sind die ganze Zeit, als sie auf dem Weg zum Grab sind, mit ihren Gedanken bei der Frage: Wer wird uns den Stein wegwälzen?

Steine können einem manchmal das Leben ganz schön schwer machen.

 

Solche Steine gibt es in unserem Leben auch. Da ist jemand auf dem Weg des Glaubens, auf einem Weg zu Jesus hin; und dann sind auf dem Glaubensweg eines solchen Menschen Steine, die hindern und blockieren.

Da ist vielleicht jemand, für den ist so ein Stein des Anstoßes die Entscheidung des Papstes, dass die Katholiken in Deutschland aus der staatlichen Schwangerschaftsberatung aussteigen müssen. Das ist für manche wie ein blockierender Stein, der mich hindert.

Da gibt es einen anderen Menschen, da ist es genau umgekehrt. Da bestand der ‚Stein des Anstoßes’ darin, dass heute in der Kirchen in Deutschland alle die Handkommunion praktizieren. „Wenn das mit der Handkommunion einmal ein Ende hat, dann geht es mit dem Glauben in Deutschland auch wieder bergauf!“ Das hat mir in der letzten Woche noch eine Frau geschrieben. Lassen wir das einfach einmal so stehen. Für diese Frau jedenfalls war das der Stein auf ihrem Glaubensweg.

Für mich persönlich ist ein solcher blockierender Stein in der Tatsache gegeben, dass heute unbesehen heute z.B. alle Kinder zur Erstkommunion gehen. Ob die Eltern etwas mit dem Glauben anfangen können, spielt im Zweifelsfall keine Rolle. Hinterher siehst Du kaum noch ein Kind in der Kirche; aber zur Erstkommunion müssen alle mitgehen. Das ist wie ein blockierender Stein für mein priesterliches Glaubensleben.

Für andere Menschen sind vielleicht die Dogmen der Kirche solche blockierenden Steine. Wie viele sagen heute: Das kann ja keiner mehr nachvollziehen.

So gibt es wohl für jeden Menschen irgendwo solche Steine, die uns blockieren, die uns hindern auf dem Weg der Nachfolge; die uns hindern, zu Jesus zu gehen.

 

Das war bei den Frauen am Ostermorgen auch so. Natürlich waren sie auf dem Weg zu Jesus. Aber der Stein war so blockierend, dass dieser Stein ihr ganzes Denken gefangen nahm: „Wer wird uns den Stein wegwälzen?“ Sie sind mit ihren Gedanken nicht bei Jesus, sondern bei dem Stein. Und das ist bei uns auch oft so. Irgendwie hindert uns dieser Stein, mit unserem Herzen, mit unseren Gedanken bei Jesus zu sein.

 

Aber dann können wir von diesen Frauen, die da zum Grab gehen, ein paar wichtige Dinge lernen:

Ein Erstes:

Die Frauen hätten sich ja auch sagen können: „Da liegt der Stein davor. Es lohnt sich überhaupt nicht, zum Grab hinzugehen. Wir können den Stein sowieso nicht wegwälzen. Also bleiben wir lieber zu Hause. Den Weg können wir uns sparen.“ Nein, sie sind zum Grab hingegangen, obwohl sie keine Ahnung hatten, wie das mit dem Stein werden würde.

Heute machen manche an diesem Punkt einen Fehler mit ihren ‚Steinen’, die uns heute blockieren. Da sagt man: „Ich steige lieber aus. Wenn der Papst das und das verkündet ...  Im Zweifelsfall trete ich dann lieber aus der Kirche aus.“ Die Frauen am Ostermorgen haben sich nicht hindern lassen und sind den Weg zu Jesus, zum Grab gegangen. Es lohnt sich, diesen Weg weiter zu gehen, auch wenn man immer mit dem Gedanken leben muss: Was ist mit dem Stein?

 

Ein Zweites:

Es ist scheinbar nur eine Kleinigkeit. Aber es scheint mir wichtig zu sein, das von diesen Frauen zu lernen: Als sie mit ihren Gedanken bei dem Stein sind, da sagen sie nicht: „Wie können wir den Stein wegwälzen?“ Sie wussten ganz genau: Das schaffen wir sowieso nicht. Wir sind nicht so stark wie ein paar handfeste Männer. Wir bekommen den Stein da nicht weggewälzt.

Und solange wir heute immer noch angesichts der ‚Steine’, die uns blockieren, im Herzen die Gedanken hegen: Wie kriegen wir die Steine aus unserem Glaubensleben weg? Da werden wir immer zu der resignierenden Erkenntnis kommen: Das schaffen wir sowieso nicht.

Die Frauen machen das geringfügig anders. Sie rufen nach einem Helfer. „Wer wird uns den Stein wegwälzen?“ Es ist auf er einen Seite wichtig, auf diesem Weg zu bleiben, und auf der anderen Seite sich dann nach einem Helfer auszustrecken: „Wer wird unseren Stein wegwälzen?“

 

Und jetzt kommt das Merkwürdige. Die Frauen kommen zum Grab, und der Stein liegt nicht mehr vor der Grabeshöhle. Er ist weggewälzt. Der Stein war nicht weg; der lag immer noch da. Und es wird ausdrücklich gesagt: Er war sehr groß. Aber der Stein blockierte nicht mehr

Und auch das ist in unserem Leben etwas ganz Wichtiges. Wenn wir uns nicht abbringen lassen und hingehen; wenn wir nach einem Helfer Ausschau halten, dann wirst Du feststellen: Die ‚Steine’ in deinem Leben sind nicht weg. Aber sie verlieren auf einmal ihren blockierenden Charakter. Sie hindern uns nicht mehr, zu Jesus zu kommen. Das ist eine ganz wichtige Erfahrung.

Und das ist die erste Ostererfahrung dieser Frauen. Den Auferstandenen haben sie noch nicht gesehen. Aber die erste Ostererfahrung war. Der Stein ist zwar noch da, aber er blockiert nicht mehr. Und das kann heute unsere erste Ostererfahrung sein.

Gut, die Frauen mussten noch vieles lernen. Sie mussten noch aus der heiligen Schrift verstehen lernen, dass das alles so kommen musste. Sie mussten Jesus, dem Auferstandenen noch persönlich begegnen. Aber angefangen hat ihre Ostererfahrung mit der Tatsache: Er Stein ist weggewälzt, er blockiert nicht mehr.

Und lass doch eine solche, vielleicht ganz anfängliche Ostererfahrung an Dich herankommen, wenn Steine Dein Glaubensleben blockieren.

 

In dieser Osternacht haben wir in der zweiten Lesung gelesen, wie Gott das Volk Israel aus Ägypten herausgeführt hat durch das Rote Meer hindurch, trockenen Fußes. Dann hat Gott sie 40 Jahre durch die Wüste geführt. Und dann, nach 40 Jahren steht das Volk Israel unmittelbar vor dem Land, das Gott ihnen versprochen hatte. Aber da gab es auch ein Hindernis, nicht einen Stein, sondern der Jordan. Und dieser Jordan, der oft nur ein kleines Rinnsal ist, war gerade über die Ufer getreten. Er war ein unüberwindliches Hindernis, so ähnlich wie bei den Frauen der Stein am Grab Jesu. Und dann hat Gott das Volk Israel genau wie am Roten Meer trockenen Fußes durch den Jordan geführt. Und jetzt kommt wieder etwas mit den Steinen: Als Israel trockenen Fußes durch den Jordan zieht, da sagt Josua, der Führer des Gottesvolkes den Israeliten: Nehmt euch alle einen Stein mit aus dem Flussbett des Jordan. Jeder soll sich einen Gedenkstein mitnehmen. Und wenn euch später einmal die Kinder fragen: Was habt ihr denn da auf dem Schrank für einen Stein liegen? Dann sollt ihr den Kindern antworten: Das ist ein Gedenkstein, dass Gott damals den Jordan geteilt hat, und dass wir trockenen Fußes durch den Jordan ziehen konnten.

Vielleicht ist es auch für unseren Glauben heute hilfreich, solche Gedenksteine zu haben, an denen sich unser Glauben festmachen kann. Ich betone noch einmal: Solche Gedenksteine sind nicht der volle Osterglaube. Der kommt noch; der kommt durch die Begegnung. Aber solche Gedenksteine können Hilfen sein.

So ein ‚Gedenkstein’ kann zum Beispiel ein Mensch sein, der mir in einer hoffnungslosen Situation einmal Mut gemacht hat.

So ein ‚Gedenkstein’ kann für einen Menschen vielleicht ein Wallfahrtsort sein, wo er einmal eine gute Glaubenserfahrung gemacht hat.

So ein ‚Gedenkstein’ kann ein Wort der Heiligen Schrift sein, was mich einmal sehr getroffen hat.

Das kann ganz verschieden sein, meinetwegen auch die Matthäuspassion von J.S. Bach, wenn jemand musikalisch veranlagt ist. Aber ganz gleich wie, nimm Dir solche ‚Gedenksteine’ mit auf Deinen Glaubensweg.

Einen solchen ‚Gedenkstein’ hat Jesus selbst uns an die Hand gegeben. Dieser ‚Gedenkstein’ besteht in einem kleinen Stückchen Brot. Da hat Jesus im Abendmahlssaal gesagt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis.“ Er könnte auch gesagt haben: Nehmt das als ‚Gedenkstein’.

Und wenn wir in dieser Osternacht die heilige Messe feiern, und uns gleich der Leib Christi gereicht wird, dann nimm das doch vielleicht als einen ‚Gedenkstein’: Er ist da! Der Auferstandene selbst lebt und er ist in diesem ‚Gedenkstein’, in dieser Hostie ganz wirklich da.

Dieser ‚Gedenkstein’, der Jesus selber ist, ist ein Zeichen, dass er, der Auferstandene mit Dir geht. Amen.

 

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