Pfarrer Karl Sendker

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Taufe Jesu B
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siehe auch:  Taufe Jesu A

Predigt zum Evangelium:   Mk 1,7-11

Predigttext:      Mk 1,7-11

 

Liebe Schwestern und Brüder!

 

Das war schon ein gewaltiger Prediger da am Jordan, dieser Johannes, der den Beinamen ‚der Täufer’ bekommen hat. Er hat den Menschen so richtig ins Gewissen geredet und ihnen eingeheizt. Zu Hunderten, vielleicht zu Tausenden sind die Menschen damals aus Jerusalem, aus Galiläa und von überall her zu Johannes an den Jordan gekommen, weil seit den Zeiten der großen Propheten noch nie einer so gepredigt hatte wie er. Heute sagen ja die Leute auch manchmal: Der Pfarrer müsste auch mal so richtig ‚auf den Busch klopfen’, dann kämen die Leute auch wieder. So ähnlich war das damals auch.

 

Aber dann sagt Johannes der Täufer, dieser gewaltige Bußprediger, ein ganz großes Wort: „Ich taufe euch nur mit Wasser. Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich. Er wird euch mit dem Heiligen Geist taufen“.

 

Johannes der Täufer wusste im tiefsten Herzen: Es kommt nicht darauf an, eine zündende Predigt zu halten, es kommt auch nicht darauf an, den Leuten ins Gewissen zu reden. Und wenn sie dann noch so sehr in Scharen kommen, Bußte tun und sich taufen lassen. Das ist es nicht.

Das Eigentliche geschieht durch den, der mit dem Heiligen Geist tauft. „Ich koche auch nur mit Wasser“, diese Redensart gibt es im Deutschen. Was ich tue ist immer nur „Wasser“. Aber das Eigentliche muss er tun, der mit dem Heiligen Geist tauft.

 

Wenn ich heute zu Ihnen predige: Ich kann ja mit meinen Worten nur Ihr Ohr erreichen. Aber ob eine Predigt wirklich bis ins Herz hinein geht, ob Menschen dadurch wirklich verwandelt werden, ob sie ermutigt werden, oder ob es ihnen keine Ruhe mehr lässt, bis sie umgekehrt sind, das kann ich als Prediger mit meinen Worten nicht mehr bewirken. Da muss der handeln, der mit dem Heiligen Geist tauft. Nur der Heilige Geist kann bewirken, dass diese Botschaft bis ins tiefste Herz hinein einen Menschen verwandelt.

 

Was ist das eigentlich, diese Erfüllung mit dem Heiligen Geist, diese Taufe mit dem Heiligen Geist? Darunter kann sich ja kaum jemand etwas vorstellen.

Da kommt eines Tages zu Johannes an den Jordan ein Mann, ungefähr 30 Jahre alt, nie aufgefallen, Sohn eines Zimmermanns aus Nazareth, keine besonderen Kennzeichen, mit Namen Jesus. Der hat noch nie ein Wunder gewirkt, der hat noch nie eine Predigt gehalten. Ein ganz normaler, unauffälliger Jude kommt da zu Johannes an den Jordan. Und er reiht sich ein in die lange Schlange der Sünder, die auf die Taufe warten. Und in dem Augenblick, wo er in den Jordan steigt, kommt eine Stimme aus dem Himmel: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen!“ Und der Heilige Geist kommt auf ihn herab wie eine Taube.

 

Das ist es, was der Heilige Geist im Leben eines Menschen als Erstes bewirkt: Er schenkt den Menschen eine ganz tiefe Gewissheit ins Herz: Du bist mein geliebter Sohn, du bist meine geliebte Tochter, an dir habe ich Gefallen.

Jesus war der Sohn Gottes von Ewigkeit her, das steht unumstößlich fest. Aber in dem Augenblick, als dieser Jesus am Jordan seine öffentliche Wirksamkeit beginnt, da ruft ihm der Vater gleichsam als Bestätigung vor allen Menschen zu: „Du bist mein geliebter Sohn!“

Das ist es, was der Heilige Geist in unseren Herzen bewirken will: die Gewissheit, dass ich ein geliebter Sohn, eine geliebte Tochter Gottes bin. Wir sagen das so schnell in der Heiligen Messe vor dem Vater unser: „Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es ...“. Aber haben Sie einmal darüber nachgedacht, was das bedeutet, dass Du ein Sohn, eine Tochter Gottes bist? So wie Du heute hier bist, als getaufter Christ, hat Gott an Dir Wohlgefallen.

 

Wenn wir wissen wollen, wie Gott sich das gedacht hat, dass wir Söhne und Töchter Gottes sind, dann schau Dir diesen Jesus an, wenn in den nächsten Wochen und Monaten sonntags die Evangelien gelesen werden. Jesus ist der Modellfall. Er ist der Sohn Gottes schlechthin. An ihm können wir ablesen, wie Gott sich unser Christsein gedacht hat, unser Sohnsein und Tochtersein.

Gott möchte, dass wir ein genauso persönliches Verhältnis zu ihm im Himmel haben, wie Jesus es hatte. Wir haben nicht einen ‚Herrgott’, sondern zu einen ‚Vater’, der mich liebt, der engagiert ist, der um mich weiß, dem ich nicht egal bin.

Gott möchte, dass wir so lieben können wie Jesus. Dass wir nicht lieben ‚müssen’, sondern dass wir es ‚können’, und dass wir es auch wollen.

Gott möchte, dass wir mit einer solchen Vollmacht reden können und Zeugnis geben können vor den Menschen, wie Jesus es getan hat.

Gott möchte, dass wir in genauso göttlicher Vollmacht Wunder wirken können. Das ist im Leben der Heiligen das Normale gewesen. Aber Heilige sind wir alle in dem Augenblick, wo wir Söhne und Töchter Gottes sind.

Und Gott möchte auch, - ich sag das mal so ein bisschen salopp -, dass wir mit einer solchen ‚Souveränität’ leiden können wie Jesus, ohne dass wir am Leiden zerbrechen. Dass wir gleicher Weise rufen können, wenn uns das Kreuz trifft: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Und auch: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.“

Das bedeutet es, Sohn und Tochter Gottes sein. Aber das kann man nicht durch eine Predigt erreichen, auch nicht durch einen Bibelkurs oder dadurch, dass man ein Buch liest. Das muss Dir der Heilige Geist selber ins Herz schreiben.

 

Noch etwas ist damit verbunden, wenn wir Söhne und Töchter Gottes sind. Der Apostel Paulus schreibt einmal: „Sind wir Söhne (oder Töchter), dann sind wir auch Erben, Erben Gottes und Miterben Christi.“ Und der gleiche Paulus schreibt im ersten Korintherbrief: „Was kein Auge gesehen hat, was kein Ohr gehört hat, was keines Menschen Herz sich ausdenken konnte, das hat Gott denen bereitet, die ihn lieben.“ Etwas unglaublich Großes.

Aber die Frage ist: Wissen wir überhaupt, was Gott uns bereitet hat? Wissen wir überhaupt, was unser Erbteil ist, wenn wir Söhne und Töchter Gottes sind? Wenn wir es nicht wissen, können wir es auch nicht in Anspruch nehmen.

An dieser Stelle denke ich manchmal an die Geschichte vom Verlorenen Sohn, von dem älteren Sohn, der da anfängt zu hadern, als der Vater für den Jüngeren ein Fest bereiten lässt. Da sagt der Vater zu dem Älteren: „Mein Sohn, du bist doch allezeit bei mir. Alles was mein ist, ist dein.“ Warum hast du es dir denn nicht genommen? Es gehörte dir doch, es war dein Erbteil.

Manchmal hab ich gedacht: Wir sind wie dieser ältere Sohn. Wir jammern und schimpfen und stöhnen, wie schwer es ist, Christ zu sein, und wir haben gar nicht genommen, was Gott uns zugedacht hat.

Wenn der amerikanische Präsident zu mir sagen würde: „Alles, was mein ist, ist dein“, dann wäre ich ein reicher Mann, das können Sie mir glauben. Aber hier sagt der Schöpfer des Himmels und der Erde: „Alles, was mein ist, ist dein.“

 

Es lohnt sich, beim Bibellesen darauf zu achten, wie viele Verheißungen Gott in der Bibel gegeben hat. Heute kann man das mit einem Computer feststellen: Es sind über 40.000 Verheißungen, die in der Bibel stehen, Versprechen, die Gott gegeben hat, was er alles für uns ‚auf Lager hat’.

Wie viele von diesen Verheißungen kennen Sie? Ich glaube, manche gehen heute geistlich zugrunde, weil sie eine totale Unkenntnis haben über Gott, über unser Sohn- und Tochtersein, eine Unkenntnis über das, was Gott uns bereitet hat.

 

Wenn Sie arm sind, und haben ein kleines Girokonto auf der Kasse, wo immer so ein paar Euro drauf sind, gerade genug zum Leben, und dann vererbt Ihnen eine reiche Tante eine Million, dann können Sie trotzdem verhungern, wenn Sie nie die Kontoauszüge nachschauen. Sie wissen gar nicht, dass plötzlich so viel Geld auf Ihrem Konto ist. Und so kommen mir manchmal Christen vor. Sie schauen nie in ihre geistlichen Kontoauszüge, was Gott alles für sie auf Lager hat.

 

Aber ich betone nochmals: Ich kann Ihnen das heute in dieser Predigt sagen. Aber wichtig ist, das der Heilige Geist Ihnen das ins Herz schreibt, dass der Heilige Geist Ihnen diese Freude schenkt, auch am Bibellesen, wo die Verheißungen Gottes stehen, und dass der Heilige Geist in Ihnen den Glauben weckt, dass Sie diese Verheißungen dann auch annehmen, in Anspruch nehmen können.

 

Heute darf hier in der Kirche jeder Einzelne ganz persönlich wissen: Du bist ein geliebter Sohn, eine geliebte Tochter Gottes. Der Gott, den Du ehrst, ist nicht irgend ein ‚Herrgott’ oder ein höheres Wesen, sondern er ist dein Vater. Lass es Dir heute am Fest der Taufe Jesu vom Heiligen Geist ins Herz schreiben: Du bist eine geliebte Tochter, ein geliebter Sohn.   Amen.

 

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